Mediation - Vermittlung durch Dritte

Von der Scheidung bis zur Vermittlung zwischen Staaten?


Seminararbeit, 2002
26 Seiten, Note: 1

Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Allgemeines zur Mediation
2.1 Was ist Mediation?
2.2 Woher kommt Mediation?

3. Das allgemeine Verfahren
3.1 Die Vorphase
3.2 Das Mediationsgespräch
3.2.1 Die Einleitung
3.2.2 Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien
3.2.3 Konflikterhellung/Vertiefung
3.2.4 Problemlösung/Entwurf von Lösungen
3.2.5 Übereinkunft
3.3 Umsetzungsphase

4. Besonderheiten des interkulturellen Kontextes
4.1 Bedeutung von Interkulturalität für Konflikte
4.2 Schwierigkeiten bei der interkulturellen Mediation
4.2.1 Kommunikationsebene
4.2.2 Kulturelle Identität
4.2.3 Mediation als kulturspezifisches Konzept

5. Mediation im internationalen/ethnopolitischen Bereich
5.1 Besonderheiten der Konfliktdynamik
5.2 Parteien
5.3 Konsequenzen für die Mediation
5.3.1 Konfliktparteien
5.3.2 Mediationsprozeß
5.3.3 Eigenschaften des Mediators

6. Zusammenfassung

1. Einleitung

Betrachtet man die Krisenherde und Konflikte dieser Welt und wie sie ausgelebt werden, kann der Eindruck entstehen, dass viele Menschen oder zumindest viele Herrschende wenig fähig sind, mit Konflikten menschlich, damit meine ich zumindest gewaltfrei, möglichst aber auch konstruktiv umzugehen. Auch schon in der Betrachtung des persönlichen Umfelds, den Beziehungen, Familien, Freunden, Nachbarn, Kollegen, etc. zeigt sich, wie wenig vertraut Menschen mit konstruktiven Methoden der Konfliktbewältigung sind.

Die Emotionalität mit der Konflikte ausgetragen werden lässt vernünftige Konfliktregelungen unwahrscheinlich werden.

Aus diesem Grund hat es sich schon von jeher als günstig erwiesen, Dritte als Vermittler zwischen den Konfliktparteien zu verwenden.

Mediation ist nun gerade diese Vermittlung durch unparteiische Dritte in Konfliktfällen.

Mediation wird im Duden[1] einerseits als Vermittlung, besonders zwischen Scheidungswilligen, andererseits als Vermittlung eines Staates in einem Streit zwischen anderen Mächten umschrieben. Damit sind äußerst heterogene Konfliktfelder als mögliche Bereiche für Mediation angesprochen. So sind familiäre, politische, interkulturelle, ethnopolitische Konflikte gleichermaßen mögliche Einsatzfelder von Mediation. Gleichzeitig zeichnen sich die verschiedenen Bereiche durch verschieden Besonderheiten aus.

Ziel dieser Arbeit soll darum sein, diese Bereiche einzeln zu beleuchten und die Besonderheiten für die Mediation herauszuarbeiten.

Zunächst werden dafür die allgemeinen Grundzüge von Mediation zwischen einzelnen Privatpersonen (z.B. Scheidungswilligen) dargestellt. Anschließend sollen die Besonderheiten interkultureller Mediation hervorgehoben werden, da diese auch in der Mediation zwischen Staaten oder in ethnopolitischen Konflikten eine Rolle spielen, die danach dargestellt werden soll.

Der besseren Lesbarkeit halber werde ich in der Regel männliche Formulierungen verwenden. Frauen sind gleichermaßen gemeint.

2. Allgemeines zur Mediation

2.1 Was ist Mediation?

Wie schon eben erwähnt, bedeutet Mediation „Vermittlung“. Dabei ist die Vermittlung in Konflikten durch unparteiische Dritte gemeint, die von allen Seiten akzeptiert werden. Dabei ist es nicht die Aufgabe des Mediators, ein Urteil zu sprechen (wie es in Gerichten oder in Schiedsprozessen der Fall ist), sondern einen informellen und außergerichtlichen Prozess zu begleiten und zu steuern, in dem die Parteien selbst, eine für alle Seiten akzeptable Lösung erarbeiten. Die Grundgedanken hierbei sind die Freiwilligkeit, die Autonomie und die Selbstverantwortlichkeit der Parteien. Die Parteien kennen selbst ihre Interessen und damit verbundenen Probleme besser als jeder Außenstehende und können von daher auch akzeptablere Lösungen finden, die ihren eigentlichen Bedürfnissen auch entsprechen. Diese Lösungen sollen im Gegensatz zu Gerichtsverfahren, in denen meist eine Partei auf Kosten der Anderen gewinnt, zum beiderseitigen Vorteil führen (win-win-Lösung).

Bei der Mediation geht es dabei nicht nur um die Regelung des Konflikts an der Oberfläche, sondern es geht auch vor allem darum, die Beziehungen zwischen den Konfliktparteien auch im Hinblick auf die Zukunft zu verbessern. Genauer gesagt geht es darum, nicht nur die sachliche Seite des Konflikts zu bearbeiten, sondern auch die emotionale. Ohne ein tieferes Verständnis für die gegenseitigen wahren Interessen und Gefühle ist eine einvernehmliche Lösung kaum vorstellbar. Dafür muss hinter die vordergründigen Positionen geblickt werden.

Wenn die Konfliktparteien nun die Lösung selbst erarbeiten, welche Funktion hat dann der Mediator?

Einleitend habe ich von der scheinbaren Konfliktunfähigkeit gesprochen. Besemer hebt hervor, dass es meist nicht der mangelnde Wille ist, einen Konflikt zu lösen, sondern die Parteien nicht wissen, wie sie ein Problem lösen können[2]. Oftmals fehlt das Wissen über konstruktive Möglichkeiten der Konfliktlösung. Meist kommt hinzu, dass die Emotionen der Parteien die Kompetenzen diesbezüglich noch verschlechtern. Die Parteien hören sich gegenseitig nicht mehr richtig zu und alle Äußerungen der Gegenpartei werden von vornherein negativ bewertet. Da der Gegenpartei eigennützige Absichten unterstellt werden, werden die Lösungsvorschläge oder Ratschläge abgelehnt. Die Kommunikation wird oftmals festgefahren oder nimmt destruktive Züge an.

Die Mediatoren haben nun die Aufgabe diese Probleme zwischen den Parteien zu beheben und sozusagen als „Ersatzbrücke der Kommunikation“[3] zu dienen. Als von beiden Seiten akzeptierte neutrale Partei kann der Mediator versuchen, die Kommunikation zu lenken und so eine konstruktivere, kontrolliertere Atmosphäre zu schaffen, in der es den Beteiligten eher möglich ist oder wird, ihre Emotionen zu kontrollieren, der Gegenpartei zuzuhören und diese in ihren eigentlichen Anliegen besser zu verstehen und damit zu einer Konfliktlösung zu kommen, die beiden gerecht wird.

2.2 Woher kommt Mediation?

Mediation ist nicht unbedingt eine neue Form der Konfliktbearbeitung. Sie wurde vielmehr in den letzten Jahrzehnten wiederentdeckt.

Betrachtet man die Grundgedanken der Mediation („Hinzuziehung von vermittelnden unparteiischen Dritten, die Einbeziehung aller Konfliktparteien, die außergerichtliche Ebene sowie die Freiwilligkeit – sowohl des Verfahrens als auch der Annahme des Ergebnisses“[4] ), so lassen sich in verschiedensten Kulturen und Zeiten Vorläufer und Abwandlungen von Mediation finden.

Da Konsens und Kooperation in der chinesischen und japanischen Kultur von jeher groß geschrieben wird, lässt sich dort auch die größte Verbreitung beobachten. Auch in Griechenland kann man schon früh Vermittlungsversuche bei Konflikten zwischen einzelnen Stadtstaaten durch andere Städte nachvollziehen.

Auch die Volksversammlungen in vielen Volksstämmen Afrikas haben den Charakter von Mediation. Jeder hat das Recht eine solche Versammlung einzuberufen, bei der eine angesehene Person als Mediator den beteiligten Parteien hilft, ihren Konflikt beizulegen. Auch in Dörfern in Jordanien, Melanesien, Lateinamerika und Spanien lassen sich solche Beispiele finden.

In Europa war im Mittelalter die Kirche eine sehr bedeutende Mediations- und Konfliktregelungsorganisation für Familienstreitigkeiten, bei Verbrechen oder diplomatischen Konflikten[5].

In der chinesischen Kultur, wie auch in der griechischen, römischen, der mittelalterlichen und der neuzeitlichen Geschichte lassen sich also für viele Lebensbereiche Anzeichen für diese Art der Streitbeilegung finden[6].

Gerade als außergerichtliches Verfahren der Konfliktlösung war es lange Zeit in vielen Kulturen und Gesellschaften zu finden. Die Verrechtlichung vieler gesellschaftlicher Angelegenheiten dränge sie jedoch zurück.

Außerhalb der internationalen Politik wurde das Mediationsverfahren Ende der 60er Jahre von der „Alternative Dispute Resolution“ (ADR)-Bewegung neu etabliert. Diese Bewegung zielt darauf ab, Alternativen zu den als autoritär und bürokratisch erlebten Formen der innergesellschaftlichen Konfliktbearbeitung zu entwickeln. Diese Bewegung wurde geprägt durch Vietnam-Proteste, Studenten-Unruhen, die Bürgerrechts- und sozialen Bewegungen, die gegen soziale Ungleichheit und Machtdifferenzen kämpften und das bisherige Rechtssystem als unzulänglich empfanden. Gleichzeitig entwickelte sich Mediation auch als Alternative zu den sehr kosten- und zeitaufwendigen Gerichtsverfahren (v.a. durch die Zivilprozesse in den USA) und man hoffte, so auch eine gewisse Überbelastung der Gerichte beilegen zu können. Methodisch orientierte sich die ADR-Bewegung, die von einigen Richtern, Grasswurzelbewegungen, Akademikern und Praktikern vorwärts getrieben wurde, an der Humanistischen Psychologie und der Human Relations Trainingsbewegung[7]. Heute haben sich verschiedene Verfahren für sehr verschiedene Anwendungsbereiche entwickelt, von denen Mediation das bekannteste ist. Auch die Art der Mediation kann verschiedene Ausformungen haben. Der bekannteste Ansatz hier ist das „Harvard-Negotiation-Project“, welches als zentralen Punkt die Lösung zum beiderseitigen Vorteil hat. Dafür sollen die Sach- von der Beziehungsebene und vordergründige Positionen von den eigentlichen Interessen unterschieden und getrennt werden.

Auch in der internationalen Politik spielt die Idee der Mediation eine Rolle. Vor allem in Form der Konfliktschlichtung als vorbeugende Maßnahme zur Sicherung des Friedens, beziehungsweise der friedlichen Beilegung von bestehenden internationalen Konflikten. Mitte der 60er Jahre entstanden auch „problem-solving-workshops“, die versuchten, abseits der Konfliktbearbeitung zwischen den Staatsoberhäuptern, auf der Gesellschaftsebene mehr Menschen zu erreichen.

Erst in den 80er Jahren wurde das Konzept auch in Europa wiederentdeckt, wobei es bis heute noch immer für viele Menschen in Deutschland ein Fremdwort ist.

3. Das allgemeine Verfahren

Über den Ablauf einer Mediation gibt es in der Literatur einige Unterschiede unter den Autoren. Im folgenden werde ich mich auf die Darstellung von Besemer beziehen.

Besemer unterteilt eine Mediation in 3 Phasen. Die Vorphase, das Mediationsgespräch und die Umsetzungsphase, wobei er das Mediationsgespräch wiederum in 5 Unterpunkte gliedert.

3.1 Die Vorphase

In der Vorphase geht es vor allem um die erste Kontaktaufnahme und darum, die Parteien zu motivieren und an einen Tisch zu bringen. Meist geht die Initiative für eine Mediation von einer Partei aus. Dann versucht der Mediator Kontakt zu den übrigen Parteien aufzunehmen und diese zu einer Mediation zu bewegen. Es muss für die Parteien klar werden, dass es bei der Mediation nichts zu verlieren gibt, wenn sie scheitert. Es geht auch darum das Vertrauen der Parteien zu wecken. Daneben sammeln die Mediatoren nötige Informationen über den Konflikt, die für die Mediation notwendig sein könnten[8].

Es kann schon in dieser Vorphase sinnvoll sein, auch die Konfliktparteien auf die Mediation vorzubereiten, dass heißt ihnen Informationen über hilfreiche Gesprächsmethoden oder Gruppenprozesse zukommen zu lassen oder sie diesbezüglich zu beraten.

3.2 Das Mediationsgespräch

Das eigentliche Mediationsgespräch lässt sich nach Besemers Darstellung in 5 Teile gliedern. Die Einleitung, die Sichtweise der einzelnen Konfliktparteien, Konflikterhellung/Vertiefung, Problemlösung/Entwurf von Lösungen und Übereinkunft.

[...]


[1] Der Duden in 12 Bänden, Band 5 Fremdwörterbuch.
Mannheim, Wien, Zürich: Dudenverlag. 1997 (6. Aufl.)

[2] vgl. Besemer 2001, S.37;

[3] ebd., S.39;

[4] Montada 2001, S.46;

[5] vgl. ebd., S. 47;

[6] vgl. ebd., S. 2;

[7] vgl. Ropers 1995, S.64;

[8] Vor allem bei Sach- oder Rechtsfragen können hierfür auch geeignete Fachleute zu Rate gezogen werden;

Ende der Leseprobe aus 26 Seiten

Details

Titel
Mediation - Vermittlung durch Dritte
Untertitel
Von der Scheidung bis zur Vermittlung zwischen Staaten?
Hochschule
Philipps-Universität Marburg  (Friedens- und Konfliktforschung)
Veranstaltung
Mediation in pädagogischen und interkulturellen Praxisfeldern
Note
1
Autor
Jahr
2002
Seiten
26
Katalognummer
V13557
ISBN (eBook)
9783638191876
ISBN (Buch)
9783638642934
Dateigröße
565 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Mediation, Vermittlung, Dritte, Praxisfeldern
Arbeit zitieren
Dipl.-Pädagoge Tobias Rösner (Autor), 2002, Mediation - Vermittlung durch Dritte, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/13557

Kommentare

  • Gast am 6.9.2012

    das ganze ist sehr interessant
    habe eben familienstreitigkeiten wegen bestattungskosten der eltern.an wen kann ich mich wenden?
    88069 tettnang
    Lernwerkstatt_brunold@yahoo.de
    danke für ihre hilfe und
    freundliche grüsse
    r.brunold

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Titel: Mediation - Vermittlung durch Dritte


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