...Zunächst möchten wir Pro – und Contra Argumente, die für, wie auch gegen Gewalt durch die Medien sprechen, diskutieren.
Wir greifen hierbei zurück in die Antike, in der Aristoteles die Katharsisthese begründete. Die Inhalte dieser These werden wir auf historische, wie auch aktuelle Gültigkeit untersuchen.
Zunächst werden wir geeignete Definitionen darlegen, die den Kern des Titels treffen, wobei zu erwähnen ist, dass diese nicht allgemeingültig sind.
„Medien (engl. „media“) spielen im alltäglichen Leben unserer Gesellschaft eine bedeutende Rolle und nehmen durch die Weiterentwicklung moderner Techniken immer weiter zu. Es wird zwischen alten und neuen Medien unterschieden.“
Da Medien für Menschen eine soziale Bedeutung haben, gibt es ein Streben danach, Medien erzieherisch zu nutzen. Hierbei ist die Medienpädagogik gemeint. „Erforderlich hierbei sind empirische Sozialforschungen über die Wirkung von Medien, insbesondere im Prozess der Sozialisation.“
Gewalt bedeutet „die Manifestation von Macht und/oder Herrschaft, mit der Folge und/oder dem Ziel der Schädigung von Einzelnen oder Gruppen von Menschen“ .
Zieht man zur weiteren Begriffserklärung das Lexikon heran, so heißt es hier, dass Gewalt die Anwendung von physischen und/oder psychischen Zwang gegenüber Menschen ist. Ein interessanter Aspekt, der hier eingeführt wird, ist, dass man beim Begriff Gewalt zwei semantische Schwerpunkte unterscheidet. Der erste beschreibt, die gegen Recht und Sitten verstoßende Einwirkung auf Personen und wird vom lateinischen Begriff „violentia“ abgeleitet. Im Gegensatz dazu steht der zweite Schwerpunkt, der besagt, dass Gewalt die Durchsetzung in Macht und Herrschaftsbeziehungen ist bzw. eine Tatsache, dass moderne Staatsverfassungen dem Staat ausschließlich die Befugnis zuweisen, auf eigenem Staatsgebiet physische Gewalt einzusetzen und deren Einsatz zuzulassen. Dies leitet sich von dem lateinischen Begriff „vis“ ab.
Aristoteles definiert Gewalt als eine von außen kommende direkte physische Einwirkung auf Lebewesen, die gegen die Tendenz das Streben, das Wollen der Betroffenen gerichtet ist. Diese kann einen drohenden Charakter besitzen, die den Menschen dazu bringt, Handlungen zu vollziehen, die dieser unter normalen Umständen nicht ergreifen würde. Diese Umstände können eventuell auch durch mediale Reize vermittelt werden. Dieser Aspekt stellt den Kernpunkt der vorliegenden Arbeit dar.
Inhaltsverzeichnis
1. Vorwort
2. Die Diskussion über Mediengewalt – ein Ausblick
3. Historische Untersuchung
3.1 Einleitung
3.2 Historische Untersuchung: Goethes Leidenschaften als Beitrag zur Frage der Katharsis
3.3 Dramentheorien in Hinsicht auf die Wirkung der Katharsis
3.4 Schlusswort zur historischen Untersuchung
4. Gewalt in und durch Medien – Zum aktuellen Stand der Debatte
4.1 Einleitung
4.2 Überprüfung einiger Thesen in der Gewalt-in-den-Medien-Forschung
4.3 Aktuelle Problematik der Mediengewaltwirkung
4.4 Schlusswort zur aktuellen Debatte
5. Gemeinsames Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht den komplexen Themenbereich „Gewalt durch Medien“ und hinterfragt kritisch, ob mediale Gewaltdarstellungen tatsächlich zu realer Gewalt führen oder ob ihnen andere Wirkungsweisen zugeschrieben werden können. Dabei wird der Fokus von einer einseitigen Schuldzuweisung an die Medien hin zu einer differenzierten Betrachtung individueller Rezeptionsprozesse und sozialer Faktoren gelenkt.
- Historische Herleitung der Katharsisthese von Aristoteles
- Analyse der Wirkung von Mediengewalt anhand von Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“
- Diskussion aktueller wissenschaftlicher Thesen zur Gewaltwirkung (u.a. Stimulationsthese, Inhibitionsthese, Habitualisierungsthese)
- Kritische Reflexion der Methoden in der Gewaltwirkungsforschung
- Rolle des Individuums bei der Verarbeitung medialer Inhalte
Auszug aus dem Buch
3.2 Historische Untersuchung: Goethes Leidenschaften als Beitrag zur Frage der Katharsis
Einer der bekanntesten Dichter des 19. Jahrhunderts gab Grund zu einer weiteren Diskussion, ob Medien Gewaltbereitschaft fördern oder mindern würde.
Goethes Werke sind durchweg mit Leidenschaften durchzogen und birgen, durch eine Identifikation mit dem Protagonisten, möglicherweise großes Potential der Nachahmung. Doch könnten sie auch zu einer Reinigung des Rezipienten durch seine Inhalte verhelfen. Goethe sagte, dass der, der lebt auf Wechsel gefasst sein müsse, „denn ein schwer Errungenes zu zerstören und das Zerstörte zu einer neuen Ganzheit wieder aufzubauen, sind neue Einsichten und fruchtbares Denken überhaupt nicht möglich. Deshalb hat er gelehrt, dass Trennen und Verbinden, Verbinden und wieder Trennens-Mögen zwei unzertrennliche Lebensakte sind.“
Könnte man somit diese Trennung und Verbindung auch auf Fiktion und Realität beziehen? Dass der Rezipient sich selbst jederzeit in die Fiktion miteinbindet und sich dann nicht mehr in die Realität trennen kann.
Die dramatische Erfindung der Griechen war jedoch, wie schon erwähnt, kein willkürliches Produkt. „Ontologisch entspringt die Tragödie dem innersten Kern des Seins, und psychologisch ist sie eine symbolische Vergegenständlichung der dynamischen Formen des Innenlebens.“ Ob eben diese Vergegenständlichung des Innenlebens zu einer Nachahmung oder zu einer Reinigung führte ist die zentrale Frage in der Debatte um die Auswirkungen von Mediengewalt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Vorwort: Die Autoren führen in den Themenbereich der Mediengewalt ein, definieren zentrale Begriffe wie Medien und Gewalt und skizzieren den Aufbau der Arbeit.
2. Die Diskussion über Mediengewalt – ein Ausblick: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über die historische Kontroverse zwischen der befürchteten negativen Wirkung von Medien auf die Jugend und der aristotelischen Annahme einer reinigenden Wirkung.
3. Historische Untersuchung: Die historischen Wurzeln der Debatte werden aufgearbeitet, wobei insbesondere die Katharsistheorie des Aristoteles sowie deren Rezeption und Modifikation durch Dichter und Theoretiker wie Goethe, Gottsched und Lessing beleuchtet werden.
4. Gewalt in und durch Medien – Zum aktuellen Stand der Debatte: Der Autor überprüft verschiedene wissenschaftliche Thesen zur Medienwirkung, kritisiert methodische Schwächen der bisherigen Forschung und hinterfragt die Rolle der Medien als alleinige Ursache für gesellschaftliche Gewalt.
5. Gemeinsames Fazit: Die Autoren fassen ihre Erkenntnisse zusammen und kommen zu dem Schluss, dass es kein allgemeingültiges Gesetz zur Wirkung von Mediengewalt gibt, da die Effekte stark von den individuellen Voraussetzungen des Rezipienten abhängen.
Schlüsselwörter
Mediengewalt, Katharsisthese, Medienwirkungsforschung, Gewaltprävention, Identifikation, Stimulationsthese, Inhibitionsthese, Habitualisierungsthese, Werthereffekt, Medienpädagogik, Sozialisation, Aggression, Fiktion, Realität, Rezipient.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Hausarbeit widmet sich der kritischen Untersuchung des Zusammenhangs zwischen Gewaltdarstellungen in Medien und der möglichen Entstehung oder Hemmung von aggressivem Verhalten beim Rezipienten.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Themen umfassen die historische Entwicklung der Katharsistheorie, die Rolle von Literatur und Massenmedien bei der Gewaltvermittlung sowie die Analyse aktueller sozialwissenschaftlicher Hypothesen zur Medienwirkung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, den wissenschaftlichen Diskurs über Mediengewalt aufzuarbeiten und die eigene anfängliche Überzeugung, dass Medien Gewalt allein verursachen, durch eine differenziertere Sichtweise zu ersetzen, die individuelle Einflüsse und soziale Faktoren stärker einbezieht.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Autoren nutzen eine literaturwissenschaftliche und medientheoretische Analyse, ergänzt durch die Auseinandersetzung mit empirischen Forschungsergebnissen der Medienpsychologie und Gewaltwirkungsforschung.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Untersuchung (Antike bis 19. Jahrhundert) und eine Analyse des aktuellen Forschungsstandes inklusive einer kritischen Auseinandersetzung mit Thesen wie der Stimulations- und Inhibitionsthese.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Mediengewalt, Katharsis, Medienwirkung, Aggression und die Unterscheidung zwischen medialer Fiktion und Realität.
Welche Bedeutung hat Goethes „Die Leiden des jungen Werthers“ in diesem Kontext?
Der Roman dient als Fallbeispiel, um die Ambivalenz der Katharsistheorie zu illustrieren: Er zeigt einerseits das Bedürfnis der Autoren zur Reinigung durch Tragik, andererseits den sogenannten „Werthereffekt“, bei dem reale Nachahmungen von Suiziden eine negative Medienwirkung nahelegten.
Wie bewerten die Autoren die Rolle der Computerspiele im Vergleich zu Fernsehen?
Obwohl die Autoren in Videospielen aufgrund der Interaktivität einen größeren Risikofaktor als im Fernsehen vermuten, betonen sie dennoch, dass auch hier der Nutzer meist zwischen Fiktion und Realität unterscheiden kann und es sich primär um Wettbewerb handelt.
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- Finja Christin Wrocklage (Author), Janne Freygang (Author), 2007, Untersuchung zur Mediengewalt, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135784