Dogmengeschichte: Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung

Unternehmergewinn und Kapitalzins


Hausarbeit, 2009

16 Seiten, Note: 1,3


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1 Problemstellung

2 Unternehmergewinn und Mehrwert
2.1 Der Unternehmergewinn am Beispiel der Verbesserung des Produktionsprozesses
2.2 Weitere Quellen des Unternehmergewinns
2.3 Schaffung von Mehrwert durch den Einsatz neuer Kombinationen

3 Kapitalzins
3.1 Konsumtiv- vs. Produktivzins
3.2 Schumpeters Leitsätze der Zinstheorie zur Lösung des Zinsdilemmas

4 Thesenförmige Zusammenfassung

Literaturverzeichnis

1 Problemstellung

Gegenstand dieser Arbeit ist die in Schumpeters `Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung´ herausgearbeitete Analyse des Unternehmergewinns oder Mehrwerts sowie dessen Konse-quenz, dem Kapitalzins. Die Grundlage des Unternehmergewinns sieht Schumpeter, ausge-hend von einem stationären Gleichgewicht, im Prozess eines dynamischen Kreislaufs. So wird die stationäre Wirtschaft - gekennzeichnet durch sogenannte stationäre Wirte - durch dynamische Pionierunternehmer und deren Imitatoren aus ihrem bisherigen Gleichgewicht gerissen, wodurch ein konjunktureller Aufschwung folgt.[1] Ist die Innovation jedoch erfolg-reich, erfolgt ein Prozess der schöpferischen Zerstörung, wobei alte Produktionsanlagen oder Produkte entwertet und letztendlich aus der Volkswirtschaft verdrängt werden; es kommt zu einer Verlangsamung des Aufschwungs.[2] Nach Schumpeter sind der Pionier-bzw. Unternehmergewinn sowie der Zins lediglich ein Resultat der dynamischen Wirt-schaft.[3] Der Zins ist ein solches, da er nach Schumpeter seinen Ursprung im Unternehmer-gewinn findet.[4] So ist der Zins entsprechend der extremen Version Schumpeters Zinstheorie in der stationären Kreislaufwirtschaft gleich Null.[5] Diese Ansicht wird von vielen Ökono-men kritisiert. So entsteht nach Böhm-Bawerk ein Kapitalzins, aus welchem man sich ein dauerndes Einkommen schaffen kann, auch, wenn der Unternehmer hierfür „keine Hand zu seiner Entstehung gerührt hat“ und damit existiert er selbst in stationären Volkswirtschaf-ten.[6]

2 Unternehmergewinn und Mehrwert

2.1 Der Unternehmergewinn am Beispiel der Verbesserung des Produktionsprozesses

„Was haben unsere Wirtschaftssubjekte dazu beigesteuert? Nur den Willen und die Tat: [...] Sie sind Unternehmer. Und ihr Gewinn, das Plus, dem keine Verpflichtung gegenüber-steht, ist ein Unternehmergewinn.“[7]

Nach Schumpeter stellt ein Unternehmergewinn einen Kostenüberschuss dar, welcher sich aufgrund der Differenz aus Erlösen und Ausgängen eines Unternehmens ergibt.[8] Unter dem Begriff Ausgang benennt der Ökonom sämtliche Auslagen, die sich durch den Produktions-prozess eines Betriebes direkt oder indirekt für diesen ergeben.[9] Ein Unternehmergewinn ist jedoch lediglich eine Erscheinung der dynamischen Wirtschaft.[10] Grund für das Auftreten eines solchen liegt darin, dass in einem statischen Kreislauf der Gesamterlös eines Unter-nehmens gerade die Kosten deckt und es damit Produzenten gibt, die weder einen Gewinn erwirtschaften noch einen Verlust erleiden.[11] Das Einkommen eben jener Produzenten im Kreislauf wird von Schumpeter als „wages of management“ bezeichnet.[12] Fraglich ist nun, wann sich ein Unternehmergewinn einstellt. Grundlage hierfür sind stets neue Kombinatio-nen von vorhandenen und produktiven Elementen.[13] Eine solche Innovation stellt z.B. die Überlegung von Lauderale und der Verbesserung des Produktionsprozesses dar.[14] Prozess-innovationen werden dabei unter finanziellen Gesichtspunkten durch die Kreditaufnahme ermöglicht.[15] Neue Produktionsmethoden schaffen somit nicht nur physisch die Produktion einer größeren Menge, sondern auch einen Wertüberschuss.[16] Dieser Überschuss ergibt sich als Differenz aus den Preisen, welche sich bei der alten Kombination als Gleichgewichts-preis gebildet haben und den geringeren Kosten pro Produktionseinheit durch den Einsatz neuer Produktionstechnologien.[17] Aufgrund des lockenden Gewinns sind weitere Unter-nehmer bereit, die neue Produktionsmethode in ihrem Betrieb einzusetzen.[18] Es kommt da-mit zu einer Reorganisation der gesamten Branche, wodurch die alten Kombinationen zur Gänze verdrängt werden.[19] Damit bedingen Innovationen stets eine Veränderung der Markt-strukturen.[20] Folge der Prozessinnovation ist ein dynamischer Prozess, der sich am Ende in einem neuen statischen Gleichgewicht wiederfindet.[21] Dieser ist dadurch gekennzeichnet, dass das Kostengesetz wieder Gültigkeit besitzt, die Produktpreise damit wieder den Löh-nen und Renten der Arbeits- und Bodenleistungen entsprechen und folglich kein Überschuss verbleibt.[22] Folglich entsteht der Unternehmergewinn in einem dynamischen Kreislauf durch den Übergang von einer alten zu einer neuen statischen Wirtschaft und damit von ei-ner alten zu einer neuen Produktionsmethode.[23] Nach Schumpeter ist somit wirtschaftliches Wachstum stets mit schöpferischer Zerstörung verbunden.[24] Ein Unternehmergewinn ent-steht nach Schumpeter jedoch nicht nur durch Prozessinnovationen, sondern auch durch Produktinnovationen, dem Zugang zu neuen Märkten, die Entdeckung und Verwendung neuer Rohstoffe sowie Vorprodukte oder die Einführung neuer Organisationsstrukturen, welche zunächst noch nicht näher erläutert werden sollen.[25]

Letztlich stellt sich noch die Frage, wer einen Unternehmergewinn „produziert“ und wem dieser am Ende zusteht. Nach Schumpeter entsteht ein dynamischer Prozess durch Innovati-onen, welche von Entrepreneuren entwickelt und initiiert werden.[26] Unter dem Begriff En­trepreneur versteht Schumpeter eine Person, die neue Strukturen aufbaut und alte zerstört, in dem sie mit noch nicht verwendeten Kombinationen erfolgreich ist.[27] Durch das Nachah-men der Innovation schwindet der Wertüberschuss und damit der Unternehmergewinn, womit er als temporärer Reinertrag interpretiert werden kann.[28] Der Gewinn durch den Ein-satz der neuen Technologie fließt jedoch weder den Erfindern noch den bloßen Erzeugern bzw. Verwendern jener Technologie zu.[29] Begünstigter des Unternehmergewinns ist das Wirtschaftssubjekt, welches die Einführung der Innovation umgesetzt hat und damit im Sinne von Schumpeter das Wirtschaftssubjekt bzw. letztendlich den Unternehmer darstellt, der den bloßen Willen und die Tat beigesteuert hat.[30]

2.2 Weitere Quellen des Unternehmergewinns

Ein Unternehmergewinn stellt sich auch durch Produktinnovationen, d.h. der Schaffung neuer Produkte, welche zu einer besseren Bedürfnisbefriedigung geeignet sind, ein.[31] Diese Art der Innovation zeichnet sich weiterhin dadurch aus, dass diese Produkte neue Qualitäten aufweisen, die zuvor noch nicht vorhanden waren.[32] Der Kostenüberschuss ergibt sich dann aus dem höheren Preis, welcher für ein solches Gut verlangt werden kann und welcher seine Produktionskosten übersteigt.[33] Auch hierbei handelt es sich um einen temporären Gewinn, da das Resultat der Anpassung im dynamischen Prozess ein neues statisches Gleichgewicht ist, in dem das Kostengesetz wieder herrscht. [34] Durch die Erschließung neuer Absatzmärkte ergibt sich eine wesentliche Quelle des Unternehmergewinns, da der Preis, welcher auf ei-nem neuen Markt für ein solches Gut verlangt werden kann, die Suchkosten, um einen solch vorteilhaften Markt aufzufinden, mehr als übersteigt.[35] Das Prinzip liegt darin, dass ein Käufer dieses Gut in ähnlicher Weise wie bereits vorhandene Produkte schätzt, so dass die Preisbildung unabhängig von den Produktionskosten erfolgt.[36] Zunächst muss der Unter-nehmer jedoch seine Produkte auf neuen Märkten den Konsumenten quasi aufdrängen, um Widerstände zu lösen.[37] Kann dies erreicht werden, erfolgt die Preisbildung auf Grundlage von direkter Wertschätzung ohne dabei die Kosten zu berücksichtigen.[38] Eine weitere Quel-le des Unternehmergewinns stellt sich durch die Entdeckung und Verwertung neuer Roh-stoffe und Vorprodukte ein.[39] Der Grund hierfür liegt darin, dass es sich meist um ein billi-geres Produktionsmittel handelt, wobei der Zugang zu diesen bisher noch nicht möglich war bzw. „gewagt“ wurde.[40] Wenn aber der Pionierunternehmer diesen Rohstoff bzw. dieses Vorprodukt verwendet, ergibt sich die Möglichkeit jede Produktionseinheit kostengünstiger zu produzieren, während der Preis für jenes Gut weiterhin zunächst weiterbesteht.[41] Durch die Bewegung des Unternehmers am Markt für Produktiv- und Genussgüter, kann dieser durch die zeitweiligen Unterschiede zwischen den Märkten, den Vorteil nutzen und damit Gewinne erzielen.[42] Mit der Einführung neuer Organisationsstrukturen eröffnet sich für die Entstehung eines Unternehmergewinns eine weitere Möglichkeit.[43]

[...]


[1] Ott (1996), S. 90.

[2] Ders. (1996), S. 90.

[3] Ders. (1996), S. 90.

[4] Schumpeter (1934), S. 241.

[5] Haberler (1951), S. 122.

[6] Böhm-Bawerk (1961), S. 1.

[7] Schumpeter (1934), S. 212.

[8] Schumpeter (1934), S. 207.

[9] Ders. (1934), S. 207.

[10] Stavenhagen (1969), S. 261.

[11] Ders. (1969), S. 261.

[12] Schumpeter (1934), S. 208.

[13] Ders. (1934), S. 215.

[14] Ders. (1934), S. 208.

[15] Spahn (1984), S. 245.

[16] Stavenhagen (1969), S. 261.

[17] Ders. (1969), S. 261.

[18] Schumpeter (1934), S. 211.

[19] Stavenhagen (1969), S. 261 f.

[20] Maußner, Klump (1996), S. 18.

[21] Dies. (1996), S. 18.

[22] Schumpeter (1934), S. 211.

[23] Stavenhagen (1969), S. 262.

[24] Maussner, Klump (1996), S. 18.

[25] Hanusch, Cantner (1998), S. 233.

[26] Dies. (1998), S. 233.

[27] Dies. (1998), S. 233.

[28] Schumpeter (1934), S. 211.

[29] Ders. (1934), S. 211.

[30] Ders. (1934), S. 212.

[31] Hanusch, Cantner (1998), S. 233.

[32] Hanusch, Cantner (1998), S. 233.

[33] Schumpeter (1934), S. 214.

[34] Ders. (1934), S. 214.

[35] Ders. (1934), S. 215.

[36] Ders. (1934), S. 215.

[37] Ders. (1934), S. 215.

[38] Ders. (1934), S. 215.

[39] Hanusch, Cantner (1998), S. 233.

[40] Schumpeter (1934), S. 213.

[41] Ders. (1934), S. 213.

[42] Stavenhagen (1969), S. 261.

[43] Hanusch, Cantner (1998), S. 233.

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Dogmengeschichte: Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung
Untertitel
Unternehmergewinn und Kapitalzins
Hochschule
Universität Hohenheim  (Wirtschaftstheorie)
Veranstaltung
Dogmengeschichte
Note
1,3
Autor
Jahr
2009
Seiten
16
Katalognummer
V135407
ISBN (eBook)
9783640435944
Dateigröße
441 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Dogmengeschichte, Schumpeters, Theorie, Entwicklung, Unternehmergewinn, Kapitalzins
Arbeit zitieren
Franziska Prüfling (Autor), 2009, Dogmengeschichte: Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135407

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