Diese Arbeit will den Anstoß dazu geben, die aufgezeigten Lücken in der wissenschaftlichen Literatur über Militär, Staat und Gesellschaft in der DDR zu schließen. Sie stellt eine ausgewählte Sammlung der wichtigsten Begriffe des Bereichs Militärgeschichte der DDR dar, soll eine erste Orientierung im Thema bieten und den Einstieg erleichtern. Gleichzeitig dient sie als Gedankenstütze für alle jene, die sich eingehend mit der Materie beschäftigen, um so die wichtigsten Daten und Zahlen aller mit der Militarisierung der Gesellschaft verbundenen Organisationen möglichst schnell zur Hand zu haben. Die einzelnen Artikel enthalten das Mindestmaß an Information und beschreiben in einem geschichtlichen Abriss die Entwicklung der Organisationen bzw. definieren Begrifflichkeiten aus der Partei-, Militär- oder Soldatensprache. Zum besseren Verständnis steht dem Lexikon ein kurzer Überblick über die bewaffneten Organe der DDR voran. Abgerundet wird die Arbeit durch eine Bibliographie, die die benutzte Literatur wiedergibt und alle relevanten Titel zu den jeweiligen Themen enthält. Diese repräsentieren in den meisten Fällen den derzeitig aktuellsten Stand der Forschung. Der Autor versteht diese Arbeit als Gegenentwurf zu der Masse an verschiedenen Wörterbüchern und Lexika, die in der DDR erschienen sind und die unter anderem als ideologischer Unterbau für die Wehrerziehung und Wehrhaftmachung der Bevölkerung dienten.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Die Bewaffneten Organe der DDR
III. Wörterbuch
Abteilung für Sicherheitsfragen im ZK der SED
Abschnittsbevollmächtigter (ABV)
Antifaschistischer Schutzwall
Armeeangehörige(r) (AA)
Armeesportvereinigung »Vorwärts« (ASV)
Asche
Bausoldat(en)
Bereitschaftspolizei / Bereitschaften der Volkspolizei
Berufskader
Berufsoffizierbewerber (BOB) / Berufsunteroffizierbewerber (BUB)
Bewerberkollektiv für militärische Berufe
Bezirk / Bezirkseinsatzleitung (BEL)
Deutsche Grenzpolizei (DGP)
Deutsches Rotes Kreuz der DDR (DRK)
Deutsche Volkspolizei (DVP)
Dienst-, Arbeits- und Lebensbedingungen (DALB)
Dienstgradgruppen in der NVA
Diensthabendes System der Luftverteidigung (DHS)
Diensthalbjahr (DHJ)
Einheit
EK-Bewegung
Entlassungskandidat (EK)
Erweiterte Oberschule (EOS)
Erziehung zum Hass
Fähnrich (Fä)
Fluktuation
Freie Deutsche Jugend (FDJ)
Freier Deutscher Gewerkschaftsbund (FDGB)
Freiwillige Helfer der Grenztruppen (FHG)
Freiwillige Helfer der Volkspolizei
Freiwilliges Reservistenkollektiv
Freunde
Gefechtsbereitschaft
Genosse
Gesellschaft für Sport und Technik (GST)
Gesellschaftlicher Mitarbeiter für Sicherheit (GMS)
Grenzregime der DDR
Grenztruppen (GT)
Grundwehrdienstleistender (GWDL)
Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD) / Westgruppe der Truppen (WGT)
Hauptabteilung I des MfS (HA I)
Hauptfeldwebel
Hinterland
Inoffizieller Mitarbeiter des MfS (IM)
Kader
Kampfgruppen der Arbeiterklasse (auch Betriebskampfgruppen)
Kasernierte Volkspolizei (KVP)
Klassenauftrag
Klassenfeind / Klassenkampf
Kommandant
Kommandeur
Kontaktperson / Kontakttätigkeit (KKG)
Kontrolldurchlass (KDL)
Kreis / Kreiseinsatzleitung (KEL)
Landstreitkräfte (LaSK)
Luftstreitkräfte / Luftverteidigung (LSK / LV)
Medizinischer Punkt / Med. Punkt
Militärbezirk (MB)
Militärhandelsorganisation (MHO)
Militärische Disziplin und Ordnung (MDO)
Militarismus / Militarisierung (nach DDR-Definition)
Militärpolitische Öffentlichkeitsarbeit (MPÖ)
Militärpolitisches Kabinett
Militärreform
Ministerium für Abrüstung und Verteidigung (MfAV)
Ministerium für Nationale Verteidigung (MfNV)
Ministerium für Staatssicherheit (MfS)
Ministerium für Volksbildung (MfVb)
Nachwuchsgewinnung
Nachwuchssicherung
Nationale Volksarmee (NVA)
Nationaler Verteidigungsrat (NVR)
Negative Traditionspflege
Nomenklatur
Nomenklaturkader
Norm
Oberoffizier
Objekt
Ortsunterkunft (OU)
Park
Patenschaft
Pioniermanöver
Politische Hauptverwaltung (PHV)
Politisch Ideologische Diversion (PID)
Politische Untergrundtätigkeit (PUT)
Polytechnische Oberschule (POS)
Produktionsgenossenschaft des Handwerks (PGH)
Rat des Bezirkes (RdB)
Rat des Kreises (RdK)
Reservisten
Schwedt (an der Oder)
Sichtagitation
Soldat(en)
Sozialistischer Wettbewerb
Sozialistische Persönlichkeit
Sozialistische Soldatenpersönlichkeit
Stabsoffizier(e)
System der sozialistischen Landesverteidigung
Teilstreitkraft
Traditionszimmer
Truppenteil
Unteroffizier auf Zeit (UaZ) / Soldat auf Zeit (SaZ)
Verband
Volkseigener Betrieb (VEB)
Volksmarine (VM)
Wachregiment Feliks E. Dzierzynski (WR)
Waffenbrüderschaft
Waffengattung
Wehrausbildungslager
Wehrbezirkskommando (WBK)
Wehrerziehung, sozialistische Wehrerziehung (SWE)
Wehrkreiskommando (WKK)
Wehrkunde
Wehrpflicht
Wehrunterricht
Zentralkomitee der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (ZK der SED)
Zivilverteidigung (ZV)
Zielsetzung und Themen
Diese Arbeit bietet eine strukturierte Übersicht über die militärische Organisation der DDR und beleuchtet die Rolle der bewaffneten Organe im System des SED-Regimes, um Lücken in der aktuellen Wissensvermittlung zu schließen.
- Strukturen und Entwicklung der bewaffneten Organe der DDR
- Detaillierte Erläuterung zentraler Begriffe und Organisationen
- Zusammenhang zwischen Militarisierung und SED-Machtanspruch
- Die Rolle von Massenorganisationen in der sozialistischen Wehrerziehung
Auszug aus dem Buch
Die Bewaffneten Organe der DDR
Der Militär- und Sicherheitsapparat der DDR verfügte neben der Nationalen Volksarmee (NVA) und den Grenztruppen (GT) über eine Vielzahl militärischer, militärisch organisierter oder paramilitärischer Organisationen, die alle mehr oder weniger offen zur Abwehr innerer und äußerer Feinde vorgesehen waren. Zu ihnen zählten die Einheiten des Ministeriums des Innern (MdI) Deutsche Volkspolizei (DVP), Bereitschaftspolizei, Transportpolizei (6 400 Angehörige) und die Einheiten des Ministeriums für Staatssicherheit mit seinem militärischen Arm, dem Wachregiment »Felix Dzierzynski«, ebenso wie die Zollverwaltung der DDR (10 000 Angehörige). Ebenfalls zu den bewaffneten Organen zu zählen sind die paramilitärischen Kampfgruppen der Arbeiterklasse, da sie bereits in Friedenszeiten über Waffen verfügten.
Als unterstützende bzw. entlastende Massenorganisationen gehörten zusätzlich die Zivilverteidigung (ZV), die Gesellschaft für Sport und Technik (GST) und das Deutsche Rote Kreuz der DDR (DRK) zum Sicherheitsapparat des SED-Regimes. Teilweise waren diese Organisationen militärisch strukturiert und sollten im Konfliktfall nachgeordnete militärische Aufgaben, wie Sanitätsdienst, wahrnehmen. Alle genannten Organisationen waren Teil des »Systems der sozialistischen Landesverteidigung« und dienten der Mobilisierung der Bevölkerung zur Sicherung der Machtinteressen der SED nach innen und außen.
Insgesamt waren in den bewaffneten Organen der DDR über 430 000 Männer und Frauen als hauptamtliche Mitarbeiter beschäftigt, dazu kommen die hauptamtlichen Mitarbeiter der Massenorganisationen. Summa summarum ist davon auszugehen, dass rund zwei Millionen DDR-Bürger in irgendeiner Weise als mehr oder weniger freiwillige oder hauptamtliche Mitarbeiter in einer der militärischen, paramilitärischen oder das Militär unterstützende Organisationen eingebunden waren. Hinzu kommen noch die freiwilligen Helfer der Volkspolizei und der GT sowie die inoffiziellen Mitarbeiter des MfS, die aber aufgrund der nicht ganz eindeutigen gleichzeitigen Zuordnung zu einem der bewaffneten Organe in der Rechnung fehlen.
Zusammenfassung der Kapitel
I. Einleitung: Beschreibt den Forschungsstand zur Militarisierung der DDR-Gesellschaft und begründet die Notwendigkeit dieses Wörterbuchs.
II. Die Bewaffneten Organe der DDR: Gibt einen Überblick über den Militär- und Sicherheitsapparat und dessen Integration in das SED-System.
III. Wörterbuch: Enthält eine detaillierte Sammlung zentraler Fachbegriffe, Organisationen und Fakten zur Militärgeschichte der DDR.
Schlüsselwörter
DDR, NVA, MfS, SED, Militarisierung, Grenztruppen, Kampfgruppen, Zivilverteidigung, GST, Wehrerziehung, Verteidigung, Sozialismus, Sicherheitsapparat, Volkspolizei, Warschauer Pakt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die stark militarisierte Gesellschaft der DDR und die Vielzahl der bewaffneten sowie paramilitärischen Organe des SED-Regimes.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den Schwerpunkten zählen die Organisationsstrukturen der NVA, das Wirken der Staatssicherheit, die Rolle von Massenorganisationen wie der GST und das System der Landesverteidigung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Lücken in der wissenschaftlichen Literatur zu schließen und dem Leser eine präzise Orientierung im komplexen Feld der Militärgeschichte der DDR zu bieten.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um ein systematisches Nachschlagewerk, das Begriffe, Daten und geschichtliche Abrisse anhand aktueller Forschungsliteratur definiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in ein umfangreiches Wörterbuch, das Organisationen, Fachbegriffe und militärische Zusammenhänge erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind DDR, NVA, MfS, Militarisierung, SED-Regime, Wehrerziehung und das System der sozialistischen Landesverteidigung.
Was zeichnet das System der Grenztruppen besonders aus?
Die Grenztruppen fungierten als integraler Bestandteil des Grenzregimes und unterlagen einer strikten Überwachung, da sie zur Verhinderung von Fluchtbewegungen im Einsatz waren.
Wie wurde die Bevölkerung in die Landesverteidigung eingebunden?
Durch die Einbindung in Organisationen wie die GST, die FDJ oder das Rote Kreuz wurde die Bevölkerung indoktriniert und für militärische Unterstützungsaufgaben mobilisiert.
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- Denis Strohmeier (Author), 2008, Kleines Wörterbuch zur Militärgeschichte der DDR , Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135848