Die Arbeit befasst sich mit den Ursachen, dem Verlauf und den Gegenmaßnahmen der Weltwirtschaftskrise 1929. Sie diagnostiziert eine Überlagerung von Krisenerscheinungen auf den Agrar-, Finanz- und Gütermärkten, die den Verwerfungen des Ersten Weltkriegs, dem Reparationsproblem und der Währungskrise der 1920er Jahre geschuldet war. Im Mittelteil der Arbeit wird der konzentrische Verlauf der Krise beschrieben. Auslöser war der New Yorker Börsencrash im Oktober 1929 als Folge des Platzens einer Spekulationsblase. Wegen der Abhängigkeit von amerikanischen Krediten stellte das Deutsche Reich das europäische Epizentrum der wirtschaftlichen Erschütterung dar. Weder US-Präsident Hoover noch Reichskanzler Brüning vermochten gegenzusteuern. Erst der "New Deal" Roosevelts und Hitlers Kriegswirtschaft trugen dazu bei, dass die Talsohle durchschritten werden konnte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung: Die Mutter aller Krisen?
2. Ursachen
2.1 Erster Weltkrieg und Weltwirtschaftskrise
2.2 Reparationen und Währungskrise
2.3 Überkapazitäten und Agrarkrise
2.4 Spekulationen und Bankenkrise
3. Verlauf
3.1 „Zündfunke“: Die New Yorker Wallstreet
3.2 „Brandnester“: USA und Deutschland
3.3 „Flächenbrand“: Afrika, Asien, Lateinamerika
4. Gegenmaßnahmen
4.1 Von Hoover zu Roosevelt: USA
4.2 Von Brüning zu Hitler: Deutsches Reich
4.3 Von der Neoklassik zu Keynes: Wirtschaftspolitik im Rest der Welt
5. Fazit: Die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise?
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Anatomie der Weltwirtschaftskrise von 1929, indem sie deren komplexe Ursachen systematisierte, den weltweiten Verlauf nachzeichnet und die staatlichen Gegenmaßnahmen in den Hauptkrisenländern USA und Deutschland vergleichend gegenüberstellt.
- Historische Herleitung und ökonomische Ursachen der Krise
- Struktureller Verlauf des Börsencrashs und der anschließenden Depression
- Vergleich der staatlichen Interventionsstrategien in den USA und Deutschland
- Analyse der Auswirkungen auf die weltweite Peripherie
- Ableitung von Lehren für die moderne Wirtschaftspolitik
Auszug aus dem Buch
3.1 „Zündfunke“: Die New Yorker Wallstreet
Am 24. Oktober 1929 – in den Vereinigten Staaten als der „Schwarze Donnerstag“ bezeichnet – „platzte“ die „Spekulationsblase“ an der New Yorker Börse. Der Verkauf von über 16 Millionen Aktien ließ den US-amerikanischen Aktienmarkt zusammenbrechen (vgl. RÄTH 2009, S. 206). In Europa war diese New Yorker Panik erst einen Tag später spürbar, weshalb der Börsencrash hierzulande als „schwarzer Freitag“ in die Annalen der europäischen Geschichte einging.
Den Panikverkäufen folgten tumultartige Szenen an der Börse. Vorausgegangen war dem Zusammenbruch ein heftiges Spekulationsfieber in einigen Teilen der Bevölkerung. Bereits im Sommer 1929 hatte die Fieberkurve einen Höhepunkt erreicht. Dem zugrunde lag der „teuflische“ Mechanismus des Aktienhandels an der Wall Street, der das Spekulieren mit Wertpapieren von „den unerwünschten Einkünften und Lasten des Eigentums befreit“ (GALBRAITH 2009, S. 53). Wertpapierkäufer erhielten bei Termingeschäften einen Vermögenstitel ohne Vorbehalt. Sie mussten nicht den Kaufpreis des Eigentümers aufbringen, sondern konnten ihre Aktien auf Kredit bei einem Makler erwerben und sie dann als Pfand hinterlegen. Der Geldkreislauf verlief von den Banken über die Makler hin zu den Aktienkäufern, das Geld wanderte über den Pfand an die Bankhäuser zurück.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Mutter aller Krisen?: Diese Einleitung ordnet die Weltwirtschaftskrise 1929 als erste tiefe, global interdependente Wirtschaftskrise ein und definiert den Untersuchungsfokus auf die USA und Deutschland.
2. Ursachen: Das Kapitel erläutert die vielschichtigen Ursachen, angefangen beim Ersten Weltkrieg über Reparationsprobleme und Währungskrisen bis hin zu Überkapazitäten und spekulativem Fehlverhalten im Bankensektor.
3. Verlauf: Hier wird der konzentrische Ausbreitungsprozess der Krise vom New Yorker Börsencrash über die Depression in den Industrienationen bis hin zu den verheerenden Auswirkungen in Afrika, Asien und Lateinamerika dargestellt.
4. Gegenmaßnahmen: Dieses Kapitel vergleicht die wirtschaftspolitischen Reaktionen unter den Präsidenten Hoover und Roosevelt in den USA sowie unter den Regierungen in Deutschland, unter Einbeziehung der Theoriewende von der Neoklassik hin zum Keynesianismus.
5. Fazit: Die Lehren aus der Weltwirtschaftskrise?: Das Fazit fasst die ökonomische Anatomie der Krise zusammen und diskutiert, inwiefern historische Erfahrungen als "Lehrstück" für die heutige Wirtschaftspolitik dienen können.
Schlüsselwörter
Weltwirtschaftskrise 1929, Great Depression, Börsencrash, Neoklassik, Keynesianismus, Reparationen, Deflation, New Deal, Arbeitslosigkeit, Bankenkrise, Goldstandard, Protektionismus, Deficit spending, Weltwirtschaft, Staatsinterventionismus.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die Entstehung, den Verlauf und die politischen Gegenmaßnahmen der Weltwirtschaftskrise ab 1929 mit einem Schwerpunkt auf den Entwicklungen in den USA und Deutschland.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Zentrum stehen die Ursachenforschung, die ökonomische Ausbreitung der Krise sowie der Vergleich staatlicher Interventionsstrategien während der Depressionsphase.
Was ist die Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit zielt darauf ab, die "Anatomie" der Krise zu verdeutlichen und zu untersuchen, wie die verschiedenen Nationalökonomien auf die massiven ökonomischen Verwerfungen reagierten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-analytische Methode, um ökonomische Daten und historische Ereignisse in einen kausalen Zusammenhang zu setzen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse der Ursachen (Kapitel 2), den Verlauf des wirtschaftlichen Einbruchs (Kapitel 3) und die Analyse der staatlichen Gegenmaßnahmen (Kapitel 4).
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Schlagworte sind Weltwirtschaftskrise, Depression, staatlicher Interventionismus, Börsencrash und ökonomische Interdependenz.
Warum wird der Ersten Weltkrieg als "kausaler Nexus" bezeichnet?
Der Autor führt an, dass der Krieg eine Zäsur darstellte, die das bisherige ökonomische Gleichgewicht zerstörte, die USA zur führenden Weltwirtschaftsmacht aufsteigen ließ und die Grundlage für die späteren Reparations- und Währungsprobleme legte.
Was unterscheidet die US-amerikanische Wirtschaftspolitik unter Hoover von der unter Roosevelt?
Während Hoover zu Beginn primär auf neoklassische Prinzipien und Zurückhaltung setzte, leitete Roosevelt mit dem "New Deal" eine aktivere, staatlich gelenkte Wirtschaftspolitik und antizyklische Maßnahmen ein.
Welche Rolle spielten die "Bankenfeiertage" im Jahr 1931?
Diese dienten als staatliche Notmaßnahme, um einen Zusammenbruch des Bankensystems durch massenhafte Einlagenabhebungen (Runs) zu verhindern und Zeit für Stabilisierungsmaßnahmen zu gewinnen.
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- Dr. C. Schwießelmann (Author), R. Binder (Author), M. Fischer (Author), 2009, Die Anatomie der Weltwirtschaftskrise 1929. Ursachen, Verlauf, Gegenmaßnahmen, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135496