Konzepte, Bauweisen und Strategien der Biologie unterscheiden sich in verblüffender Weise von denen der Technik. Die Bionik verbindet die Naturwissenschaften mit den Ingenieurwissenschaften mit dem Ziel, Prinzipien der belebten Natur zu entschlüsseln und diese auf Artefakte zu übertragen. Produktentwicklungsmethoden betreffen Fragestellungen mit denen die Informationen erarbeitet werden, die für das Konzept, den Entwurf und die Nutzung eines Produkts notwendig sind. Produktentwicklung und Biosystemanalyse besitzen auf der abstrakten Ebene der Computersimulation und des Physical Modellings Schnittmengen, die geeignet sind, Verfahren zur Übertragung biologischer Phänomene in Sinn der Bionik zu unterstützen. Der Aufsatz führt in die Thematik ein und nennt einige tradierte Methoden des Physical Modellings.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Bionik: Ein Grenzgang zwischen Biologie und Technik
3. Herausforderungen bei der industriellen Übertragung biologischer Lösungen
4. Der methodische Ansatz: Produktentwicklung und Biosystemanalyse
5. Physical Modelling und Computer Aided Engineering (CAE)
5.1 Aufgabenstellung und Konzept
6. Entwurf und Konstruktion
7. Biosystemanalyse im Rahmen bionischer Herangehensweise
8. Physical Modelling / ausgewählte Methoden und Verfahren
8.1 FEM (Finite-Elemente-Methode)
8.2 CFD (numerische Strömungsmechanik)
8.3 Freie Software (FEM, CFD)
8.4 FSI (Fluid- Struktur- Wechselwirkung)
8.5 PFC (Particle Flow Code)
8.6 SAM (Simulation and Analysis of Mechanisms)
8.7 MKS (Mehrkörpersimulation)
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die computerunterstützte Übertragung biologischer Phänomene in technische Artefakte. Sie zielt darauf ab, die Schnittmengen zwischen der biologischen Systemanalyse und klassischen industriellen Produktentwicklungsmethoden aufzuzeigen, um den Transfer bionischer Lösungsprinzipien effizienter zu gestalten.
- Grundlagen der bionischen Arbeitsweise an der Schnittstelle von Natur- und Ingenieurwissenschaften.
- Analyse der Diskrepanz zwischen biologischer Evolution und technischer Produktentwicklung.
- Einsatz von Physical Modelling und CAE-Tools (FEM, CFD, MKS) als Brückentechnologien.
- Methodische Integration bionischer Strategien in industrielle Entwicklungsprozesse.
- Praktische Anwendungsbeispiele für Simulationsverfahren zur Optimierung technischer Systeme.
Auszug aus dem Buch
Physical Modelling / ausgewählte Methoden und Verfahren
FEM (Finite-Elemente-Methode)
Mit der Finite-Elemente-Methode (FEM) werden Probleme aus verschiedenen physikalischen Disziplinen gelöst. Die FEM ist ein numerisches Verfahren zur näherungsweisen Lösung partieller Differentialgleichungen.
Idee der Methode ist es, das Berechnungsgebiet in eine beliebig große Anzahl Elemente zu unterteilen (zu diskretisieren) die sich mit einer endlichen Zahl von Parametern beschreiben lassen. Bei Fachwerken bilden Knoten und Stäbe, bei Rahmenkonstruktionen Balken und Balkensegmente die Elemente der Berechnung.
Zweidimensionale Probleme werden in Dreiecke, Paralellogramme, krummlinige Dreiecke oder Vierecke diskretisiert. Mit geradlinigen Elementen werden bei einer entsprechend feiner Diskretisierung gute Annäherungen des Grundgebietes erreicht, krummlinige Elemente erhöhen die Güte der Annäherung. Räumliche Probleme werden mit einer Diskretisierung in Quader oder Tetraederelemente oder krummflächig berandeten Elementen bearbeitet.
Ist das Elementenetz erstellt, werden innerhalb dieser Elemente Ansatzfunktionen definiert, die in die zu lösende Differentialgleichung eingesetzt werden. Zusammen mit den Anfangs-, Rand- und Übergangsbedingungen entsteht ein Gleichungssystem, das sich numerisch lösen lässt. Die Lösung dieses Gleichungssystems stellt letztlich die numerische Lösung der Differentialgleichung dar. Seine Größe hängt maßgeblich von der Anzahl der finiten Elemente ab. FEM-Programmsysteme werden eingesetzt zur Statischen Analyse (linear, nichtlinear), zur implizieten oder expliziten dynamischen Analyse (linear, nichtlinear), zur Modalanalyse, harmonischen und transienten Analyse und zur Beulanalyse (linear dynamisch). In Verbindung mit parametrisierten CAD-Modellen sind Bauteile aus einer FEM- Berechnungskampagne einer Optimierung zugänglich.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Kurze Einführung in die Zielsetzung, Naturvorbilder für die Technik zu nutzen und den Bedarf an computergestützten Methoden zu begründen.
2. Die Bionik: Ein Grenzgang zwischen Biologie und Technik: Erläutert den interdisziplinären Charakter der Bionik und die Notwendigkeit, biologische Prinzipien systematisch für die Technik zu erschließen.
3. Herausforderungen bei der industriellen Übertragung biologischer Lösungen: Analysiert, warum trotz zahlreicher Vorarbeiten die industrielle Umsetzung biologischer Lösungsansätze oft hinter den Erwartungen zurückbleibt.
4. Der methodische Ansatz: Produktentwicklung und Biosystemanalyse: Beschreibt die Gemeinsamkeiten von Biosystemanalyse und Produktentwicklung im Kontext der Modellbildung.
5. Physical Modelling und Computer Aided Engineering (CAE): Führt in die computergestützte Simulation als Kernwerkzeug der modernen Produktentwicklung ein.
6. Entwurf und Konstruktion: Diskutiert die Kopplung von CAD- und Simulationsprogrammen sowie die Trends zur „automatisierten“ Gestaltentwicklung.
7. Biosystemanalyse im Rahmen bionischer Herangehensweise: Erörtert, wie biologische Gestaltungsprinzipien durch Analyse von Funktion und Form (Morphologie) verstanden werden können.
8. Physical Modelling / ausgewählte Methoden und Verfahren: Detaillierte Vorstellung verschiedener numerischer Simulationsverfahren wie FEM, CFD, FSI und MKS inklusive ihrer Funktionsweise.
Schlüsselwörter
Bionik, Physical Modelling, Produktentwicklung, Biosystemanalyse, CAE, FEM, CFD, MKS, FSI, Gestaltungsabsicht, Morphologie, numerische Simulation, Innovationsmanagement, technische Biologie, Optimierungsstrategien.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der methodischen Unterstützung des Bionic Engineering durch den Einsatz computergestützter Simulationsverfahren, um biologische Phänomene effizient in technische Produkte zu überführen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen klassischer industrieller Produktentwicklung, der biologischen Systemanalyse und modernen numerischen Simulationsmethoden wie FEM und CFD.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, Wege aufzuzeigen, wie durch Physical Modelling die Diskrepanz zwischen der biologischen Vorbildfunktion und der industriellen Anwendbarkeit in der frühen Produktentwicklungsphase verringert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine systematische Analyse technischer Entwicklungsprozesse (unter anderem VDI-Richtlinien) und vergleicht diese mit den Anforderungen bionischer Analysen, ergänzt durch einen Überblick über aktuelle numerische Rechenverfahren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Einordnung der Bionik, eine detaillierte Erläuterung der Produktentwicklungsmethodik und eine technische Übersicht zu CAE-Verfahren wie Finite-Elemente-Methode und numerischer Strömungsmechanik.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch die Begriffe Bionik, Physical Modelling, CAE, Biosystemanalyse und numerische Simulation geprägt.
Wie unterscheidet sich die biologische Optimierung von der technischen?
Während die Technik oft singuläre Eigenschaften (z.B. Festigkeit) maximiert, optimiert die Natur das komplexe Zusammenspiel von Form und Funktion innerhalb eines gesamten Habitats.
Welche Rolle spielt die „Frühe Phase“ der Produktentwicklung?
Die frühe Phase ist entscheidend, da hier über 80% der Kosten durch spätere Fehlentwicklungen entstehen; physikalisch belegte Modelle sollen hier bereits Entscheidungssicherheit bieten.
Warum ist eine „automatische Gestaltentwicklung“ für die Bionik relevant?
Da biologische Gestaltfindungsprozesse hochgradig komplex sind, könnten iterative Optimierungsalgorithmen in der Software dabei helfen, funktionsbasierte Formen abzuleiten, die dem evolutionären Vorbild näherkommen.
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- Dipl.-Ing. Michael Dienst (Author), 2009, Physical Modelling driven Bionics, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135393