Es stellt sich die Frage nach dem Grund für den Erfolg des Serapis. In einer Welt, die eine so hohe Anzahl an Göttern kannte wie die ägyptische, schaffte es eine neue, in weiten Teilen fremde Gottheit, die Bedeutung aller anderen in den Schatten zu stellen. Serapis Erfolg lag nicht nur an der Verbreitung in Ägypten, sondern vor allem auch an seiner Bekanntheit weit über die Grenzen des Landes hinaus, was - bis auf den Kult der Isis - keiner anderen ägyptischen Gottheit zuteil wurde. In dieser Arbeit sollen die Faktoren herausarbeiten werden, die zu dieser allgemeinen Akzeptanz des Serapis in der antiken Welt geführt haben. Dazu werden zunächst Teilaspekte und religiöse Eigenarten der ägyptischen Mythologie behandeln, die wichtig für das Verständnis der Figur des Serapis sind. Anschließend soll auf den Ursprung des Serapis eingegangen werden, um danach ein abschließendes Bild der Verbreitung zu erhalten.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Zum Verständnis des Serapis
2.1 Synkretismus
2.2 Apis -/ Osiris - Apis - Theologie
3. Ursprung des Gottes Serapis
3.1 Abstammung des Serapis
3.2 Welcher Teil der Bevölkerung wird angesprochen?
3.3 Äußeres Erscheinungsbild
3.4 Verbreitung
4. Ägyptische Ausformungen des Serapis
5. Schlussbetrachtungen
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Diese Arbeit untersucht die Faktoren für den Erfolg und die weite Verbreitung des Serapiskultes im ptolemäischen Ägypten, wobei insbesondere die Rolle der Gottheit als Bindeglied zwischen griechischen Einwanderern und ägyptischer Bevölkerung sowie die notwendige Anpassung an hellenistische Vorstellungen analysiert werden.
- Ursprung und Entwicklung des Serapiskultes im Kontext der ptolemäischen Herrschaft
- Synkretismus und die theologische Verbindung zwischen Osiris, Apis und Serapis
- Die Funktion des Serapis als Integrationsfigur für die griechische Bevölkerung
- Einfluss des hellenistischen, anthropoiden Erscheinungsbildes auf die Akzeptanz des Kultes
- Übernahme ägyptischer Traditionen bei der Tempelweihung und Organisation des Kultes
Auszug aus dem Buch
3.3 Äußeres Erscheinungsbild
„Die verwirrende Fülle seltsamer Gestalten, die ungewohnten Mischwesen aus Menschenleib und Tierkopf waren für die einen symbolische Einkleidung bedeutungsvoller Mysterien, für die anderen ein ärgerlicher Widerspruch zu ihrer Vorstellung, wie ein Gott oder ein Pantheon beschaffen sein müssen.“ Dies zeigt, dass die Bewohner der antiken Welt genaue Vorstellungen von ihren Gottheiten hatten. Sie sahen sie, wenn auch nicht in ihren Fähigkeiten, so zumindest doch in ihrem äußeren Erscheinungsbild als menschenähnlich. Hier steht die ägyptische Mythologie in sehr starkem Kontrast zu den meisten Vorstellungen der Völker im Mittelmeerraum in der hellenistischen Zeit. Mit einer Vielzahl an Gottheiten mit tierischer Darstellung oder tierischen Entsprechungen wie etwa Hathor, die als Kuh, Löwin, Schlange u.a. abgebildet wurde, bildete sich hier eine nur sehr schwer zu überwindende Grenze der damaligen Religionen. Dieser Widerspruch wird erst mit der Einführung der Serapis - Gottheit durch den ersten Ptolemäer aufgehoben. Serapis erhält ein anthropoides Auftreten und machte es damit allen Menschen der damaligen Welt möglich, ihn zu verehren, ohne ihre eigenen Vorstellungen der Göttergestalt aufgeben zu müssen. Erst das begründet den Erfolg des Serapis gegenüber Gottheiten wie dem Osiris, der, obwohl zur „großen Neunheit von Heliopolis“ gehörend und damit keine tierische Entsprechung besitzend, doch der ägyptischen Mythologie angehörte. Das hellenistische Bildnis wurde zu einem der wichtigsten Gründe für die erfolgreiche Ausbreitung des Serapiskultes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kulturellen Schnittpunkte zwischen den griechischen Eroberern und der ägyptischen Bevölkerung und stellt die Frage, warum der neue Serapiskult trotz anfänglicher Zurückhaltung zu einer zentralen Gottheit im ptolemäischen Ägypten aufsteigen konnte.
2. Zum Verständnis des Serapis: Dieses Kapitel erläutert die Funktionsweise des Synkretismus als Mittel zur Neuerschaffung von Gottheiten und die theologische Verknüpfung von Osiris und Apis als Voraussetzung für das Verständnis der Figur Serapis.
3. Ursprung des Gottes Serapis: Hier werden die verschiedenen Legenden und historischen Thesen zur Entstehung des Kultes untersucht, wobei sowohl die Herkunft des Bildnisses aus Sinope/Babylon als auch die gezielte Ausrichtung des Kultes auf die Bedürfnisse der griechischen Einwanderer analysiert werden.
4. Ägyptische Ausformungen des Serapis: Das Kapitel betrachtet die Einflüsse ägyptischer Traditionen auf den Kult, wie etwa die Verwendung von Gründungsplaketten, und zeigt auf, dass der Kult trotz griechischer Prägung ägyptische Elemente zur Legitimation integrierte.
5. Schlussbetrachtungen: Die Schlussbetrachtung resümiert, dass der Serapiskult durch die Entfernung tiergestaltiger Elemente und die Anpassung an griechische Vorstellungen zu einer universalen Gottheit wurde, die den Orient und Okzident verband.
6. Literaturverzeichnis: Auflistung der verwendeten Primärquellen, Zeitschriften, Sammelbände und Monographien.
Schlüsselwörter
Serapis, Ägypten, Ptolemäer, Synkretismus, Osiris, Apis, Religion, Hellenismus, Kult, Mythologie, Alexandria, Tempel, Integration, Gründungsplaketten, Antike
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Entstehung, Verbreitung und Etablierung des Serapiskultes in Ägypten unter der ptolemäischen Herrschaft.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die religiöse Vermittlung zwischen den Kulturen, die Identität des Serapis als synkretistische Gottheit sowie die politischen Aspekte der Kultstiftung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Faktoren herauszuarbeiten, die den Erfolg des Serapis ermöglichten und dabei insbesondere die Diskrepanz zwischen dem intendierten völkerverbindenden Anspruch und der tatsächlichen Rezeption zu beleuchten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Analyse antiker literarischer Quellen sowie archäologischer und historischer Forschungsdaten zur ptolemäischen Epoche.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Basis des Synkretismus, die Ursprungsgeschichten des Gottes, die demografische Ausrichtung des Kultes sowie die ägyptischen Adaptionen innerhalb des hellenistischen Kultrahmens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Serapis, Synkretismus, Hellenisierung, Ptolemäerreich, Osiris-Apis und kulturelle Integration.
Warum war der ägyptische Tierkult ein Hemmnis für die Verbreitung des Serapiskultes?
Die tiergestaltige Darstellung vieler ägyptischer Götter stieß bei der griechischen Bevölkerung auf Unverständnis. Serapis war hingegen in anthropoider, also menschenähnlicher Gestalt dargestellt, was ihn für Griechen zugänglicher machte.
Welche Rolle spielten die Gründungsplaketten für den Kult?
Sie belegen die Einbettung des Serapiskultes in ägyptische Tempeltraditionen. Obwohl der Kult griechisch geprägt war, wurden diese Plaketten als wichtiges legitimierendes Element von der ägyptischen Praxis übernommen.
War die ursprüngliche Intention des Kultes wirklich, Ägypter und Griechen zu vereinen?
Die Autorin stellt die These auf, dass der völkerverbindende Aspekt eher ein Nebenprodukt war; primär diente der Kult als Identifikationsfigur für die in der Fremde lebenden Griechen.
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- Christian Schultze (Author), 2007, Ursprung des Serapis, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135533