In dieser Arbeit wird der nationalsozialistische Propagandafilm "Jud Süß" im Kontext der NS-Propaganda hinsichtlich der Motivation der Filmproduktion und seiner Wirkung untersucht. Weiters soll die deutsche Produktion der englischen Verfilmung "Jew Süss" und dem gleichnamigen Roman von Lion Feuchtwanger gegenübergestellt werden.
Im ersten Abschnitt wird auf die Rolle der Propaganda, speziell des Mediums Film im NS-Regime und die Entwicklung bis hin zur Produktion von "Jud Süß" eingegangen. Auf eine Kontextualisierung der Rolle des Films in der NS-Propaganda folgen ein Vergleich der historischen Person des Joseph Süß Oppenheimer, dem Roman von Lion Feuchtwanger, der englischen und der deutschen Filmproduktion. Abschließend wird vor dem Conclusio die Wirkung des Films auf Täter & Opfer der NS-Vernichtungspollitik und die Zivilbevölkerung untersucht
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Entstehung
Einordnung
Vergleich
Der historische Joseph Süß Oppenheimer
Lion Feuchtwangers Roman ‚Jud Süß‘ (1925)
Lothar Mendes‘ Film ‚Jew Süss‘ (1934)
Veit Harlan’s Propagandafilm ‚Jud Süß‘ (1940)
Wirkung
Conclusio
Bibliografie
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht den nationalsozialistischen Propagandafilm „Jud Süß“ von Veit Harlan im Kontext der NS-Propaganda, analysiert die Beweggründe seiner Produktion und beleuchtet seine Wirkung auf die Bevölkerung sowie das Militär. Ein zentraler Aspekt ist die Gegenüberstellung mit der englischen Verfilmung von Lothar Mendes sowie dem Roman von Lion Feuchtwanger, um die propagandistische Verzerrung der historischen Figur Joseph Süß Oppenheimer aufzuzeigen.
- Rolle der Filmpropaganda im Nationalsozialismus
- Entstehung und Motivation des Propagandafilms „Jud Süß“ (1940)
- Vergleichende Analyse: Historische Person, Romanvorlage und verschiedene Verfilmungen
- Wirkungsgeschichte und Instrumentalisierung durch NS-Organe
- Darstellung antisemitischer Stereotype und deren gesellschaftliche Folgen
Auszug aus dem Buch
Veit Harlan’s Propagandafilm ‚Jud Süß‘ (1940)
Veit Harlans Verfilmung des Stoffes suggerierte gleich in den ersten Szenen und Einstellungen, dass es sich bei Juden und Deutschen um Spezies zweier Welten handelte, die nicht zusammengehörten. Diesen Eindruck erzeugte bereits die Filmmusik: typisch deutsch-heroische Orchestermusik spielte gegen fremdländisch-orientalische Klänge an, wurde von diesen übertönt und übertönte diese dann erneut. Diese Abfolge nahm bereits die Handlung des gesamten Films vorweg. Auch die überraschte Reaktion Oppenheimers und eines – den rassenantisemitischen Archetypen entsprechenden – Passanten auf den Besuch Oberhofmeister Remchingens im Frankfurter Judenghetto suggerierten die Begegnung zweier völlig unterschiedlicher Welten.
Verstärkt wurde dieser Eindruck noch dadurch, dass es sich bei Oppenheimers Heim um eine ‚Lasterhöhle‘ voller kabbalistischer Zauberei und unheimlichen Ritualen handelte, während es sich in Mendes‘ ‚Jew Süss‘ dabei um ein typisches Heim des aufgeklärten deutschen Bürgertums handelte.
Hieran zeigte sich deutlich, dass, obwohl der Film im Südwestdeutschland des 18. Jahrhunderts spielte, der propagandistische Effekt auf die polnischen ‚Ostjuden‘ / ‚Schtettljuden‘ des 20. Jahrhunderts abzielte, indem sämtliche jüdische Charaktere in deren Kleidungsstil, mit deren Gebräuchen und Religion dargestellt wurden.
Zusammenfassung der Kapitel
Vorwort: Einführung in die Thematik des NS-Propagandafilms „Jud Süß“ und die geplante Gegenüberstellung mit dem Roman von Lion Feuchtwanger sowie der Verfilmung von Lothar Mendes.
Entstehung: Darstellung der systematischen Ausgrenzung der jüdischen Bevölkerung aus dem deutschen Filmwesen und die ideologischen Beweggründe der NS-Führung hinter der Produktion von „Jud Süß“.
Einordnung: Verortung von „Jud Süß“ innerhalb des NS-Propagandasystems und Abgrenzung zu anderen Dokumentar- und Spielfilmen der damaligen Zeit.
Vergleich: Analyse der historischen Figur im Kontrast zu ihrer fiktionalisierten Darstellung im Roman sowie in den Verfilmungen von Mendes und Harlan.
Wirkung: Untersuchung der gesellschaftlichen und militärischen Folgen des Films und wie dieser zur Internalisierung antisemitischer Feindbilder beitrug.
Conclusio: Abschließende Betrachtung der perfiden Instrumentalisierung historischer Stoffe und der skandalösen Umdeutung durch das NS-Regime.
Bibliografie: Auflistung der für die Analyse verwendeten wissenschaftlichen Quellen und Literatur.
Schlüsselwörter
Jud Süß, Veit Harlan, Joseph Goebbels, NS-Propaganda, Antisemitismus, Filmgeschichte, Joseph Süß Oppenheimer, Nationalsozialismus, Propaganda, Film, Segregationspolitik, Reichskulturkammer, Geschichtsrevisionismus, Volksgemeinschaft, Historienfilm.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert den nationalsozialistischen Propagandafilm „Jud Süß“ von 1940, seine Entstehungsgeschichte, seine propagandistische Funktion innerhalb des NS-Regimes und seine verheerende Wirkung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Neben der Film- und Propagandageschichte stehen der Vergleich mit literarischen und filmischen Quellen des Stoffs sowie die Rolle antisemitischer Stereotype im Fokus.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie NS-Propaganda historische Tatsachen zweckentfremdete, um ein antisemitisches Feindbild zu konstruieren und die Bevölkerung für eine verbrecherische Politik zu mobilisieren.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Der Autor stützt sich auf eine tiefgehende Literaturanalyse und den Vergleich verschiedener Interpretationen des Stoffes (historische Akten, Roman, Filme), um die Verzerrungen der nationalsozialistischen Darstellung zu belegen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Entstehung, inhaltliche Einordnung in die NS-Filmpropaganda, einen detaillierten Vergleich der verschiedenen Stoffadaptionen und eine Untersuchung der realen Wirkung des Films.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit zeichnet sich durch Begriffe wie NS-Propaganda, Antisemitismus, Joseph Süß Oppenheimer, Veit Harlan und Manipulationsinstrumentarium aus.
Inwiefern hat der Film die Wahrnehmung der historischen Figur verändert?
Der Film hat die historische Figur des Joseph Süß Oppenheimer so stark mit nazistischer Hetze und antisemitischen Klischees konnotiert, dass eine objektive historische Sichtweise nachfolgenden Generationen erschwert wurde.
Wie unterschied sich Harlans Film von Mendes' Verfilmung aus dem Jahr 1934?
Während Mendes mit seiner Verfilmung den aufkommenden Antisemitismus kritisierte, kehrte Veit Harlan die Rollenbilder ins Gegenteil um, um eine antisemitische Bestätigung für die Vernichtungspolitik der Nationalsozialisten zu schaffen.
Warum spielt die Person Lothar Mendes und Lion Feuchtwanger für das Verständnis so eine große Rolle?
Der Vergleich zu diesen Vorlagen verdeutlicht die bewusste Umkehrung und Verzerrung von Absichten, die ursprünglich eine kritische Aufarbeitung oder ein geschichtsphilosophisches Interesse verfolgten.
Welche Bedeutung hat das Zitat von Martin Luther in diesem Zusammenhang?
Es wurde von Harlan und Goebbels gezielt eingesetzt, um die antijudaistische Tradition für die nationalsozialistische Ideologie zu instrumentalisieren und den Antisemitismus scheinbar historisch-religiös zu legitimieren.
- Arbeit zitieren
- Martin Pinda (Autor:in), 2022, Der Propagandafilm "Jud Süß", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1358515