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Gellerts Briefpraxis und Brieflehre unter genauerer Betrachtung der Frau als Korrespondenzpartnerin

Title: Gellerts Briefpraxis und Brieflehre unter genauerer Betrachtung der Frau als Korrespondenzpartnerin

Term Paper , 2006 , 22 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Sonja Borzutzky (Author)

German Studies - Older German Literature, Medieval Studies
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Summary Excerpt Details

Christian Fürchtegott Gellerts Brieflehre wird von einigen als Wendepunkt in der klassischen Brieflehre gesehen, von anderen sogar als Höhepunkt und Ende derselben. In der Tat beinhaltet seine Abhandlung eine klare Traditionskritik gegenüber den klassischen Briefstellern.

Soll aber Gellerts Brieflehre analysiert werden, so bedingt das zwangsläufig auch, seine Praxis analysieren zu müssen. Seine Theorie wurde nicht nur allein auf induktivem Wege veröffentlicht, sondern bezieht sich insbesondere auch auf deduktive Schlüsse. Ein Indiz dafür sind die Beispielbriefe, die er seiner Abhandlung beigefügt hat. Seine Korrespondenz ist so umfangreich, dass die Forschung immer noch wenig darauf eingegangen ist. Die aktuelle Sekundärliteratur zu Gellerts Brieflehre bezieht sich überwiegend auf seine theoretischen Schriften und auf wenige seiner Briefe.

Das Interesse an seinen Briefen ist trotzdem immer sehr groß gewesen. Schon im Jahr 1912 sollte eine historisch-kritische Gesamtausgabe der Werke Gellerts erscheinen. Durch den ersten Weltkrieg musste dieses Vorhaben aber verschoben werden. Für diese Arbeit wurden die Briefe der Bände 1-4 „Briefwechsel“, hrsg. von John F. Reynolds, untersucht, die 1987 erschien. Aufgrund des Umfangs der Korrespondenz wird in dieser Arbeit nur die Korrespondenz Gellerts mit Fräulein von Schönfeld und Christiane Caroline Lucius inhaltlich genauer betrachtet werden.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Der Zustand der Briefkultur vor Gellert

3. Gellerts Brieflehre

3.1. Traditionskritik und allgemeines zu Gellerts Brieflehre

3.2 Der Gesprächscharakter des Briefes – Mimesis von Mündlichkeit

3.3 Die Forderung nach Natürlichkeit

3.4 Der Zweck Gellerts Brieflehre und ihre Erlernbarkeit

3.5 Die Frau als Korrespondenzpartnerin

4. Gellerts Briefwechsel mit Christiane Caroline Lucius und Fräulein von Schönfeld

4.1 stilistische Merkmale der Korrespondenz

4.2 Inhaltliche Merkmale

4.2.1 Lucius Suche nach einer literarischen Identität

4.2.2 Fräulein von Schönfelds Korrespondenz als fester Bildungsbestandteil

5. Schlussbetrachtung

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht Christian Fürchtegott Gellerts Brieflehre und deren Umsetzung in seiner praktischen Korrespondenz, insbesondere mit Blick auf die Rolle der Frau als Korrespondenzpartnerin im 18. Jahrhundert.

  • Traditionskritik an den klassischen Briefstellern des 17. Jahrhunderts.
  • Theorie des Briefes als "Gespräch ohne Sprecherwechsel".
  • Anforderungen an einen natürlichen, lebhaften und leichten Schreibstil.
  • Vergleichende Analyse der Briefwechsel mit Christiane Caroline Lucius und Fräulein von Schönfeld.
  • Die Bedeutung des Briefschreibens für die Identitätsbildung und Emanzipation von Frauen.

Auszug aus dem Buch

3.2 Der Gesprächscharakter des Briefes – Mimesis von Mündlichkeit

Gellert sieht in einem Brief vor allem den Gesprächscharakter, den er in den „Gedanken von einem guten deutschen Briefe, an den Herrn F.H. v. W.“, sowie in seiner Abhandlung von 1751 immer wieder hervorhebt.

Er erklärt diesen Grundsatz folgendermaßen.

Soviel ist gewiss, dass wir in einem Briefe mit einem anderen reden, und dass dasjenige, was ich einem auf ein Blatt schreibe, nichts anderes ist, als was ich ihm mündlich sagen würde, wenn ich könnte oder wollte.9

Dennoch sieht auch Gellert in einem Gespräch und in einem Brief Unterschiede, da er den Briefen einen bestimmten Kunstcharakter zuschreibt.

Vielleicht nicht durch die Sache selber, sondern durch gewisse äußerliche Eigenschaften, die wir der Kunst, dem Geschmacke und dem Gebrauche zu danken haben.[…] Dass wir in Briefen sorgfältiger, zierlicher, einnehmender Reden können, und sollen, machet, weil wir mehr Zeit zum Nachsinnen und zur Wahl unserer Gedanken und Worte haben. Also möchte wohl die ganze Ungleichheit in dem Vortrage und Ausdrucke bestehen.10

Es kommt für ihn nicht darauf an eine Chrie zu verfertigen, sondern vielmehr sich darüber bewusst zu sein, dass ein Brief in seiner Form soviel Freiheit beinhaltet, dass sich der Verfasser lediglich an der Logik der personalen Interaktion zu orientieren hat. Mehr Freiheit bedeutet in diesem Fall, dass der Verfasser sich nicht mehr an vorgeschriebene Verknüpfungsmuster zu halten hat, wie es die traditionellen Briefsteller forderten, so z.B. Benjamin Neukirch.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in Gellerts Bedeutung als Brieflehrer und Vorstellung des Forschungsanliegens, das Briefe mit Christiane Caroline Lucius und Fräulein von Schönfeld zu analysieren.

2. Der Zustand der Briefkultur vor Gellert: Darstellung der traditionellen Kanzleisprache und der zeitgenössischen Kritik, die den Weg für Gellerts neue Brieflehre ebnete.

3. Gellerts Brieflehre: Detaillierte Ausarbeitung von Gellerts theoretischen Grundsätzen zur Traditionskritik, Mündlichkeit, Natürlichkeit, Erlernbarkeit und der Rolle der Frau.

4. Gellerts Briefwechsel mit Christiane Caroline Lucius und Fräulein von Schönfeld: Empirische Untersuchung der Briefpraxis anhand von zwei Fallbeispielen unter Berücksichtigung stilistischer und inhaltlicher Kriterien.

5. Schlussbetrachtung: Synthese der Ergebnisse zur Bedeutung des Mediums Brief im 18. Jahrhundert für die Identitätsbildung und die gesellschaftliche Teilhabe.

Schlüsselwörter

Gellert, Brieflehre, 18. Jahrhundert, Briefkultur, Briefpraxis, Natürlichkeit, Briefwechsel, Lucius, Schönfeld, Korrespondenzpartnerin, Frau, Identitätsbildung, Aufklärung, Briefsteller, Gesprächscharakter

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert Christian Fürchtegott Gellerts Theorie des Briefeschreibens und überprüft, wie er diese Prinzipien in seiner eigenen Korrespondenz mit zwei ausgewählten Frauen praktisch anwandte.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Traditionskritik an alten Briefstellern, die Etablierung eines "natürlichen" Stils, der dialogische Charakter von Briefen sowie die soziokulturelle Bedeutung des Briefschreibens für Frauen.

Was ist das primäre Ziel der Arbeit?

Ziel ist es zu zeigen, dass Gellert die Brieflehre maßgeblich veränderte und dass seine Korrespondenz Frauen ermöglichte, sich durch das Schreiben eine literarische Identität zu schaffen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es erfolgt eine vergleichende Analyse: Theoretische Schriften Gellerts werden mit seiner tatsächlichen Briefpraxis konfrontiert, wobei insbesondere der Briefwechsel mit Christiane Caroline Lucius und Fräulein von Schönfeld untersucht wird.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einführung in Gellerts Brieflehre und eine darauf aufbauende Untersuchung von stilistischen sowie inhaltlichen Merkmalen der Korrespondenz mit den genannten zwei Frauen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Gellerts Brieflehre, Natürlichkeit, Aufklärung, Korrespondenz und die Emanzipation der Frau im 18. Jahrhundert durch schriftliche Selbstdarstellung.

Inwiefern unterschied sich die Korrespondenz mit Lucius von der mit Fräulein von Schönfeld?

Während der Briefwechsel mit Lucius existenziell wichtig für sie war und eine intensivere, fast schon emanzipatorische Suche nach Identität widerspiegelt, diente der Briefwechsel mit Fräulein von Schönfeld eher als gezielte pädagogische Bildungsmaßnahme in einem adligen Umfeld.

Warum spielt die "Natürlichkeit" in Gellerts Theorie eine so zentrale Rolle?

Gellert forderte Natürlichkeit, um das verkrustete Regelwerk der damaligen Kanzleisprache zu überwinden und den Brief als lebendiges Gespräch zwischen Menschen zu etablieren, ohne dabei den Kunstcharakter ganz aufzugeben.

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Details

Title
Gellerts Briefpraxis und Brieflehre unter genauerer Betrachtung der Frau als Korrespondenzpartnerin
College
University of Rostock  (Institut für Germanistik)
Course
Stellenkommentar und kulturwissenschaftlicher Kontext am Beispiel von Briefen des 18. und 19 Jahrhunderts
Grade
2,0
Author
Sonja Borzutzky (Author)
Publication Year
2006
Pages
22
Catalog Number
V135378
ISBN (eBook)
9783668793712
ISBN (Book)
9783668793729
Language
German
Tags
Gellert Brieflehre
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sonja Borzutzky (Author), 2006, Gellerts Briefpraxis und Brieflehre unter genauerer Betrachtung der Frau als Korrespondenzpartnerin, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135378
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