Der Journalist als Homo Oeconomicus

Inwieweit absatzpolitische Interessen und redaktionelle Leistungen miteinander verknüpft sind und sich die Berichterstattung an Markt- und Wettbewerbsstrategien, an PR-Kampagnen und an dem Interesse der Werbewirtschaft orientieren muss


Diplomarbeit, 2009

123 Seiten, Note: 1.0


Leseprobe

I. Inhaltsverzeichnis

II. Abbildungsverzeichnis

III. Abkürzungsverzeichnis

IV. Danksagung

V. Kurzfassung der Arbeit

VI. Abstract

TEIL I: Einleitung

TEIL II: Grundlagentheorien des Journalismus und der Public Relations
1. Themen und Grenzen des Journalismus
1.1. Definitionsskizze Journalismus
1.2. Journalistische Rahmenbedingungen
1.3. Journalismus als Beruf
1.3.1. Journalismusgenres
1.3.1.1. Investigationsjournalismus
1.3.1.2. Interpretationsjournalismus
1.3.1.3. Informationsjournalismus
1.3.1.4. Boulevardjournalismus
1.4. Aufgaben und Anforderungen
1.4.1. Journalistische Kompetenzen
1.4.1.1. Fachkompetenz
1.4.1.2. Sachkompetenz
1.4.1.3. Vermittlungskompetenz
1.4.1.4. Technikkompetenz
1.4.1.5. Organisationskompetenz
1.4.2. Journalistisches „Handwerk“
1.4.2.1. Informationsquellen
1.4.2.2. Die Recherche
1.4.2.2.1. Recherchegrundlagen
1.4.2.2.2. Methoden der intensiven Recherche
1.5. Journalistische Darstellungsweisen
1.5.1. Nachricht
1.5.2. Bericht
1.5.3. Reportage
1.5.4. Kommentar
1.6. Rechte und Pflichten des Journalismus
1.7. Fazit
2. Themen und Grenzen der PR
2.1. Definitionsskizze Public Relation
2.1.1. Begriffsabgrenzung
2.1.1.1. PR und Werbung
2.1.1.2. PR und Propaganda
2.1.1.3. PR und Marketing
2.1.1.4. Fazit
2.2. Public Relation als Beruf
2.2.1. Arbeitsweise der PR
2.2.1.1. PR-Prozess
2.2.1.2. PR-Instrumente
2.2.1.2.1. Pressearbeit
2.2.1.2.2. Die Pressemitteilung
2.2.1.2.3. Die Pressekonferenz
2.2.1.2.4. Das Pressegespräch
2.2.1.2.5. Kontakt mit Journalisten
2.2.1.3. Ausgesuchte PR-Instrumente
2.2.1.3.1. Produkt-PR
2.2.1.3.2. Sponsoring
2.2.1.3.3. Online-PR
2.2.2. Kompetenzanforderungen
2.3. Rechte und Pflichten der PR
2.4. Ethische Rahmenbedingungen: Journalismus und PR
2.4.1. Journalistische Ethik
2.4.2. Public Relation und Ethik
2.4.3. Fazit Ethik
2.5. Fazit und Exkurs: Unterschiede Journalismus und PR

TEIL III: Journalismus und Public Relations unter ökonomischen Aspekten
3. Medienökonomische Rahmenbedingungen
3.1. Was ist Medienökonomie?
3.2. Was ist ein Homo Oeconomicus?
3.3. Wertschöpfungsstruktur
3.4. Finanzierungsmodelle der Medienbranche
3.4.1. Rezipientenfinanzierung
3.4.2. Werbefinanzierng
3.4.3. Öffentlich-rechtliche Finanzierung
3.5. Ziele der verschiedenen Mediensysteme
3.5.1. Ökonomisches Prinzip
3.5.2. Produktivität
3.5.3. Wirtschaftlichkeit
3.5.4. Rentabilität und Gewinn
3.6. Der Markt
3.6.1. Marktformen
3.6.2. Marktzutritt und -barrieren
3.6.3. Marktanteil
3.7. Wettbewerb
3.7.1. Funktion und Ziel
3.7.2. Wettbewerbsformen
3.7.3. Konzentration und Verflechtungen
3.8. Absatz und Marketing
3.8.1. Absatzplanung
3.8.2. Absatzpolitische Instrumentarien
4. Auswirkung der Medienökonomie auf den Journalismus
4.1. Zunahme des Wettbewerbs
4.1.1. Allokative und produktive Effizienzzunahme der Medienproduktion
4.2. Technischer Fortschritt
4.3. Wandel der beruflichen Anforderungen des Journalismus
4.4. Fazit und Exkurs: Journalismus im Konflikt mit PR

Teil IV: Der Journalist als Homo Oeconomicus
5. Homo Oeconomicus vs. Homo Oeconomicus maturus
5.1. Anreize, knappe Ressourcen und eingeschränkte Rationalität
5.1.1. Anreize, Motive und Präferenzen
5.1.2. Knappe Ressourcen und eingeschränkte Rationalität
5.2. Verknüpfung von absatzpolitischen Interessen und redaktionellen Leistungen

TEIL V: Fazit

VII. Literaturverzeichnis

VIII.

II. Abbildungsverzeichnis

Abbildung 1: Kontexte des Journalismus

Abbildung 2: PR-Kampagnen-Schema

Abbildung 3: Die sieben Selbstverpflichtungen eines DPRG-Mitglieds

Abbildung 4: Wertschöpfungskette im Medienbereich

Abbildung 5: Kreislaufmodell bei Rezipientenfinanzierung

Abbildung 6: Kreislaufmodell bei Werbefinanzierung

Abbildung 7: Kreislaufmodell bei öffentlich-rechtlichem Angebot

Abbildung 8: Ziele der verschiedenen Mediensysteme

Abbildung 9: Die fünf Wettbewerbskräfte

Abbildung 10: Der Journalist als Homo Oeconomicus maturus

III. Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

IV. Danksagung

Besonderer Dank gilt meinen Eltern, Marlene Ragoßnig und Florian Riepertinger, welche mich stets unterstützen und mir mein Studium erst ermöglicht haben.

Ebenfalls danke ich meinen beiden Familien, für ihre Hilfsbereitschaft, Motivation und Zuvorkommenheit.

Vor allem möchte ich Prof. Mag. Cosima von Prittwitz und Gaffron für ihre Betreuung sowie die Freiheit, die mir bei meiner Arbeit gewährt wurde, danken. Besonders aber für die stete Hilfsbereitschaft, Aufmunterung und Motivation, die mir entgegengebracht wurden.

V. Kurzfassung der Arbeit

In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluss von absatzpolitischen Maßnahmen auf die Berichterstattung vor allem durch die Auswirkung von Öffentlichkeitsarbeit auf den Journalismus analysiert.

Die Medienhäuser konkurrieren täglich um ein immer knapperes Gut – die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Ökonomisierung, die Jagd nach Quoten und der Mangel an Zeit haben den Leistungsdruck der Journalisten und Redakteure immens erhöht. Trotzdem müssen die Berichterstatter das gleiche Pensum an redaktioneller Leistung, trotz täglicher Informationsflut und Knappheit der Ressourcen, erbringen. Wie? Das sehen wir jeden Tag, wenn wir den Fernseher einschalten: Spannende, aktuelle Themen, „gewürzt“ mit ein bisschen Sensationsgier hier und ein bisschen Glitzer und Glamour da – die Personalisierung hat wie ein Virus schon nahezu jedes Medium und jedes Thema erreicht. Die Medien ringen um Beachtung ihrer Botschaften und Produkte, um im Wettbewerb überleben zu können, denn nur wer die höheren Einschaltquoten hat, ist am Ende des Tages der Sieger.

Gezwungen durch absatzpolitische Maßnahmen vermischt sich die Themenauswahl der Journalisten immer mehr mit bestimmten Unternehmen oder Produkten, da diese besseren und größeren Erfolg versprechen als zeitintensive, aufwendig recherchierte Inhalte. Dies hat weitreichende ethische und moralische Auswirkungen auf die Schreibenden und nicht zuletzt auf das Vertrauen, welches die Rezipienten den Redakteuren täglich entgegenbringen. Die soziale Verantwortung, die jeder Medienschaffende in sich trägt, muss sich immer mehr an die Regeln von Markt und Organisation anpassen, die Grenzen zwischen Unternehmen und Pressewesen verschwimmen allmählich.

Die Forschungsfrage bezieht sich auf den Journalismus unter der Prämisse Homo Oeconomicus, welcher anhand medienwirtschaftlicher Aspekte beleuchtet wird. Inwieweit absatzpolitische Interessen und redaktionelle Leistungen miteinander verknüpft sind und sich die Berichterstattung an Markt- und Wettbewerbsstrategien, an PR-Kampagnen und an dem Interesse der Werbewirtschaft orientieren muss und beeinflusst wird.

VI. Abstract

This thesis deals with the influences of political-sales management on the reporting system particularly by the effects of public relations on journalism.

Media companies compete daily against an ever scarcer property – the public attention. The increasing economy, the lack of time and the hunt for the highest ratings increased the pressure of journalists and editors to do a great performance. Nevertheless the correspondents have to do the same workload of editorial accomplishment, additionally to the daily “flood” of information and scarceness of resources. The consequence of economic scarceness is what we can see every day on television or in a boulevard magazine: thrilling, current topics “peppered” with little sensation and some glitter and glamour. The personalization has almost reached already every medium and each topic. The media are snatching for attention of their products and massages in order to survive the daily competition between other companies, because only the company with the highest ratings would be the winner at the end of the day.

Forced by political-sales measures the selected topics which journalists choose get mixed up with certain companies or products, because they prevail a better success as a time intensive and complex investigated content. This circumstance has extensive moral and ethical effects to the writers not at least on the confidence, which the recipients bring to the editors daily. The social responsibility of each “media-player” has to match with the rules of the media market and the media companies. As a result the boundaries dissolve between the companies and the press gradually.

The research question refers to journalism under the premise “Homo Oeconomicus”, which is analyzed on media-economical aspects. How journalism is influenced and has to orient on market and competition strategies, PR-campaigns and on the interests of advertising economy because of political-sales interests.

TEIL I: Einleitung

Täglich muss sich unsere Gesellschaft, um über Politik, Wirtschaft und Soziales reden zu können, in der Informations- und Schlagzeilenflut orientieren und zurechtfinden. Die Menschen konsumieren Tageszeitungen, verschiedene Fachzeitschriften, sie verwenden das Internet, um zu recherchieren und sie schauen Fern – vor allem das Fernsehgerät ist fixer Bestandteil unseres Alltags geworden. Von Nachrichtenformaten, Dokumentationen, Biographien, Reportagen, Magazinen, Sportevents bis hin zu Spielfilmen, Comedy und Serien, das TV-Programm bietet nahezu alles, was sich das Publikum wünscht.

In den Anfangszeiten des Fernsehens konnte der öffentlich-rechtliche Rundfunk lange Zeit seine Programmstrategie entwickeln, ausbauen, umsetzen und sein wirtschaftliches System etablieren – der private Rundfunk hingegen hatte dieses Privileg nie. Seit seiner Geburtsstunde steht er im direkten Wettbewerb zu allen anderen Rundfunkstationen. Die privaten Sendeanstalten versuchen alles, um den staatlich subventionierten, öffentlich-rechtlichen Medienhäusern Zuschauer abzugewinnen – also die Quote und die damit verbundenen Marktanteile zu erhöhen. Diesen Kampf um Aufmerksamkeit haben die jungen Privaten unter anderem durch Spaßformate, erotische Shows sowie durch Personalisierung und Emotionalisierung von ernsten wie seriösen Themen bestritten. Heutzutage hinterlassen die Privaten nicht nur durch diverse Reality-Formate oder Freitagabend-Comedys großen Eindruck, sondern können auch durch Talk- und Gerichtsshows beim Publikum punkten.

Themen wie Bildung und Kultur nehmen seit dem Start der privaten Institutionen in den 1980er Jahre rasant ab. Indessen bekommen Unterhaltung und Erotik immer mehr Gewicht – „We love to entertain you“ wurde das Leitbild vieler Sendeanstalten der Bundesrepublik und somit auch die Personalisierung und Boulevardisierung von schwierigen Themen, also das „soziale Ereignis“, in den Vordergrund gerückt. Informationen und Dokumentationen werden „entertainisiert“ und Reality-Shows mit hohem Unterhaltungsfaktor in die Programmplanung miteinbezogen, nur um Erfolge zu verzeichnen.

Viele TV-Sender sowie eine große Anzahl an Spartenkanälen konkurrieren um ein immer knapperes Gut: Die Aufmerksamkeit des Publikums. Ökonomisierung, die Quotenjagd und die Nachfrage nach mehr Produktivität sind Faktoren, welche den Leistungsdruck der Journalisten und Redakteure erhöht haben. Täglich müssen sie das gleiche Pensum an Leistung, trotz täglicher Informationsflut und mangelnder Zeit für ordentliche Recherche, erbringen. Wie? Das sehen wir jeden Tag, wenn wir die „Flimmerkiste“ einschalten: Spannende, aktuelle Themen, „gewürzt“ mit ein bisschen Sensationsgier, hier und ein bisschen Glitzer und Glamour da – die Personalisierung hat wie ein Virus schon nahezu jedes Medium und jedes Thema erreicht. Die Medien ringen um Beachtung ihrer Botschaften und Produkte, um im Wettbewerb überleben zu können, denn nur wer die höheren Einschaltquoten hat, ist am Ende des Tages der Sieger.

Gezwungen durch die Quote vermischt sich die Themenauswahl der Journalisten immer mehr mit bestimmten Unternehmen oder Produkten, da diese besseren und größeren Erfolg versprechen als zeitintensive, aufwendig recherchierte Inhalte. Dies hat weitreichende ethische und moralische Auswirkungen auf die Schreibenden, nicht zuletzt auf das Vertrauen, welches die Rezipienten den Redakteuren täglich entgegenbringen. Die soziale Verantwortung, die jeder Medienschaffende in sich trägt, muss sich immer mehr an die Regeln des Marktes und der Organisation anpassen, die Grenzen zwischen Unternehmen und Pressewesen verschwimmen allmählich.

In der vorliegenden Arbeit wird die Beeinflussung der Public Relation auf den Journalismus sowie die damit verbundene absatzpolitische Wirkung auf die Berichterstattung analysiert. Die Arbeit ist in drei Teilbereiche gegliedert. Im Ersten werden der Journalist, seine beruflichen Tätigkeiten sowie seine journalistischen Rechte und Pflichten ausführlich beleuchtet. Ebenso werden die Themen und Grenzen der Public Relations, deren Begriffsabgrenzung, Prozesse und Instrumente hinterfragt, welche die Grundlage zur abschließenden Auseinandersetzung von Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit bilden. Im zweiten Teilbereich der Arbeit wird auf die ökonomischen Rahmenbedingungen, in welchen Journalisten und Publizisten agieren müssen, anhand der Wertschöpfungsstruktur, der Finanzierungsmodelle und des Marktes samt Wettbewerb eingegangen. Im letzten Teilbereich dieser Thesis wird die Darstellung des Journalisten im Kontext des Homo Oeconomicus diskutiert und in diesem Zusammenhang konkret auf die Forschungsfrage eingegangen.

Die Forschungsfrage bezieht sich auf den Journalismus unter der Prämisse des Homo Oeconomicus, welcher anhand medienwirtschaftlicher Aspekte beleuchtet wird, inwieweit absatzpolitische Interessen und redaktionelle Leistungen miteinander verknüpft sind und sich die Berichterstattung an Markt- und Wettbewerbsstrategien, an PR-Kampagnen und an dem Interesse der Werbewirtschaft orientieren muss und sich dadurch beeinflussen lässt .

Im ersten Kapitel werden die Grundlagentheorien des Journalismus, dessen Rahmenbedingungen und beruflichen Aspekte skizziert. Die verschiedenen Genres, wie z.B. Investigations-, Interpretations-, Informations- und Boulevardjournalismus, die Anforderungen und Kompetenzen die sich heutzutage an einen Berichterstatter stellen, sowie das journalistische Handwerk werden hier spezifischer beleuchtet. Abschließend wird auf die täglichen Rechte und Pflichten eines Publizisten Bezug genommen.

Im zweiten Kapitel dieser Arbeit werden die Grundlagentheorien der Public Relation analysiert. Ebenso wie in Kapitel eins, werden in diesem Abschnitt grundlegende Informationen dargelegt, um im Anschluss zwischen Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit Parallelen ziehen zu können. Anfangs ist die Begriffsabgrenzung von PR, Werbung, Marketing und Propaganda, um der Theorie, Public Relation sei Werbung oder Marketing, nachgehen zu können, wichtig, damit anschließend die Arbeitsweise und das „Handwerk“ der Öffentlichkeitsarbeit analysiert werden können. Bevor am Ende dieses Kapitels die Unterschiede von Journalismus und PR aufgezeigt werden, widmet sich die Verfasserin den ethischen Rahmenbedingungen der beiden Kommunikationsformen. „Die Würde des Menschen ist unantastbar“, so der Artikel 1 des Grundgesetzes des Deutschen Bundestages (Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, 1949). Basierend auf dieser Grundthesis wird des Weiteren die Wahrung und Achtung der Menschenrechte und das Recht auf Privatsphäre beleuchtet.

Im dritten Kapitel dieses Werkes werden die medienökonomischen sowie wirtschaftlichen Rahmenbedingungen des Journalismus behandelt. Schwerpunkte werden dabei das Theorienbildnis Homo Oeconomicus, die Ziele der Mediensysteme, der mediale Wettkampf und ebenfalls Absatzplanung und absatzpolitische Maßnahmen sein. Anhand der erarbeiteten Grundlagen des Journalismus, der Public Relation und der ökonomischen Rahmenbedingungen, in welcher sich die publizistischen Formen wiederfinden, wird im vierten Kapitel der Konflikt zwischen Journalismus und PR hinterfragt.

Das fünfte Kapitel beschäftigt sich mit der Prämisse des Journalisten als Homo Oeconomicus. Dabei wird die journalistische Berufsgruppe anhand der ökonomischen Eigenschaften des Homo Oeconomicus verglichen, um anschließend an die Debatte der Verknüpfung von absatzpolitischen Interessen und redaktionellen Leistungen anzuknüpfen.

Aus Gründen der einfacheren Lesbarkeit wird auf die geschlechtsneutrale Differenzierung z.B. Kunde/innen verzichtet. Entsprechende Begriffe gelten im Sinne der Gleichbehandlung grundsätzlich für beide Geschlechter.

Der Journalismus ist eine freie Tätigkeit: Jedem steht der Zugang zu dieser „öffentlichen Magistratur“ offen, ihre Ausübung ist, soweit sie nicht in Konflikt mit den Strafgesetzen gerät, durch keine Schranken eingeengt. Wer, des Schreibens mehr oder weniger kundig, in der reichen Abwechslung und beständigen Anregung des täglichen Geschehens Befriedigung für ein bewegliches oder unruhiges Temperament sucht, wer, von den Wonnen des Gedrucktwerdens angelockt, nicht mehr „dem berauschenden Trank aus dem Setzkasten der Zeitungsdruckereien“ widerstehen kann, wer das Bedürfnis hat, sich öffentlich auszusprechen, den Drang in sich spürt, den Entrechteten zu helfen, das öffentliche Gewissen aufzurütteln, dem Fortschritt in Staat und Kultur Wege zu bahnen, als Lehrer und Führer der Massen aufzutreten, aber auch wer sich in einem anderen Berufe unglücklich fühlt, scheitert oder kein genügendes Auskommen findet, wer rasch verdienen will oder muß, wählt sich gerne zum Beruf den Journalismus.“

Otto Groth (1930)

TEIL II: Grundlagentheorien des Journalismus und der Public Relations

1. Themen und Grenzen des Journalismus

Den Journalismus als Terminus zu definieren, seine Komplexität zu veranschaulichen, daran haben sich schon viele Publizisten, Medienforscher und Kommunikationswissenschaftler versucht. Der Begriff „Journalismus“, seine Identität, seine Merkmale und Funktionen werden im ersten Teil dieses Kapitels für die folgende wissenschaftliche Arbeit definiert.

1.1. Definitionsskizze Journalismus

Wird vom „Journalismus“ gesprochen, bezeichnet dieser nicht die gesamte Wissenschaft an sich, sondern meist die ausführende Person, welche dem Journalismus angehört – den Journalisten. (vgl. Weischenberg, 2004, S. 40). Der Journalist ist eine Person, die all die Geschehnisse des Alltags objektiv filtert, für ein bestimmtes Medium entsprechend sachlich aufbereitet und darstellt. Der literarische Journalist Robert E. Prutz hat den Journalismus wie folgt definiert:

„Der Journalismus überhaupt, in seinen vielfachen Verzweigungen und der ergänzenden Mannigfaltigkeit seiner Organe, stellt sich als das Selbstgespräch dar, welches die Zeit über sich selber führt. Er ist die tägliche Selbstkritik, welcher die Zeit ihren eigenen Inhalt unterwirft; das Tagebuch gleichsam, in welches sie ihre laufende Geschichte in unmittelbaren, augenblicklichen Notizen einträgt.“ (Prutz, 1971, S. 7)

Prutz versteht den Journalismus als ein Zeitgespräch unserer Gesellschaft, als Sprachrohr für die Öffentlichkeit und dessen Kritik an sich selbst, welche in kleinen Fragmenten Tag für Tag zusammengetragen werden. Woher stammt das Wort „Journalismus“ und was bedeutet es?

Der Fachausdruck wird aus dem französischen Sprachgebrauch abgeleitet und bedeutet „Tagebuch“ oder auch „Protokoll“ und verbindet damit eine Anhäufung von täglichen Informationen.

„Die deutsche Bedeutung des Begriffs ist, zunächst ganz allgemein gesprochen, die tagesgebundene Sammlung, verantwortliche Verarbeitung und öffentliche Verbreitung gemeinschaftswichtiger Nachrichten durch die Zeitung. Die Träger dieser Arbeit heißen “Journalisten“. (Dovifat & Wilke, Zeitungslehre, 1976, S. 38)

Journalisten, Publizisten, Reporter und Berichterstatter sind Zeugen unserer Zeit, sie spiegeln das Tagesgeschehen wider. Sie beziehen die Meldungen aus den Presseagenturen und haben die verantwortungsvolle Aufgabe, den Wahrheitsgehalt jeder Meldung zu überprüfen, diese zu redigieren, um sie danach der breiten Masse über Zeitung, Hör- oder Rundfunk zugänglich zu machen. „Der Journalist sammelt, sichtet und verarbeitet Nachrichten von öffentlichem Interesse.“ (ebd. S. 38 f.)

Geht es um die Definition des Begriffes Journalismus, stellt sich diese problematisch dar, denn eine allgemein gültige Begriffsdefinition dieses Berufes gibt es nicht. Schreibt eine Person neben ihrem Hauptberuf meinungskritische Internetblogs oder Kurzberichte für eine Regionalzeitung, darf sich diese Person, laut Weischenberg, nicht Journalist nennen. Journalist ist jemand, welcher mittels schriftstellerischer Darstellungsformen seinen Lebensunterhalt verdient. Aufgrund der herangezogenen Aussagen verschiedenster Wissenschaftler soll folgende Definition für die nachstehende Arbeit gültig sein:

„Ein Journalist ist jemand, der hauptberuflich an der Verbreitung von Informationen, Meinungen und Unterhaltung durch Massenmedien beteiligt ist – das ist zumindest die Definition des Deutschen Journalisten-Verbandes. Eine offizielle Definition gibt es nicht.“ (Vorwort Prof. Frank Brettschneider in Grimmer, 2006, S. 7)

Einmal eine Nachricht aus der Presseflut gefiltert und veröffentlicht, liegt es am Rezipienten, die für ihn relevanten Geschehnisse aus dem präferierten Medium zu konsumieren. Nur wenige Leser, Zuschauer oder -hörer vergleichen dieselben Meldungen innerhalb der Medien. Deshalb obliegt es dem dafür zuständigen Redakteur, die ausgewählte Information objektiv, sachlich und gut recherchiert weiter­zugeben. Ein Journalist hat somit nicht nur die verantwortungsvolle Aufgabe, aktuelle Themenkomplexe einfach darzustellen, er muss Falsches von Wahrem trennen, von einer guten Allgemeinbildung profitieren und vor allem neugierig sein und es auch bleiben.

1.2. Journalistische Rahmenbedingungen

Wie im vorangegangenen Abschnitt ist Journalismus der Überbegriff für die Beschreibung der Tätigkeit des Berichterstatters. Der Journalist als ausführende Person, welcher das tagesaktuelle Geschehen auf einer objektiven und sachlichen Ebene prüft, filtert, bearbeitet und veröffentlicht und sich seiner Verantwortung in moralischer, sozialer und ökonomischer Hinsicht bewusst ist (vgl. Mast 2004). Doch nach welchen Regeln und Bedingungen handelt und entscheidet ein Journalist? Woher bekommt der Journalist seine Informationen und vor allem in welche Abhängigkeit begibt er sich durch seinen Informationsvermittler? Diese Thematik hat der Medienforscher und Universitätsdozent Siegfried Weischenberg ausführlicher dargestellt und jene Kontexte untersucht, mit denen sich der Journalismus täglich beschäftigt:

- „Normen
Welche Bedingungen schafft das Mediensystem für den Journalismus?
- Strukturen
Welche Zwänge gehen von den Medieninstitutionen für den Journalismus aus?
- Funktionen
In welchem Leistungs- und Wirkungskontext stehen die Medienaussagen, die im System Journalismus produziert werden?
- Rollen
Welchen Verhaltenserwartungen sind Medienakteure im System Journalismus ausgesetzt?“ (Weischenberg, Journalistik 1, 2004, S. 68 f.)

Anhand der Abb. 1, in der die Journalisten als Medienakteure agieren, lässt sich gut erkennen, wie die oben genannten Punkte zusammenhängen und wie eine Art „Zwiebelsystem“ „Schale“ für „Schale“ entsteht. Den äußeren Kreis, den so genannten Normenkontext, bilden die verschiedenen Mediensysteme und beschreiben gesellschaftliche Rahmenbedingungen, den geschichtlichen Hintergrund sowie rechtliche und ethische Grundlagen unserer Gesellschaft. Der nächste Kreis bezieht sich auf den Strukturkontext der publizistischen Medieninstitutionen. Dabei sind die Vorgaben und Richtlinien der Pressehäuser gemeint, in denen journalistische Tätigkeiten entstehen. Vor allem ökonomische, organisatorische, technologische und nicht zu vergessen politische Imperative eines Medienhauses binden den Journalisten viel zu oft an interne Vorgaben und geben dadurch den Weg der Arbeit vor (vgl. Weischenberg, 2004, S. 69 f.).

Der dritte Kreis beschreibt den Funktionskontext, wie sich Recherche und Informationen der Reporter auf die Gesellschaft auswirken. Woher Informationsquellen bezogen und welche Art der Berichterstattung gewählt werden sowie welche Darstellungsform, ob Text, Bild, Audio oder Video, Verwendung finden. Der Funktionskontext beinhaltet ebenso jene Entscheidungen, welche ein Journalist täglich treffen muss, um der Gesellschaft ein Wirklichkeitsbild, eine Konstruktion dessen, zu schaffen. Natürlich dürfen dabei die ‚Wirkung‘ und ‚Rückwirkung‘, also die Wechselbeziehung von Berichterstatter und Gesellschaft – den Effekt der veröffentlichten Information auf das menschliche Handeln, auf die Meinung und Einstellung, nicht außen vor gelassen werden (vgl. ebd.).

Die dritte „Schale“, der Rollenkontext, bezieht sich auf die Verhaltenserwartungen von außen, also der Gesellschaft, auf die Rolle des Journalisten als Individuum. Eingeschlossen von Normen, Funktionen und Strukturen, welche die Handlungsfunktion von Journalisten bis zu einem gewissen Grad bestimmen, hat dieser immer noch die Möglichkeit, eine unabhängige Wirklichkeitskonstruktion zu erschaffen und in dieser zu agieren (vgl. ebd. S. 70).

Weischenbergers Modell beschreibt die Einflussfaktoren des Journalismus, die Zwänge, Beschränkungen und Eingrenzungen des journalistischen Handelns, welche auch der Kommunikatorstudie „Journalismus in Deutschland“ (Scholl & Weischenberg, 1998) zugrunde liegen, die als Ausgangstheorie für sämtliche weitere Studien verwendet wird. Ebenso wird das Zwiebelmodell, aufgrund des Vorschlags von Huber 1998 (vgl. Fabris, 2004, S. 394), um die Ebene der Rezipienten erweitert, denn journalistische Tätigkeit bezieht sich sowohl auf journalistische Rahmenbedingungen der Geselleschaft wie auf die Wahrnehmung ihrer Rezipienten.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abbildung 1: Kontexte des Journalismus
(Quelle: Weischenberg, 2004, S. 71, Medienkommunikation: Theorie und Praxis)

Der Journalist von heute stößt immer wieder an seine persönlichen Interessensgrenzen, an eigene Moral- und Wertvorstellungen sowie an die Grenzen von Medieninstitutionen. Mithilfe des „Zwiebelsystems“ hat Weischenberg das journalistische „Spielfeld“ eingegrenzt und definiert. Im weiteren Verlauf dieser Arbeit wird der Zusammenhang, die gegenseitige Wechselwirkung zwischen Medienstrukturen und deren Akteuren analysiert.

1.3. Journalismus als Beruf

Über das Berufsverständnis von Journalisten, deren Aufgabenbereiche und Tätigkeitsfelder bestehen unterschiedliche Vorstellungen. Diese sind oft abhängig von dem individuellen Weltbild und der Wertvorstellung des Berichterstatters sowie von der Auswahl, Bearbeitung und Präsentation der Nachrichten (vgl. Mast, Wirtschaftsjournalismus, 1999, S. 25). Ebenso ist das journalistische Feld geprägt durch die vielseitige Zusammensetzung fachlicher und journalistischer Ausbildungswege. Nicht zuletzt spielen „allgemeine Sachzwänge des medienspezifischen Umfeldes, die konkreten redaktionellen Arbeitsbedingungen und die Funktion und Position eines Journalisten im Medienbetrieb selbst“ (Haas & Pürer, 1991, S. 71) eine große Rolle.

1.3.1. Journalismusgenres

Journalismus ist nicht gleich Journalismus. Die einzelnen Journalismustypen unterscheiden sich in der Art der Themenauswahl, dessen Aufbereitung, Aufmachung und Publikation – oft auch in der Zielgruppe oder nach der Aktualität (vgl. Mast, Wirtschaftsjournalismus. S. 25). Vor allem aber ist die Form des Journalisten abhängig vom Medium, der Ressourcen und der jeweiligen vorherrschenden Unternehmensstruktur (vgl. Hummel, 2008, S. 9, i. d. F. abgerufen am 02. März 2009 von www.yahman.de).

Jede funktionale Differenzierung von Berichterstattung ist eine anerkannte, obwohl manche Kritiker verschiedene Standpunkte vertreten und einige journalistische Rollenbilder Grundlage ewig erscheinender Diskusionen geworden sind.

1.3.1.1. Investigationsjournalismus

Investigationsjournalismus, auch Enthüllungsjournalismus genannt, ist eine Form der Berichterstattung, welcher eine umfassende und präzise Recherche im öffentlichen Sinne zu Grunde liegt. Aus dem Lateinischen in das Deutsche übersetzt, bedeutet „investigare“ „aufspüren“ oder „genauestens untersuchen“ – durch intensive Recherche wird der Journalist, als ausführende Person, auch als Detektiv der Gesellschaft (vgl. Prittwitz und Gaffron, C., von, Vorlesung WS 2005/06, S. 3) bezeichnet. Meist handelt es sich um skandalöse, verdeckte oder nicht verdeckte Inhalte aus geheimen Quellen in den Ressorts Politik oder Wirtschaft wie z.B. die bekannteste Aufdeckungsaffäre in den USA, die „Watergate-Affäre“ (vgl. Hummel, Vortrag, i. d. F. abgerufen am 30. April 2009 von www.kfj.at).

Weischenberg beschreibt den investigativen Journalismus in seinem „Berichterstattungsmuster“ als eine Art „Wachhund“ bzw. „Anwalt der Gesellschaft“, welcher eine engagierte und parteiliche Wahrnehmung sowie als subjektiver Reporter Kontrolle und Kritik an gesellschaftskritischen Themen ausübt.

Dem investigativen Journalismus ähnlich ist der Präzisionsjournalist, welcher nach wissenschaftlichen Kriterien recherchiert, objektiv und nüchtern seine Arbeit verrichtet. Dieser Blickwinkel kann investigativ betrieben sein, muss es aber nicht, was auch in der Praxis üblich ist, denn wissenschaftliche Arbeiten benötigen viel Zeit und fordern hohe Sachkompetenzen (vgl. ebd.).

1.3.1.2. Interpretationsjournalismus

Zum Gegenstück des investigativen Journalismus zählt der Interpretationsjournalismus, bei dem es primär um individuelle Betrachtungsweisen geht. Als meinungsbildender Analytiker versucht der Vertreter dieses Rollenbildes „Strömungen zu erkennen und zu lenken“ (ebd., S. 9).

Als engagierter Erklärer mit der Funktion eines Meinungsbildners stellt Weischenberg (2002, S. 114) dieses journalistische Rollenbild dar, in dem „Themen aus individualistischer, subjektiven Perspektive“ (Mast, Wirtschaftsjournalismus, 1999, S. 27) vorbereitet werden.

1.3.1.3. Informationsjournalismus

Die am häufigsten verwendete Form der Berichterstattung im westlichen Teil des Erdballs ist der Informationsjournalismus oder objektive Journalismus, wie er zusätzlich genannt wird. Das Rollenbild des Informationsjournalisten gleicht dem eines Vermittlers, der versucht, Themen und Informationen auf einer neutralen-passiven, unparteilichen Ebene zu selektieren, um diese objektiv und informativ dem Rezipienten darzustellen (vgl. Kriener & Weischenberg, 2002, S. 116).

„Folgt ein Journalist diesem Verständnis, so sieht er seine wichtigste Aufgabe darin, im größtmöglichen Bemühen um Objektivität über Ereignisse oder Personen zu berichten. Er verzichtet dabei auf jede Wertung oder Bewertung.“ (Haas & Pürer, 1991, S. 71)

Der objektive Journalismus ist hauptsächlich mit der Sichtung und Veröffentlichung der Meldungen von Presseagenturen beschäftigt – der „Journalist“ wird aus diesem Grund auch „als lebendes Agentur-Mikrofon“ (vgl. Prittwitz und Gaffron, C., von, Vorlesung WS 2005/06, S. 2) bezeichnet. Meist ist es diese Art von Journalismus, welche Nachrichten von Presseagenturen ungefiltert und schlecht bis gar nicht recherchiert der Öffentlichkeit preisgibt, was nicht heißen soll, dass es der „Allgemeinheit“ nicht schadet. Anders beschrieben: Informationsjournalismus ist ein „Widerspiegeln von Tatsachen“. (Hummel, 2008, S. 8, i. d. F. abgerufen am 02. März 2009 von www.yahman.de)

Der Informationsjournalismus wird gerne und oft ausgeübt, da diese Form der Berichterstattung eine einfache und kostengünstige Produktionsart darstellt, wenig Aufsehen erregt und somit auch die geringste Kompetenzanforderung aufweist (vgl. ebd. S. 8).

1.3.1.4. Boulevardjournalismus

Merkmal des Boulevardjournalismus ist sein subjektives literarisches Stilmittel, welche Themen stark emotionalisierend aufbereitet und in unterhaltender Form einer breiten Öffentlichkeit zugänglich macht. Als Unterhaltungs- oder Populärjournalismus bekannt, übernimmt der Berichterstatter bei dieser Form die Rolle des „Entertainers“, er verbreitet Spaß und gute Laune und schenkt den Fakten und Tatsachen nicht allzu viel Aufmerksamkeit. (vgl. ebd. S. 9)

Anfang der 1990er Jahre hat sich der „Infotainment“, die Verschmelzung von Information und Entertainment, etabliert – nicht weit vom Sensationsjournalismus und einer oberflächlichen Informationsvermittlung entfernt (vgl. Morgenthaler, 2000, i. d. F. abgerufen am 30. April 2009 von www.innovations-report.de)

„Wo also Qualitätsjournalismus Kriterien von Objektivität und Wahrhaftigkeit beansprucht, legt Boulevardjournalismus durch Übertreibung, Exzess und Ironie die Konstruktionsprozesse der medialen Vermittlung offen.“ (Lünenborg, 2005, S. 99)

1.4. Aufgaben und Anforderungen

Um sich in der Welt der Medien- und Nachrichtenflut als Journalist zurechtzufinden, werden für die gewohnte Tätigkeit spezielle Kompetenzen benötigt, denn jedes Medium stellt für die Veröffentlichung neue Anforderungen dar. Die täglichen Aufgaben eines Reporters, Berichterstatters oder Redaktionsmanagers sind umfangreicher den je. Eine immense Anzahl an Agenturmeldungen, organisatorischen und wettbewerbstüchtigen Unternehmensrichtlinien sowie neue Technologien erfordern immer höhere Fähigkeiten, Kenntnisse und Fertigkeiten an jedem einzelnen Arbeitsplatz, egal ob in Print, Hör- oder Rundfunk.

1.4.1. Journalistische Kompetenzen

Fachliche Grundvoraussetzungen muss jeder in der Medienbranche mittels fundierter Ausbildung oder Studium erlernen und durch die Berufserfahrung verfeinern. Manche bringen eine ausgesprochene Begabung z.B. einen tollen Schreibstil oder besondere soziale Kompetenzen mit – doch das gesamte „Paket“ muss stimmen. In diesem Abschnitt werden die Kompetenzen, wie Fach-, Sach-, Technik- und Organisationskenntnisse, dargestellt, welche die Basis für journalistisches Arbeiten darstellen.

1.4.1.1. Fachkompetenz

Ist das Wissen, welches das journalistische „Handwerk“ betrifft. Dies inkludiert „vor allem Recherche, Auswahl von Nachrichten, Redigieren, Organisation und Technik sowie journalistisches Fachwissen“ (Mast, ABC des Journalismus, 2004, S. 115).

Nach Weischenberg (1990, S. 24) fallen alle „instrumentellen Fähigkeiten, also das "Handwerk", unter den Begriff Fachkompetenz. Sie „beinhalten Recherche, Selektion sowie Organisation und Technik“ als auch „das journalistische Fachwissen“, welches sich gliedert „in allgemeine medienwissenschaftliche Kenntnisse sowie spezifisches Wissen in den Bereichen: Medienpolitik, Medienrecht, Mediengeschichte und Medientechnik“.

1.4.1.2. Sachkompetenz

Als Sachkompetenz werden die Fertigkeiten, sich mit grundlegenden Themen (Wissenschaft, Politik, Sport etc.) auseinanderzusetzen und Zusammenhänge sowie Assoziationen Ressorts übergreifend zu erkennen, bezeichnet. Das entsprechende Wissen wird durch Ausbildung, Studium oder lange Berufserfahrung erworben. (vgl. Prittwitz und Gaffron, C., von, Vorlesung WS 2005/06, S. 1)

Michael Haller, Universitätsprofessor in Leipzig, deklariert Sachkompetenz durch die drei Grundeigenschaften eines Journalisten: Kommunikator, Vermittler und Transporteur. Demnach muss ein Reporter soziodemographische Merkmale seiner Zielgruppe kennen, sein Medium zwischen Zwang und Routine fest im Griff haben und ein Meister in seinem zuständigen Ressort sein. Diese drei Dimensionen sind voneinander abhängig und gehen fließend ineinander über. (vgl. Haller, 2004, S. 320)

Orientierungswissen, folglich als gesellschaftliches Grundwissen wie Politik, Ökonomie und Soziologie, die „Kenntnis von Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens“ sowie der „sozialwissenschaftlichen Methoden“ beschreibt Weischenberg (1990, S. 24) in seinem viel zitierten Kompetenzraster als Sachkompetenz.

1.4.1.3. Vermittlungskompetenz

Das ist die Eigenschaft eines Journalisten, welcher komplexe Inhalte einer zielgruppenspezifischen Masse verständlich und logisch unterbreiten kann. Wichtig sind dabei die Vertrautheit mit den vielfältigen Darstellungsformen sowie mediencharakteristische Präsentationsformen. (vgl. Mast, ABC des Journalismus, 2004, S. 116)

Weischenberg beschreibt dies kurz und prägnant als themen- und rezipientenorientierte Präsentationsform des Journalisten (vgl. Weischenberg, 1990).

1.4.1.4. Technikkompetenz

Neue und weiterentwickelte Technologien dürfen einen professionellen Journalisten nicht abschrecken und in seiner Arbeit einschränken. Somit muss er neben der Fähigkeit komplizierte Inhalte einfach darzustellen ebenso die Begabung haben, sich mit dem Fortschritt der Medientechniken sowie deren technischer Produktionsweise zu beschäftigen, egal ob für Print, Online-Medien oder z.B. Blogs, die Vorteile erkennen, nutzen und positiv für qualitativen und professionellen Journalismus nutzen. (vgl. Mast, 2004, S. 116 f.)

1.4.1.5. Organisationskompetenz

Ferner ist noch die Organisationskompetenz als Anforderung an den Journalisten zu erwähnen. Dabei muss er nach Mast (ebd.) über „Einsicht und Kenntnis in die Abläufe des Medienmanagements, seiner Organisation und der ökonomischen wie publizistischen Ziele im Medienwettbewerb verfügen.

Aus der Summe der beschriebenen Fähigkeiten resultiert und entwickelt der Journalist die Medienkompetenz: Publizisten müssen ihr „Handwerk“ beherrschen, sie müssen Informationen journalistisch bearbeiten und der technischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Grundlagen ihres Berufs kundig sein. Starker Wettbewerb und große Konkurrenz veranlassen den Journalisten, die Möglichkeiten des jeweiligen Mediums ordentlich zu kennen und diese zu optimieren (vgl. ebd. 116ff.). Die Definition von Dieter Baacke, dass Medienkompetenz nichts anderes ist als „die Fähigkeit, Medien und ihre Inhalte den eigenen Zielen und Bedürfnissen entsprechend effektiv zu nutzen“, zeigt sein Modell der Medienkompetenz, welches auf viele Bereiche heutiger Berufskategorien, nicht nur auf den Journalismus, übertragen werden kann (vgl. Baacke, Handbuch der Medien, 1999, S. 31 ff.).

„Ihr seid für all das zuständig; [...]Ihr seid dazu da, eure Millionen Leser und Hörer so fair und so gründlich zu informieren, dass sie bei den nächsten Wahlen keine allzu schlimmen Dummheiten begehen. [...] Gebt euch Mühe, es euren Lesern und Hörern so mitzuteilen, dass sie es verstehen können und dass sie es lesen wollen.“ (Raue & Schneider, 2003, S. 22)

1.4.2. Journalistisches „Handwerk“

Die Recherchearbeit von Journalisten besteht in der Praxis, geprägt durch Zeitmangel oder redaktionellen Druck, oft nur aus einem kurzen Telefonanruf oder dem Kopieren verschiedener Pressetexte. Von jungen Journalisten, ebenso von Außenstehenden, wird der publizistische Beruf häufig idealistisch wahrgenommen. Heldenhafte Journalisten, die illegale Missstände und gesetzeslose Bösewichte aufdecken und somit der Gesellschaft und der demokratischen Gesetzgebung durch eben diese gründlich und intensiv recherchierte Enthüllungsstory eine essentielle Hilfe sind. Natürlich können Ergebnisse des investigativen Journalismus dementsprechend honoriert werden, leider sieht die Realität anders aus. „Journalistisches Rüstzeug“ und „publizistische Verantwortung“, zwei grundlegende Voraussetzungen, welche jeder Berichterstatter, Reporter oder Korrespondent, laut Mast C. (2004) in seine tägliche Arbeit miteinbeziehen sollte.

Unter „journalistischem Rüstzeug“ versteht Mast (2004) Reflexion und Vorbehalt gegenüber Meldungen und Informationen, eine selbstkritische Stellungnahme gegenüber Quellen und die damit verbundene Selbstkontrolle der Arbeitsweise eines Journalisten. Die Unabhängigkeit von politischen, wirtschaftlichen und voreingenommenen Ansichten, eine klare Darstellung der Ereignisse unter der Voraussetzung, dass Auswirkungen der Meldung, Ursache und die Folgen gewissenhaft überprüft werden.

Mit „publizistische Verantwortung“ ist die Einhaltung der Sorgfaltspflicht aus gesetzlicher und ethischer Sicht gemeint. Jeder Journalist muss sich der Konsequenzen bei falscher Berichterstattung in Bezug auf den Schutz der Menschen- und Persönlichkeitsrechte sowie angerichteten Schaden einer „öffentlichen Verantwortung“ bewusst sein. (vgl. ebd. 2004, S. 204 f.)

Michael Haller, Professor für Allgemeine und Spezielle Journalistik an der Universität Leipzig, betrachtet „Öffentliche Verantwortung“ unter drei Aspekten. Daraus leitet er die „Ziele und Grenzen“ der journalistischen Rechercheaktivität ab:

- Relevanz

Ist die Bedeutsamkeit eines gewählten Themas, dessen Nachrichtenwert und die Überlegung, ob „die wichtigsten Aspekte des Ereignisses zum Vorschein“ kommen.

- Gültigkeit

Ob die Inhalte eines Themas, die nachgeforschten Informationen und Hinweise, auf ihren Legitimitätswert hin überprüft und „Wahres“ vom „Falschen“ getrennt ist?

- Verstehbarkeit

Sind die Angaben nachvollziehbar, nicht lückenhaft und so umfassend, um die Begebenheit und ihre Zusammenhänge verstehen und ausreichend darstellen zu können (vgl. Haller, 2004, S. 51 ff.).

In der Praxis können die drei Merkmale nur selten bis gar nicht eingehalten werden. Diese Kennzeichen sind vielmehr als Richtwert zu betrachten, um bei einer Annäherung an diese, „professionelle und qualitative Arbeit geleistet“ und „in richtige Bahnen“ gelenkt werden zu können (vgl. Mast, 2004, S. 205 f.).

1.4.2.1. Informationsquellen

Folgender Abschnitt soll einen Überblick über die verschiedenen Informationsquellen geben, aus denen der Journalist schöpft.

- Nachrichtenagenturen

Sind z.B. die Deutsche Presse Agentur (dpa), das Pendent dazu die Österreichische Presse Agentur (apa), Reuters oder Bloomberg, um nur einige zu nennen. Nachrichtenagenturen stellen die Grundlage der Recherche in der heutigen Zeit dar.

- Pressestellen

Meist parteiische Informationsquellen, sollten eher als Themenanregung und als Grundlage dienen und unbedingt gegenrecherchiert werden.

- Datenbanken und Archive

Vor allem die hauseigene Datenbank gilt als erste Anlaufstelle, um einen Überblick über das Thema, was dazu bereits veröffentlicht wurde, wer an der Geschichte beteiligt ist etc. zu bekommen. Bei der weiteren Informationsrecherche unterstützen den Journalisten öffentlich zugängliche Datenbanken wie z.B. von Bibliotheken, Behörden und Ämtern sowie die umfangreichen Online-Datenbänke der Zeitungen, die Medienarchive der Medienhäuser und diverse Internet-Suchmaschinen.

- Nachschlagewerke

Lexika, Enzyklopädien, Verzeichnisse (Telefonbücher, Gelbe Seiten, ...) helfen bei der Suche nach Informationen über einen bestimmten Sachverhalt.

- Sonstige Einrichtungen

Von Experten, Universitäten und Forschungseinrichtungen, Staatsanwaltschaften, Polizei und Anwälten kann Auskunft über bestimmte Vorgänge und Zustände bezogen werden, natürlich unter der Voraussetzung, dass die Privatsphäre der Betroffenen geschützt ist.

1.4.2.2. Die Recherche

„Das Ziel jeder journalistischen Recherche besteht darin, Geschehnisse möglichst genau und umfassend in Erfahrung zu bringen – und die dabei gewonnenen Informationen, soweit sie zutreffend sind, in einen Sinnzusammenhang zu stellen und öffentlich zu machen.“ (Haller, Recherchieren, 2004, S. 51)

Aus dem Französischen abgeleitet bedeutet „recherchieren“ nachforschen, ermitteln (vgl. Duden. Die deutsche Rechtschreibung., 2004) und im journalistischem Sinne, wie Haller bereits definierte, den Wahrheitsgehalt eines Ereignisses, einer Meldung zu überprüfen und plausibel der Öffentlichkeit zu präsentieren.

„Wer möglichst viele Details und Ansichten sammelt, sortiert, gewichtet und überschaubar präsentiert, der kann mit gutem Gewissen schreiben. Jede Mitteilung so zu überprüfen, wär ideal; aber dies ist unmöglich, vor allem unbezahlbar, weil entweder die Zeit fehlt oder das Personal, der Wille oder die Lust.“ (Raue & Schneider, 2003, S. 47)

Der Beruf Journalismus und sein Hilfsmittel – die Recherche – auswirkend auf die publizierten Texte und Nachrichten, leiden unter dem großen Druck der medienökonomischen Faktoren (vgl. Kapitel 3). „Schwierig“ ist milde beschrieben das, was unzählige Berichterstatter täglich an Informationen filtern, auswählen, redigieren und der Gesellschaft, in simplen Darstellungsformen, präsentieren.

Die Methoden, ein bestimmtes Thema zu erforschen, sind von Journalist zu Journalist unterschiedlich. Es gibt dabei keine einheitliche Vorgehensweise. Die folgenden Arbeitsweisen und Praktiken sind deshalb größtenteils als Anregung zu verstehen und stellen eine Möglichkeit für Redakteure und Journalisten dar, Informationen zu hinterfragen (vgl. Mast C, 2004, S. 218).

1.4.2.2.1. Recherchegrundlagen

- W- Fragen

Mit Hilfe der W-Fragen bezieht der Journalist das Wesentliche einer Story und kann sich durch diese ein umfangreiches Bild über die Geschehnisse oder den Tathergang aneignen ohne etwas Wichtiges zu vergessen. Wer war beteiligt, was ist geschehen, wo und wann bilden den Grundstock der Arbeitsmethode. Erweitert wird diese um die Fragen, wie ist es passiert und warum, was waren die Beweggründe der Beteiligten? Angaben von Augenzeugen oder von Experten müssen entsprechend deklariert, d. h. zitiert und gekennzeichnet werden – also das woher aufgeführt sein. (vgl. Raue & Schneider, 2003; Prittwitz und Gaffron, C., von, Vorlesung WS 2005/06)

- Basisrecherche

Die Basisrecherche ist als „die Überprüfung bereits vorhandener Informationen zu verstehen“. Dabei sind eine anspruchsvolle Faktenkontrolle, eine vorsichtige Behandlung bezgl. Fälschungen sowie eine kritische Einstellung zum Thema wichtig (vgl. Mast C, 2004, S. 219 f.).

- Erweiterungsrecherche

Wurden alle Fakten lückenlos recherchiert und somit eine ordentliche Grundbasis des Themas geschaffen, können durch Befragungen von Informanten und Zeugen weitere Informationen eingeholt sowie das betreffende Thema damit vervollständigt und ergänzt werden.

- Thesenrecherche

Ebenso kann, nachdem Journalisten sich mit den Informationen näher auseinander gesetzt haben, den Theorien und Thesen auf den Grund gegangen und dazu Nachforschungen veranlasst werden. Solche Thesen auf den Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen, kann intensiv sein und lange andauern, dabei sollte sich der Reporter nicht in die Irre führen lassen (vgl. ebd.).

1.4.2.2.2. Methoden der intensiven Recherche

- Das Interview

Das Interview zählt zu der Königsklasse der publizistischen Recherchemethoden und stellt einen wesentlichen Bestandteil zur Überprüfung einer Geschichte dar. Gemäß Haller gibt es zwei Arten von Interviewformen: Das „geformte Interview“, welches als Gespräch oder Porträt einer Person zugrunde liegt, und die andere Form als „Instrument der Informationsbeschaffung im Rahmen der Recherche“. Um an weitere Informationen über ein Ereignis zu kommen, interessiert das Interview als Konversation, „als so genanntes Hintergrundgespräch und auch als Aussagen- bzw. Zitat-Beschaffung“. (Haller, 2004, S. 227)

Wichtig dabei ist, mit wem und wann das Gespräch geführt, wie es aufgebaut oder ob provoziert werden möchte, um an Informationen zu gelangen und welche Fragetechniken – offene oder geschlossene – angewendet werden. Rhetorische Kenntnisse, soziale Kompetenz und „ein offenes Ohr“ für den Interviewpartner sind wichtige Fähigkeiten, auf welche unablässig geachtet werden sollte. (vgl. Schneider & Raue, 2003, S. 79 ff.; Haller, 2004, S. 227 f.)

- „Puzzle“-Methode

Die „Puzzle“-Methode nach Brendel ist eine aufwändige, zeitintensive Methode, bei der die gesammelten Informationen nacheinander, wie bei einem Puzzle, zusammengefügt werden und somit ein Gesamtbild der Tatsachen ergeben (vgl. Brendel, 2002).

[...]

Ende der Leseprobe aus 123 Seiten

Details

Titel
Der Journalist als Homo Oeconomicus
Untertitel
Inwieweit absatzpolitische Interessen und redaktionelle Leistungen miteinander verknüpft sind und sich die Berichterstattung an Markt- und Wettbewerbsstrategien, an PR-Kampagnen und an dem Interesse der Werbewirtschaft orientieren muss
Hochschule
Fachhochschule Salzburg
Note
1.0
Autor
Jahr
2009
Seiten
123
Katalognummer
V135455
ISBN (eBook)
9783640589050
ISBN (Buch)
9783640588848
Dateigröße
1467 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Journalismus, Quote, Quotengeilheit, Public Relations, Ethik und Moral im Journalismus;, PR-Kampagnen;
Arbeit zitieren
Katharina Riepertinger (Autor), 2009, Der Journalist als Homo Oeconomicus, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135455

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