Roland Barthes Mythentheorie aus "Mythen des Alltags" (1964) wird mit Hilfe von Nelson Goodmans Symboltheorie kritisch analysiert.
Das Ergebnis dieser Anaylse, dass der Mythos Bezugnahmegebiete ausblendet, wird dann im Gegenzug wieder an den Essays von Roland Barthes geprüft.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist der Mythos?
2.1 Barthes’ System des Mythos als Metasprache
2.2. Hat Roland Barthes die Mittel den Mythos zu beschreiben?
3. Was meint Barthes? – Einige Textbeispiele
3.1 Die Ikonographie des Abbé Pierre
3.2 quia ego nominor leo
3.3 Einsteins Gehirn
3.4 Der neue Citroën
4. Zwei Arten der Ausblendung von Bezugnahmegebieten
5. Fazit
6. Anhang
6.1 Titelblatt der „Paris Match“, Nummer 255, vom 20. Februar 1954.
6.2 Karikatur des Abbé Pierre
6.3 Titelblatt der „Paris Match“, Nummer 326, vom 25. Juni 1955.
7. Literatur
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch die semiologische Theorie des Mythos nach Roland Barthes, insbesondere die These, dass Mythen durch die gezielte Ausblendung bestimmter Bezugnahmegebiete funktionieren. Ziel ist es, die logische Tragfähigkeit dieser Theorie zu prüfen und mittels philosophischer Ansätze von Nelson Goodman zu analysieren, wie Mythen durch spezifische Prädikationen ihre Wirkung auf bestimmte Lesergruppen entfalten.
- Semiologie nach Roland Barthes
- Der Mythos als Metasprache
- Theorie der Bezugnahme und Ausblendung
- Analyse anhand von Fallbeispielen (Abbé Pierre, Einstein, Citroën)
- Unterscheidung zwischen normalem und mythischem Sprachgebrauch
Auszug aus dem Buch
3.1 Die Ikonographie des Abbé Pierre
Der Kopf des Abbé trage alle Zeichen des Apostolats, stellt Barthes als erstes fest. Diese Zeichen seien: der warme Blick, der franziskanische Haarschnitt, der Missionarsbart. Was ergänzt werde durch die Joppe des Arbeiterpriesters und den Stock des Pilgers. „Das sind die Chiffren der Legende und der Modernität miteinander vereinigt.“
Barthes vollzieht hier stellvertretend für die französische Gesellschaft selbst jene Ausblendung von Bezugnahmegebieten. Denn natürlich trägt Abbé Pierres Kopf noch viel mehr „Zeichen“. Und bereits der Begriff „Zeichen des Apostolats“ grenzt die Bezugnahme ein. Zunächst ist Pierre nur ein Mann, doch seine Funktion als Mönch wird hier allem anderen vorangestellt, wodurch alle Attribute seines Äußerlichen bereits jener Kategorie unterstellt sind. Es ist klar, wir sehen hier einen Heiligen und alles an ihm ist Ausdruck dieser Heiligkeit.
So wird der warme Blick ins Zentrum gerückt, er exemplifiziert metaphorisch Nächstenliebe. Abbés große Ohren hingegen und die nicht minder große Nase werden ausgeblendet. Da sie sich nicht als „Zeichen des Apostolats“ eignen. Barthes fährt fort, daß die Frisur „den Nullzustand der Frisur“ darstelle. Wenngleich das Haareschneiden eine Notwendigkeit sei, so solle die Frisur doch, wenn irgend möglich auf nichts Bezug nehmen. Dies ist natürlich unmöglich, aber es kann zumindest verhindert werden, daß einer Mode gefolgt wird und genau dies schafft Abbé Pierre, indem sein Haar „halb rasiert“.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik und Vorstellung der kritischen These bezüglich Barthes' Unfähigkeit, den Mythos logisch präzise zu beschreiben.
2. Was ist der Mythos?: Darstellung des bartheschen Modells des Mythos als Metasprache und Hinterfragung der zugrunde liegenden logischen Instrumente.
3. Was meint Barthes? – Einige Textbeispiele: Analyse konkreter Mythen (Abbé Pierre, Latein-Satz, Einstein, Citroën) zur Verifizierung der These der Bezugnahme-Ausblendung.
4. Zwei Arten der Ausblendung von Bezugnahmegebieten: Theoretische Vertiefung unter Einbeziehung von Nelson Goodmans Symboltheorie zur Differenzierung von mythischer und normaler Darstellung.
5. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung, dass Mythen durch gezielte Prädikationen bestimmte Lesergruppen in ihren Weltbildern bestärken.
6. Anhang: Visuelle Dokumentation der in den Fallbeispielen analysierten Bildquellen.
7. Literatur: Verzeichnis der verwendeten theoretischen Quellen und Primärtexte.
Schlüsselwörter
Mythos, Roland Barthes, Semiologie, Metasprache, Bezugnahme, Ausblendung, Symbolschema, Prädikation, Ikonographie, Abbé Pierre, Einstein, Citroën, Nelson Goodman, Repräsentation, Klassifikation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Theorie des Mythos von Roland Barthes und hinterfragt, ob seine semiologische Beschreibung des Mythos logisch haltbar ist.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Struktur des Mythos als Metasprache, die Theorie der Bezugnahme und die Rolle der Ausblendung von Informationen in symbolischen Systemen.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob Roland Barthes über die notwendigen logischen Mittel verfügt, um den Mythos korrekt zu beschreiben, und ob die "Ausblendung von Bezugnahmegebieten" das entscheidende Merkmal des Mythos ist.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine strukturanalytische Untersuchung, die semiotische Begriffe Barthes' mit den symboltheoretischen Ansätzen von Nelson Goodman kontrastiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Barthes' Theorie an vier Fallbeispielen (Abbé Pierre, ein grammatischer Beispielsatz, Einstein, Citroën) und vergleicht den mythischen Gebrauch von Symbolen mit allgemeinen Repräsentationsmodellen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Mythos, Barthes, Semiotik, Bezugnahme, Ausblendung, Metasprache, Prädikation und Symboltheorie.
Wie unterscheidet Barthes den Mythos von der normalen Sprache?
Barthes sieht den Mythos als eine Metasprache, die ein bestehendes sprachliches Zeichen als bloße "Form" oder "signifiant" für eine neue, mythologische Bedeutung instrumentalisiert.
Warum spielt der Citroën D.S. eine wichtige Rolle in der Untersuchung?
Der Citroën dient als Beispiel dafür, wie gezielte Prädikationen (wie das Wortspiel mit "Déesse") dazu führen, dass ein Objekt mit göttlichen Attributen belegt wird, während technische Aspekte ausgeblendet werden.
Welche Rolle spielt Nelson Goodman in der Argumentation?
Goodman hilft dabei, die Barthes-These zu präzisieren: Er zeigt auf, dass jede Darstellung immer Aspekte ausblendet, wodurch der Mythos sich nicht einfach durch das Ausblenden selbst definiert, sondern durch die Art und Weise, wie er spezifische Bezugnahmeketten verfestigt.
Was ist das Ergebnis der Untersuchung zum "Abbé Pierre"?
Die Analyse zeigt, dass Barthes den Abbé Pierre gezielt auf das "Zeichen des Apostolats" reduziert, um ein bestimmtes gesellschaftliches Bild von Heiligkeit zu suggerieren, während andere reale Aspekte seiner Person ignoriert werden.
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- Daniel Brockmeier (Author), 2006, Die Renaturalisierung des Mythos, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135601