Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) hat Mitte November 2007 einen Referentenentwurf zum Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) vorgelegt. Hierdurch erleben die deutschen Bilanzierungsregeln ihre fundamentalste Änderung seit dem Bilanzrichtliniengesetz von 1985.
Der Gesetzgeber beabsichtigt mit dem BilMoG eine Fortentwicklung der Bilanzierung und eine Angleichung an die internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen nach IFRS . Als Reaktion auf den Referentenentwurf wurden am 21. Mai 2008 im Regierungsentwurf zum BilMoG die Anregungen und Kritiken der kreditwirtschaftlichen Verbände, der Praxis und der Wissenschaft aufgegriffen, die sich in einigen wesentlichen Änderungen gegenüber dem Referentenentwurf vom November niederschlugen. Hinter dem Regierungsentwurf zum BilMoG steht die Absicht im Vordergrund, das deutsche Bilanzrecht wettbewerbsfähiger zu machen ohne dabei jedoch die HGB-typischen Bemessungsfunktionen für Ausschüttungen und steuerliche Gewinnermittlung außer Acht zu lassen.
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit den wesentlichen Änderungen, die sich durch das BilMoG für die Einzelbilanzierung ergeben werden. Der Fokus wird dabei auf die Befreiung von der Buchführungs- und Bilanzierungspflicht für bestimmte Unternehmen, die Bewertung von Rückstellungen , latente Steuern, die Bewertung von Herstellungskosten und immateriellen Vermögenswerten, handelsrechtliche Bewertungseinheiten und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Kreditanalyse einer mittelständischen Sparkasse gelegt.
Es soll insbesondere der Frage nachgegangen werden, ob die tiefgreifende Reform des Bilanzrechts für kleine oder mittelständische Unternehmen von Vorteil oder eher nachteilig sein kann. Die Ausführungen werden sich hierbei auf den Jahresabschluss (Einzelabschluss) beziehen. Der Grund für diese Fokussierung liegt darin, dass sich der Großteil der Bilanzierenden in Deutschland, der Mittelstand, auf die Änderungen die BilMoG für den Jahresabschluss mit sich bringen wird, vorbereiten muss. Hierzu werden das bislang geltende HGB mit dem bestehenden Regierungsentwurf zum BilMoG und die sich daraus ergebenden Änderungen (HGB-E) verglichen. Zur Verdeutlichung der Unterschiede wird eine Bilanzierung entsprechend des BilMoG, bzw. des HGB-E durchgeführt.
Da es sich bei dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz bislang lediglich um einen Gesetzesentwurf handelt, dient der entsprechende Regierungsentwurf vom 21. Mai 2008 als Grundlage für diese Thesis.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Geschichte der Bilanzierung – Ein kurzer Abriss
2.1 HGB und IFRS - nationale und internationale Rechnungslegungsstandards
2.2 Bilanzierungsgrundlagen nach HGB
2.2.1 Handels- und Steuerbilanz – Begriffsabgrenzungen
2.2.2 Verpflichtung zur Aufstellung einer Handelsbilanz
2.2.3 Prinzip der Maßgeblichkeit
2.2.4 Prinzip der umgekehrten Maßgeblichkeit
2.2.5 Latente Steuern
2.2.6 Schwellenwerte
3. Das BilMoG – Modernisierung des Bilanzrechts
3.1 Ziele und Hintergrund
3.2 Befreiung von der Aufstellung einer Bilanz
3.3 Anpassung der Schwellenwerte
3.4 Wirtschaftliches Eigentum im Jahresabschluss
3.5 Ausnahmen vom Saldierungsverbot
3.6 Rückstellungen/ Aufwandsrückstellungen
3.7 Abschreibungen
3.8 Bewertungsregeln bei Herstellungskosten
3.9 Immaterielle Vermögensgegenstände
3.10 Geschäfts- und Firmenwert
3.11 Aufhebung der umgekehrten Maßgeblichkeit
3.12 Pensionsrückstellungen
3.13 Latente Steuern
3.14 Anhangangaben
4. Folgen für den Einzelabschluss und die Bilanzanalyse
5. Fazit und persönliche Einschätzung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die tiefgreifenden Änderungen, die das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) für die Einzelbilanzierung in Deutschland mit sich bringt, und untersucht insbesondere deren Auswirkungen auf mittelständische Unternehmen sowie die Kreditanalyse.
- Reform des HGB zur Angleichung an internationale Rechnungslegungsstandards
- Befreiung von Buchführungs- und Bilanzierungspflichten für kleine Unternehmen
- Anpassung der Schwellenwerte für die Größenklassen von Kapitalgesellschaften
- Änderungen in der Bewertung von Rückstellungen, latenten Steuern und immateriellen Vermögenswerten
- Konsequenzen der Neuregelungen für die Kreditanalyse und Bonitätsbeurteilung
Auszug aus dem Buch
3.4 Wirtschaftliches Eigentum im Jahresabschluss
Neben dem Kriterium der rechtlichen Zugehörigkeit gewinnt das Element des „wirtschaftlichen Eigentums“ an Bedeutung für die Zuordnung von Vermögensgegenständen und Schulden in der Bilanz. Während das „wirtschaftliche Eigentum“ im HGB bislang nur umschrieben wurde gilt nun nach § 246 HGB-E:
„Vermögensgegenstände sind nur in die Bilanz aufzunehmen, wenn sie dem Eigentümer auch wirtschaftlich zuzurechnen sind.“
Eingefügt wurde weiterhin durch Satz 3:
„Schulden sind in der Bilanz des Schuldners aufzunehmen.“
Neben dem zivilrechtlichen Eigentum setzt das BilMoG nunmehr auch das wirtschaftliche Eigentum für eine Bilanzierung voraus. Die Begründung hierfür liegt in der Sicherstellung der Gläubigerschutzfunktion. Wie wirtschaftliches Eigentum jedoch definiert wird bleibt der Gesetzgeber bislang schuldig. Behelfsweise wird man sich wohl bis zu einer endgültigen Klärung an § 39 AO bedienen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Darstellung der Intention des BilMoG, die deutschen Bilanzierungsregeln durch eine Modernisierung und Annäherung an IFRS wettbewerbsfähiger zu gestalten, ohne HGB-traditionelle Funktionen aufzugeben.
2. Die Geschichte der Bilanzierung – Ein kurzer Abriss: Historischer Rückblick auf die Entwicklung des HGB und die Bedeutung der Handelsbilanz als Grundlage für die Besteuerung und Transparenz.
3. Das BilMoG – Modernisierung des Bilanzrechts: Detaillierte Erläuterung der Gesetzesänderungen, insbesondere bei Schwellenwerten, Rückstellungen, Immateriellem und der Aufhebung der umgekehrten Maßgeblichkeit.
4. Folgen für den Einzelabschluss und die Bilanzanalyse: Untersuchung der Auswirkungen auf Bilanzkennzahlen, die Bonitätsbeurteilung und die neuen Anforderungen an Analysten durch die zunehmende Entkopplung von Handels- und Steuerbilanz.
5. Fazit und persönliche Einschätzung: Zusammenfassende Bewertung des Reformvorhabens im Spannungsfeld zwischen Modernisierung und praktischem Aufwand für die Unternehmen.
Schlüsselwörter
BilMoG, HGB, Jahresabschluss, Bilanzanalyse, Maßgeblichkeitsprinzip, Einzelabschluss, Rückstellungen, Latente Steuern, Finanzierungsleasing, Bonität, Handelsbilanz, Steuerbilanz, Eigenkapitalquote, Schwellenwerte, Rechnungslegung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) und dessen massive Auswirkungen auf die deutsche Bilanzierungspraxis, insbesondere für kleine und mittelständische Unternehmen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen die Änderungen bei Bewertungsvorschriften, die Entlastung durch angehobene Schwellenwerte und die veränderte Behandlung von Leasingverhältnissen sowie latenten Steuern.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Es wird der Frage nachgegangen, ob die Reform für den Mittelstand vorteilhaft ist oder aufgrund der erhöhten Komplexität durch die Abkehr von der Einheitsbilanz eher zu Nachteilen führt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Gesetzesanalyse, die das bisherige HGB dem Entwurf des BilMoG gegenüberstellt, um die materiellen Änderungen und deren Folgen zu deduzieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert detailliert spezifische Bilanzpositionen wie Rückstellungen, den "Goodwill", immaterielle Vermögenswerte und die Anpassung von Schwellenwerten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben "BilMoG" und "HGB" sind "Einzelabschluss", "Bilanzanalyse" und "Maßgeblichkeitsprinzip" zentrale Begriffe.
Wie wirkt sich die Reform auf das Finanzierungsleasing aus?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Finanzierungsleasing durch die Aktivierungspflicht faktisch zu einer normalen Anschaffungsfinanzierung wird, was die Eigenkapitalquote belastet und Ratings verschlechtern kann.
Welche Bedeutung hat die Abkehr vom Grundsatz der Einheitsbilanz?
Sie führt dazu, dass Unternehmen künftig häufiger separate Steuerbilanzen erstellen müssen, was den administrativen Aufwand erhöht und die Vergleichbarkeit von Abschlüssen erschwert.
- Arbeit zitieren
- Thomas Meid (Autor:in), 2009, Das Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz - Die größte Reform des deutschen Bilanzrechts seit über 20 Jahren und die Auswirkungen auf einen Einzelabschluss, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135527