Diese Arbeit stellt die Frage, wie es der Künstlerin Maria Sibylla Merian gelungen ist, sich in einer männlich dominierten Gesellschaft einen Namen zu machen. Außerdem wird der Frage nachgegangen, welche Rolle die Frau als Künstlerin innerhalb der Blumenstilllebenmalerei im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen einnimmt und inwiefern sich ihre spezifische weibliche Handschrift auszeichnet. Da sich diese Hausarbeit mit dem Genre der Blumenstilllebenmalerei beschäftigt, wird dieses zunächst definiert.
Anschließend widmet sich das darauffolgende Kapitel den Künstlerinnen innerhalb der Blumenstilllebenmalerei. Hier soll verdeutlicht werden, welche Möglichkeiten Frauen zu dieser Zeit als Künstlerinnen, im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen, gegeben sind. Daran anknüpfend wird die Biografie und die Vorgehensweise der Maria Sibylla Merian als zentrale Person dieser Arbeit vorgestellt. Den Schluss dieses Kapitels bildet das Werkbeispiel Blumenstillleben in einer chinesischen Vase. Im weiteren Verlauf wird die Künstlerin Rachel Ruysch, die zu jener Zeit auch eine sehr anerkannte Blumenstilllebenmalerin war, als Vergleich herangezogen. Sie wird als weiteres Beispiel genannt, das deutlich zeigt, welche Gegebenheiten bzw. Ereignisse im Lebenslauf einer Frau zur damaligen Zeit von Vorteil sind, um sich als Künstlerin zu behaupten.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Das Blumenstillleben
2.1 Geschichtliche Entwicklung des Genres
2.2 Künstlerinnen innerhalb der Blumenstilllebenmalerei
3 Maria Sybilla Merian
3.1 Biografie
3.2 Merians Arbeitsweise
3.3 Werkbeispiel Blumenstillleben in einer chinesischen Vase
4 Rachel Ruysch im Vergleich
5 Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Maria Sybilla Merian, um aufzuzeigen, wie sie sich als Künstlerin in einer männlich dominierten Gesellschaft behaupten konnte. Dabei wird die Rolle der Frau in der Blumenstilllebenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts analysiert und ein Vergleich mit der zeitgenössischen Malerin Rachel Ruysch gezogen, um Gemeinsamkeiten und methodische Ansätze sowie die Herausforderungen angehender Künstlerinnen dieser Zeit herauszuarbeiten.
- Die Rolle der Frau in der Blumenstilllebenmalerei des 17. und 18. Jahrhunderts
- Der Lebenslauf und das unternehmerische Wirken von Maria Sybilla Merian
- Die wissenschaftlich-künstlerische Arbeitsweise und Methodik Merians
- Vergleichende Analyse zwischen Maria Sybilla Merian und Rachel Ruysch
- Die Vereinbarkeit von fachwissenschaftlichem Anspruch und dekorativem Genre
Auszug aus dem Buch
3.2 Merians Arbeitsweise
Maria Sibylla Merian tritt zum ersten Mal in Verbindung mit dem 1679 erschienenen ersten Teil des Werks Der Raupen wunderbare Verwandelung und sonderbare Blumen-nahrung als wissenschaftlich tätige Künstlerin auf. In diesen Jahren entwickelt sie sich von einer Blumenmalerin zu einer Künstlerin, die in der Verknüpfung von Blumen- und Insektenmotiven eine neue Form der entomologischen Illustration erfindet. Sie stellt in dem Buch auf 50 Kupferstichen die verschiedenen Stadien der Metamorphose der Raupen auf ihren Futterpflanzen dar. Indem sie Texte mit Bildern kombiniert, löst sie sich von zeitgenössischen Darstellungstraditionen, die übliche Klassifikationsschemata mit Erzählungen zur Lebensgeschichte des Insekts verbinden. Damit schafft sie einen neuen Bildtypus, der auf persönlichen Beobachtungen basiert und die Grundlage für weitere Forschungsarbeiten bildet. Jedoch weichen ihre Darstellungen durchaus vom Realen ab, da sie gegebenenfalls Blumen aus ästhetischen Gründen einfügt, die nicht als Futterpflanzen dienen und eigentlich in keiner Beziehung zum abgebildeten Tier stehen.
Durch ihren starken Willen und eine eigenständige Finanzierung ist es Maria Sibylla Merian einige Zeit später möglich, nach Surinam zu reisen. Damit ist sie eine der wenigen Frauen, die sowohl als Künstlerinnen als auch als Forschende an der Mitwirkung eines kolonisierenden Blicks auf die Neue Welt beteiligt sind. Die südamerikanische Flora und Fauna kommen besonders gut in den Kupferstichtafeln des Buches Metamorphosis Insectorum Surinamensium zur Geltung. Neben ästhetisch eindringlichen Bildern informieren kommentierende Texte über eine Fülle von ethnographischen Beobachtungen der Kolonialgesellschaft Surinams. Das anschließende Werk, welches aus dieser Expedition entsteht, begründet den Ruhm Merians im 18. Jahrhundert. Bis heute steht dieser Lebensabschnitt in Surinam für ein außergewöhnliches Frauenleben, welches diese Reise ohne speziellen Auftrag und männliche Begleitung möglich macht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Bedeutung von Maria Sybilla Merian als Künstlerin und Naturforscherin heraus und definiert die Forschungsfragen bezüglich ihrer Durchsetzungskraft in einer patriarchalischen Gesellschaft sowie die Rolle der Frau in der Blumenmalerei.
2 Das Blumenstillleben: Das Kapitel bietet eine Definition des Genres Blumenstillleben sowie eine historische Einordnung der Entwicklung dieser Malerei im 17. Jahrhundert, inklusive einer kritischen Betrachtung der gesellschaftlichen Rollenzuschreibungen für Künstlerinnen.
3 Maria Sybilla Merian: Hier wird der Lebensweg, das unternehmerische Geschick als Verlegerin und die Arbeitsweise Merians beleuchtet, wobei der Fokus auf ihrer wissenschaftlichen Herangehensweise und ihrem bedeutenden Werkbeispiel als Blumenstillleben liegt.
4 Rachel Ruysch im Vergleich: Dieser Abschnitt zieht eine vergleichende Analyse zwischen dem Wirken von Rachel Ruysch und Maria Sybilla Merian, wobei sowohl Gemeinsamkeiten in der Förderung durch das familiäre Umfeld als auch Unterschiede in ihrer künstlerischen Gewichtung hervorgehoben werden.
5 Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und unterstreicht, dass trotz der gesellschaftlichen Widerstände beide Künstlerinnen durch fachliche Exzellenz und unternehmerischen Elan in der männerdominierten Kunstszene reüssieren konnten.
Schlüsselwörter
Maria Sybilla Merian, Blumenstillleben, Rachel Ruysch, Kunstgeschichte, Malerei des 17. Jahrhunderts, Naturforschung, Entomologie, Künstlerinnen, Metamorphosis Insectorum Surinamensium, Künstlerbiografie, Gesellschaftsstruktur, Blumenmalerei, Deckfarbenmalerei, Kupferstich, Frau als Künstlerin
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit untersucht das Leben und Wirken der Künstlerin Maria Sybilla Merian und analysiert, wie sie sich als Frau in der männlich dominierten Gesellschaft und Kunstszene des 17. und 18. Jahrhunderts behaupten konnte.
Welche zentralen Themenfelder behandelt das Dokument?
Die zentralen Themen sind das Genre des Blumenstilllebens, die geschichtliche Entwicklung und die spezifische Rolle der Frau als Künstlerin, sowie Merians Arbeitsweise als Naturforscherin und Unternehmerin.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Merians Strategien zur Etablierung ihres Namens in einer patriarchalen Gesellschaft zu entschlüsseln und zu hinterfragen, wie sich eine weibliche Handschrift innerhalb der Blumenstilllebenmalerei manifestierte.
Welche methodische Herangehensweise wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine historisch-analytische Methode gewählt, die Biografien, kunstgeschichtliche Rahmenbedingungen und eine vergleichende Bildanalyse nutzt, um die Leistungen der Künstlerinnen einzuordnen.
Was wird im Hauptteil des Textes genau thematisiert?
Der Hauptteil gliedert sich in die Genreedefinition, die Analyse der Lebens- und Arbeitsumstände von Künstlerinnen, das detaillierte Porträt von Maria Sybilla Merian und den direkten Vergleich mit der Malerin Rachel Ruysch.
Welche Keywords charakterisieren diese wissenschaftliche Arbeit am besten?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Maria Sybilla Merian, Blumenstillleben, Malerei des 17. Jahrhunderts, Naturforschung und Künstlerinnen-Biografie.
Welche Bedeutung kommt der Reise nach Surinam für Merians Ruhm zu?
Die eigenständig finanzierte Expedition nach Surinam ermöglichte es ihr, bahnbrechende naturwissenschaftliche Beobachtungen zu sammeln, die in ihrem berühmten Werk Metamorphosis Insectorum Surinamensium mündeten und maßgeblich zu ihrem anhaltenden Ruhm beitrugen.
Inwiefern beeinflusste das soziale Umfeld die Ausbildung der Künstlerinnen?
Die Arbeit zeigt, dass beide Künstlerinnen, Merian wie Ruysch, stark von einer väterlichen Förderung profitierten, die ihnen den Zugang zu botanischem und anatomischem Wissen ermöglichte, das sie dann in ihre Kunst einfließen ließen.
- Arbeit zitieren
- Ronja Sick (Autor:in), 2022, Malerinnen von Blumenstillleben im 17. und 18. Jahrhundert am Beispiel von Maria Sybilla Merian, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1355510