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Fünf Wege zu Gottes Existenz?

Eine kritische Betrachtung der aquinischen Gottesbeweise

Title: Fünf Wege zu Gottes Existenz?

Seminar Paper , 2007 , 47 Pages , Grade: 1.5

Autor:in: MA Marcel Mertz (Author)

Philosophy - Theoretical (Realisation, Science, Logic, Language)
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Während Gottesbeweise gegenwärtig ausserhalb der römisch-katholischen Kirche und der philosophischen Theologie vermutlich keine sonderliche Relevanz mehr aufweisen, ist der Streit um die Existenz Gottes gerade durch neue atheistische Publikationen wie jene von Richard Dawkins auch öffentlich wieder aufgeflammt. Zwar ist dieser Streit in den angelsächsischen Print- und Internetmedien stärker repräsentiert als in den deutschsprachigen; die eigentliche Streitfrage dürfte indessen nicht davon abhängig sein. Daher lohnt es sich aus philosophischer Sicht, sich auch heutzutage mit Gottesbeweisen zu beschäftigen.
Denn rationale Gottesbeweise wie die sog. „Fünf Wege“ von Thomas von Aquin sind – da sie philosophische Beweise sein sollen – mit dem Anspruch ahistorischer Gültigkeit verbunden. Sie sollten also heutzutage genauso überzeugend sein wie im 13. Jahrhundert, als sie formuliert worden sind.
Ob dies tatsächlich zutrifft, überprüft die vorliegende Arbeit. Da solche Beweise durchaus auch heute noch in der Debatte eingesetzt werden, ist eine kritische Betrachtung dieser Beweise deutlich angezeigt. Dabei wird systematisch orientiert vorgegangen und nicht historisch, ohne aber deshalb die Wichtigkeit eines gewissen historischen Grundverständnisses der scholastischen Lebenswelt von Thomas von Aquin bestreiten zu wollen. Deshalb werden einige der für die gegebene Aufgabenstellung relevanten Aspekte der Philosophie von Thomas von Aquin im historischen Kontext dargestellt. Der wesentliche Teil der Arbeit bildet aber die kritische Prüfung der Gottesbeweise und ihre argumentative Bewertung.
Im Verlauf dieser Prüfung wird herausgearbeitet, dass obwohl die Beweise nicht in einem strikten Sinne widerlegt werden können, sie doch von erheblichen philosophischen Voraussetzungen abhängen und daher nicht „selbstgenügsam“ sind, also niemanden rational zu überzeugen vermögen, der nicht diesen philosophischen, meist metaphysischen Voraussetzungen (bereits) zustimmt. Dies wirft auch die Frage auf, ob ernsthaft von Gottes“beweisen“ gesprochen werden kann; die Arbeit thematisiert deshalb abschliessend, ob es akkuratere Beschreibungen für diese „Argumentationen für Gott“ geben könnte. Wenngleich dadurch aufgezeigt werden kann, dass die Rationalität solcher Argumentationen gerade in prudentiell-subjektiver Hinsicht nicht bestritten werden kann, ändert dies für das Endresultat jedoch wenig: Die aquinischen Beweise als objektive, ahistorisch gültige Beweise scheitern.

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Inhaltsverzeichnis

0. VORGEHEN UND AUFBAU DER KRITISCHEN BETRACHTUNG

1. „ALLE WEGE FÜHREN NACH ROM – UND FÜNF ZU GOTT!“

1.1. „Gottesbeweise“: Philosophisch und theologisch

1.2. Bekannte Gottesbeweise und ihre Kritik

2. THOMAS VON AQUIN UND DIE „NATÜRLICHE THEOLOGIE“

2.1. Thomas von Aquin – Platonismus, Aristotelismus und „die Bibel“

2.2. Natürliche Theologie – die rationale Erkenntnis von Gottes Existenz

3. ZIEL, VORGEHEN UND STRUKTUR DER „FÜNF WEGE“

3.1. Ziel

3.2. Vorgehen

3.3. Struktur

4. DIE „FÜNF WEGE“ (GOTTESBEWEISE)

4.1. Beweis der Bewegung (ex parte motus)

4.2. Beweis der Wirkursache (ex ratione causae efficientis)

4.3. Beweis der Kontingenz (ex possibili et necessario)

4.4. Beweis der Seinsstufen / der Vollkommenheitsstufen (ex gradibus perfectionum)

4.5. Beweis der Lenkung der Dinge / aus der Weltordnung (ex gubernatione mundi)

4.6. Das Wesen Gottes

5. WESHALB DIE GOTTESBEWEISE SCHEITERN

5.1. Könnte mit diesen Beweisen ein christlicher Gott bewiesen werden?

6. GOTTES“BEWEISE“?

7. „NUR EIN (ANGEBLICHER) WEG ZU GOTT: DER GLAUBE“

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht kritisch die sogenannten „Fünf Wege“ des Thomas von Aquin. Das primäre Ziel besteht darin, durch eine argumentative Rekonstruktion und Analyse aufzuzeigen, inwieweit diese philosophischen Gottesbeweise den Anspruch erfüllen, rationale Gründe für die Existenz Gottes – insbesondere des christlichen Gottes – zu liefern, und warum sie aus systematischer Sicht letztlich scheitern.

  • Kritische Analyse der philosophischen Gottesbeweise des Thomas von Aquin
  • Untersuchung des Verhältnisses von Natürlicher Theologie, Philosophie und Glaube
  • Argumentative Rekonstruktion und Prüfung der fünf aquinischen Wege
  • Diskussion über die immanenten Voraussetzungen und metaphysischen Grundannahmen der Beweise
  • Hinterfragung der Identifizierbarkeit des philosophisch erschlossenen Gottes mit dem christlichen Gott

Auszug aus dem Buch

4.1. Beweis der Bewegung (ex parte motus)

(…) [Der Beweis der Bewegung] geht von der Erfahrungstatsache der Bewegung aus; sagt sich, dass alles, was in Bewegung ist, von einem anderen bewegt werden muss, da nichts sich selbst bewegen kann; und weil man in der Abhängigkeit des Bewegten von den Bewegern nicht ins Unendliche zurückgehen kann (wenn es keinen ersten Beweger gibt, gibt es auch keinen zweiten, denn alle Zweitursachen hängen von der ersten ab), muss man schliesslich einen ersten Beweger annehmen, der nicht mehr von einem anderen bewegt wird, sondern von sich selbst aus Bewegung ist; das aber heissen alle Gott.

Der Beweis der Bewegung ist ausgesprochen alt und stammt ursprünglich von ARISTOTELES (Metaphysik, Buch Λ, insbesondere Stellen 1017b bis etwa 1073b). Er wird von THOMAS erstmals in der Scholastik eingeführt. Dennoch kann der via prima als das „thomistische Argument par excellence“ gelten, da es einen besonderen Stellenwert bei THOMAS einnimmt – und sich auch dadurch von ARISTOTELES unterscheidet, als dass ARISTOTELES versucht hatte, die erste Ursache oder erste Ursachen innerhalb des Kosmos zu beweisen, nicht aber, wie THOMAS, einen transzendenten Gott (CLAYTON 1984; S. 733).

Zusammenfassung der Kapitel

0. VORGEHEN UND AUFBAU DER KRITISCHEN BETRACHTUNG: Das Kapitel erläutert den Ursprung der Arbeit aus einer E-Mail-Diskussion und stellt die Vorgehensweise sowie den Aufbau der kritischen Analyse dar.

1. „ALLE WEGE FÜHREN NACH ROM – UND FÜNF ZU GOTT!“: Hier wird der historische und systematische Kontext der Gottesbeweise beleuchtet und deren Relevanz sowie die Haltung verschiedener Theologien dazu erörtert.

2. THOMAS VON AQUIN UND DIE „NATÜRLICHE THEOLOGIE“: Dieses Kapitel behandelt die philosophischen Hintergründe Thomas von Aquins und die Bedeutung der „Natürlichen Theologie“ als rationale Erkenntnisquelle.

3. ZIEL, VORGEHEN UND STRUKTUR DER „FÜNF WEGE“: Es werden die Zielsetzung, die zugrunde liegende induktive Vorgehensweise und die logische Struktur der aquinischen Gottesbeweise systematisch vorgestellt.

4. DIE „FÜNF WEGE“ (GOTTESBEWEISE): Das Hauptkapitel widmet sich der detaillierten Rekonstruktion, Kritik und Verteidigung der einzelnen fünf Wege sowie der anschließenden Erörterung des Wesens Gottes.

5. WESHALB DIE GOTTESBEWEISE SCHEITERN: Dieses Kapitel führt die Argumente für das Scheitern der Beweise zusammen, insbesondere aufgrund ihrer Abhängigkeit von nicht selbstverständlichen metaphysischen Voraussetzungen.

6. GOTTES“BEWEISE“?: Hier wird die Frage erörtert, welche Bezeichnung für diese Argumente angemessener wäre als „Beweis“, da sie den strikten Anforderungen eines deduktiven Beweises nicht genügen.

7. „NUR EIN (ANGEBLICHER) WEG ZU GOTT: DER GLAUBE“: Das Fazit zieht die Schlussfolgerung, dass die Gottesbeweise keine rationale Basis für den Glauben bilden und der Weg zu Gott letztlich eine Frage des Glaubens bleibt.

Schlüsselwörter

Thomas von Aquin, Gottesbeweise, Natürliche Theologie, Metaphysik, Philosophie, Christentum, Kausalität, Vernunft, Glaube, scholastische Philosophie, Ontologie, Kontingenz, Teleologie, Gottesexistenz, Argumentationstheorie.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit untersucht die philosophischen Gottesbeweise von Thomas von Aquin, die sogenannten „Fünf Wege“, auf ihre argumentative Belastbarkeit und ihren systematischen Anspruch hin.

Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?

Die zentralen Themen sind das Verhältnis von Vernunft und Glauben, die Rolle der Metaphysik bei Thomas von Aquin und die kritische Prüfung der Frage, ob philosophische Argumente die Existenz eines christlichen Gottes rational belegen können.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Das Ziel ist es zu zeigen, warum die „Fünf Wege“ trotz ihres Anspruchs auf rationale Beweiskraft scheitern, da sie von spezifischen metaphysischen Voraussetzungen abhängen, die nicht als allgemein gültig vorausgesetzt werden können.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?

Der Autor nutzt die Methode der argumentativen Rekonstruktion, ergänzt durch eine „initiale Kritik“ und einen simulierten Dialog zwischen einem advocatus diaboli und einem advocatus dei, um immanente Schwachstellen aufzudecken.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil widmet sich der detaillierten Untersuchung jedes der fünf Wege einzeln, prüft ihre logische Gültigkeit, ihre philosophischen Voraussetzungen und hinterfragt das aus ihnen abgeleitete Wesen Gottes.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Wichtige Begriffe sind Thomas von Aquin, Gottesbeweise, Natürliche Theologie, Metaphysik, Kausalität, Vernunft, Glaube und ontische Wahrheit.

Warum hält der Autor die „Fünf Wege“ für keine echten Beweise?

Da sie streng genommen keine logisch zwingenden und in ihren Prämissen wahrheitsbewiesenen deduktiven Argumente sind, sondern von metaphysischen Axiomen abhängen, die selbst einer Begründung bedürften, stuft der Autor sie eher als problematische Argumente ein.

Kann mit den Beweisen des Thomas von Aquin ein christlicher Gott bewiesen werden?

Nein. Der Autor kommt zu dem Schluss, dass die Beweise – selbst wenn man sie für gültig hielte – nur auf abstrakte philosophische Prinzipien wie einen „unbewegten Beweger“ führen, aber keine Verbindung zum persönlichen, christlichen Gott herstellen können.

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Details

Title
Fünf Wege zu Gottes Existenz?
Subtitle
Eine kritische Betrachtung der aquinischen Gottesbeweise
College
University of Basel  (Philosophisches Seminar)
Grade
1.5
Author
MA Marcel Mertz (Author)
Publication Year
2007
Pages
47
Catalog Number
V135495
ISBN (eBook)
9783640441037
ISBN (Book)
9783640441112
Language
German
Tags
Gottesbeweise Thomas von Aquin Gott Religionskritik
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
MA Marcel Mertz (Author), 2007, Fünf Wege zu Gottes Existenz?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135495
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