In seinem Roman stellt Novalis alles durch das Symbol dar. Eine besondere Rolle spielt hier die blaue Blume, die dank Novalis ein zentrales Symbol der Romantik geworden ist. Im Traum sieht Heinrich die blaue Blume, die bei ihm die Sehnsucht nach Ferne auslöst. In dieser Hausarbeit möchte ich mich mit dem Roman von Novalis „Heinrich von Ofterdingen“ und mit dem Thema die blaue Blume beschäftigen. Die Themen blaue Blume, Liebe und Poesie verschlingen sich im Roman und haben einen „symbolisch-analogischen Zusammenhang“. Im ersten Teil werde ich untersuchen, in welchem Verhältnis die blaue Blume zur Liebe steht. Ich werde auch biographische Ansätze anwenden, um den Zusammenhang zwischen Mathilde und Sophie von Kühn zu zeigen, der dreizehnjährigen Verlobte von Novalis, welche an einer schweren Krankheit starb. Der Tod Sophies war das Schlüsselerlebnis von Novalis, das zu seiner Geburt als Dichter führte.
Im zweiten Teil meiner Hausarbeit werde ich mich mit dem Thema Poesie in „Heinrich von Ofterdingen“ beschäftigen. Poesie ist das bedeutendste Thema im Roman. „Die Welt muss romantisiert werden“, schreibt Novalis in „Blütenstaub“. Er will das Gewöhnliche ungewöhnlich und das Endliche unendlich machen, die Grenze zwischen Welt und Traum verwischen. Das Mittel dafür ist die Poesie. Bei Novalis bedeutet „Romantisieren“ dasselbe, was „Poetisieren“. Für diese steht das Symbol der blauen Blume.
Den dritten Teil der Hausarbeit werde ich dem Thema des Pflückens der blauen Blume widmen. Was könnte das eigentlich bedeuten? Wenn die Liebe in Beziehung zur blauen Blume steht und die blaue Blume ein Symbol der Poesie ist, muss das Pflücken der blauen Blume mit Liebe und Poesie zusammenhängen. Ich werde versuchen, anhand der Gedichte von Goethe den Prozess des Pflückens der Blume zu erklären. Auch werde ich mich mit dem Tiecks Bericht über die Fortsetzung des Romans beschäftigen, weil das Pflücken der blauen Blume am Ende des Romans stattfinden musste, was wegen des Tods von Novalis nicht geschah.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die blaue Blume in „Heinrich von Ofterdingen“
1. Die blaue Blume und die Liebe
2. Die blaue Blume und die Poesie
3.Das Pflücken der blauen Blume
III. Schluss
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Arbeit untersucht die zentrale Symbolik der „blauen Blume“ im Roman „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis. Dabei liegt der Fokus auf der interdisziplinären Verknüpfung der Themen Liebe, Poesie und Selbstfindung sowie der biographischen Einordnung des Werkes im Kontext der Jenaer Frühromantik.
- Die symbolische Funktion der blauen Blume als Leitmotiv.
- Die Verschränkung von Liebe und poetischer Identitätsfindung.
- Biographische Parallelen zwischen Novalis, Sophie von Kühn und der Romanfigur Mathilde.
- Die philosophische Bedeutung des „Romantisierens“ der Welt.
- Vergleichende Analyse des Motivs „Pflücken“ im Kontext der Romantik.
Auszug aus dem Buch
Die blaue Blume und die Liebe
Blau bekam einen zentralen Stellenwert durch das Werk des Philosophen, Musikers, Juristen, Naturwissenschaftlers und Dichters Friedrich von Hardenberg, der unter dem Pseudonym Novalis schrieb. Der Roman „Heinrich von Ofterdingen“ beginnt damit, dass Heinrich an die blaue Blume denkt „ Der Jüngling lag unruhig auf seinem Lager, und gedachte des Fremden und seiner Erzählungen. „Nicht die Schätze sind es, die ein so unaussprechliches Verlangen in mir geweckt haben“ sagte er zu sich selbst; „fern ab liegt mir alle Habsucht: aber die blaue Blume sehn ich mich zu erblicken. Sie liegt mir unaufhörlich im Sinn, und ich kann nichts anders dichten und denken. So ist mir noch nie zumute gewesen: es ist, als hätt ich vorhin geträumt, oder ich wäre in eine andere Welt hinübergeschlummert; denn in der Welt, in der ich sonst lebte, wer hätte da sich um Blumen bekümmert, und gar von einer so seltsamen Leidenschaft für eine Blume hab ich damals nie gehört.“ Dieser Traum war aber nicht ein einfacher Prozess, sondern eine Reise in eine Welt der höhen Wirklichkeit. Dann schläft er wieder ein und träumt, dass er sich auf der Suche nach der Blume macht, die ihn zu einer Höhle führt.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema der Jenaer Romantik ein und skizziert die methodische Vorgehensweise sowie die Zielsetzung der Untersuchung des Romans „Heinrich von Ofterdingen“.
II. Die blaue Blume in „Heinrich von Ofterdingen“: Dieses Kapitel analysiert das zentrale Symbol der blauen Blume in seiner Bedeutung für die Liebe, die Poesie sowie die komplexe Symbolik des Pflückvorgangs im Roman.
1. Die blaue Blume und die Liebe: Hier wird das Verhältnis zwischen der blauen Blume und der Liebe beleuchtet, unter Einbeziehung biographischer Bezüge zu Sophie von Kühn.
2. Die blaue Blume und die Poesie: Dieses Kapitel untersucht die Poetisierung der Welt bei Novalis und die Rolle der blauen Blume als Grundmotiv der Poesie.
3.Das Pflücken der blauen Blume: Hier wird der Akt des Pflückens als Symbol für die Aneignung des Sinnes und die Neugeburt des Menschen interpretiert, auch anhand von Gedichtvergleichen.
III. Schluss: Der Schlussteil fasst die zentralen Erkenntnisse über die Verflechtung von Leben, Poesie und Liebe im unvollendeten Werk von Novalis zusammen.
Schlüsselwörter
Novalis, Heinrich von Ofterdingen, Blaue Blume, Jenaer Romantik, Poesie, Liebe, Symbolik, Identitätsfindung, Romantisierung, Frühromantik, Literaturanalyse, Sophie von Kühn, Bildungsroman.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit analysiert die symbolische Bedeutung der blauen Blume als zentrales Leitmotiv im Roman „Heinrich von Ofterdingen“ von Novalis und deren Einfluss auf die zentralen Themen des Werkes.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Hauptthemenfelder umfassen die Verknüpfung von Liebe und Poesie, den Prozess der Selbstfindung der Hauptfigur sowie die philosophische Vorstellung der „Romantisierung“ der Welt.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, die vielfältigen Bedeutungsebenen der blauen Blume aufzuzeigen und dabei biographische sowie werkimmanente Ansätze zur Interpretation des unvollendeten Romans zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Autorin verwendet eine literaturwissenschaftliche Analyse, die unter anderem biographische Ansätze zur Verknüpfung der Romanhandlung mit dem Leben von Novalis nutzt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der blauen Blume in Verbindung mit der Liebe, deren Bedeutung für die Poesie und eine Interpretation des symbolischen Akts des Pflückens.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind Novalis, Blaue Blume, Romantik, Poesie, Liebe, Identität und Poetisierung.
Inwiefern spielt die Biographie von Novalis eine Rolle?
Die Arbeit zeigt Parallelen zwischen der Romanfigur Mathilde und der verstorbenen Verlobten von Novalis, Sophie von Kühn, auf, um die emotionale Tiefe des Symbols zu verdeutlichen.
Wie interpretiert die Autorin das Motiv des „Pflückens“?
Das Pflücken wird nicht rein physisch gedeutet, sondern als symbolischer Akt der Aneignung eines höheren Sinnes und als Teil der Entwicklung des Protagonisten zum Dichter.
Warum wird Goethes „Heidenröslein“ im Text erwähnt?
Der Vergleich dient dazu, das Motiv des Blumenpflückens in der Literatur der Zeit zu kontextualisieren und unterschiedliche Interpretationsansätze – etwa im Hinblick auf Sexualsymbolik – zu beleuchten.
Welche Bedeutung hat das „Geistkind Astralis“?
Astralis wird als symbolisches Ergebnis der geistigen Vereinigung von Heinrich und Mathilde gedeutet, das die Verbindung von Liebe und Poesie jenseits des Irdischen verkörpert.
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- Evgeniya Yakovleva (Author), 2009, Jenaer Romantik, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135793