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"Alles über die Mütter". Normbrüche bei der Identitätskonstruktion von Müttern in Filmen von Pedro Almodóvar

Title: "Alles über die Mütter". Normbrüche bei der Identitätskonstruktion von Müttern in Filmen von Pedro Almodóvar

Term Paper (Advanced seminar) , 2021 , 36 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Diplom Sophia Schneider (Author)

Film Science
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Summary Excerpt Details

Der überaus produktive und erfolgreiche spanische Regisseur Pedro Almodóvar wagte in den 1980er Jahren eine in den Zeiten des Übergangs zur Demokratie in Spanien kulturell noch eher konservativen Gesellschaft die offene Auseinandersetzung mit der sozialen und individuellen Konstruktion von Geschlechtsidentitäten und alternativen Lebensentwürfen. Seine Filme bilden weniger ein gesellschaftliches Panoptikum ab als dass sie einen Fokus auf die marginalisierten Gesellschaftsschichten, wie zum Beispiel die Arbeiterschicht, die Künstlerszene und das Drogenmilieu legen. Dass in diesem Kontext die traditionelle Vorstellung einer liebenden und sorgenden Mutter, die sich durch vorbildliches Verhalten und ein gepflegtes Erscheinungsbild auszeichnet, mit den Ausdrucksformen der „Movida-Szene“ Spaniens in Konflikt gerät, macht Almodóvar zum Thema vieler seiner Filme.

Die Theorien von Michel Foucault und Judith Butler zur Macht der Diskurse und ihr Einfluss auf die Geschlechtsidentität bilden die theoretische Grundlage für die Betrachtung der Identitätskonstruktionen der Mutterrollen in den Filmen Almodóvars. Nach Butlers Verständnis existiert ein biologisch determiniertes Geschlecht nicht. Vielmehr kommt sie zu der Überzeugung, dass die biologische Determination von Geschlechtsidentität ein Produkt diskursiver Strategien ist, das wiederum ein Ausdruck politischer und gesellschaftlicher Machtpositionen ist. Mit dieser Überzeugung knüpft sie an den französischen Philosophen Michel Foucault an, der die Konstruktion von Identität als Produkt politischer und gesellschaftlicher Diskurse betrachtet.

Almodóvar erzählt „alternative Geschlechtergeschichten“, „[...] in denen Geschlecht nicht irrelevant [ist], aber in immer neuen und ungeahnten Inszenierungen [...]“ erscheint. Diskursiv konstruierte Normen und gesellschaftliche Werte werden hinterfragt und alternative Lebensentwürfe und Geschlechtsidentitäten inszeniert, häufig verbunden mit sozialer Kritik an den patriarchalen Strukturen und Diskriminierungen an Frauen und Homosexuellen. Damit hat Almodóvar einen wichtigen Beitrag zur Gleichberechtigungs- und LGTBQIA+-Bewegung geleistet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. „Alles nur Theater?“ – Die performative und diskursive Konstruktion von Identität

2.1 Judith Butler – Performativität von Geschlecht und ihre Bedeutung für die Konstruktion von Identität

2.2 Michel Foucault – Die Macht der Diskurse bei der Konstruktion und Dekonstruktion von sozialer Identität

2.3 Der kulturelle Rahmen der Identitätsbildung

2.3.1 Mütter im Patriarchat

2.3.2 Mutterschaft im Kontext der Zwangsheterosexualität

2.3.3 Emanzipation und Dekonstruktion von Geschlecht

3. „Mütter als Moralapostel?“ – Mütter im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen und individueller Entfaltung

3.1 Tabubruch und Rollentausch in „La Ley Del Deseo“

3.2 Die Mutter Oberin als Anti-Vorbild in „Entre tinieblas“

3.3 Mütter zwischen Überforderung und Resignation in „¿Qué he hecho yo para merecer esto?“

3.4 Gewählte Geschlechtsidentität anstelle gelebter Vaterschaft in „Todo sobre mi madre“

3.5 Mütter und Machtspiele in „Tacones Lejanos“

3.6 Mütter zwischen Kriminalität und Wahnsinn in „Volver“

4. Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Konstruktion der Mutterrolle in ausgewählten Filmen von Pedro Almodóvar. Dabei wird analysiert, wie diese Figuren gesellschaftliche Normen und patriarchale Erwartungen subversiv unterlaufen und ihre Identität abseits traditioneller Rollenbilder konstruieren.

  • Die performative Identitätskonstruktion nach Judith Butler.
  • Machtstrukturen und Diskurse nach Michel Foucault.
  • Der soziokulturelle Kontext Spaniens in den 1980er und 1990er Jahren.
  • Die filmische Dekonstruktion der traditionellen Mutterrolle.
  • Emanzipation und alternative Lebensentwürfe in der Almodóvar-Filmografie.

Auszug aus dem Buch

3.1 Tabubruch und Rollentausch in „La Ley Del Deseo“ (1987)

In dem 1987 veröffentlichten Film „La Ley Del Deseo“ („Das Gesetz der Begierde“) thematisiert Pedro Almodóvar mehrfach die Kategorien Sex und Gender sowie die Dekonstruktion von Geschlechterrollen. Nahezu alle diskursiv als Norm empfundenen Geschlechtsidentitäten werden narrativ usurpiert und an ihrer Stelle alternative Identitätsentwürfe inszeniert. Almodóvar platziert das Geschehen in die Künstler- und Filmszene und verarbeitet dadurch nicht nur autobiografische Elemente, sondern wählt eine „Welt“, in der alternative Lebensentwürfe eher akzeptiert werden, als in der streng katholisch-moralischen Gesellschaft der bürgerlichen Mittelschicht.

Im Laufe der Geschichte werden gleich mehrere Tabubrüche begangen: Geschlechtsumwandlungen, Inzest, Drogen-Abusus, Homosexualität und Transsexualität. Diese ordnet Almodóvar narrativ in einer Weise an, die sie nicht als Bruch, sondern als Selbstverständlichkeit erscheinen lässt. So konsumieren die beiden homosexuellen Figuren Pablo und Juan wie selbstverständlich regelmäßig gemeinsam Drogen (Min. 7-8 und Min. 15). In einer späteren Szene bemerkt Pablos transsexuelle Schwester Tina zwar den offensichtlich hohen Drogenkonsum ihres Bruders und wirft ihm vor, die Wohnung sähe aus wie die eines Junkies (Min. 17), aber sie zieht keine Konsequenz daraus und vertraut ihm weiterhin ihre Tochter Ada an.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Einführung in die theoretischen Grundlagen der Arbeit mit Bezug auf Judith Butler und Michel Foucault.

2. „Alles nur Theater?“ – Die performative und diskursive Konstruktion von Identität: Detaillierte Darstellung der Konzepte von Performativität und Macht der Diskurse als analytischer Rahmen.

3. „Mütter als Moralapostel?“ – Mütter im Spannungsfeld gesellschaftlicher Erwartungen und individueller Entfaltung: Analyse der Fallbeispiele in den Filmen von Pedro Almodóvar zur Dekonstruktion der Mutterrolle.

4. Fazit: Synthese der Erkenntnisse zur progressiven Darstellung der Mutterrolle im Wandel der spanischen Gesellschaft.

Schlüsselwörter

Identitätskonstruktion, Performativität, Pedro Almodóvar, Mutterrolle, Patriarchat, Zwangsheterosexualität, Diskursmacht, Gender Studies, spanisches Kino, Movida-Szene, Transsexualität, Dekonstruktion, Subversion, soziale Rollen, Identität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundlegend?

Die Arbeit untersucht, wie Pedro Almodóvar in seinen Filmen traditionelle Vorstellungen von Mutterrollen durch die Konstruktion alternativer Identitäten herausfordert.

Welche zentralen Themenfelder behandelt die Autorin?

Die Schwerpunkte liegen auf der Schnittstelle zwischen Filmwissenschaft, Sozialkritik, Geschlechtertheorie und den soziopolitischen Veränderungen in Spanien.

Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?

Ziel ist es aufzuzeigen, wie Almodóvars filmische Narrative die patriarchale „Matrix“ der Gesellschaft unterlaufen und neue Kategorien von Identität entwerfen.

Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?

Die Arbeit stützt sich primär auf die Performativitäts-Theorie von Judith Butler und die Diskurstheorie von Michel Foucault, um die Filmbeispiele filmanalytisch einzuordnen.

Was wird im Hauptteil analysiert?

Im Hauptteil werden sechs spezifische Filme Almodóvars (u.a. „La Ley Del Deseo“, „Todo sobre mi madre“, „Volver“) auf ihre Inszenierung von Mutterfiguren hin untersucht.

Welche Schlüsselwörter beschreiben diese Arbeit?

Zentrale Begriffe sind Geschlechtsidentität, Filminszenierung, Performativität, Machtdiskurse sowie die Dekonstruktion patriarchaler Normen.

Wie geht die Arbeit mit dem Begriff der ‚Mutter‘ um?

Die Arbeit hinterfragt die moralische Instanz der „guten Mutter“ und zeigt auf, dass Muttersein bei Almodóvar eine kontingente Konstruktion ist, die weit über traditionelle Fürsorgeideale hinausgeht.

Welche Rolle spielen die männlichen Figuren in den analysierten Filmen?

Männer werden oft als Repräsentanten dysfunktionaler oder repressiver Systeme dargestellt, deren Handeln (oder Abwesenheit) das Subversionspotenzial der weiblichen Hauptfiguren umso deutlicher hervorhebt.

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Details

Title
"Alles über die Mütter". Normbrüche bei der Identitätskonstruktion von Müttern in Filmen von Pedro Almodóvar
College
University of Kassel  (Romanistik)
Course
Identitätskonstruktion in den Filmen Pedro Almodóvars
Grade
1,0
Author
Diplom Sophia Schneider (Author)
Publication Year
2021
Pages
36
Catalog Number
V1357297
ISBN (PDF)
9783346874221
ISBN (Book)
9783346874238
Language
German
Tags
Mütter Mutterrolle Identitätskonstruktion Geschlechtsidentität Transgender Transsexualität Movida Alternative Lebensformen Drogen Gewalt Patriarchat Sexuelle Gewalt sexuelle Orientierung Performativität von Geschlecht Diskurse Butler Foucault gesellschaftliche Normen
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Diplom Sophia Schneider (Author), 2021, "Alles über die Mütter". Normbrüche bei der Identitätskonstruktion von Müttern in Filmen von Pedro Almodóvar, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1357297
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