In der vorliegenden Arbeit wird der Einfluss von absatzpolitischen Maßnahmen auf die Berichterstattung vor allem durch die Auswirkung von Öffentlichkeitsarbeit auf den Journalismus analysiert.
Die Medienhäuser konkurrieren täglich um ein immer knapperes Gut – die Aufmerksamkeit des Publikums. Die Ökonomisierung, die Jagd nach Quoten und der Mangel an Zeit haben den Leistungsdruck der Journalisten und Redakteure immens erhöht. Trotzdem müssen die Berichterstatter das gleiche Pensum an redaktioneller Leistung, trotz täglicher Informationsflut und Knappheit der Ressourcen, erbringen. Wie? Das sehen wir jeden Tag, wenn wir den Fernseher einschalten: Spannende, aktuelle Themen, „gewürzt“ mit ein bisschen Sensationsgier hier und ein bisschen Glitzer und Glamour da – die Personalisierung hat wie ein Virus schon nahezu jedes Medium und jedes Thema erreicht. Die Medien ringen um Beachtung ihrer Botschaften und Produkte, um im Wettbewerb überleben zu können, denn nur wer die höheren Einschaltquoten hat, ist am Ende des Tages der Sieger.
Gezwungen durch absatzpolitische Maßnahmen vermischt sich die Themenauswahl der Journalisten immer mehr mit bestimmten Unternehmen oder Produkten, da diese besseren und größeren Erfolg versprechen als zeitintensive, aufwendig recherchierte Inhalte. Dies hat weitreichende ethische und moralische Auswirkungen auf die Schreibenden und nicht zuletzt auf das Vertrauen, welches die Rezipienten den Redakteuren täglich entgegenbringen. Die soziale Verantwortung, die jeder Medienschaffende in sich trägt, muss sich immer mehr an die Regeln von Markt und Organisation anpassen, die Grenzen zwischen Unternehmen und Pressewesen verschwimmen allmählich.
Die Forschungsfrage bezieht sich auf den Journalismus unter der Prämisse Homo Oeconomicus, welcher anhand medienwirtschaftlicher Aspekte beleuchtet wird. Inwieweit absatzpolitische Interessen und redaktionelle Leistungen miteinander verknüpft sind und sich die Berichterstattung an Markt- und Wettbewerbsstrategien, an PR-Kampagnen und an dem Interesse der Werbewirtschaft orientieren muss und beeinflusst wird.
Inhaltsverzeichnis
TEIL I: Einleitung
TEIL II: Grundlagentheorien des Journalismus und der Public Relations
1. Themen und Grenzen des Journalismus
1.1. Definitionsskizze Journalismus
1.2. Journalistische Rahmenbedingungen
1.3. Journalismus als Beruf
1.3.1.Journalismusgenres
1.3.1.1. Investigationsjournalismus
1.3.1.2. Interpretationsjournalismus
1.3.1.3. Informationsjournalismus
1.3.1.4. Boulevardjournalismus
1.4. Aufgaben und Anforderungen
1.4.1.Journalistische Kompetenzen
1.4.1.1. Fachkompetenz
1.4.1.2. Sachkompetenz
1.4.1.3. Vermittlungskompetenz
1.4.1.4. Technikkompetenz
1.4.1.5. Organisationskompetenz
1.4.2.Journalistisches „Handwerk“
1.4.2.1. Informationsquellen
1.4.2.2. Die Recherche
1.4.2.2.1. Recherchegrundlagen
1.4.2.2.2. Methoden der intensiven Recherche
1.5. Journalistische Darstellungsweisen
1.5.1.Nachricht
1.5.2.Bericht
1.5.3.Reportage
1.5.4.Kommentar
1.6. Rechte und Pflichten des Journalismus
1.7. Fazit
2. Themen und Grenzen der PR
2.1. Definitionsskizze Public Relation
2.1.1.Begriffsabgrenzung
2.1.1.1. PR und Werbung
2.1.1.2. PR und Propaganda
2.1.1.3. PR und Marketing
2.1.1.4. Fazit
2.2. Public Relation als Beruf
2.2.1.Arbeitsweise der PR
2.2.1.1. PR-Prozess
2.2.1.2. PR-Instrumente
2.2.1.2.1. Pressearbeit
2.2.1.2.2. Die Pressemitteilung
2.2.1.2.3. Die Pressekonferenz
2.2.1.2.4. Das Pressegespräch
2.2.1.2.5. Kontakt mit Journalisten
2.2.1.3. Ausgesuchte PR-Instrumente
2.2.1.3.1. Produkt-PR
2.2.1.3.2. Sponsoring
2.2.1.3.3. Online-PR
2.2.2.Kompetenzanforderungen
2.3. Rechte und Pflichten der PR
2.4. Ethische Rahmenbedingungen: Journalismus und PR
2.4.1.Journalistische Ethik
2.4.2.Public Relation und Ethik
2.4.3.Fazit Ethik
2.5. Fazit und Exkurs: Unterschiede Journalismus und PR
TEIL III: Journalismus und Public Relations unter ökonomischen Aspekten
3. Medienökonomische Rahmenbedingungen
3.1. Was ist Medienökonomie?
3.2. Was ist ein Homo Oeconomicus?
3.3. Wertschöpfungsstruktur
3.4. Finanzierungsmodelle der Medienbranche
3.4.1.Rezipientenfinanzierung
3.4.2.Werbefinanzierng
3.4.3.Öffentlich-rechtliche Finanzierung
3.5. Ziele der verschiedenen Mediensysteme
3.5.1.Ökonomisches Prinzip
3.5.2.Produktivität
3.5.3.Wirtschaftlichkeit
3.5.4.Rentabilität und Gewinn
3.6. Der Markt
3.6.1.Marktformen
3.6.2.Marktzutritt und -barrieren
3.6.3.Marktanteil
3.7. Wettbewerb
3.7.1.Funktion und Ziel
3.7.2.Wettbewerbsformen
3.7.3.Konzentration und Verflechtungen
3.8. Absatz und Marketing
3.8.1.Absatzplanung
3.8.2.Absatzpolitische Instrumentarien
4. Auswirkung der Medienökonomie auf den Journalismus
4.1. Zunahme des Wettbewerbs
4.1.1.Allokative und produktive Effizienzzunahme der Medienproduktion
4.2. Technischer Fortschritt
4.3. Wandel der beruflichen Anforderungen des Journalismus
4.4. Fazit und Exkurs: Journalismus im Konflikt mit PR
Teil IV: Der Journalist als Homo Oeconomicus
5. Homo Oeconomicus vs. Homo Oeconomicus maturus
5.1. Anreize, knappe Ressourcen und eingeschränkte Rationalität
5.1.1.Anreize, Motive und Präferenzen
5.1.2.Knappe Ressourcen und eingeschränkte Rationalität
5.2. Verknüpfung von absatzpolitischen Interessen und redaktionellen Leistungen
TEIL V: Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert den Einfluss absatzpolitischer Maßnahmen auf den Journalismus, insbesondere im Kontext von Öffentlichkeitsarbeit und medialer Ökonomisierung. Ziel ist es, die Forschungsfrage zu beantworten, inwieweit redaktionelle Leistungen mit Marktstrategien und PR-Interessen verknüpft sind, wobei das Modell des "Homo Oeconomicus" als theoretische Prämisse für das Handeln von Journalisten dient.
- Journalismus unter dem Druck der Ökonomisierung und Wettbewerbsstrategien.
- Die Rolle der Public Relations und ihr Einfluss auf die journalistische Unabhängigkeit.
- Das theoretische Konstrukt des "Homo Oeconomicus" angewandt auf Medienakteure.
- Medienökonomische Grundlagen wie Finanzierungsmodelle und Wertschöpfungsstrukturen.
- Ethische Spannungsfelder zwischen Journalismus, PR und wirtschaftlichen Interessen.
Auszug aus dem Buch
1.1. Definitionsskizze Journalismus
Wird vom „Journalismus“ gesprochen, bezeichnet dieser nicht die gesamte Wissenschaft an sich, sondern meist die ausführende Person, welche dem Journalismus angehört – den Journalisten. (vgl. Weischenberg, 2004, S. 40). Der Journalist ist eine Person, die all die Geschehnisse des Alltags objektiv filtert, für ein bestimmtes Medium entsprechend sachlich aufbereitet und darstellt. Der literarische Journalist Robert E. Prutz hat den Journalismus wie folgt definiert:
„Der Journalismus überhaupt, in seinen vielfachen Verzweigungen und der ergänzenden Mannigfaltigkeit seiner Organe, stellt sich als das Selbstgespräch dar, welches die Zeit über sich selber führt. Er ist die tägliche Selbstkritik, welcher die Zeit ihren eigenen Inhalt unterwirft; das Tagebuch gleichsam, in welches sie ihre laufende Geschichte in unmittelbaren, augenblicklichen Notizen einträgt.“ (Prutz, 1971, S. 7)
Prutz versteht den Journalismus als ein Zeitgespräch unserer Gesellschaft, als Sprachrohr für die Öffentlichkeit und dessen Kritik an sich selbst, welche in kleinen Fragmenten Tag für Tag zusammengetragen werden. Woher stammt das Wort „Journalismus“ und was bedeutet es?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Themen und Grenzen des Journalismus: Dieses Kapitel definiert Journalismus, beleuchtet journalistische Kompetenzen und Handwerk sowie die verschiedenen Genres wie Investigations- oder Boulevardjournalismus.
2. Themen und Grenzen der PR: Hier werden die Grundlagentheorien der Public Relations dargelegt, eine Abgrenzung zu Marketing und Werbung vorgenommen und die Instrumente der PR sowie ethische Rahmenbedingungen analysiert.
3. Medienökonomische Rahmenbedingungen: Dieses Kapitel behandelt die wirtschaftlichen Grundlagen von Medienunternehmen, einschließlich Finanzierungsmodellen, Märkten und Wettbewerb sowie das ökonomische Prinzip.
4. Auswirkung der Medienökonomie auf den Journalismus: Hier wird der Einfluss von Wettbewerbsdruck und technischem Fortschritt auf die journalistischen Anforderungen und die Arbeitsweise in Redaktionen untersucht.
5. Homo Oeconomicus vs. Homo Oeconomicus maturus: Dieses Kapitel analysiert das Verhalten von Journalisten anhand ökonomischer Theorien, erweitert um das Modell des Homo Oeconomicus maturus, um die Verknüpfung von ökonomischem Eigeninteresse und redaktioneller Tätigkeit zu beleuchten.
Schlüsselwörter
Journalismus, Public Relations, Medienökonomie, Homo Oeconomicus, Öffentlichkeitsarbeit, Pressearbeit, Medienwettbewerb, journalistische Ethik, Quotenjagd, ökonomisches Prinzip, Recherche, Medienkonvergenz, Informationsgesellschaft, Journalistische Kompetenz, Interessenverknüpfung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Diplomarbeit untersucht den Einfluss von Public Relations und ökonomischen Interessen auf die journalistische Berichterstattung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Abgrenzung von Journalismus und PR, die medienökonomischen Rahmenbedingungen sowie das Menschenbild des Journalisten als rationaler Akteur.
Was ist das primäre Ziel der Forschung?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, inwieweit redaktionelle Inhalte durch absatzpolitische Interessen und Wettbewerbsstrategien beeinflusst werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine theoretische Fundierung durch Literaturanalyse und die Anwendung des Modells des "Homo Oeconomicus" auf die journalistische Berufsgruppe.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen des Journalismus, der Public Relations, medienökonomische Rahmenbedingungen sowie die kritische Analyse des Journalisten als Homo Oeconomicus.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Medienökonomie, journalistische Ethik, Öffentlichkeitsarbeit und die ökonomische Nutzung von Medienressourcen charakterisiert.
Was unterscheidet den "Homo Oeconomicus" vom "Homo Oeconomicus maturus"?
Der klassische Homo Oeconomicus strebt isoliert nach rein materiellem Nutzen, während der maturus-Ansatz den Menschen als soziales Wesen in einem komplexen Geflecht aus Werten und Umweltbeziehungen betrachtet.
Welche Rolle spielt der Zeitdruck für Journalisten?
Zeitdruck führt laut der Autorin dazu, dass Journalisten oft auf PR-Materialien angewiesen sind, was die Trennung zwischen objektivem Journalismus und PR zunehmend verwischt.
- Quote paper
- Katharina Riepertinger (Author), 2009, Der Journalist als Homo Oeconomicus, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135455