Ziel dieser Hauptsseminararbeit ist es das fiskalpolitische Instrumentarium zu untersuchen, womit zwei rohstoffreiche Staaten – Norwegen und Chile – der resource curse entgegenwirken.
In beiden Ländern verfügt die Fiskalpolitik über (1) Regeln, die die staatlichen Ausgaben bestimmen und begrenzen (constraining) und (2) über Sovereign Wealth Funds (SWF), an denen einen Bedeutenden Anteil der Rendite aus dem Rohstoffsektor angelegt werden. Sowohl Norwegen, als auch Chile ist es somit gelungen ihre internationalen Reserven zu vermehren, die Volatilität der Haushaltsausgaben zu reduzieren und die Wirtschaft zu stabilisieren.
Trotz der vielen Parallele ist die Fiskalpolitik bieder Staaten nicht identisch. Während die norwegische Fiskalpolitik hauptsächlich darauf hinzielt die Finanzierung der Pensionen in der Zukunft zu sichern, stellt für die chilenische Regierung die Minderung der Volatilität der staatlichen Ausgaben und der Schaffung eines finanziellen puffers für die Umsetzung einer contrazyklischen Fiskalpolitik, das wichtigste Ziel ihrer Fiskalpolitik dar. Diese unterschiede sollte nicht verwundern, da die Ausgangspositionen beider Ländern in vielerlei Hinsichten nicht zu vergleichen sind. Norwegen ist eine schnell alternde Gesellschaft, was den Fiskus zunehmend unter Druck stellen wird, wegen der wachsenden Ausgaben (Renten, Gesundheit) für diese Altersgruppe. Chile hingegen ist ein Entwicklungsland, dessen Wirtschaft und Fiskalpolitik immer stark an den Rohstoffpreisen gekoppelt war. Das erklärt, das Interesse der chilenischen Policy Makers an der Schaffung einer Fiskalpolitik, die contrazyklisch und stabilisierend agiert.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die resource curse und die fiskalpolitische Zielen Norwegens und Chile
Aspekte der resource curse
Ziele der norwegischen und chilenischen Fiskalpolitik
3. Das Instrumentarium der norwegischen und chilenischen Fiskalpolitik
Die Partizipation des Staates am Rohstoffsektor.
3.1. Die Fondlösung: sparen für die Zukunft
3.1.2. Der norwegische Fond: Das Government Pension Fund Global, GPFG
Ziele des GPFG
Die Verwaltung des GPFG
Kontrollinstanzen
Finanzielle Entwicklung des Fonds
3.1.2. Das chilenische Fond: Das Stabilisierungsfond und das Pensionsfond
Ziele der Fonds
Verwaltung der Fonds
Kontrollinstanzen
Finanzielle Entwicklung des Fonds
3.1.3. Zwischenfazit
3.2 Fiskalregeln
3.2.1. Norwegen: die 4% Regel
Das Modell und seine Ziele
Einhaltung der Regel
3.2.2. Chile: Die strukturelle Haushaltsbilanzregel
Ziele
Das Modell
Ziel der Überschüsse
Einhaltung der Regel
3.2.3. Zwischenfazit
4. Indikatoren des Erfolgs der Fiskalpolitik
Stabilisierung der Wechselkurse
Zinsssätze
5. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das fiskalpolitische Instrumentarium von Norwegen und Chile, um der sogenannten „resource curse“ (Ressourcenfluch) entgegenzuwirken. Die zentrale Forschungsfrage befasst sich damit, wie diese beiden rohstoffreichen Staaten ihre Haushalte vor volatilen Rohstoffpreisen schützen, ihre Staatsausgaben stabilisieren und die langfristige Finanzierung sozialer Verpflichtungen sicherstellen können.
- Analyse des Einflusses der staatlichen Rohstoffpartizipation auf die Fiskalpolitik.
- Vergleichende Untersuchung der Sovereign Wealth Funds (SWF) zur Zukunftsvorsorge.
- Evaluation der angewandten Fiskalregeln zur Begrenzung staatlicher Ausgaben.
- Bewertung des Erfolgs der Fiskalpolitik anhand von Wechselkursstabilität und Zinssätzen.
- Diskussion über das Verbesserungspotenzial der fiskalpolitischen Strategien beider Länder.
Auszug aus dem Buch
Die Verwaltung des GPFG
Die Verwaltung der internationalen Reserven erfordert die Entwicklung komplexer Richtlinien und Verwaltungsmechanismen. Für die Verwaltung des GPFG ist das Finanzministerium verantwortlich, das an die Norges Bank (Zentralbank) wichtige Aufgaben delegiert hat. Das Finanzministerium legt die langfristige Investitionsstrategie fest, während eine spezialisierte und unabhängige Abteilung der Zentralbank für die alltäglichen Transaktionen zuständig ist. Das Finanzministerium beschreibt folgendermaßen seine Ziele:
„The Government will pursue a policy based on sound, long-term management of Norway’s petroleum wealth. Such management reflects a fundamental social perspective and is an overarching priority for the Government (...) The purpose of the Government Pension Fund is to support government savings to finance the pension expenditure of the National Insurance Scheme and long-term considerations in the spending of government petroleum revenues“ (Ministery of Finance, Norway 2009, 3).
Um die Rendite des GPFG zu maximieren entwickelte das Finanzministerium ein Referenzmodell, wonach 60% des Vermögens in festen Anlagen und 40% in Aktien investiert werden müssen. Außerdem bestimmt das Referenzmodell, dass der Fond geographisch diversifiziert sein muss.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik des Ressourcenfluchs ein und definiert das Ziel der Arbeit, das fiskalpolitische Instrumentarium von Norwegen und Chile zu untersuchen.
2. Die resource curse und die fiskalpolitische Zielen Norwegens und Chile: Hier werden das Phänomen des Ressourcenfluchs sowie die spezifischen fiskalpolitischen Ziele zur Sicherung der Haushaltsnachhaltigkeit in beiden Ländern beleuchtet.
3. Das Instrumentarium der norwegischen und chilenischen Fiskalpolitik: Dieses Kapitel analysiert detailliert die Staatsbeteiligung, die Struktur der Staatsfonds und die spezifischen Fiskalregeln beider Staaten.
4. Indikatoren des Erfolgs der Fiskalpolitik: Hier wird der Erfolg der Maßnahmen anhand der Stabilisierung von Wechselkursen und der Entwicklung der Zinssätze für Staatsanleihen überprüft.
5. Zusammenfassung: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse und gibt Ausblicke auf mögliche Weiterentwicklungen der fiskalpolitischen Strategien in Norwegen und Chile.
Schlüsselwörter
Fiskalpolitik, Norwegen, Chile, Resource Curse, Rohstoffe, Staatsfonds, Sovereign Wealth Funds, Haushaltsregel, Wechselkursstabilität, Staatsanleihen, Rohstoffreichtum, Fiskaldisziplin, Rentenfinanzierung, Nachhaltigkeit, Konjunkturstabilisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie die rohstoffreichen Staaten Norwegen und Chile durch gezielte fiskalpolitische Maßnahmen den negativen Folgen eines Ressourcenfluchs entgegenwirken.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind der Einsatz von Staatsfonds, Fiskalregeln zur Ausgabenbegrenzung sowie die Auswirkungen dieser Strategien auf die makroökonomische Stabilität.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Hauptziel ist es, das fiskalpolitische Instrumentarium zu identifizieren und zu vergleichen, das es beiden Ländern ermöglicht, ihre Staatsausgaben von Rohstoffpreisschwankungen zu entkoppeln.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit angewandt?
Es handelt sich um eine vergleichende Fallstudienanalyse, die theoretische Ansätze der Fiskalpolitik mit empirischen Daten und Entwicklungen in Norwegen und Chile kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Staatsfonds (GPFG in Norwegen sowie FEES und FRP in Chile) und die detaillierte Darstellung der Fiskalregeln (4%-Regel vs. strukturelle Haushaltsbilanzregel).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Fiskalpolitik, Resource Curse, Staatsfonds, Haushaltsstabilität und langfristige finanzielle Nachhaltigkeit.
Wie unterscheidet sich die Zielsetzung der norwegischen Fonds von denen in Chile?
Norwegen nutzt seinen Fonds primär zur langfristigen Finanzierung künftiger Rentenlasten, während Chile seinen Fokus verstärkt auf die Glättung von Ausgabenschwankungen und die Umsetzung einer kontrazyklischen Politik legt.
Welchen Einfluss hatte die Weltwirtschaftskrise auf die Staatsfonds der beiden Länder?
Beide Länder waren von der Krise betroffen, was zu einer temporären Aussetzung von Einzahlungen und teils erheblichen Bewertungsverlusten in den Fonds führte.
Warum ist die Transparenz in der norwegischen Fiskalpolitik so bedeutend?
Norwegen gilt als weltweit eines der transparentesten Länder, was das Vertrauen der internationalen Märkte stärkt und maßgeblich zu den günstigen Konditionen bei Staatsanleihen beiträgt.
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- Lautaro Adrian Vilches (Author), 2009, Fiskalpolitische Antworten auf die 'resource curse' am Fallbeispiel Norwegen und Chile, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135489