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Allerleirauh - Ein Märchen in unterschiedlichen Fassungen

Title: Allerleirauh - Ein Märchen in unterschiedlichen Fassungen

Term Paper , 2006 , 24 Pages , Grade: 2,0

Autor:in: Magister Artium Susanne Krebs (Author)

German Studies - Genres
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Summary Excerpt Details

Märchen sind etwas, das von vergangenen Zeiten erzählt und nicht mehr zeitgemäß ist. Märchen sind nichts für Kinder, weil sie zu brutal und grausam sind. So oder ähnlich argumentieren viele. Doch woher kommen solche Pauschalurteile? Offensichtlich ist vielen nicht bewusst, was Märchen eigentlich sind und welchem Zweck sie dienen. Märchen sind Lehrstücke, und enthalten wertvolles Wissen über Sachverhalte, die uns alle betreffen können. Dass das nicht nur angenehme Erfahrungen sind, sondern oftmals erschütternde, liegt auf der Hand. Man soll etwas lernen von Märchen, aus dem Menschheitswissen, das hier angesammelt wurde.
Märchen sind nicht unumstritten, sie polarisieren stark. Und sie prägen auch. Fragt man im Familien- und Freundeskreis nach, so gibt es sowohl Lieblingsmärchen als auch ungeliebte Märchen, wobei die Gründe für Präferenz bzw. Ablehnung unterschiedlich sind. Die Lieblingsmärchen sind meist die, die quasi jedermann nennen kann, wenn man nach Märchen fragt. Diese Märchen von Grimm, Andersen, Hauff oder Bechstein findet man dann auch in diversen Auswahlsammlungen, durch die sie von Generation zu Generation weiter getragen werden. Doch was ist mit Märchen, die nicht in solchen „Best of – Zusammenstellungen“ auftauchen? Geraten sie in Vergessenheit? Wer besitzt schon Gesamtausgaben und liest dann auch noch regelmäßig Märchen? Denn eins ist klar: Die ursprünglich mündliche Überlieferung ist längst passé und „unser Märchenerlebnis beruht fast ausschließlich auf schriftlicher Überlieferung“.

„Das Märchen ist ursprünglich von Erwachsenen für Erwachsene erzählt worden.“ Erst mit der Zeit wurde es vornehmlich Kindern erzählt. Der Wandel des Publikums, wie auch der Wandel von Mündlichkeit zu Schriftlichkeit könnten Auslöser dafür gewesen sein, die Ursprungsmärchen zu verändern, sie quasi dem Zielpublikum anzupassen. „Die besondere Wirksamkeit der Märchenbilder und Handlungskonstellationen auf Kinder“ ist gewiss unbestreitbar, und der lehrreiche Effekt, den Märchen erzielen sollen, seit dem 18. Jahrhundert mit seinem aufstrebenden Bildungsbürgertum mehr als intendiert. Nicht umsonst nannten die Gebrüder Grimm ihre Märchensammlung Kinder- und Hausmärchen.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1) „Es war einmal…“ und ist womöglich immer noch? Aktualität und Lehrhaftigkeit von Märchen

2) KHM 65 Ein Märchen im Wandel

3) Der Cinderella-Zyklus Allerleirauh im Kontext artverwandter Märchen

4) Allgemeines zum Aufbau von Allerleirauh Merkmale des Volksmärchens

5) Allerleirauh 1857 Die Ausgabe letzter Hand

6) Allerlei-Rauh 1812 Die Erstausgabe

7) Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht das Märchen „Allerleirauh“ (KHM 65) der Brüder Grimm hinsichtlich seiner inhaltlichen Entwicklung, seiner symbolischen Bedeutung und der darin verhandelten, hochsensiblen Thematik des Inzests, um aufzuzeigen, wie das Märchen trotz einer vermeintlich märchenhaften Fassade gesellschaftlich relevante Probleme und Missbrauchsszenarien widerspiegelt.

  • Analyse der inhaltlichen Transformation zwischen der Erstausgabe (1812) und der Ausgabe letzter Hand (1857).
  • Einordnung von „Allerleirauh“ in den Cinderella-Zyklus und Abgrenzung zu artverwandten Märchentypen.
  • Deutung der Symbolik von Kleidern, Gegenständen und Verhaltensweisen der Protagonistin.
  • Kritische Reflexion der Vater-Tochter-Konfliktdynamik und der Tabuisierung von Missbrauch.

Auszug aus dem Buch

5) Allerleirauh 1857 Die Ausgabe letzter Hand

Allerleirauh beginnt wie viele Grimmsche Märchen (nach meiner eigenen Zählung etwa die Hälfte) mit der Eingangsformel „Es war einmal“, womit dem Rezipienten klar wird, mit welcher Art Text er es zu tun hat, da bekannte Volksmärchen wie etwa Rapunzel, Rotkäppchen oder Der Wolf und die sieben jungen Geißlein so beginnen. Übernommen wurde besagte Eingangsformel vom Maler Philipp Otto Runge, dessen Dialekt-Märchen Von dem Fischer un syner Fru von den Gebrüdern Grimm als idealtypischer Vertreter der Gattung Volksmärchen betrachtet wurde. Anhand der Personen in Allerleirauh wird der Eindruck des Rezipienten noch verstärkt. Ein König und seine Frau kommen ins Spiel. Namen haben unsere Protagonisten nicht, denn sie verkörpern Typen, nicht Individuen. Die Eingangssituation scheint paradiesische Zustände zu schildern, doch die Tragik folgt auf dem Fuße. Die Königin ist todsterbenskrank. Auf dem Sterbebett nimmt sie ihrem Mann ein Versprechen ab, das, wie sich zeigen wird, den eigentlichen Konflikt in Gang setzt: „Wenn du nach meinem Tode dich wieder vermählen willst, so nimm keine, die nicht ebenso schön ist, als ich bin, und die nicht solche goldene Haare hat, wie ich habe; das mußt [sic!] du mir versprechen.“

Die Königin wird auf Grund ihrer äußeren Erscheinung beschrieben. Sie hat goldenes Haar und „war so schön, dass sich ihresgleichen nicht mehr auf Erden fand“. Im Positiven versinnbildlicht „Gold“ ewig, strahlend, unvergänglich, selten, königlich, was durch die Verbindung mit Glanz (beim Haar) und Sonne (beim Kleid) noch gedoppelt wird. Im Negativen steht „Gold“ für Verblendung und niedere Begierden. Quasi in der Blüte ihres Lebens und auf dem Zenit ihres Aussehens stirbt die Königin also. Kritisch betrachtet könnte man sagen, dass eine derartige Betonung durch Überbewertung des Äußeren schon darauf hindeutet, dass im Inneren der Figuren einiges im Argen liegt. Oder wie kommt es, dass eine Tochter des Königspaares an dieser Stelle noch völlig unerwähnt bleibt und noch nicht einmal am Totenbett der Mutter auftaucht?

Zusammenfassung der Kapitel

1) „Es war einmal…“ und ist womöglich immer noch? Aktualität und Lehrhaftigkeit von Märchen: Dieses Kapitel erläutert die didaktische Funktion von Märchen als Lehrstücke, die tiefgreifende menschliche Konflikte und Problemlösungsstrategien thematisieren.

2) KHM 65 Ein Märchen im Wandel: Hier begründet die Autorin die Wahl des Märchens „Allerleirauh“ aufgrund seiner Behandlung des brisanten Inzest-Motivs und kündigt den Vergleich zwischen der Erstausgabe und der Ausgabe letzter Hand an.

3) Der Cinderella-Zyklus Allerleirauh im Kontext artverwandter Märchen: Das Kapitel ordnet das Märchen in den internationalen Cinderella-Zyklus (AaTh 510B) ein und analysiert den Kontrast zwischen „Allerleirauh“ und „Aschenputtel“ hinsichtlich ihrer Rezeption und Symbolik.

4) Allgemeines zum Aufbau von Allerleirauh Merkmale des Volksmärchens: Es werden strukturelle Merkmale wie die Zweiteiligkeit des Märchens und die fünf typischen Handlungsstufen analysiert, die zu einem glücklichen Ende führen.

5) Allerleirauh 1857 Die Ausgabe letzter Hand: Eine detaillierte Analyse der gängigen Fassung, die den Fokus auf die Symbolik der Gaben und die psychologische Entwicklung der Protagonistin nach dem drohenden Inzest legt.

6) Allerlei-Rauh 1812 Die Erstausgabe: Dieses Kapitel arbeitet die expliziteren Darstellungen des Vater-Tochter-Konflikts in der Erstfassung heraus und zeigt auf, wie spätere Textänderungen zur Milderung des Inzest-Motivs führten.

7) Resümee: Die Autorin fasst zusammen, dass „Allerleirauh“ trotz des formalen Happy Ends als Tragödie gelesen werden muss, da es den Missbrauch durch den Vater und die darauffolgende Passivität der Heldin thematisiert.

Schlüsselwörter

Allerleirauh, Grimmsche Märchen, KHM 65, Inzest, Cinderella-Zyklus, Volksmärchen, Symbolik, Missbrauch, Kindesmissbrauch, Märchenanalyse, Erstausgabe, Literaturwissenschaft, Vater-Tochter-Konflikt, Interpretation, Märchensymbolik.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht das Grimmsche Märchen „Allerleirauh“ unter Berücksichtigung der inhaltlichen Veränderungen zwischen der Erstausgabe und der späteren Fassung sowie unter psychologischen und sozialkritischen Aspekten.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Die zentralen Themen umfassen die Aufarbeitung von Inzest-Motiven in Märchen, die symbolische Bedeutung von Gegenständen und Kleidung sowie die Darstellung von Machtstrukturen und Missbrauch.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?

Ziel ist es, das Märchen als „unbeliebtes“ Werk zu rehabilitieren und aufzuzeigen, wie es trotz seiner realitätsfernen Form die realitätsnahen, traumatischen Erfahrungen von Missbrauchsopfern widerspiegelt.

Welche wissenschaftliche Methode wird zur Analyse verwendet?

Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die die Märchenklassifikation nach Aarne und Thompson einbezieht und die verschiedenen Textfassungen der Brüder Grimm miteinander vergleicht.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die strukturelle Analyse des Märchentyps, den Vergleich der unterschiedlichen Fassungen (1812 vs. 1857) und die symbolische Deutung der einzelnen Motive, wie etwa den Kleidern aus Sonne, Mond und Sternen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Die Arbeit lässt sich primär über die Begriffe Allerleirauh, Inzest-Motiv, Cinderella-Zyklus, Märchensymbolik und die kritische Analyse der Grimms-Editionen definieren.

Wie unterscheidet sich der Vater in der Erstausgabe von der späteren Version?

In der Erstausgabe wird das inzestuöse Begehren des Vaters expliziter und in einem direkteren Zusammenhang mit der Missachtung der Tochter dargestellt, während in der späteren Ausgabe stärkere stilistische Glättungen vorgenommen wurden.

Warum wird das Ende des Märchens in der Arbeit kritisch hinterfragt?

Die Autorin hinterfragt das Happy End, da die Heldin nach dem erlittenen Trauma keine echte Möglichkeit zur Aufarbeitung erhält und schlussendlich den Mann heiratet, der ihr Schicksal besiegelt hat.

Welche Rolle spielen die Gaben der Heldin im Märchen?

Die Gaben (Kleider, Ring, Spinnrädchen, Haspel) fungieren als Symbole für ihre Identität, ihre Heilung und ihren Schicksalsweg sowie als Mittel der Kommunikation mit dem Prinzen.

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Details

Title
Allerleirauh - Ein Märchen in unterschiedlichen Fassungen
College
University of Koblenz-Landau  (Germanistik)
Course
Volksmärchen, Kunstmärchen und fantastische Literatur im Deutschunterricht
Grade
2,0
Author
Magister Artium Susanne Krebs (Author)
Publication Year
2006
Pages
24
Catalog Number
V135451
ISBN (eBook)
9783640437795
ISBN (Book)
9783640438068
Language
German
Tags
Allerleirauh Märchen Fassungen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Magister Artium Susanne Krebs (Author), 2006, Allerleirauh - Ein Märchen in unterschiedlichen Fassungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135451
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