Die Soziologen setzen sich schon seit Jahren mit der Entwicklung von Partnerschaften auseinander. Sie versuchen die Ursachen für eine negative oder positive Partnerschaftsverläufe zu erforschen. Entsprechend bedeutsam ist die Kenntnis von Faktoren, welche einen ungünstigen Partnerschaftsverlauf (Scheidung) vorhersagen lassen, um dann diese Informationen beispielsweise in Rahmen einer Paartherapie verwenden zu können.
Es ist das Anliegen dieser Arbeit den partnerschaftlichen Erfolg näher zu analysieren. Da sich der partnerschaftliche Erfolg nach den Aussagen über ihrer Qualität und Stabilität bemisst, müssen erstmals die Kriterien analysiert werden. Diese Arbeit enthält also nicht nur Erläuterungen über Konstrukte, die den partnerschaftlichen Erfolg determinieren, sondern verschafft einen kleinen Einblick in den umfassenden Bereich der Partnerschaftsdiagnostik. Im ersten Teil meiner Arbeit werden die Gründe für eine Evaluierung von Partnerschaften dargestellt. Ich möchte die Wichtigkeit des Bemessungsprozessen verdeutlichen, da die Ergebnisse der Evaluierung nicht nur für die Wissenschaft sondern für alle Menschen (Bsp. Paartherapie) von Bedeutung sind. Ins Zentrum der Arbeit rücken die Kriterien des partnerschaftlichen Erfolgs, die Qualität und die Stabilität einer Partnerschaft, die in der Wissenschaft ein oft untersuchter Gegenstand sind. Eine konzeptuelle Unterscheidung zwischen den beiden Konstrukten ist von großer Bedeutung. Diese Aspekte korrelieren zwar eng, aber sind keinesfalls deckungsgleich. Man findet Konstellationen von hoher Stabilität bei geringer Qualität und umgekehrt. Für die Partnerschaftsqualität -stabilität spielt es eine bedeutende Rolle, inwieweit die Partner in ihren Zielvorstellungen übereinstimmen oder differieren, da die Lebensform der Partnerschaft zunehmend an der Vereinbarkeit des gemeinsamen Zielen und Interessen bewertet wird. Die Dimensionen und Rahmenbedingungen der partnerschaftlichen Determinanten werden im folgenden analysiert.
Im Anschluss daran werden die Arten der Messung des partnerschaftlichen Erfolgs und deren Unterteilung charakterisiert. In der Schlussphase meiner Arbeit werde ich die wichtigsten und am meisten gebrauchten Messinstrumente und -skalen, die für die Evaluierung entwickelt worden sind, darstellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Grund für die Evaluation von Partnerschaften
3. Qualität und Stabilität der Partnerschaft als Kriterien des Partnerschaftserfolgs
3.1. Dimensionen der Partnerschaftsqualität
3.2. Rahmenbedingungen der Partnerschaftsqualität und -stabilität
4. Arten der Messung
4.1. Explizite Diagnoseverfahren
4.2. Implizite Verfahren
5. Messinstrumente und Skalen
5.1. „marital adjustment school“
5.1.1. Dyadic Adjustment Scale kurz (DAS) von Spanier (1976), Marital Adjustment Test (MAT); Locke& Wallace (1959), Der Partnerschaftsfragebogen kurz (PFB) von Hahlweg (1996)
5.2. “individual feelings school”
5.2.1 Relationship Assessment Scale (RAS) von Hendrick (1988), Quality of Marriage Index (QMI); Norton 1983
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Evaluationsfähigkeit von Partnerschaften durch eine Analyse der zentralen Konstrukte „Partnerschaftsqualität“ und „Partnerschaftsstabilität“. Ziel ist es, die Bedeutung dieser messbaren Kriterien für die Paarforschung und Paartherapie darzustellen und die gängigen diagnostischen Instrumente kritisch zu bewerten.
- Konzeptualisierung von partnerschaftlichem Erfolg durch Qualität und Stabilität
- Unterscheidung zwischen expliziten und impliziten Messverfahren
- Analyse der „marital adjustment school“ als diagnostischer Ansatz
- Vorstellung und Kritik bedeutender Messskalen wie DAS, MAT, RAS und QMI
- Bedeutung der Triangulation verschiedener Methoden zur validen Datengewinnung
Auszug aus dem Buch
4. Arten der Messung
Die Partnerschaftsdiagnostik verfügt über verschiedene Methoden und methodische Zugänge, die entweder der Gruppe der expliziten Verfahren oder der impliziten angehören. Sie dienen der Erfassung von wichtigen Aspekten von Paarbeziehungen. „Trotzt identischer Terminologie erfassen implizite und explizite Verfahren häufig unterschiedliche Konstrukte“ (Grau & Bierhoff 2003: 18). Alle Verfahren zeigen jedoch Verzerrungstendenzen auf. Daher wird empfohlen mehrere bestehende methodische Konstrukte miteinander zu kombinieren, um deren jeweilige Stärken zu nutzen und gleichzeitig um Verzerrungen zu vermeiden (vgl. Grau & Bierhoff 2003: 39). Ich werde jetzt, den Gruppen der Zugehörigkeit nach, zuerst die expliziten und dann die impliziten ausgewählten Verfahren kurz beschreiben.
4.1. Explizite Diagnoseverfahren
Unter expliziten Diagnoseverfahren, die zur Bemessung der Partnerschaftsqualität -stabilität gehören, sind unter anderem zu finden: die Auswertung von Fragebögen, Verhaltensbeobachtungen, die Partnerbeurteilung und das Tagebuchverfahren. Obwohl sich die expliziten Diagnoseverfahren im Allgemeinem als verlässlich erwiesen haben, können sie nicht alle Aspekte von Paarbeziehungen vollständig erfassen. Ihre Validität ist durch grundlegende Probleme eingeschränkt: „Der verbale Selbstbericht kann nur Inhalte erfassen, die Probanten verbalisieren können und die sie in der diagnostischen Situation auch verbalisieren wollen“ (Grau & Bierhoff 2003: 17). Beispielsweise sind die traumatische Beziehungserfahrungen oft nicht bewusst als auch nicht in Worte fassbar. Es ist wichtig zu beachten, dass die Selbstdarstellungstendenzen die Erfassung verfälschen können.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der Evaluation partnerschaftlichen Erfolgs ein und erläutert die Relevanz der Untersuchung für Wissenschaft und Praxis.
2. Der Grund für die Evaluation von Partnerschaften: Dieses Kapitel begründet die Notwendigkeit der Diagnostik, insbesondere zur Ursachenforschung bei Partnerschaftskonflikten und zur Unterstützung paartherapeutischer Interventionen.
3. Qualität und Stabilität der Partnerschaft als Kriterien des Partnerschaftserfolgs: Es werden die zentralen Konstrukte definiert sowie deren Dimensionen und beeinflussende Rahmenbedingungen analysiert.
3.1. Dimensionen der Partnerschaftsqualität: Hier werden unterschiedliche theoretische Ansätze zur Strukturierung der Qualitätsdimensionen einer Partnerschaft vorgestellt.
3.2. Rahmenbedingungen der Partnerschaftsqualität und -stabilität: Dieser Abschnitt betrachtet Persönlichkeitsmerkmale und Kontextfaktoren, die die Beziehungsqualität und -stabilität direkt oder indirekt beeinflussen.
4. Arten der Messung: Das Kapitel differenziert zwischen expliziten und impliziten methodischen Zugängen in der Partnerschaftsdiagnostik.
4.1. Explizite Diagnoseverfahren: Es werden Methoden wie Fragebögen, Beobachtung und Tagebuchverfahren sowie deren Validitätsprobleme erörtert.
4.2. Implizite Verfahren: Dieser Teil beschreibt den Nutzen von Interviews und reaktionszeitgestützten Verfahren zur Erfassung unbewusster Beziehungserfahrungen.
5. Messinstrumente und Skalen: Ein Überblick über existierende Instrumente zur Evaluierung von Partnerschaften unterteilt in zwei theoretische Schulen.
5.1. „marital adjustment school“: Dieser Abschnitt behandelt Instrumente, die das Erleben und Verhalten in der Dyade fokussieren.
5.1.1. Dyadic Adjustment Scale kurz (DAS) von Spanier (1976), Marital Adjustment Test (MAT); Locke& Wallace (1959), Der Partnerschaftsfragebogen kurz (PFB) von Hahlweg (1996): Detaillierte Darstellung dieser spezifischen Messinstrumente und deren kritische Würdigung.
5.2. “individual feelings school”: Hier werden Instrumente vorgestellt, die primär auf das subjektive Empfinden eines einzelnen Partners abstellen.
5.2.1 Relationship Assessment Scale (RAS) von Hendrick (1988), Quality of Marriage Index (QMI); Norton 1983: Vorstellung der RAS und QMI als ökonomische Verfahren zur Messung subjektiver Zufriedenheit.
Schlüsselwörter
Partnerschaftsdiagnostik, Partnerschaftsqualität, Partnerschaftsstabilität, Evaluierung, Dyadische Anpassung, Marital Adjustment, Relationship Assessment Scale, Beziehungsforschung, Paartherapie, Partnerschaftserfolg, Fragebogenverfahren, Verhaltensbeobachtung, Subjektive Zufriedenheit, Diagnostische Instrumente.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Frage, ob Partnerschaften objektiv evaluierbar sind, indem sie das Konstrukt des „partnerschaftlichen Erfolgs“ durch Qualität und Stabilität definiert.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die theoretische Abgrenzung von Beziehungsqualität und -stabilität sowie der Vergleich verschiedener diagnostischer Messverfahren.
Welches primäre Ziel verfolgt die Autorin?
Das Ziel ist es, die Wichtigkeit einer fundierten Bemessung von Partnerschaften hervorzuheben und aufzuzeigen, welche wissenschaftlichen Methoden und Skalen hierfür am besten geeignet sind.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine Literaturanalyse, die verschiedene psychologische und soziologische Theorien sowie etablierte Messinstrumente der Partnerschaftsforschung systematisch vergleicht.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretische Fundierung der Begriffe, die Unterscheidung zwischen expliziten und impliziten Messansätzen sowie die detaillierte Vorstellung spezifischer Skalen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Partnerschaftsdiagnostik, Beziehungsqualität, Stabilität und empirische Messinstrumente beschreiben.
Warum wird zwischen der „marital adjustment school“ und der „individual feelings school“ unterschieden?
Die Unterscheidung erfolgt aufgrund des Fokus: Während die eine Schule die Interaktion innerhalb der Dyade misst, konzentriert sich die andere rein auf das subjektive Gefühlserleben des Individuums.
Welche kritische Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Messbarkeit?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass kein einzelnes Verfahren alle Aspekte vollständig erfassen kann und daher eine Kombination verschiedener Methoden für valide Ergebnisse notwendig ist.
- Quote paper
- Sylwia Malkusch (Author), 2007, Sind Partnerschaften evaluierbar? Konzeptualisierung und Messung des „partnerschaftlichen Erfolgs“, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135709