Die Migration der Aussiedler nach Deutschland Ende des 20. Jahrhunderts stellt die Sozialpolitik und die Pädagogik bis heute vor große Herausforderungen. Trotz ihres Status' als "Deutschstämmige" kummulieren sich bei dieser Migrantengruppe vergleichbare strukturelle Problemlagen und deutliche kulturelle Differenzen gegenüber Einheimischen, die einer empirisch-theoretischen Auseinandersetzung bedürfen. Die Integrationsbemühungen der Altersgruppe der Kinder und Jugendlichen stehen dabei explizit im Mittelpunkt der Aussiedlerpolitik und erziehungswissenschaftlicher Debatten. Neben einer gesellschaftshistorischen Einordnung werden auf der Grundlage einschlägiger wissenschaftlicher Auseinandersetzungen Sozialkonflikte als Kulturkonflikte thematisiert.
Die vorliegende Arbeit gliedert sich in fünf aufeinander aufbauende Teile. Als Grundlage und Einführung in die Thematik werden in Kapitel 2 ein Einblick in das Forschungsfeld gegeben und verwendete zentrale Begriffe in ihrer inhaltlichen Bedeutung geklärt. In Kapitel 3 wird zur Verdeutlichung der Migrationsproblematik die Gruppe der Aussiedler und ihre auf der Geschichte beruhende spezifische Lebenslage näher beleuchtet, um im Anschluss daran die Integrationssituation in der Aufnahmegesellschaft Deutschland zu skizzieren. Im nächsten Kapitel (Kap. 4) soll der Blick geweitet und mit Hilfe soziologischer und psychologischer Ansätze die Beziehung zwischen Einheimischen und Aussiedlern unter Einbezug gesellschaftlicher Rahmenbedingungen transparenter gemacht werden. Vorab wird die Fremdheit als psychosoziales Grundproblem thematisiert. Anschließend soll das Verhältnis zwischen Einheimischen und Aussiedlern in seiner Auswirkung auf die Integration aufgezeigt werden. In Kapitel 5 wird die Interkulturelle Pädagogik als ein möglicher Lösungsansatz für bestehende Probleme bei der Integration von Migranten vorgeschlagen. Zunächst wird der Entstehungszusammenhang dieses Teilbereiches der Pädagogik vor dem gesellschafts-historischen Hintergrund des veränderten Migrationgeschehens in Deutschland aufgezeigt. Darauf aufbauend folgt eine Charakterisierung der Interkulturellen Pädagogik. Schließlich verdeutlichen die Ziele dieser Pädagogik die Ideen im Umgang mit kultureller Vielfalt innerhalb einer Gesellschaft. Inwiefern der vorgestellte Ansatz der Interkulturellen Pädagogik auf die Integrationschancen Einfluss nehmen könnte, wird im letzten Kapitel 6 (Wirkungsaussichten) abschließend erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsverständnis und Forschungsfeld
3 Situation der Aussiedlerintegration in Deutschland
3.1 Gesetzliche Grundlagen
3.2 Geschichtliche Hintergründe
3.3 Integrationssituation
4 Beziehung zwischen Aussiedlern und Einheimischen
4.1 Aussiedler als Fremde
4.2 Kulturell und strukturell induziertes Spannungsverhältnis
4.3 Konstruktion kultureller Distanz
5 Interkulturelle Pädagogik
5.1 Selbstverständnis Interkultureller Pädagogik
5.2 Anknüpfungsbereiche Interkultureller Pädagogik
6 Wirkungsaussichten
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Lebenssituation von Aussiedlern in Deutschland und analysiert das Spannungsfeld zwischen dieser Migrantengruppe und der einheimischen Bevölkerung. Ziel ist es, die soziologischen und strukturellen Ursachen für Integrationsbarrieren zu identifizieren, um darauf basierend pädagogische Handlungsansätze innerhalb einer multikulturellen Gesellschaft zu entwickeln.
- Migration und Aussiedlerintegration in Deutschland
- Soziokulturelle und strukturelle Einflussfaktoren der Integration
- Fremdheitserfahrungen und Identitätsbildungsprozesse
- Rolle und Möglichkeiten der Interkulturellen Pädagogik
- Zusammenwirken von Politik und Pädagogik bei der Integrationsförderung
Auszug aus dem Buch
4.2 Kulturell und strukturell induziertes Spannungsverhältnis
Aus dem Wechselspiel von struktureller und kultureller Differenz ergeben sich Spannungen zwischen der aufnehmenden Gesellschaft und den Aussiedlern. Auf der einen Seite stehen die gesellschaftlichen Ungleichheiten, also die Ungleichverteilung von Macht und Prestige in der Bevölkerung. Auf der anderen Seite befinden sich die, nach HOFFMANN-NOWOTNY, eher peripheren kulturellen Unterschiede. Infolge veränderter gesellschaftlicher Rahmenbedingungen seit den 80er Jahren (z.B. Krise der Arbeitsgesellschaft; moderne Gesellschaft) ist die deutsche Gesellschaft zunehmend von „strukturellen und anomischen Spannungen“ geprägt. Dies ist ein Fakt, der sich deutlich im Umgang der Einheimischen mit Migranten und dementsprechend auch Aussiedlern wiederspiegelt.
Migranten sind nicht mehr nur zeitlich begrenzt anwesend, sondern haben sich als fester Bestandteil in der deutschen Bevölkerung etabliert. Gleichzeitig hat sich die Situation auf dem Arbeitsmarkt gewandelt. Der einst so große konjunkturbedingte Arbeitskräftebedarf ist stark zurückgegangen. Es stehen mehr Arbeitskräfte zur Verfügung als benötigt werden. Zudem haben weniger Gebildete nur geringe Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Die deutsche Gesellschaft ist überschattet von Strukturkrisen, Jugend- und Dauerarbeitslosigkeit, Zukunftsängsten und der ständig drohenden Ausgrenzung aus der Mitte der Gesellschaft – unabhängig von der ethnischen Herkunft. Diese bestehende Krise der Arbeitsgesellschaft reicht mittlerweile auch bis in die Mittelstandsgesellschaft hinein. Es besteht eine dauerhaft latente Angst vor dem drohenden Statusverlust.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die veränderten Migrationsprozesse in Deutschland und führt in das zentrale Thema der Aussiedlerintegration sowie die Relevanz der Pädagogik ein.
2 Begriffsverständnis und Forschungsfeld: In diesem Kapitel werden zentrale Termini wie multikulturelle Gesellschaft, Identität, Ethnizität und Integration für den weiteren Verlauf der Arbeit definiert und theoretisch eingeordnet.
3 Situation der Aussiedlerintegration in Deutschland: Das Kapitel analysiert die gesetzlichen Rahmenbedingungen, die historischen Hintergründe der Zuwanderung sowie die aktuelle, oft durch Marginalisierung geprägte Integrationssituation der Aussiedler.
4 Beziehung zwischen Aussiedlern und Einheimischen: Hier wird die Dynamik der gegenseitigen Wahrnehmung, geprägt durch Fremdheit, Statuskonkurrenz und strukturelle Ungleichheiten, detailliert untersucht.
5 Interkulturelle Pädagogik: Dieses Kapitel stellt die Interkulturelle Pädagogik als Lösungsansatz vor, der sich durch Prinzipien wie Gleichheit, Anerkennung und Dialog auszeichnet.
6 Wirkungsaussichten: Das abschließende Kapitel reflektiert die Möglichkeiten und Grenzen pädagogischen Handelns im Kontext der gesellschaftlichen Realität und fordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Politik.
Schlüsselwörter
Aussiedler, Integration, Deutschland, Interkulturelle Pädagogik, Migration, Fremdheit, Identität, ethnische Minderheit, Sozialisation, Strukturkrise, Statusverlust, Diskriminierung, gesellschaftliche Teilhabe, Multikulturalismus, Ethnisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die Integrationssituation von Aussiedlern in Deutschland und untersucht, wie Politik und Pädagogik auf die damit verbundenen Herausforderungen reagieren können.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Die zentralen Themenfelder sind Migration, die soziokulturelle Situation von Aussiedlern, das Spannungsverhältnis zwischen Zuwanderern und Einheimischen sowie die Konzepte der Interkulturellen Pädagogik.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die tieferliegenden Ursachen der Integrationsprobleme zu ergründen, um daraus fundierte Anknüpfungspunkte für pädagogisches Handeln innerhalb einer pluralistischen Gesellschaft abzuleiten.
Welcher wissenschaftliche Ansatz wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf soziologische und psychologische Theorien der Identitätsbildung, Migrationsforschung sowie Konzepte der Interkulturellen Pädagogik.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Analyse der gesetzlichen und historischen Hintergründe der Aussiedlerzuwanderung, der sozioökonomischen Realität, der Dynamik der Fremdheitskonstruktion sowie der Ausgestaltung einer interkulturellen pädagogischen Praxis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird wesentlich durch Begriffe wie "Aussiedler", "Integration", "Interkulturelle Pädagogik", "Fremdheit" und "Struktur" charakterisiert.
Warum wird speziell die Gruppe der Aussiedler betrachtet?
Die Gruppe wurde aufgrund ihrer aktuellen politischen Brisanz gewählt und dient gleichzeitig als Beispiel, um die generelle Einwanderungsproblematik in Deutschland sowie die spezifischen Herausforderungen von Zuwanderern zu verdeutlichen.
Welche Rolle spielt die Politik bei den untersuchten Problemen?
Die Autorin betont, dass die Ursachen für ethnische Konflikte primär in der gesellschaftlichen Struktur und Politik liegen und pädagogisches Handeln allein ohne eine entsprechende Sozialpolitik nicht ausreicht, um die Probleme zu lösen.
- Arbeit zitieren
- Ulrike Triebel (Autor:in), 2002, Integration von Aussiedlern in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135608