In der vorliegenden Arbeit soll der Versuch unternommen werden, eine neue Interpretation der Erzählung „Casa tomada“, veröffentlicht 1946 von Julio Cortázar, zu formulieren.
Dafür soll zunächst ein Blick auf die Biographie des Autors geworfen werden, um eventuelle biographische Parallelitäten erklären zu können. Anschließend widmet sich diese Arbeit der Erzählung selbst und geht zunächst auf den Inhalt, sowie die Erzählstruktur genauer ein. Innerhalb dieser Analyse widmet sie sich ebenso den beiden Protagonisten, also dem Ich-Erzähler, sowie seiner Schwester Irene. Darauffolgend wird die Rolle des Hauses als Handlungsspielraum, aber auch im Zusammenspiel mit dem Geschwisterpaar analysiert. Den Abschluss der Analyse bildet ein Blick auf das Geräusch, welches die Geschwister aus der gewohnten Ordnung vertreibt. Der letzte Abschnitt dieser Arbeit setzt sich aus zwei Teilen zusammen. Zum einen soll ein bestehender Interpretationsansatz vorgestellt werden, der in der Erzählung „Casa tomada“ eine Metapher zur biblischen Geschichte sieht. Beispielhaft für diesen Ansatz seien Jaime Alazraki und Claudia Gatzmeier genannt. Zum anderen soll ein eigener Interpretationsansatz aufgestellt und begründet werden. Im Fokus dieser Interpretation soll die Frage stehen; Ist die Besetzung des Hauses, und damit verbunden das Geräusch zwangsläufig als etwas Negatives zu verstehen oder kann das Geräusch nicht eher als ein Motor zur Befreiung aus einer rigiden, einengenden, strikten Ordnung verstanden werden? Am Ende werden in einer kurzen Zusammenfassung alle, für die Interpretation relevanten Argumente noch einmal kurz zusammengetragen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Biographie des Autors
3 Die Erzählung „Casa tomada“
3.1 Inhalt und Struktur des Erzählens
3.2 Die Figuren des „Yo“ und der „Irene“
3.3 Das Haus
3.4 Das Geräusch
4 Interpretation von „Casa tomada“
4.1 Metapher der biblischen Geschichte
4.2 Ein Interpretationsversuch
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich einer neuen Interpretation der 1946 veröffentlichten Erzählung „Casa tomada“ von Julio Cortázar. Ziel ist es, die Besetzung des Hauses und das darin auftretende bedrohliche Geräusch nicht rein als negatives Ereignis, sondern als befreienden Motor aus einer rigiden und einengenden Ordnung zu deuten, wobei biographische Parallelen des Autors zum Verständnis beitragen.
- Analyse der Erzählstruktur und der Protagonisten
- Rolle des Hauses als Handlungsraum und autoritäres Symbol
- Untersuchung des fantastischen Elements „Geräusch“
- Biographischer Kontext: Cortázars Bezug zu Buenos Aires
- Interpretation der Vertreibung als mögliche Befreiung
Auszug aus dem Buch
4.2 Ein Interpretationsversuch
Nachdem eine Analyse des Inhaltes, der Erzählstruktur, sowie der einzelnen Figuren und Elemente der Erzählung „Casa tomada“ vorgenommen wurde, soll nun ein eigener Interpretationsansatz vorgestellt werden.
Wie in der Einleitung bereits erwähnt soll die zentrale Frage dieser Interpretation folgendes sein; Ist die Besetzung des Hauses, und damit verbunden das Geräusch zwangsläufig als etwas Negatives zu verstehen oder kann das Geräusch nicht eher als ein Motor zur Befreiung aus einer rigiden, einengenden, strikten Ordnung verstanden werden?
Wie bereits in voran gegangen Kapiteln festgestellt nimmt das Haus in „Casa tomada“ gegenüber dem Geschwisterpaar Irene und Yo eine beherrschende Rolle ein. Es bestimmt ihren Alltag und lässt beispielsweise nicht zu, dass die Geschwister heiraten. Cortázar nahm als Achtjähriger in Buenos Aires eine ungerechte und mittelmäßige Autorität war, derer er unterworfen zu sein schien. Eine genaue Zuweisung wer diese Autorität gewesen sein könnte ist nicht gegeben. Möglich wäre es anzunehmen, dass das Haus in der Erzählung eben diese erwähnte Autorität verkörpert. Sowohl der Autor als auch das Geschwisterpaar sind einer solchen Macht unterworfen. Ein Ausdruck dieser Autorität ist in „Casa tomada“ der strikte Tagesablauf, dem die Geschwister Folge zu leisten haben, ob sie wollen oder nicht.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt das Ziel der Arbeit vor, eine neue Interpretation von Julio Cortázars „Casa tomada“ zu erarbeiten, und skizziert das methodische Vorgehen sowie die zentrale analytische Fragestellung.
2 Biographie des Autors: Dieses Kapitel liefert einen Überblick über das Leben von Julio Cortázar und beleuchtet prägende Einflüsse sowie biographische Parallelen zur Erzählung.
3 Die Erzählung „Casa tomada“: Hier erfolgt eine detaillierte Auseinandersetzung mit dem Inhalt, der Erzählstruktur, den Protagonisten sowie der symbolischen Bedeutung von Haus und Geräusch.
4 Interpretation von „Casa tomada“: Dieses Kapitel diskutiert bestehende Deutungen, wie die Metapher der biblischen Geschichte, und entfaltet den eigenen Interpretationsansatz.
5 Fazit: Das Fazit fasst die wesentlichen Argumente zusammen und bestätigt die These, dass die Besetzung des Hauses als Chance einer Befreiung aus einer rigiden Lebenswelt verstanden werden kann.
Schlüsselwörter
Julio Cortázar, Casa tomada, Interpretation, Phantastik, Befreiung, Ordnung, Buenos Aires, Literatur, Kurzgeschichte, Erzählstruktur, Symbolik, Biographie, Casa liberada, Neofantastik, literarische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Kurzgeschichte „Casa tomada“ von Julio Cortázar unter einem neuen analytischen Blickwinkel mit Fokus auf die Interpretation der „Besetzung“ des Hauses.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Analyse der Erzählstruktur, die Charakterisierung der Geschwister, die symbolische Bedeutung des Hauses sowie der Einfluss biographischer Erfahrungen des Autors.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet, ob die Besetzung des Hauses und das damit verbundene Geräusch zwangsläufig als etwas Negatives zu werten sind oder ob sie als Motor zur Befreiung aus einer rigiden Ordnung fungieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine textnahe Analyse der Erzählstruktur und der Figuren vorgenommen, ergänzt durch einen Vergleich mit biographischen Aspekten des Autors und existierenden literaturwissenschaftlichen Interpretationsansätzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung des Autors, die Analyse der Erzählung (Inhalt, Figuren, Raum, Geräusch) sowie die kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen Interpretationsmöglichkeiten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen gehören Julio Cortázar, „Casa tomada“, Phantastik, Befreiung aus einer starren Ordnung und die Wechselwirkung zwischen Leben und literarischem Text.
Warum wird die „Besetzung“ des Hauses hinterfragt?
Weil der Titel „Casa tomada“ (Besetztes Haus) eine sofortige negative Assoziation auslöst, während die Textanalyse Anhaltspunkte liefert, die eine Befreiung der Figuren aus ihrem monotonen Lebensalltag nahelegen.
Welche Rolle spielt die Biografie von Cortázar?
Sie dient dazu, das beklemmende Gefühl, das die Geschwister in ihrer Ordnung erleben, mit den eigenen Erfahrungen von Cortázar in Buenos Aires zu verknüpfen, was die Interpretation der „Befreiung“ stützt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2020, Julio Cortázars "La Casa tomada". Ein neuer Interpretationsansatz, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1357221