Die hier vorliegende Hausarbeit setzt sich mit dem römischen Kaiser Tiberius auseinander und setzt den Fokus auf die Vertreibung der Juden aus Rom 19 n. Chr. Hierbei wird zum einen erarbeitet, wie es dazu kam, dass die jüdische Gemeinde unter Tiberius aus Rom vertrieben wurde, und des Weiteren, welche Gründe es für die drastischen Maßnahmen des Tiberius
gegen die Juden gab. Die Frage nach der „Ausweisung“ ist besonders erklärungsbedürftig, da Rom um diese Zeit als „tolerant“ angesehen wird.
Das Ziel dieser Hausarbeit ist es zu ergründen, weshalb Tiberius dafür sorgte, dass die jüdische Gemeinde aus Rom vertrieben wurde. Dabei wird anhand diverser Literatur diese Fragestellung erarbeitet. Hier soll auf bestimmte Punkte geachtet werden, die im Folgenden ausgeführt werden: Zunächst wird Roms Bevölkerung vor 14 n.Chr. dargestellt. Hierbei wird das Zusammenleben innerhalb der Bevölkerung betrachtet sowie auf das Verhältnis zwischen „Fremden“ und dem Staat. Weiterführend wird genauer auf die jüdische Bevölkerung innerhalb Roms eingegangen. Anschließend soll dargestellt werden, wie die Juden vor Tiberius unter der Herrschaft von Caesar und Augustus gelebt haben. Darauf aufbauend werden die Juden während der Herrschaft des Tiberius thematisiert.
Dabei soll anhand antiker Schriftsteller die Maßnahmen gegen die Juden dargestellt und der Frage auf den Grund gegangen werden, ob Tiberius alleiniger Vollstrecker seiner drastischen Maßnahmen war. Abschließend werden die vermeintlichen Gründe der Ausweisung erklärt.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rom und seine Bevölkerung vor der Herrschaft des Tiberius ab 14 n.Chr.
3. Juden in Rom
4. Juden während der Herrschaft von Gaius Julius Caesar
5. Juden während der Herrschaft von Augustus
6. Die Juden unter der Herrschaft von Tiberius
6.1 Die Maßnahmen gegen die Juden
6.2 Tiberius als Vollstrecker „seiner“ Maßnahmen?
7. Gründe für die Ausweisung
8. Fazit
9. Literaturverzeichnis
9.1 Quellenverzeichnis
9.2 Sekundärliteratur
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die historischen Hintergründe und Ursachen der Vertreibung der jüdischen Gemeinde aus Rom im Jahr 19 n.Chr. unter der Herrschaft von Kaiser Tiberius, wobei insbesondere die Fragestellung verfolgt wird, ob es sich um eine gezielte politische Maßnahme des Kaisers handelte oder ob andere gesellschaftliche Faktoren diesen Entschluss provozierten.
- Die Entwicklung der jüdischen Gemeinde in Rom von Caesar bis Tiberius
- Die rechtliche Stellung und Privilegien der jüdischen Bevölkerung in der frühen Kaiserzeit
- Kritische Analyse antiker Quellen (Sueton, Tacitus, Josephus) zur Ausweisung
- Erörterung konkurrierender Hypothesen: Proselytismus vs. Versorgungsengpässe als Auslöser
Auszug aus dem Buch
6. Die Juden unter der Herrschaft von Tiberius
Tiberius, der Augustus „beerbte“, musste sich also mit der realpolitischen Situation und der bereits gewährten Privilegien auseinandersetzen. Durch Caesars und auch Augustus „Entscheidungen“ zu Gunsten der Juden kann man annehmen, dass die rechtliche Lage der Juden vorerst sicher war. Wollte man die Juden in ihren Rechten einschränken, so benötigte man glaubwürdige Begründungen dafür. Die Toleranz und Anerkennung gegenüber den Juden vor Tiberius ist bekannt, unter Tiberius jedoch folgte nun eine andere Politik gegenüber den Juden.
Tiberius gab sich wenig Mühe, die „exempla“ des Augustus nachzuahmen. „Unter dem Augustusnachfolger Tiberius traf die Judenschaft Roms zusammen mit Anhängern orientalischer Kulte eine Restriktions- und Strafmaßnahme, deren Rechtsgrundlage ein Senatsbeschluss war“. Seianus, der Prätorianerpräfekten des Tiberius, soll bereits von dem jüdischen Philosophen und Theologen Philon von Alexandria als antisemitisch beschrieben worden sein, dabei beschreibt dieser Seianus` Politik als antisemitisch. Tiberius erkannte unmittelbar nach dem Tod von Augustus, dass die von Seianus erhobenen Anklagen gegen die in Rom lebenden Juden unbegründete Verleugnungen waren. Tiberius wies - trotz der bekannten Lüge von Seianus - an, dass alle Provinzgouverneure die in ihren Städten lebenden Mitglieder des jüdischen Volkes zu beruhigen und den Juden zu sagen, dass nur die, die schuldig waren und nicht die unschuldigen Juden Vergeltung erfahren würden. Durch diese Maßnahme sollte es nicht zu einem Bruch der Traditionen kommen. Darüber hinaus sollten die Gouverneure die Juden selbst, als auch ihre Gesetze, als ein „heiliges Vertrauen“ behandeln, da die Juden friedlich gesinnt waren und die Gesetze der öffentlichen Ordnung einhielten. Die Intension, des Seianus ist die, dass er versucht, die alte Ordnung von Caesar und Augustus, durch eine neue offizielle Politik des Antisemitismus zu ersetzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der jüdischen Präsenz im kaiserzeitlichen Rom ein und stellt die zentrale Fragestellung zur Vertreibung unter Tiberius auf.
2. Rom und seine Bevölkerung vor der Herrschaft des Tiberius ab 14 n.Chr.: Das Kapitel beleuchtet die demografische Situation Roms sowie das Verhältnis von Fremden und dem römischen Staat vor Amtsantritt des Tiberius.
3. Juden in Rom: Hier wird der historisch belegte Zuzug jüdischer Bevölkerungsgruppen nach Rom und ihre sozioökonomische Etablierung in der vorrömischen Kaiserzeit dargestellt.
4. Juden während der Herrschaft von Gaius Julius Caesar: Dieses Kapitel erläutert, wie Caesar durch Privilegien und gesetzliche Ausnahmeregelungen den Juden die Integration und Religionsausübung in Rom ermöglichte.
5. Juden während der Herrschaft von Augustus: Es wird dargelegt, wie Augustus die caesarischen Regelungen zur toleranten Behandlung der jüdischen Gemeinde bestätigte und als „religio licita“ festigte.
6. Die Juden unter der Herrschaft von Tiberius: Die Analyse konzentriert sich auf die Maßnahmen gegen die Juden, die Rolle des Seianus sowie die Frage nach dem Ausmaß der persönlichen Involvierung des Kaisers Tiberius.
7. Gründe für die Ausweisung: In diesem Kapitel werden verschiedene wissenschaftliche Erklärungsmodelle, von Proselytismus bis hin zu Versorgungsengpässen, kritisch gegenübergestellt.
8. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass aufgrund der schlechten Quellenlage keine abschließende Sicherheit über ein singuläres Motiv der Ausweisung besteht.
9. Literaturverzeichnis: Dies ist das systematische Verzeichnis der verwendeten Quellen und Forschungsliteratur.
Schlüsselwörter
Tiberius, Juden in Rom, Ausweisung 19 n.Chr., Antike Toleranz, Judentum, Römische Geschichte, Senatsbeschluss, Proselytismus, Integration, Staatsreligion, Versorgungskrise, Seianus, Philon von Alexandria, Flavius Josephus, Religionspolitik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die Vertreibung der Juden aus Rom im Jahr 19 n.Chr. unter Kaiser Tiberius und analysiert die Hintergründe dieses historischen Ereignisses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themenfelder umfassen die römische Integrationspolitik, religiöse Minderheiten in der Antike, das Rechtsverhältnis der Juden zum römischen Staat sowie die methodische Auswertung antiker historiographischer Quellen.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das primäre Ziel ist es zu ergründen, warum Tiberius die Ausweisung der jüdischen Gemeinde veranlasste, und ob dies eine bewusste politische Entscheidung oder die Folge gesellschaftlicher Krisen war.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche und historische Analyse vorgenommen, die den Vergleich antiker Quellenberichte mit modernen Forschungshypothesen kombiniert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Entwicklung der jüdischen Gemeinde unter Caesar und Augustus sowie die detaillierte Untersuchung der Restriktionen und der Vertreibung unter Tiberius.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Tiberius, Judentum, Römische Integration, Senatsbeschluss und die historische Debatte über das Motiv der Vertreibung.
Welchen Einfluss hatte der Prätorianerpräfekt Seianus auf die Maßnahmen?
Seianus wird als Figur beschrieben, die versuchte, eine antisemitische Politik gegen die jüdische Bevölkerung zu etablieren, wobei seine Rolle als treibende Kraft der antijüdischen Maßnahmen kritisch hinterfragt wird.
Wie spielt die Versorgungslage in der Zeit des Tiberius in die Ausweisungsfrage hinein?
Laut Margaret Williams wird eine Versorgungskrise in den Anfangsjahren von Tiberius als plausibelster Grund für die Vertreibung angeführt, um die Anzahl der anspruchsberechtigten „Esser“ der staatlichen Kornrationen zu verringern.
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- Pascal Selinger (Author), 2020, Tiberius und die Vertreibung der Juden aus Rom 19 n.Chr., Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1357089