1. Einleitung
Die Deutsche Demokratische Republik (DDR) war von 1949 bis 1990 ein bestehender Staat in Mitteleuropa mit der Hauptstadt Berlin (Ost), umgeben von der Ostsee im Norden, von Polen im Osten, von der Tschechoslowakei im Süden und von der Bundesrepublik Deutschland im Westen. Die DDR umfasste ein Gebiet von 108 333 Quadratkilometern und hatte 1988 16,66 Millionen Einwohner. Sie wurde am 7. Oktober 1949 als Staat auf dem Territorium der bis dahin bestehenden Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) gegründet. Die Eigenstaatlichkeit der DDR endete mit ihrem Beitritt zur Bundesrepublik am 3. Oktober 1990.
Diese Arbeit konzentriert sich im Folgenden auf einen Aspekt der ehemaligen DDR, der den umfassenden Begriff der Bildung eingrenzen soll, nämlich das Bildungssystem.
Das Bildungssystem eines Landes umfasst öffentliche und private Institutionen, wie Schulen, Fach- und Fachhochschulen, Universitäten, Akademien und Einrichtungen für berufliche Weiterbildungen und ist in jedem Staat unterschiedlich organisiert.
So unterscheidet sich zum Beispiel das heutige Bildungssystem der Bundesrepublik Deutschland von dem Bildungssystem der ehemaligen Deutschen Demokratischen Republik, welches im Folgenden betrachtet werden soll. Das Bildungssystem der ehemaligen DDR entstand Ende der 1940er Jahre in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und wurde in den 1950er und 1965 grundlegend reformiert. Bereits in seinen Ansätzen brach das DDR-Bildungssystem mit der bis dahin existierenden Struktur der Volksschulen und weiterführenden Schulen und distanzierte sich somit deutlich von dem bis in die 1960er Jahre existierenden Bildungssystem der BRD. Das Bildungsmonopol Der ehemaligen DDR lag beim Staat. Es gab keine staatlich anerkannten privaten Schulen. Verantwortlich für die Gestaltung des in der gesamten DDR einheitlichen Bildungssystems war das Ministerium für Volksbildung, die Richtlinien der Bildungspolitik wurden von der SED festgelegt.
Die Arbeit ist so strukturiert, dass zunächst ein Überblick über die Ausgangssituation der Bildungsreform von 1945-1948/49 einen Einstieg in das Thema geben soll. Der Hauptteil gibt einen Überblick über die Entwicklung und Struktur des Bildungssystems der ehemaligen DDR und den Abschluss bilden neue Entwicklungstendenzen bis zur Wiedervereinigung von der ehemaligen DDR und der BRD.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Ausgangssituation der antifaschistisch-demokratischen Bildungsreform 1945-1948/49
2.1. Politische Säuberung in der SBZ
2.2. Umerziehung der deutschen Bevölkerung
2.3. Schulreform „Gesetz zur Demokratisierung der deutschen Schulen“
3. Die Entwicklung des sozialistischen Bildungssystems der DDR
3.1. Bildungsziele
3.2. Aufbau der sozialistischen Schule
4. Struktur des Bildungssystems in der DDR
4.1. Kindergarten
4.2. Polytechnische Oberschule
4.3. Schule mit erweitertem Russischunterricht
4.4. Erweiterte Oberschule und Berufsausbildung mit Abitur
4.5. Schulferien
4.6. Noten und Abschlüsse
5. Die Veränderung des Schulsystems nach dem Mauerfall
6. Schluss
7. Literaturangabe
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit zielt darauf ab, das Bildungssystem der ehemaligen DDR historisch und strukturell zu beleuchten. Dabei wird untersucht, wie sich das System von seinen Anfängen in der sowjetischen Besatzungszone über die zentralistische Gestaltung durch die SED bis hin zum Ende der DDR entwickelte und welche pädagogischen sowie ideologischen Ziele damit verfolgt wurden.
- Die Entnazifizierung und Umgestaltung des Bildungswesens nach 1945
- Die ideologische Ausrichtung und Bildungsziele der sozialistischen Schule
- Die Struktur der polytechnischen Oberschule als zentraler Schultyp
- Differenzierungsformen wie die erweiterte Oberschule und Russisch-Spezialschulen
- Der Vergleich und die Veränderungen im Schulsystem nach der Wiedervereinigung
Auszug aus dem Buch
3.2. Aufbau der sozialistischen Schule
Wie bereits erwähnt waren die Anfänge des Bildungswesens in der damaligen SBZ von einem umfassenden Austausch der Lehrerschaft im Zuge der Entnazifizierung geprägt. Neben der Lehrerschaft, die etwa zu 71% aus ehemaligen NSDAP-Mitgliedern bestand, konnten auch viele der Lernmittel wegen ihrer anhaftenden Nazi-Ideologie nicht mehr verwendet werden. Vielerorts ruhte der Unterricht und wurde erst im Herbst 1945 wieder aufgenommen.
Im Juli 1945 wurde durch einen Erlass der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) die Zentralverwaltung für Volksbildung (ZfV) geschaffen, deren Aufgabe die Ausarbeitung von Vorschlägen zur Gestaltung eines neuen Bildungswesens war. Mit dem Befehl Nr. 40 der SMAD entstanden in der SBZ die vorläufigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, die den Schulen einen regulären Unterricht erlaubten. Vorerst wurden die alten Schulformen Volksschule, Mittelschule und Gymnasium beibehalten. Jedoch wurden keine allgemein bildenden Privatschulen mehr berücksichtigt, sondern vielmehr verboten, womit dem Staat in der SBZ das Schulmonopol zugesichert wurde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung gibt einen Überblick über die geographischen und politischen Rahmenbedingungen der DDR und skizziert das Ziel der Arbeit, das staatlich zentralisierte Bildungssystem zu untersuchen.
2. Die Ausgangssituation der antifaschistisch-demokratischen Bildungsreform 1945-1948/49: Dieses Kapitel thematisiert die Entnazifizierung der Lehrerschaft sowie die ersten gesetzlichen Schritte zur Umgestaltung der Schule in der sowjetischen Besatzungszone.
3. Die Entwicklung des sozialistischen Bildungssystems der DDR: Hier werden die zentralen Bildungsziele und die ideologische Ausrichtung der Pädagogik auf den Aufbau des Sozialismus erläutert.
4. Struktur des Bildungssystems in der DDR: Das Kapitel bietet eine detaillierte Analyse der einzelnen Schultypen, von der Vorschule über die polytechnische Oberschule bis hin zu weiterführenden akademischen Wegen.
5. Die Veränderung des Schulsystems nach dem Mauerfall: Die Ausführungen beschreiben die Transformation und Vereinheitlichung des DDR-Schulwesens in das System der Bundesrepublik nach 1990.
6. Schluss: Ein persönliches Resümee reflektiert die Stärken und Schwächen des DDR-Bildungssystems im Rückblick auf die deutsche Wiedervereinigung.
7. Literaturangabe: Auflistung der verwendeten Quellen und weiterführender Literatur.
Schlüsselwörter
DDR, Bildungssystem, Polytechnische Oberschule, SED, Entnazifizierung, Sozialismus, Einheitsschule, Schulerziehung, Abitur, Volkseigenes Bildungswesen, Ideologie, Bildungsreform, SBZ, Lehrerbildung, Schulpraxis
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die historische Entwicklung, den Aufbau und die strukturellen Besonderheiten des Bildungssystems in der Deutschen Demokratischen Republik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die Arbeit behandelt die Entnazifizierung des Schulwesens nach 1945, die politische Steuerung durch die SED, die Einführung der polytechnischen Oberschule sowie die tägliche Schulpraxis und Notengebung.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, ein objektives Bild des DDR-Bildungssystems zu zeichnen und zu verstehen, wie das Ziel eines allseitig gebildeten sozialistischen Menschen umgesetzt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode liegt der Arbeit zugrunde?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse historischer Bildungsdokumente und Gesetze sowie auf ergänzenden Zeitzeugenberichten.
Welche Inhalte werden im Hauptteil schwerpunktmäßig behandelt?
Der Hauptteil konzentriert sich auf die Gliederung des Schulwesens in Kindergarten, POS und EOS sowie auf die spezifischen pädagogischen Zielsetzungen der damaligen Zeit.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wesentliche Begriffe sind das Bildungsmonopol des Staates, die Einheitsschule, polytechnischer Unterricht und die ideologische Identifikation mit dem sozialistischen Staat.
Warum galt das Bildungssystem der DDR als „Sowjetisierung“?
Der Begriff bezieht sich auf die starke Orientierung an den Organisations- und Verwaltungsstrukturen sowie den Lehrplänen des sowjetischen Bildungswesens nach 1945.
Welche Rolle spielte der polytechnische Unterricht?
Er sollte eine enge Verbindung zwischen theoretischer Bildung und der sozialistischen Arbeitswelt schaffen und die Schüler frühzeitig auf die industrielle Produktion vorbereiten.
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- Nicole Fürch (Author), 2006, Das Bildungssystem in der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135576