Eingetragene Genossenschaften (eG) sind gem. § 53 Abs. 1 Genossenschaftsgesetz (GenG) einer Pflichtprüfung zu unterziehen, wobei die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung sowie die Führung der Mitgliederliste zumindest in jedem zweitem Geschäftsjahr zu prüfen sind.
Zielsetzung des Working Papers ist es, Potenziale zur Fortentwicklung der deutschen Genossenschaftsprüfung aufzuzeigen. Hierzu werden unter Berücksichtigung der Grundlagen des Genossenschaftswesens sowie deren Prüfung in Deutschland Implikationen zur Fortentwicklung der Genossenschaftsprüfung unter dem Blickwinkel einer (inter)nationalen Harmonisierung der Rechtsordnung analysiert.
Inhaltsverzeichnis
1 Problemstellung
1.1 Pflichtprüfung von Genossenschaften
1.2 Grundlagen und Wesen von Genossenschaften
1.3 Europäische Genossenschaft (SCE)
1.4 Genossenschaftliches Prüfungsverbandswesen
1.5 Geschäftsführungsprüfung in Genossenschaften
2 Relevanz des Themas
3 Zielsetzung und Vorgehensweise
4 Implikationen zur Fortentwicklung der Genossenschaftsprüfung
4.1 Internationale Aspekte der genossenschaftlichen Prüfung
4.2 Implikationen aus der Prüfung verwandter Gesellschaftsformen
4.3 Implikationen jüngerer Einflüsse
4.4 (Branchen-)spezifische Besonderheiten in der Rechnungslegung und im Prüfungswesen
5 Empirische Untersuchung
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit befasst sich mit der Konzeption von Vorschlägen zur Fortentwicklung der gesetzlichen Genossenschaftsprüfung (§ 53 GenG). Das primäre Ziel besteht darin, unter Berücksichtigung internationaler Harmonisierungsbestrebungen im europäischen Gesellschaftsrecht sowie aktueller branchenspezifischer Einflüsse, fundierte Standards und Grundsätze für die Prüfung von Genossenschaften zu erarbeiten.
- Analyse der gesetzlichen Grundlagen und des Wesens des deutschen Genossenschaftswesens.
- Untersuchung internationaler Aspekte und grenzüberschreitender Harmonisierungstendenzen.
- Vergleich der Prüfungsanforderungen mit verwandten Rechtsformen wie Vereinen und Stiftungen.
- Bewertung jüngerer regulatorischer Einflüsse (z.B. Corporate Governance, BilMoG-RegE) auf die Prüfungspraxis.
- Konzeption einer empirischen Untersuchung zur Identifikation von Optimierungspotenzialen in der Geschäftsführungsprüfung.
Auszug aus dem Buch
1.1 Pflichtprüfung von Genossenschaften
Eingetragene Genossenschaften (eG) sind gem. § 53 Abs. 1 Genossenschaftsgesetz (GenG) einer Pflichtprüfung zu unterziehen, wobei die wirtschaftlichen Verhältnisse, die Ordnungsmäßigkeit der Geschäftsführung sowie die Führung der Mitgliederliste zumindest in jedem zweitem Geschäftsjahr zu prüfen sind. Sofern die Bilanzsumme der Genossenschaft zwei Millionen (Mio.) Euro übersteigt, ist die Prüfung jährlich vorzunehmen. Weiterhin ist gem. § 53 Abs. 2 GenG der Jahresabschluss inkl. Buchführung sowie der Lagebericht in die Prüfung der Genossenschaft einzubeziehen, wenn die Bilanzsumme eine Mio. Euro sowie die Umsatzerlöse zwei Mio. Euro übersteigen. In diesem Fall sind die §§ 316 Abs. 3, 317 Abs. 1 Satz 2 und 3, Abs. 2, 324 a Handelsgesetzbuch (HGB) analog anzuwenden.
Unmittelbar wird ersichtlich, dass die Genossenschaftsprüfung im Vergleich zur handelsrechtlichen Prüfungspflicht (§§ 316-324 a HGB) einerseits aufgrund der zusätzlichen Geschäftsführungsprüfung wesentlich umfangreicher und andererseits bereits für erheblich kleinere Gesellschaften notwendig ist. Die Ausweitung des Prüfungsgegenstands bei Genossenschaften lässt sich u.a. mit der fehlenden Überwachung der Geschäftsführung durch den Kapitalmarkt sowie dem besonderen Interesse der Mitglieder an der sorgfältigen Verwaltung und dauerhaften Sicherung des Vermögens inkl. der damit verbundenen Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit der Genossenschaft begründen.
Jede Genossenschaft ist zur Mitgliedschaft in einem Prüfungsverband verpflichtet, der die Prüfung i.S.v. § 53 GenG vornimmt. Dieser hat als weiteres besonderes Merkmal im Gegensatz zu Wirtschaftsprüfungsgesellschaften bei handelsrechtlichen Prüfungen das Recht zur Prüfungsverfolgung. Die Prüfung endet daher nicht mit der Erstellung des Prüfungsberichts, sondern der genossenschaftliche Prüfungsverband hat verschiedene Rechte, um eine Beseitigung der im Prüfungsbericht festgestellten Mängel durchzusetzen (z.B. das Recht zur Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung gem. § 60 GenG).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die gesetzliche Pflichtprüfung für Genossenschaften ein, erläutert die Grundlagen und das Wesen der Genossenschaften sowie die Rolle der Prüfungsverbände und die Bedeutung der Geschäftsführungsprüfung.
2 Relevanz des Themas: Hier wird die Notwendigkeit der Fortentwicklung der Genossenschaftsprüfung begründet, unter anderem durch aktuelle Entwicklungen im Genossenschaftswesen, Rechtsprechung und neue Anforderungen an die Unternehmensüberwachung.
3 Zielsetzung und Vorgehensweise: Dieses Kapitel definiert das Forschungsziel, nämlich die Konzeption von Reformvorschlägen unter Berücksichtigung internationaler Harmonisierung, und skizziert den methodischen Aufbau der Arbeit.
4 Implikationen zur Fortentwicklung der Genossenschaftsprüfung: Dieser Abschnitt analysiert internationale Aspekte, Vergleiche mit anderen Gesellschaftsformen sowie aktuelle regulatorische Einflüsse, die als Basis für die Weiterentwicklung der Prüfung dienen.
5 Empirische Untersuchung: Das Kapitel stellt die geplante empirische Analyse vor, die auf den Erkenntnissen der theoretischen Vorbetrachtungen aufbaut, um spezifische Themenkomplexe zur Prüfungspraxis zu untersuchen.
6 Fazit: Das Fazit fasst die Zielsetzung der Dissertation zusammen und gibt einen Ausblick auf die zu entwickelnden normativen Konsequenzen für die Genossenschaftsprüfung.
Schlüsselwörter
Genossenschaftsprüfung, Pflichtprüfung, Geschäftsführungsprüfung, Genossenschaftsgesetz, Prüfungsverband, Internationale Harmonisierung, Förderauftrag, Kooperationsform, Corporate Governance, Rechnungslegung, Abschlussprüfung, Genossenschaftswesen, Geschäftsführungsorganisation, EU-Recht, Interne Revision.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der wissenschaftlichen Analyse und Konzeption von Optimierungsvorschlägen für die gesetzliche Genossenschaftsprüfung in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentrale Themen sind die rechtlichen Grundlagen der Genossenschaftsprüfung, das genossenschaftliche Prüfungsverbandswesen, internationale Harmonisierungstendenzen sowie die Abgrenzung zu anderen Rechtsformen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es, internationale Standards bzw. Grundsätze zur Prüfung von Genossenschaften zu formulieren und konkrete Empfehlungen zur Anpassung des Genossenschaftsrechts und der Prüfungspraxis abzuleiten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit verbindet theoretische Grundlagenanalysen mit einer geplanten empirischen Untersuchung, um aus den erarbeiteten Erkenntnissen normative Konsequenzen abzuleiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden der Status Quo des deutschen Prüfungswesens, internationale Aspekte, der Vergleich mit verwandten Gesellschaftsformen und die Auswirkungen jüngerer regulatorischer Einflüsse detailliert untersucht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist insbesondere durch Begriffe wie Genossenschaftsprüfung, Pflichtprüfung, Geschäftsführungsprüfung, Prüfungsverband und internationale Harmonisierung geprägt.
Warum ist die Geschäftsführungsprüfung in Genossenschaften so besonders?
Im Gegensatz zum allgemeinen Handelsrecht ist die Geschäftsführungsprüfung bei Genossenschaften explizit gesetzlich vorgesehen, um den genossenschaftlichen Förderzweck und die Mitgliederinteressen materiell zu schützen.
Welche Rolle spielt die Europäische Genossenschaft (SCE) für das Thema?
Die Einführung der SCE und die damit verbundenen europäischen Harmonisierungstendenzen dienen als Katalysator und Vergleichsmaßstab für die notwendige Fortentwicklung der nationalen Genossenschaftsprüfung.
- Quote paper
- Remmer Sassen (Author), 2008, Fortentwicklung der Genossenschaftsprüfung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135458