Das Bildungssystem in der DDR


Hausarbeit, 2006

21 Seiten, Note: 2


Leseprobe

Gliederung

1. Einleitung

2. Die Ausgangssituation der antifaschistisch-demokratischen Bildungsreform 1945-1948/49
2.1. Politische Säuberung in der SBZ
2.2. Umerziehung der deutschen Bevölkerung
2.3. Schulreform „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schulen“

3. Die Entwicklung des sozialistischen Bildungssystems der DDR
3.1. Bildungsziele
3.2. Aufbau der sozialistischen Schule

4. Struktur des Bildungssystems in der DDR
4.1. Kindergarten
4.2. Polytechnische Oberschule
4.3. Schule mit erweitertem Russischunterricht
4.4. Erweiterte Oberschule und Berufsausbildung mit Abitur
4.5. Schulferien
4.6. Noten und Abschlüsse

5. Die Veränderung des Schulsystems nach dem Mauerfall

6. Schluss

7. Literaturangabe

1. Einleitung

Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war von 1949 bis 1990 ein bestehender Staat in Mitteleuropa mit der Hauptstadt Berlin (Ost), umgeben von der Ostsee im Norden, von Polen im Osten, von der Tschechoslowakei im Süden und von der Bundesrepublik Deutschland im Westen. Die DDR umfasste ein Gebiet von 108 333 Quadratkilometern und hatte 1988 16,66 Millionen Einwohner. Sie wurde am 7. Oktober 1949 als Staat auf dem Territorium der bis dahin bestehenden Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegründet. Die Eigenstaatlichkeit der DDR endete mit ihrem Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.

Diese Arbeit konzentriert sich im Folgenden auf einen Aspekt der ehemaligen DDR, der den umfassenden Begriff der Bildung eingrenzen soll, nämlich das Bildungssystem.

Das Bildungssystem eines Landes umfasst öffentliche und private Institutionen, wie Schulen, Fach- und Fachhochschulen, Universitäten, Akademien und Einrichtungen für berufliche Weiterbildungen und ist in jedem Staat unterschiedlich organisiert.

So unterscheidet sich zum Beispiel das heutige Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland von dem Bildungssystem der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, welches im Folgenden betrachtet werden soll. Das Bildungssystem der ehemaligen DDR entstand Ende der 1940er Jahre in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und wurde in den 1950er und 1965 grundlegend reformiert. Bereits in seinen Ansätzen brach das DDR-Bildungssystem mit der bis dahin existierenden Struktur der Volksschulen und weiterführenden Schulen und distanzierte sich somit deutlich von dem bis in die 1960er Jahre existierenden Bildungssystem der BRD. Das Bildungsmonopol Der ehemaligen DDR lag beim Staat. Es gab keine staatlich anerkannten privaten Schulen. Verantwortlich für die Gestaltung des in der gesamten DDR einheitlichen Bildungssystems war das Ministerium für Volksbildung, die Richtlinien der Bildungspolitik wurden von der SED festgelegt.

Die Arbeit ist so strukturiert, dass zunächst ein Überblick über die Ausgangssituation der Bildungsreform von 1945-1948/49 einen Einstieg in das Thema geben soll. Der Hauptteil gibt einen Überblick über die Entwicklung und Struktur des Bildungssystems der ehemaligen DDR und den Abschluss bilden neue Entwicklungstendenzen bis zur Wiedervereinigung von der ehemaligen DDR und der BRD.

2. Die Ausgangssituation der antifaschistisch-demokratischen Bildungsreform 1945-1948/49

2.1. Politische Säuberung der SBZ

Die Situation der deutschen Nachkriegszeit war zunächst durch viele Revolutionen von oben gekennzeichnet. So bedeutete die Bodenreform von 1945 eine Enteignung von Großgrundbesitzern und eine gleichzeitige Bereicherung für Flüchtlinge, entlassene Landarbeiter oder Kriegsgefangene.

Die Entnazifizierung wurde in der sowjetischen Besatzungszone am konsequentesten durchgeführt und am schnellsten abgeschlossen. Die Entnazifizierung erfolgte hier im Zusammenhang mit der "antifaschistisch-demokratischen Umwälzung". Die Entfernung der ehemaligen NSDAP-Mitglieder war Bestandteil dieser politischen und sozialen Neustrukturierung. 1 Der Katalog der Sühnemaßnahmen der ehemaligen NSDAP-Mitglieder beinhaltete: "1. Entlassung aus öffentlichen Verwaltungsämtern und Ausschluss von Tätigkeiten, die öffentliches Vertrauen erfordern; 2. zusätzliche Arbeits-, Sach- und Geldleistungen; 3. Kürzung der Versorgungsbezüge und Einschränkung bei der allgemeinen Versorgung, solange Mangel besteht; 4. Nichtgewährung der politischen Rechte einschließlich des Rechts auf Mitgliedschaft in Gewerkschafts- oder anderen Berufsvertretungen und in den antifaschistisch-demokratischen Parteien."2

2.2. Umerziehung der deutschen Bevölkerung

Um dem Ziel eines demokratischen Systems in Deutschland gerecht zu werden, war es zunächst nötig, die Deutschen mit grundlegenden demokratischen Verhaltensweisen bekanntzumachen, sie zu Demokraten zu erziehen. Der Begriff Umerziehung war sehr unglücklich gewühlt und stieß auf deutscher Seite auf heftige Abwehr. Zum einen schien vielen ein materieller Wiederaufbau nötiger als die Demokratisierung des Bildungswesens, der Presse, des Rundfunks, des ganzen öffentlichen Lebens, zum anderen wehrten sich viele dagegen Lehren von Amerikanern und Sowjetoffizieren, Franzosen und Briten anzunehmen.

Aufgrund des Schmerzes der militärischen und moralischen Niederlage wollten viele Deutsche nicht auch noch von ihren Peinigern erzogen und belehrt werden.

Nach der Besetzung der Alliierten waren alle Schulen in Deutschland geschlossen worden. Zunächst sollten vor der Wiederaufnahme des Unterrichts die Lehrer, Lehrpläne und Lehrmittel entnazifiziert werden. Da die Mehrheit aller Lehrer Mitglieder der NSDAP oder deren Gliederungen waren, bedeutete dieser Schritt nicht nur ein großes organisatorisches Problem, sondern die konsequente Durchführung eines umfassenden Entnazifizierungsprogramms hätte auch längerfristig jeden Schulbetrieb in Deutschland verhindert. Trotz aller Bedenken und mangelhafter Vorbereitung wurden aber in allen Zonen im Laufe des Herbstes 1945 die Schulen wieder eröffnet. Aufgrund des Lehrermangels holte man Pensionäre oder rehabilitierte NSDAP-Mitglieder in die Schulen zurück und stellte viele Helfer, zum Beispiel Studenten, ein, die in den unbeheizten Schulhäusern beim Schichtunterricht mithalfen. An Reformen war zunächst in dieser Situation nicht zu denken.3

2.3. Schulreform „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schulen“

Hinsichtlich des Bildungssystems war das „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schulen“, welches im Mai/Juni 1946 mit Zustimmung aller Parteien in den Ländern der sowjetischen Besatzungszone verabschiedet wurde, ein wichtiger Ansatz zur Umstrukturierung der Sozialstruktur und die Grundlage der demokratischen Einheitsschule. Die deutsche Schule war - trotz ihrer beachtlichen Höhe vor 1933 - nie eine Stätte wirklich demokratischer Erziehung der Jugend zu verantwortungs- und selbstbewussten, freien Bürgern. „Sie war eine Standesschule. Für die Söhne und Töchter des einfachen Volkes waren die Tore der höheren Schule und der Hochschule in der Regel verschlossen…“4, weil nicht die Fähigkeit der Kinder, sondern die Vermögenslage der Eltern über deren Bildungsgang bestimmte. Bereits früher missbraucht als Mittel der Vergötterung selbstbeschränkter, reaktionärer Fürsten und Könige, zur Verherrlichung des Militarismus und Eroberungskrieges, zur Erziehung blinder Untertanen in einem reaktionären Staat,

wurde sie unter dem Nazismus zu einer Stätte des Rassenhasses und der Völkerverhetzung, der Vorbereitung der Jugend zum Werkzeug in einem volksfremden, antinationalen Eroberungskrieg und der Missachtung der Menschen und der Menschlichkeit.

Der Aufbau eines neuen, friedlichen, demokratischen Deutschlands - der einzige Weg zur nationalen Wiedergeburt und Einheit Deutschlands - erforderte eine grundlegende Demokratisierung der deutschen Schule. Die neue, demokratische Schule sollte frei sein von allen Elementen des Militarismus, der Völkerverhetzung und des Rassenhasses. Sie sollte so aufgebaut sein, dass sie allen Jugendlichen, Mädchen und Jungen, Stadt- und Landkindern, ohne Unterschiede des Vermögens ihrer Eltern das gleiche Recht auf Bildung und seine Verwirklichung entsprechend ihren Anlagen und Fähigkeiten garantiert.5

Gesetzesauszug:

§ 1 Ziel und Aufgaben der deutschen Schule Die deutsche demokratische Schule soll die Jugend zu selbständig denkenden und verantwortungsbewußt handelnden Menschen erziehen, die fähig und bereit sind, sich voll in den Dienst der Gemeinschaft des Volkes zu stellen. Als Mittlerin der Kultur hat sie die Aufgabe, die Jugend frei von nazistischen und militaristischen Auffassungen im Geiste des friedlichen und freundschaftlichen Zusammenlebens der Völker und einer echten Demokratie zu wahrer Humanität zu erziehen. Sie wird, ausgehend von den gesellschaftlichen Bedürfnissen, jedem Kind und Jugendlichen ohne Unterschied des Besitzes, des Glaubens oder seiner Abstammung die seinen Neigungen und Fähigkeiten entsprechende vollwertige Ausbildung geben. § 2 Schulträger und Schufreform Die schulische Erziehung der Jugend ist ausschließlich Angelegenheit des Staates. Der Religionsunterricht ist Angelegenheit der Religionsgemeinschaften; das Nähere wird durch Ausführungsbestimmungen geregelt. Die Form des öffentlichen Erziehungswesens ist ein für Jungen und Mädchen gleiches, organisch gegliedertes, demokratisches Schulsystem - die demokratische Einheitsschule.

[...]


1 vgl. Herrlitz, Hopf, Titze 1993, S. 175 f.

2 www.bpb.de/themen/A898EE,2,0,Demokratisierung_durch_Entnazifizierung_und_Erziehung.html#art2 (28.12.06)

3 www.bpb.de/themen/A898EE,2,0,Demokratisierung_durch_Entnazifizierung_und_Erziehung.html#art2 (28.12.06)

4 Herrlitz, Hopf, Titze 1993, S. 176

5 vgl. Herrlitz, Hopf, Titze 1993, S. 176 f.

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Details

Titel
Das Bildungssystem in der DDR
Hochschule
Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg  (Institut für Erziehungswissenschaften)
Note
2
Autor
Jahr
2006
Seiten
21
Katalognummer
V135576
ISBN (eBook)
9783640611454
ISBN (Buch)
9783640611713
Dateigröße
535 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Pädagogik, Schule, Unterricht, DDR
Arbeit zitieren
Nicole Fürch (Autor), 2006, Das Bildungssystem in der DDR, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135576

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