In der hier vorliegenden Hausarbeit wird erörtert, weshalb der Spanischen Grippe im Zuge des Ersten Weltkrieges kaum Bedeutung zugeschrieben wird. Dabei wird anhand diverser Literatur diese Fragestellung erarbeitet. Hier soll auf bestimmte Punkte geachtet werden, die im Folgenden ausgeführt werden: Zunächst wird ein kurzer Einblick zur Spanischen Grippe gegeben, indem die Grippe in ihrem historischen Kontext dargestellt wird.
Darauf aufbauend wird die Spanische Grippe während des Ersten Weltkrieges dargelegt. Hierbei wird erörtert, wie die Spanische Grippe im parallelen Verlauf zum Ersten Weltkrieg wahrgenommen und wie darauf reagiert wurde. Weiterführend kommt es zum dritten Kapitel „Die Spanische Grippe im Schatten des Ersten Weltkrieges“. Wie der Titel bereits vorgibt wird hier analysiert, wie es dazu kam, dass die Spanische Grippe vom Ersten Weltkrieg in den Hintergrund gedrängt wurde.
An diesem Punkt wird unter andrem die Presse als möglicher Ausgangspunkt herangezogen. Abschließend wird die Spanische Grippe in den USA vorgestellt. Dabei wird der Fokus auf die Bevölkerung gesetzt, die sich gleichzeitig mit den Auswirkungen des Ersten Weltkriegs und der Pandemie konfrontiert sahen. Dadurch soll analysiert werden, welches historische Ereignis mehr Präsenz innerhalb der USA hatte.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Spanische Grippe und Erster Weltkrieg
2.1 Historischer Kontext der Spanischen Grippe
2.2 Spanische Grippe während des Ersten Weltkrieg
3. Die Spanische Grippe im Schatten des Ersten Weltkrieges
4. Die Spanische Grippe im Horizont der USA
5. Fazit
6. Literaturverzeichnis
6.1 Quellenverzeichnis
6.2 Sekundärliteratur
6.3 Online- Recherche
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das wissenschaftliche und gesellschaftliche Desinteresse an der Spanischen Grippe im Vergleich zur omnipräsenten Erinnerungskultur des Ersten Weltkriegs. Dabei wird insbesondere die Forschungsfrage erörtert, weshalb die Pandemie trotz ihrer immensen Opferzahlen historisch in den Hintergrund des Kriegsgeschehens gedrängt wurde.
- Historische Einordnung der Spanischen Pandemie 1918-1920.
- Die Rolle der Pressezensur in Deutschland und den USA während der Krise.
- Vergleichende Analyse der Wahrnehmung von Krieg und Seuche.
- Die Bedeutung der demografischen Betroffenheit für die historische Erinnerung.
- Ländervergleich: Die Spanische Grippe im amerikanischen sowie europäischen Kontext.
Auszug aus dem Buch
3. Die Spanische Grippe im Schatten des Ersten Weltkrieges
Periodisiert man die Spanische Grippe und den Ersten Weltkrieg so fällt auf, dass der Erste Weltkrieg beginnend vom 28. Juli 1914 bis zum 11. November 1918 andauerte. Dies entspricht in etwa vier Jahren. Die Spanische Grippe dagegen kam erst gegen Ende des Ersten Weltkrieges auf und endete bereits im Jahr 1920.46 Den Zenit erreichte die Spanischen Grippe im Herbst durch die zweite Welle. Somit war die verheerendste Phase der Pandemie nicht länger als zwei Monate.47 Aufgrund des länger andauernden Krieges scheint es, als sei der Krieg mehr im Gedächtnis der Zeitzeugen geblieben. Hinzu kommt, dass Pandemien die Bevölkerung meist ohne Vorwarnung treffen und die Bevölkerung meist nicht mit einer neuen Art eines Virus rechnet.
So wurde auch 1918 das neu aufkommende Virus zunächst kaum bis gar nicht weiter beachtet. Erst mit der Veröffentlichung Ende Mai 1918 durch die Berichtserstattung der spanischen Presse, welche nicht der Zensur unterlag, wurde die Öffentlichkeit auf das neue Virus aufmerksam. Innerhalb Deutschlands wurde unter anderem durch die Magdeburger Zeitung am 29. Mai 1918 „Der schwarze Tod in Spanien?“, die Spanische Grippe publik. Das Hamburger Fremdenblatt schrieb noch am gleichen Tag einen Artikel „Über die angeblich mysteriöse Krankheit in Spanien“. Innerhalb dieses Artikels beschreiben sie, dass es sich bei der Krankheit voraussichtlich um die Influenza handele, die Europa bereits im Jahre 1889 stark heimgesucht habe. Das Ziel dieses Artikels war es unter anderem die Bürger zu beruhigen, sodass keine Panik ausbrechen sollte. Dementsprechend wurde die Erste Welle, die von April bis Juli 1918 andauerte, von den Zeitzeugen kaum beachtet. Dieses Desinteresse an dem neuaufkommenden Virus liegt augenscheinlich daran, dass der weitaus größte Teil der Erkrankungen gutartig verlief und der Ersten Welle der herkömmlichen saisonalen Grippe ähnelte. Humphries behauptet sogar, dass die Erste Welle „[...] would probably have gone unnoticed in history were it not for the second and more deadly autumn wave between August and December 1918 that caused the majority of death”.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Problematik der Pandemie-Historiosophie unter Einbeziehung von Opferzahlen und dem dominanten Narrativ des Ersten Weltkriegs.
2. Spanische Grippe und Erster Weltkrieg: Analyse des Infektionsursprungs und der wechselseitigen Beeinflussung von Kriegsführung, Soldatenkonzentration und Pandemieausbreitung.
3. Die Spanische Grippe im Schatten des Ersten Weltkrieges: Untersuchung der Gründe für die historische Verdrängung der Grippe anhand zeitgenössischer Pressezensur und psychologischer Faktoren.
4. Die Spanische Grippe im Horizont der USA: Betrachtung der Auswirkungen der Pandemie in den USA und der bewussten Fokussierung der US-Regierung auf das militärische Kriegsgeschehen.
5. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse und Einordnung in das historische Gesamtbild unter Berücksichtigung moderner Parallelen zur Corona-Pandemie.
6. Literaturverzeichnis: Umfassende Auflistung der Quellen, Sekundärliteratur und Online-Recherchen.
Schlüsselwörter
Spanische Grippe, Erster Weltkrieg, Pandemie, Pressezensur, Historische Erinnerung, Todesopfer, Viruserkrankung, USA, Geschichtsschreibung, Eurozentrismus, Militär, 1918, Influenzavirus, Kriegsgeschichte, Zeitgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das zentrale Thema der Arbeit?
Die Arbeit untersucht, warum die Spanische Grippe (1918-1920) im Vergleich zum Ersten Weltkrieg in der historischen Erinnerung und Geschichtsschreibung kaum eine zentrale Rolle spielt.
Welche Themenfelder werden abgedeckt?
Die Schwerpunkte liegen auf dem historischen Kontext, der Wechselwirkung zwischen Krieg und Pandemie, der Berichterstattung in der Presse und der Wahrnehmung durch die Bevölkerung.
Was ist die Forschungsfrage der Untersuchung?
Es wird erörtert, weshalb der Spanischen Grippe im historischen Diskurs – trotz ihrer global verheerenden Auswirkungen – deutlich weniger Bedeutung als dem Ersten Weltkrieg zugemessen wird.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine literaturgestützte Analyse, die historische Quellen und wissenschaftliche Sekundärliteratur vergleicht, um Muster der Geschichtsschreibung zu identifizieren.
Welche Schwerpunkte bilden den Hauptteil?
Der Hauptteil analysiert die historischen Ursprünge der Pandemie, die spezifische Situation in den USA sowie die vergleichende Rezeption von Krieg und Krankheitsausbruch im kollektiven Gedächtnis.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Spanische Grippe, Erster Weltkrieg, historische Erinnerungskultur, Pressezensur und Pandemierezeption.
Spielte die Zensur eine Rolle für das historische Vergessen?
Ja, in vielen kriegsführenden Nationen unterlag die Presse einer strengen Zensur, was dazu führte, dass Informationen über die Grippe unterdrückt wurden, um die Moral der Bevölkerung nicht zu schwächen.
Warum blieb die Spanische Grippe nach Ansicht der Autorin eine "vergessene Seuche"?
Die Autorin argumentiert, dass der Erste Weltkrieg ein dominantes Narrativ bietet, das durch politische und gesellschaftliche Veränderungen sowie steinerne Denkmäler präsenter blieb als ein medizinhistorisches Phänomen wie die Grippe.
- Arbeit zitieren
- Pascal Selinger (Autor:in), 2022, Die Spanische Grippe in den USA vor 100 Jahren. Die Pandemie im Zuge des Ersten Weltkrieges, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1357990