Die Begründung der Soziologie

Nationale Motive in Deutschland Frankreich und den USA


Hausarbeit, 2006

13 Seiten, Note: 2,3

Johannes-Christian Schmücker (Autor)


Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Nationale Motive der Soziologie Begründung in Frankreich, Deutschland und den vereinigten Staaten von Amerika
2.1. Nationale Motive der Soziologie in Frankreich
2.2. Nationale Motive der Soziologie in Deutschland
2.3. Nationale Motive der Soziologie in den vereinigten Staaten von Amerika

3. Zusammenfassunge

4. Literaturverzeichnis/Quellenangabe

1. Einleitung

Die hier vorliegende Hausarbeit, die im Rahmen der Vorlesung Geschichte der Soziologie II bei Prof. Dr. Karl Siegbert Rehberg, als Prüfungsleistung erbracht werden musste, befasst sich mit der Begründung der Soziologie in Frankreich, Deutschland und den USA und behandelt deren individuellen Motive, die zwar in den jeweils einzelnen Ländern unterschiedlich waren jedoch alle, beeinflusst durch den geschichtlichen Hintergrund, unter ähnlichen Vorzeichen standen. Diese Hausarbeit ist somit mehr als eine bloße voneinander getrennte Aufzählung der Gründe die für die jeweilige Entstehung und Entwicklung der Soziologie in dem entsprechenden Land ausschlaggebend waren, sondern sie will vielmehr den geschichtlichen Gesamtzusammenhang, unter dem sich die Soziologie als Wissenschaft Ende des 19.- und zu Beginn des 20. Jahrhunderts in den so genannten modernen westlichen Staaten verbreitete, aufzeigen. Dies kann natürlich nicht ohne eine gewisse Einführung und, freilich nur kurze, Beschreibung der zentralen Theorien der für das entsprechende Land wichtigsten Autoren und Soziologen geschehen und selbstverständlich müssen auch diese im Gesamtzusammenhang betrachtet werden da sich auch die soziologischen Theorien und deren Urheber nicht ohne jedes Zutun von Außen und ohne sich gegenseitig zu beeinflussen, entstanden sind.

Dennoch ist der Hauptteil dieser Arbeit, der zum besseren Verständnis in drei Abschnitte aufgeteilt ist, wobei jeder Abschnitt die Begründung der Soziologie in einem Land behandelt, vordergründig eine Zusammentragung der, für die Entstehung der Soziologie im jeweiligen Land, ausschlaggebenden Hintergründe und Gegebenheiten die sich auf jeweils eine zentrale Frage oder auf ein zentrales Problem zusammenfassen lässt.

2. Nationale Motive der Soziologie—Begründung in Frankreich, Deutschland und den vereinigten Staaten von Amerika

2. 1. Nationale Motive der Soziologie in Frankreich

Die Begründung der Soziologie in Frankreich, die dort erstmals im 18.Jahrhundert besonders durch den Autor Jean Jaques Rousseau (1712-1778),der mit seinen Werken wie dem 1762 erschienenen „Du contrat social ou principes du droit politique“ den gedanklichen Grundstein für die Französische Revolution legte, bekannt wurde, war vordergründig gestützt auf die Frage der sozialen Integration der Gesellschaft. Diese für die französische Soziologie zentrale Frage kristallisierte sich aufgrund der wechselvollen Geschichte des Landes nach der französischen Revolution (1789) im 19.Jahrhundert heraus, da in diesem Jahrhundert das politische und gesellschaftliche System Frankreichs mehrmals aufgelöst und verändert wurde.[1]

Denn auf die Entmachtung des Königs Ludwig XIV. folgte von 1799-1814 die Herrschaft Napoleons I. welche dann von 1814-1824 durch die Herrschaft König Ludwigs XVIII. abgelöst wurde, diese wurde jedoch durch die „Herrschaft der 100 Tage“ Napoleons I. 1815, und somit dessen 2. Amtszeit, unterbrochen. Nach der Amtszeit König Ludwigs XVIII. folgte ihm von 1824-1830 sein Bruder Karl X. auf dem französischen Thron dessen Amtszeit jedoch ein jähes Ende in der Julirevolution von 1830 fand, nach der das widererstarkte Bürgertum nun den liberalen König Louis Philippe von Orleans als Staatsoberhaupt eines parlamentarischen Königtums einsetzte. Aber auch dieser verlor im Zuge der Februarrevolution von 1848 sein Amt, und ihm folgte von 1849-1852 der gewählte Präsident Napoleon III., der sich 1852 zum Kaiser der Franzosen ausrufen ließ aber auch er verlor schließlich 1870 im Zuge der Niederlage im Deutsch-Französischen Krieg seinen Herrschaftsanspruch. Nach Napoleon III. folgte 1870 die nunmehr dritte französische Republik welche auch bis zur Okkupation Frankreichs durch Deutschland im 2. Weltkrieg bestand.[2]

Man musste sich also im Zuge dieser ereignisreichen Geschichte fragen, ob es ein Fundament für diese neue Gesellschaft gab, welche durch mehrere Anomien, Emile Durkheim bezeichnete damit den sozialen Zusammenbruch einer Gesellschaft, gezeichnet war.[3]

Diese für die französische Soziologie zentrale Frage wurde jedoch zusätzlich durch zwei weitere Aspekte noch verschärft.

Zum einen setzte mit der Aufklärung, Ende des 19. Jahrhunderts eine Säkularisierung ein, durch die, im Zuge der Trennung von Staat und Kirche, die Religion weitgehend zur Privatangelegenheit wurde. Die frühere enge Bindung des Alltagslebens an die Religion wurde dabei abgelöst und durch einen mehr auf Basis menschlicher Vernunft und durch logisches Denken begründeten Lebenswandel ersetzt. An die Stelle der starken politischen Macht der Kirche traten die Öffentliche Meinung und der weltliche Staat.[4]

Dazu kam zum anderen noch die Industrialisierung die im 19. Jahrhundert in England aufkam und auf Frankreich überging. Diese neue Form der Volkswirtschaft, in der sich industrielle Produktionsformen entwickelten und im Verhältnis zu traditionellen Formen der Produktion wie Handwerk und Landwirtschaft durchsetzten, führte zu mehreren aber zwei besonders wichtigen und grundlegenden Veränderungen in der sozialen Gesellschaft.[5]

1. führte diese Veränderung der Produktionsformen zu einer extremen Urbanisierung und Pauperisierung, das heißt, dass sich die Bevölkerung zum einen mehr in Städten konzentrierte, da dort die Chancen auf Arbeit und Wohlstand höher waren als auf dem Land und zum anderen, dass der Großteil der Bevölkerung zunehmend verarmte, da der, aufgrund der starken Urbanisierung eingetretene, Überschuss an Arbeitskräften ein Absinken der Durchschnittslöhne und eine Verlängerung der Arbeitszeit zur Folge hatte. Außerdem war der Großteil der werktätigen Bevölkerung kaum sozial abgesichert.[6]
2. bildete sich im Zuge der Industrialisierung und deren neu eingeführten Produktionsformen eine arbeitsteilige Gesellschaft heraus, die im Gegensatz zu früheren segmentären Gesellschaften, bei der jedes Segment für die Erhaltung des Lebens, Fortpflanzung, Nahrungsbeschaffung, etc. selbst verantwortlich war, und bei der jedes Mitglied einer Gruppe seinen Platz und jedes andere Mitglied der Gruppe kannte und es daher eine Gemeinschaft mit hohem Integrationspotential gab, so gut wie kein Integrationspotential mehr aufweißt. Diese arbeitsteilige Gesellschaft zeichnete sich nach Durkheim durch eine „organische Solidarität“ aus, das heißt der soziale Zusammenhalt eines Systems stützte sich nur auf bestimmte Funktionen des Lebens und die gesamte Gesellschaft war untereinander verbunden jedoch auch gleichzeitig getrennt, ganz im Gegensatz zu segmentären Gesellschaften die sich laut Durkheim durch eine „mechanische Solidarität“ auszeichneten, wobei man mechanisch wohl am besten mit natürlich übersetzen kann, denn diese Gesellschaften zeichneten sich außerdem durch einen hohen sozialen Zusammenhalt aus.[7]

Außerdem war die neue durch die Industrialisierung geprägte Gesellschaft starken Konjunkturphasen ausgesetzt und es war ein drastischer Auf- und Abstieg der Mittelschicht möglich. Zusätzlich stellte sich heraus, dass diese Gesellschaft auch nicht sehr krisenbeständig war.

All diese Faktoren und Folgen der Industrialisierung führten nun schließlich zu einer starken sozialen und ökonomischen Ungleichheit und es kam weiterhin zu einer starken Ausdifferenzierung der Gesellschaft, bei der das gegenseitige Wissen über einzelne, das eigene Leben nicht betreffenden, Gesellschaftsbereiche stark zurückging. Dies führte unter den Sozialwissenschaftlern dieser Zeit zur weitverbreiteten Meinung, dass die Industriegesellschaft eine unsichere Gesellschaft sei, in der jeder individuell lebt und es keinen Zusammenhalt in der Gesellschaft, sprich Integration gibt.[8]

Diese gesellschaftlichen Veränderungen und historischen Vorrausetzungen führten dann schließlich zur, für die französische Soziologie zentralen, Frage der Integration der Gesellschaft, auf die sich die Soziologie in Frankreich begründete und aus der sie auch hervorging.

[...]


[1] Bernlochner, Ludwig: Geschichte und Geschehen I, Stuttgart 1995

[2] Erbe, Michael: Geschichte Frankreichs / von der Großen Revolution bis zur Dritten Republik, Stuttgart 1982

[3] Abels, Heinz: Einführung in die Soziologie I / Der Blick auf die Gesellschaft, Wiesbaden 2004

[4] Bernlochner, Ludwig: Geschichte und Geschehen I, Stuttgart 1995; Dr. Jäger, Wolfgang: Kursbuch Geschichte / Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin 2001

[5] Ballhausen, Hans-W.: Geschichte und Geschehen II, Stuttgart 1995

[6] ebd; Dr. Jäger, Wolfgang: Kursbuch Geschichte / Von der Antike bis zur Gegenwart, Berlin 2001

[7] Abels, Heinz: Einführung in die Soziologie I / Der Blick auf die Gesellschaft, Wiesbaden 2004

[8] Ballhausen, Hans-W.: Geschichte und Geschehen II, Stuttgart 1995

Ende der Leseprobe aus 13 Seiten

Details

Titel
Die Begründung der Soziologie
Untertitel
Nationale Motive in Deutschland Frankreich und den USA
Hochschule
Technische Universität Dresden
Note
2,3
Autor
Jahr
2006
Seiten
13
Katalognummer
V135818
ISBN (eBook)
9783640454457
ISBN (Buch)
9783640453863
Dateigröße
391 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Begründung, Soziologie, Nationale, Motive, Deutschland, Frankreich
Arbeit zitieren
Johannes-Christian Schmücker (Autor), 2006, Die Begründung der Soziologie, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135818

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