In den letzten Jahren sind die Gemeinkosten der indirekten Bereiche sowohl absolut als auch relativ zu den Einzelkosten drastisch gestiegen. Die Gründe für den Anstieg sind insbesondere die Bemühungen der Unternehmen um eine Verbesserung der wirtschaftlichen Flexibilität der Fertigung, die Verkürzung der Produktlebenszyklen sowie die hohe Anzahl der Produkte und Produktvarianten. Folglich sind die vorbereitenden, planenden, steuernden und überwachenden Tätigkeiten in Forschung und Entwicklung, Beschaffung und Logistik, Produktionsplanung und -steuerung, Qualitätssicherung und -prüfung sowie Auftragsabwicklung, Vertrieb und Service stark angestiegen. Aufgrund dieser Veränderungen in der betrieblichen Wertschöpfung haben sich die Kostenstrukturen in Richtung eines stark gewachsenen Gemeinkostenanteils verschoben. Die Gemeinkosten stellen demzufolge ein beachtliches Rationalisierungspotenzial dar. Allerdings kann dieses nur sehr schwer erschlossen werden, denn in den Unternehmensbereichen, in denen sehr hohe Gemeinkosten anfallen, liegen häufig keine besonders transparenten Kostenstrukturen vor. Desweiteren existieren häufig keine geeigneten Kostenrechnungssysteme, um diese Kostenstrukturen abbilden zu können. Eine verursachungsgerechte Zuordnung und Verrechnung der Gemeinkosten der indirekten Bereiche auf die Produkte wird demzufolge erheblich erschwert, damit steigt die Gefahr von Fehlentscheidungen in der „Produkt- und Preispolitik.“
Aufgrund der Verschiebung der Kostenstrukturen ist die Notwendigkeit, die Gemeinkosten im Rahmen des Zielkostenmanagements bzw. Target Costing zu berücksichtigen, erheblich gestiegen. Um ein umfassendes marktorientiertes Zielkostenmanagement in der gesamten Prozesskette zu verwirklichen, müssen auch die indirekten Bereiche in den Target Costing Prozess integriert werden.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Problemstellung
1.2 Zielsetzung
1.3 Aufbau der Arbeit
2 Grundlagen des Zielkostenmanagements
2.1 Definition des Target Costing
2.2 Der Target Costing Prozess
2.2.1 Zielkostenfindung
2.2.2 Zielkostenspaltung
2.2.3 Zielkostenerreichung
3 Marktorientiertes Zielkostenmanagement in indirekten Bereichen
3.1 Grundlagen und Abgrenzung
3.2 Zielkostenfindung
3.2.1 Einbindung der Gemeinkosten in der Retrograden Kalkulation
3.2.2 Bestimmung der Zielgemeinkosten
3.3 Zielkostenspaltung
3.3.1 Einbezug der Gemeinkosten in die Zielkostenspaltung
3.3.2 Probleme bei der Zielkostenspaltung
3.4 Zielkostenmanagement und Prozesskostenrechnung
3.4.1 Einsatz der Prozesskostenrechnung im Rahmen des Zielkostenmanagements
3.4.2 Strategische Kalkulation der Produktstandardkosten
3.4.3 Zusammenspiel in Bezug auf Produktgrundsatzentscheidungen
3.4.4 Zusammenwirken bei der Erreichung der Zielkosten
3.4.5 Kritische Würdigung
3.5 Benchmarking
3.5.1 Definition
3.5.2 Benchmarking zur Unterstützung des Target Costing
4 Geschäftsprozessmanagement in indirekten Bereichen
4.1 Definition und Grundlagen
4.2 Strategisches vs. operatives Geschäftsprozessmanagement
4.3 Geschäftsprozessoptimierung
4.4 Instrumente zur Zielkostenerreichung mittels Geschäftsprozessmanagementaktivitäten
4.4.1 Allgemeine Instrumente
4.4.1.1 Simultaneous Engineering
4.4.1.2 Kaizen/KVP
4.4.2 Ausgewählte spezifische Instrumente zur Optimierung der Gemeinkostenbereiche
4.4.2.1 Integratives Zuliefermanagement
4.4.2.2 Gemeinkostenwertanalyse
4.4.2.3 Zero Base Budgeting
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Notwendigkeit, indirekte Bereiche in das Zielkostenmanagement (Target Costing) zu integrieren, um eine verursachungsgerechte Kostenplanung und -steuerung zu ermöglichen. Angesichts steigender Gemeinkostenanteile wird analysiert, wie diese durch Methoden wie die Prozesskostenrechnung, Benchmarking und verschiedene Instrumente des Geschäftsprozessmanagements marktorientiert erfasst und optimiert werden können.
- Integration von Gemeinkosten in den Target Costing Prozess
- Einsatz der Prozesskostenrechnung zur Kostentransparenz
- Anwendung von Benchmarking im Zielkostenmanagement
- Methoden der Geschäftsprozessoptimierung (z.B. Kaizen, Zero Base Budgeting)
- Einbindung von Zulieferern zur Zielkostenerreichung
Auszug aus dem Buch
3.4.1 Einsatz der Prozesskostenrechnung im Rahmen des Zielkostenmanagements
Target Costing ist eine entwicklungs- und konstruktionsbegleitende marktorientierte Zielkostenplanungsmethodik auf Produktebene. Die Prozesskostenrechnung hingegen ist ein Analyse- und Steuerungsinstrument. Sie gibt in den frühen Phasen Informationen über die zu erwartenden Prozesskosten für die unterschiedlichen Produktalternativen und zeigt Rationalisierungspotenziale in den Gemeinkostenbereichen auf, die in den kostenintensiven Haupt- und Teilprozessen versteckt sind. In den frühen Phasen liegt das Hauptaugenmerk auf der Gestaltung des Produktentwicklungsprozesses und der Prozesse zur Realisierung und Bereitstellung des neuen Produkts. Zusammen mit der Produktgestaltung gehört die Prozessgestaltung zu den kurzfristigen Maßnahmen zur Erreichung der Zielkosten.
Hierbei ist die Prozesskostenrechnung ein Hilfsmittel, das die Kosten der Prozesse ermittelt und die Kostenschwerpunkte aufzeigt. Ihre Aufgabe ist es, sowohl die fertigungsnahen als auch die fertigungsfernen Gemeinkosten verursachungsgerecht verrechnen zu können.
Sowohl das Target Costing als auch die Prozesskostenrechnung verfolgen das Ziel, das Unternehmen stärker auf den Markt auszurichten und dessen Abläufe „schlank“ zu gestalten. Im Gegensatz zu den traditionellen Kostenrechnungssystemen erreicht die Prozesskostenrechnung diese sogenannten „schlanken“ Abläufe durch eine höhere Transparenz der Gemeinkosten. Um die Gemeinkostenbereiche transparent und somit steuerbar zu machen, will die Prozesskostenrechnung die Hauptprozesse als auch deren Einflussgrößen (Kostentreiber), sowie deren Marktbezug identifizieren und kostenmäßig bewerten, Teilprozesse in einzelnen Kostenstellen und Abteilungen analysieren und zu Hauptprozessen verknüpfen um dadurch Ineffizienzen aufzuzeigen, Einsparungspotenziale zu finden und diese dem Entwickler zugänglich zu machen. Die Hauptprozesse müssen direkten oder indirekten Marktbezug haben, sodass ihr Ressourceneinsatz und demzufolge ihre Kostenentstehung aus dem Markt heraus begründbar und steuerbar wird.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Arbeit thematisiert den Anstieg der Gemeinkosten und die Notwendigkeit, diese durch das Target Costing in die Produktkalkulation einzubinden, um Fehlentscheidungen zu vermeiden.
2 Grundlagen des Zielkostenmanagements: Definition des Target Costing als marktorientiertes Verfahren zur Kostenplanung, unterteilt in die Phasen Zielkostenfindung, -spaltung und -erreichung.
3 Marktorientiertes Zielkostenmanagement in indirekten Bereichen: Analyse der Probleme bei der Zurechnung von Gemeinkosten und Evaluierung der Prozesskostenrechnung sowie des Benchmarking für die indirekte Gemeinkostenplanung.
4 Geschäftsprozessmanagement in indirekten Bereichen: Vorstellung von Instrumenten wie Simultaneous Engineering, Kaizen, integrativem Zuliefermanagement und Zero Base Budgeting zur aktiven Gestaltung und Reduzierung von Gemeinkosten.
5 Fazit: Zusammenfassung der Notwendigkeit einer durchgängigen Prozessoptimierung und der Erkenntnis, dass für eine umfassende Zielkostenerreichung verschiedene Instrumente integriert werden müssen.
Schlüsselwörter
Zielkostenmanagement, Target Costing, Gemeinkosten, indirekte Bereiche, Prozesskostenrechnung, Geschäftsprozessmanagement, Kostentransparenz, Marktorientierung, Zielkostenspaltung, Benchmarking, Simultaneous Engineering, Kaizen, Gemeinkostenwertanalyse, Zero Base Budgeting, Produktkalkulation
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Diplomarbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie indirekte Unternehmensbereiche in ein marktorientiertes Zielkostenmanagement integriert werden können, um die steigenden Gemeinkosten transparent und steuerbar zu machen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Im Zentrum stehen die Methodik des Target Costing, die Prozesskostenrechnung, das Benchmarking sowie verschiedene Instrumente des Geschäftsprozessmanagements zur Optimierung indirekter Kosten.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die Notwendigkeit aufzuzeigen, indirekte Gemeinkosten im Target Costing zu erfassen und zu steuern, sowie die Eignung verschiedener Instrumente zur Zielkostenerreichung in diesen Bereichen zu analysieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die verschiedene theoretische Konzepte (Target Costing, Prozesskostenrechnung, Benchmarking) auf ihren praktischen Nutzen für die Gemeinkostensteuerung in indirekten Bereichen untersucht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil befasst sich mit der Abgrenzung indirekter Bereiche, der Einbindung von Gemeinkosten in die Kalkulation sowie der detaillierten Vorstellung von Managementinstrumenten wie Kaizen oder der Gemeinkostenwertanalyse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe umfassen Zielkostenmanagement, Prozesskostenrechnung, Gemeinkosten, Target Costing und Geschäftsprozessmanagement.
Warum sind produktferne Kosten für das Target Costing schwierig zu erfassen?
Da produktferne Kosten keinen direkten Bezug zum Produkt haben, fehlt oft ein eindeutiger Marktbezug, was eine verursachungsgerechte Zuordnung und Steuerung über die Produktgestaltung erschwert.
Wie trägt das Zero Base Budgeting zur Zielkostenerreichung bei?
Es hinterfragt alle bestehenden Leistungen auf ihre Erforderlichkeit, was dazu führt, dass nicht notwendige Strukturen abgebaut und Ressourcen zielorientierter eingesetzt werden.
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- Julia Kemper (Author), 2008, Zielkostenmanagement für indirekte Bereiche, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135623