Einhergehend mit einer umfassenderen Betrachtungsweise des Arbeitsschutzes und dem damit für Unternehmen verbundenen höheren (Kosten-) Aufwand wird seit geraumer Zeit versucht, (betriebs-)wirtschaftlich positive Auswirkungen des Arbeits- und Gesundheitsschutzes (AuG) mit neuen Instrumenten darzustellen.
Investitionen in AuG sollen nicht nur der Erfüllung einer Rechtspflicht dienen sondern dem Unternehmer auch möglichst den Erhalt eines Mehrwertes aufzeigen.
Die gängigen Unfall(folge-)kostenrechnungen, die keine unmittelbare betriebswirtschaftliche Ergebnisrelevanz aufweisen, gerieten damit zunehmend in die Kritik .
Auch die zwischenzeitlichen Arbeiten zur Entwicklung z. B. eines Arbeitsschutz-kosten-Controllings hatten als wesentliches Ziel die Darstellung eines Effizienzindikators resultierend aus den Kosten des Arbeitsschutzsystems in Bezug auf die ungestörten Arbeitsstunde oder die Gesundheitsquote als entscheidende Zielgröße .
Soweit Auswirkungen von Gesundheitsmaßnahmen in Bezug auf den Return on Investment (ROI) untersucht wurden, erfolgte dies ausschließlich mit Bezug auf die Einsparungen z. B. bei den Krankheitskosten .
Inhaltsverzeichnis
Einführung
Historische Ansätze und Fortentwicklung
Überblick zu Ansätzen der Messung und Bewertung
Fallstudien
Fallstudie I
Fallstudie II
Fallstudie III
Fallstudie IV
Kompendium empirischer Studien
Fazit
Anhang
Humankapital – das Unwort des Jahrs 2004
Generelle Stellungnahme zum Unwort des Jahres »Humankapital“
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht kritisch die Möglichkeiten und Grenzen der Messung und ökonomischen Bewertung von Humankapital im Kontext staatlichen Arbeitsschutzhandelns, um zu prüfen, ob Investitionen in Arbeits- und Gesundheitsschutz (AuG) direkt mit wirtschaftlichem Erfolg verknüpft werden können.
- Kritische Analyse bestehender Humanvermögensrechnungs-Ansätze
- Diskussion von Forschungsergebnissen zu Humanindikatoren
- Untersuchung von Fallstudien zur HR-Bewertung
- Betrachtung der ökonomischen Bewertung sozialer Aspekte
- Evaluation der Übertragbarkeit auf staatliches Arbeitsschutzhandeln
Auszug aus dem Buch
Fallstudie I
Untersucht wurden im Zeitraum 2001 bis 2003 n=704 Unternehmen verschiedener Branchen durch eine Rating-Agentur.
Anhand einer Datenanalyse wurde untersucht, ob Zusammenhänge zwischen humanressourcenbezogenen Nachhaltigkeitskriterien (insb. Mitbestimmung, Arbeitsplatzsicherheit, Entlohnung, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Gleichstellung) und Finanzkennzahlen bestehen.
Im Vergleich der Best-In-Class-Unternehmen (bezogen auf HR-Maßnahmen) mit anderen Unternehmen sind deren Finanzkennzahlen im Mittel nicht signifikant besser. Besser schneiden diese Unternehmen nur beim EPS ab.
Korrellationen zwischen Finanzkennzahlen und Rating sind nur mit einer sehr geringen Effektstärke vorhanden, so dass die praktische Relevanz anzuzweifeln ist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einführung: Der Autor erläutert den Bedarf an neuen Instrumenten zur Darstellung betriebswirtschaftlicher Vorteile des Arbeitsschutzes und kritisiert bestehende, zu kurz gegriffene Kostenrechnungsansätze.
Historische Ansätze und Fortentwicklung: Es wird die Entwicklung der Humanvermögensrechnung seit den 60er Jahren skizziert und die ethische Problematik einer rein kostenorientierten Sichtweise auf den Menschen thematisiert.
Überblick zu Ansätzen der Messung und Bewertung: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene betriebswirtschaftliche Messmethoden und konstatiert, dass diese der Komplexität des Menschen bisher kaum gerecht werden.
Fallstudien: In diesem Teil werden vier empirische Fallstudien präsentiert, die die Praktikabilität unterschiedlicher HR-Messansätze bei verschiedenen Unternehmen beleuchten.
Kompendium empirischer Studien: Der Autor wertet 28 internationale Studien aus und stellt fest, dass keine Indikatoren existieren, die den kausalen Zusammenhang zwischen HR-Investitionen und Unternehmenserfolg zweifelsfrei belegen.
Fazit: Die Studie kommt zu dem Schluss, dass bisher keine Methode existiert, um Investitionen in Humankapital direkt als wirtschaftlichen Erfolg zu belegen, und warnt vor einer einseitigen Ökonomisierung.
Anhang: Dieser Bereich dokumentiert die Debatte um die Wahl des Begriffs „Humankapital“ zum Unwort des Jahres 2004 und unterstreicht die kritische Haltung des Autors zur Ökonomisierung von Lebensbereichen.
Schlüsselwörter
Humankapital, Humanressourcen, Arbeitsschutz, AuG, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Humanvermögensrechnung, Unternehmensperformance, ROI, Balanced Scorecard, Messung, Bewertung, HR-Maßnahmen, Ökonomisierung, Arbeitsschutz-Controlling, Produktivität
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit diskutiert, ob und wie der wirtschaftliche Wert von Humanressourcen gemessen werden kann und inwiefern sich Investitionen in den Arbeits- und Gesundheitsschutz als messbarer Unternehmenserfolg darstellen lassen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Humankapitalmessung, die Evaluation von HR-Maßnahmen, das Arbeitsschutz-Controlling sowie die kritische Auseinandersetzung mit der Ökonomisierung sozialer Aspekte.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Prüfung, ob für den staatlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz Argumente aus der Unternehmensführung (Return on Investment) abgeleitet werden können, um Investitionen in AuG-Maßnahmen zu rechtfertigen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine deskriptive und kritische Analyse bestehender Forschungsberichte, Studien und eigener Fallstudien, deren Ergebnisse diskutiert und auf ihre Praktikabilität hin bewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil umfasst einen historischen Abriss, einen Überblick über Messverfahren, vier spezifische Fallstudien und eine Zusammenstellung internationaler empirischer Studien zum Thema.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich durch Begriffe wie Humankapital, Humanressourcen, Arbeits- und Gesundheitsschutz, Messung, Bewertung und Unternehmensperformance kennzeichnen.
Warum hält der Autor die bisherigen Ansätze zur Messung von Humankapital für unzureichend?
Der Autor bemängelt, dass bisher kein Modell die kausale Verbindung zwischen HR-Investitionen und tatsächlichem wirtschaftlichem Erfolg (z.B. Gewinn oder ROI) zweifelsfrei nachweisen konnte.
Welche Rolle spielt die „Unwort des Jahres“-Diskussion für die Argumentation?
Sie dient dazu, die Problematik der degradierten Sichtweise auf den Menschen als reinen Kostenfaktor zu verdeutlichen und warnt vor einer einseitigen Ökonomisierung der Personalwirtschaft.
- Citar trabajo
- Dipl.-mult. Udo Rosowski, MOM (Autor), 2009, Indikatoren für die Humanressourcenbewertung - Handlungsansätze zur Förderung von AuG-Maßnahmen durch den staatlichen Arbeits- und Gesundheitsschutz?, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135449