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Soziologie und Sprachsoziologie nach Pierre Bourdieu

Title: Soziologie und Sprachsoziologie nach Pierre Bourdieu

Thesis (M.A.) , 2008 , 70 Pages , Grade: 1,3

Autor:in: Eva Maqua (Author)

Sociology - General and Theoretical Directions
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Summary Excerpt Details

Bildung ist in der modernen Gesellschaft wichtiger als je zuvor. Ohne Bildung und die
damit verbundenen Bildungstitel ist kein sozialer Aufstieg in der sozialen Hierarchie
unserer Gesellschaft möglich. Das Bildungssystem und seine Institutionen
versprechen eine Chancengleichheit für alle Teilnehmer des Systems unabhängig
ihrer sozialen Stellung. Die Macht, die die Klassenstruktur auf die Gesellschaft
ausübt, wird vollkommen verschleiert. Pierre Bourdieu hat sich u.a. auch in
Zusammenarbeit mit Jean-Claude Passeron mit diesem Thema beschäftigt. Sie
haben durch Untersuchungen des französischen Bildungssystems die Reproduktion
von Bildungsungleichheiten und somit eine fehlende Chancengleichheit aufgedeckt.
Die sozialen Klassen innerhalb der Gesellschaft bewirken unterschiedliche
Leistungen bei den Schülern je nach ihrem Herkunftsmilieu. Durch die
Gleichbehandlung aller Schüler in den Bildungseinrichtungen wird keine Rücksicht
auf die unterschiedliche soziale Herkunft genommen.
Bourdieu begründet diese sozialen Unterschiede der Milieus in seiner Sozialtheorie
durch die ungleiche Verteilung des kulturellen Kapitals. Das kulturelle Kapital kann
u.a. mit dem Begriff der Bildung umschrieben werden und wird durch die
Sozialisation in der Familie vererbt und in der lebensweltlichen Umgebung
angeeignet. Die ungleiche Verteilung des Kapitals kommt durch die soziale
Schichtung zustande, denn je niedriger das soziale Niveau, desto weniger oder
qualitativ schlechteres kulturelles Kapital wird weitergegeben. Der Begriff der
Sprache spielt dabei ebenfalls eine Rolle, denn sie ist auch ein Teil des kulturellen
Kapitals und ist von der ungleichen Verteilung durch die schichtspezifische
Sozialisation betroffen. Die Merkmale der existierenden Gesellschaften sind Macht
und soziale Ungleichheit. Sprachliche Produkte und die Sprachpraxis selbst werden
von den diesen gesellschaftlichen Merkmalen beeinflusst.
Bourdieu erklärt diese Entwicklung anhand seiner Theorie der Praxis. Er beschreibt
die Sprechsituation zwischen Akteuren als Austausch unter bestimmten sozial
strukturierten Bedingungen und Kompetenzen. Die soziale Struktur wird durch die
Interaktion der Akteure ausgedrückt und gleichzeitig wird sie reproduziert. Er legt
Wert darauf, dass seine Sprachtheorie den soziohistorischen und praktischen Charakter der Sprache einbezieht.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

I. Perspektiven der Bildungssoziologie

1. Das Modell der soziologischen Erklärung

2. Die ungleichheitstheoretische Perspektive

II. Die Soziologie Pierre Bourdieus und der Begriff der Sprache

1. Der Habitus

2. Der Begriff des Feldes

3. Die Kapitalformen

3.1.Ökonomisches Kapital

3.2 Das soziale Kapital

3.3.Die formen des kulturellen Kapitals

3.4 Das symbolische Kapital

4. Lebensstile und Klassen im symbolischen Raum

4.1 Klassentheoretisches Modell des sozialen Raums

4.2 Raum der Lebensstile

5. Sprache und symbolische Macht

III. Der sprachsoziologische Ansatz nach Pierre Bourdieu und seine Anwendung

1. Die bildungs- und sprachsoziologische Perspektive Pierre Bourdieus

2. Die Macht der legitimen Sprache

3. Sprachliche Sozialisation in der Gegenwart

4. Lesesozialisation

4.1 Stand der Lesekompetenz in Deutschland

4.2 Unterschiede der Lesekompetenz zwischen den Schulformen

4.3 Betrachtungsperspektiven der Lesesozialisation

5. Zusammenhang von Wissensverteilung und Bildungsungleichheit

Fazit

Zielsetzung & Themen der Arbeit

Die vorliegende Arbeit untersucht die Reproduktion von Bildungsungleichheiten in der modernen Gesellschaft auf Basis der soziologischen Theorien von Pierre Bourdieu, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Rolle von Sprache und Lesesozialisation als Mechanismen zur Festigung klassenspezifischer Benachteiligungen.

  • Die soziologische Analyse von Bildungsungleichheiten mittels Bourdieus Kapitalbegriff.
  • Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft, sprachlichem Habitus und schulischem Erfolg.
  • Die Rolle der Sprache als Instrument symbolischer Macht im Bildungssystem.
  • Die Untersuchung der Lesesozialisation als Schlüssel zur Kompetenzvermittlung.
  • Der Einfluss von Bildungsinstitutionen auf die Aufrechterhaltung gesellschaftlicher Hierarchien.

Auszug aus dem Buch

4.2 Der Raum der Lebensstile

Diese Charakterisierung der sozialen Klassen ist eine vorläufige Platzierung im sozialen Raum. Damit ist allerdings noch nicht hinreichend bestimmt, was eine soziale Klasse genau kennzeichnet. Um nach Bourdieu soziale Klassen adäquat zu konstruieren muss eine Differenzierung bzw. Ergänzung des bisherigen Modells erfolgen. Um auch den Gegensatz zwischen Klassen- und Schichtungstheorie zu überwinden, wird das Sozialraum-Modell in zwei Subräume unterteilt, die relativ eigenständig existieren: den schon beschriebenen Raum der sozialen Positionen und den Raum der Lebensstile. Die soziale Position ist die objektive ökonomische, kulturelle und soziale Bedingungslage einer Gruppe von Akteuren. Der Lebensstil, der bei Max Weber die Bezeichnung des Standes hatte, umfasst die symbolischen Merkmale der Lebensführung. Die subjektive Wahrnehmung, ästhetische Werte und Vorzüge, wie Nahrungsmittel, Literatur, Autos etc. bilden den distinktiven Raum der Lebensstile, der die soziale Welt repräsentiert (vgl. Schwingel 2003: 109-111). Der Bereich der Lebensstile bietet genau die Voraussetzungen, die für die Reproduktion sozialer Ungleichheit und sozialer Herrschaft vorhanden sein müssen (vgl. Hartmann 2006: 31).

Die Wechselbeziehungen zwischen dem Raum der sozialen Positionen und dem Raum der Lebensstile übernehmen die Zuordnung der Positionen zu bestimmten Objekten der symbolischen Lebensführung. Diese systematischen Beziehungen sind allerdings nicht absolut notwendig. Bourdieus theoretische Erklärung für die Verwandtschaft der beiden Räume ist die Vermittlung des Habitus, denn der Lebensstil basiert auf den Klassifikations-, Handlungs- und Bewertungsschemata, die im Habitus angelegt werden. Bourdieu definiert diese Schemata als „Geschmack“.

Zusammenfassung der Kapitel

Einleitung: Die Einleitung thematisiert die Diskrepanz zwischen dem Versprechen auf Chancengleichheit im Bildungssystem und der empirischen Realität der Reproduktion von Bildungsungleichheiten durch schichtspezifische Kapitalverteilung.

I. Perspektiven der Bildungssoziologie: Dieses Kapitel erläutert die theoretischen Ansätze zur Erklärung von Bildungsungleichheit, wobei Essers Modell der soziologischen Erklärung genutzt wird, um die Verbindung zwischen Makrostrukturen und individuellem Handeln zu verdeutlichen.

II. Die Soziologie Pierre Bourdieus und der Begriff der Sprache: Hier werden die zentralen Konzepte Bourdieus wie Habitus, Feld und die Kapitalformen eingeführt, um zu zeigen, wie soziale Positionierung und symbolische Macht die individuelle Praxis beeinflussen.

III. Der sprachsoziologische Ansatz nach Pierre Bourdieu und seine Anwendung: Dieses Kapitel verbindet Bourdieus Theorie direkt mit sprachsoziologischen Fragestellungen, der Lesesozialisation und den PISA-Studien, um die Mechanismen sprachlicher Benachteiligung im Schulsystem aufzuzeigen.

Schlüsselwörter

Pierre Bourdieu, Bildungssoziologie, Bildungsungleichheit, Habitus, Kulturelles Kapital, Soziale Herkunft, Sprachsoziologie, Legitime Sprache, Symbolische Macht, Lesesozialisation, PISA-Studie, Klassenstruktur, Sozialer Raum, Distinktion, Reproduktionsmechanismen

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit analysiert, wie soziale Ungleichheit und Bildungsbenachteiligung in modernen Gesellschaften fortbestehen und wie Bildungsinstitutionen dabei zur Reproduktion dieser Hierarchien beitragen.

Was sind die zentralen Themenfelder?

Im Mittelpunkt stehen die Soziologie von Pierre Bourdieu, die Analyse von Kapitalformen (insbesondere kulturelles Kapital), das Konzept des Habitus sowie die sprachliche Sozialisation.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Das Ziel ist es, den Zusammenhang zwischen der sozialen Herkunft von Schülern, ihrer sprachlichen Kompetenz und ihrem schulischen Erfolg unter Berücksichtigung von Bourdieus Machttheorie aufzuzeigen.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Autorin nutzt eine theoretische Aufarbeitung soziologischer Konzepte sowie eine Analyse empirischer Studien, insbesondere der PISA-Ergebnisse, um die theoretischen Thesen auf das deutsche Bildungssystem anzuwenden.

Was wird im Hauptteil behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen Bourdieus (Habitus, Feld, Kapital) und deren Anwendung auf die Sprachsoziologie, die Lesesozialisation sowie den Einfluss des familiären Milieus.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wichtigsten Schlagworte sind Bourdieus Habitus-Begriff, Kapitalformen, soziale Schichtung, Bildungsbenachteiligung, symbolische Macht und Lesekompetenz.

Warum spielt die PISA-Studie in dieser Arbeit eine Rolle?

Die PISA-Studien dienen als empirische Grundlage, um die theoretischen Annahmen Bourdieus zur Abhängigkeit von Schulerfolg und sozialer Herkunft im deutschen Schulsystem zu validieren.

Wie unterscheidet sich die "legitime Sprache" von anderen Formen?

Nach Bourdieu ist die "legitime Sprache" die Sprache der herrschenden Klasse, die durch Institutionen wie Schulen als Standard definiert wird und so zur Distinktion gegenüber unteren sozialen Schichten dient.

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Details

Title
Soziologie und Sprachsoziologie nach Pierre Bourdieu
College
RWTH Aachen University  (Institut für Soziologie)
Grade
1,3
Author
Eva Maqua (Author)
Publication Year
2008
Pages
70
Catalog Number
V135640
ISBN (eBook)
9783640428489
ISBN (Book)
9783640424580
Language
German
Tags
Soziologie Sprachsoziologie Pierre Bourdieu
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Eva Maqua (Author), 2008, Soziologie und Sprachsoziologie nach Pierre Bourdieu, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135640
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