In der vorliegenden Hausarbeit wird die Darstellung der Kriemhild im „Nibelungenlied“ thematisiert. Dabei wird auf die Fragestellung fokussiert, ob die Kriemhild-Figur im ersten Teil des ‚Nibelungenliedes’ noch mit der entmenschlichten Rächerin am Ende des Epos identifizierbar ist, das heißt, ob der Epiker einen glaubhaften Wandlungsprozess dargestellt oder die Protagonistin in zwei unterschiedlichen Rollen präsentiert hat.
Für diese Untersuchung wurden verschiedene Gesichtspunkte ausgewählt, anhand derer sich die Kriemhild-Figur analysieren lässt, um anschließend die Frage nach einem Entwicklungsprozess, bzw. Rollenwechsel beantworten zu können. Die Arbeit ist in drei Abschnitte untergliedert: Der erste und einleitende Teil verdeutlicht Thema, Aufbau und Fragestellung und führt einige einleitende Worte zum ‚Nibelungenlied’ an, in denen kurz Jan Dirk Müllers These zur Psychologisierung von Figuren in mittelhochdeutschen Heldenepen diskutiert wird. Abschnitt 2 stellt den Hauptteil dar, der zweifach untergliedert ist, wobei sich Teil A) auf die Darstellung der Kriemhild-Figur im ersten Teil bezieht und Teil B) auf ihre Darstellung im zweiten Teil des Epos rekurriert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
1.1 Thema und Aufbau dieser Hausarbeit
1.2 Fragestellung
1.3 Einleitende Worte zum ‚Nibelungenlied’
2 Hauptteil
2.1 Kriemhild im ersten Teil
2.1.1 Höfische Typisierung, Familienverbund und gesellschaftlicher Status
2.1.2 Falkentraum
2.1.3 Verhältnis zu höfischer Kultur und vorherrschendem Männerpatriarchat
2.1.4 Frauenstreit
2.1.5 Kriemhilds leit
2.1.6 Kriemhilds triuwe-Bindung an Siegfried
2.2 Kriemhild im zweiten Teil
2.2.1 gesellschaftlicher Status und Eingliederung in Etzels Hof
2.2.2 Verhältnis höfische Kultur und Männerpatriarchat
2.2.3 Rachemotiv und verräterische Einladung
2.2.4 Kriemhilds Schritte, um einen Kampf auszulösen
2.2.5 Darstellung Kriemhilds als Rächerin
3 Schluss
3.1 Zusammenfassen der Ergebnisse
3.2 Beantwortung der in der Einleitung aufgeworfenen Frage
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Wandlung der Kriemhild-Figur im 'Nibelungenlied'. Ziel ist es zu analysieren, ob der Epiker einen psychologisch glaubhaften Entwicklungsprozess von der höfischen Dame zur entmenschlichten Rächerin darstellt oder die Protagonistin in zwei separaten Rollen präsentiert.
- Darstellung der Kriemhild-Figur im ersten Teil des Epos
- Einfluss von höfischer Kultur und Männerpatriarchat auf weibliche Akteure
- Analyse des Frauenstreits und des Rachemotivs
- Veränderung der Rolle Kriemhilds im zweiten Teil des Epos
- Rolle des Hortmotivs als Machtinstrument und Symbol
Auszug aus dem Buch
2.1.4 Frauenstreit
Da ich den Frauenstreit als ausschlaggebend für die ersten Dissonanzen in Kriemhilds Verhalten beschrieben habe, fällt dessen Darstellung relativ ausführlich aus.
Die Auseinandersetzung resultiert aus einer Situation des friedlichen Miteinanders beider Königinnen. Die erste Äußerung stammt von Kriemhild: “ich hân einen man, daz elliu disiu rîche ze sînen handen solden stân.“ („NL 815“). 16
Kriemhild gibt als Siegfrieds Gattin begeistert und freimütig ihrer Bewunderung Ausdruck, ihre Aussage steht dabei im Einklang mit den bisher schon erkennbar gewordenen Zügen ihres Charakters, denn „als die über alle Maßen Liebende spricht sie ihre enthusiastische Bewunderung Siegfrieds aus und verletzt dadurch unabsichtlich Brünhilds Königinnenstolz.“17
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Themas, des Aufbaus der Hausarbeit und der zentralen Fragestellung bezüglich der Charakterentwicklung Kriemhilds.
2 Hauptteil: Analyse von Kriemhilds Rolle im ersten und zweiten Teil des Epos, unter Berücksichtigung von gesellschaftlichem Status, höfischer Kultur und ihrer Entwicklung zur Rächerin.
3 Schluss: Rekapitulation der Ergebnisse und Beantwortung der Ausgangsfrage, wobei die Einheitlichkeit der Figur trotz ihrer Transformation betont wird.
Schlüsselwörter
Kriemhild, Nibelungenlied, Heldenepik, Geschlechterrollen, Männerpatriarchat, Höfische Kultur, Rachemotiv, Siegfried, Hagen von Tronje, Hortmotiv, Entwicklungsprozess, Minne, Triuwe, Frauenstreit, Literaturanalyse
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Wandlung der Protagonistin Kriemhild im 'Nibelungenlied' und ihre Entwicklung von der höfischen Dame zur rächenden Witwe.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Fokus stehen Geschlechterrollen, höfische Werte wie 'triuwe' und 'minne', das gesellschaftliche Patriarchat sowie die moralische Entwicklung der Hauptfigur.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die Beantwortung der Frage, ob Kriemhilds Wandlung zum Ende des Epos hin psychologisch glaubhaft und konsistent vom Dichter dargestellt wurde.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine literaturwissenschaftliche Analyse durchgeführt, die das Handeln der Figur im Kontext mittelalterlicher Ethik und Typik untersucht und reines Psychologisieren vermeidet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil ist zweigeteilt: Er analysiert zuerst Kriemhild im ersten Teil des Epos und beleuchtet danach ihre Rolle im zweiten Teil, insbesondere im Hinblick auf Rache und Macht.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Kriemhild, Rachemotiv, Nibelungenlied, Geschlechterrollen, Patriachat, Entwicklungsprozess und höfische Kultur.
Welche Bedeutung hat der Frauenstreit für Kriemhild?
Der Frauenstreit stellt eine Schlüsselszene dar, die erste Risse in Kriemhilds höfischem Auftreten zeigt und als Auslöser für nachfolgende Eskalationen fungiert.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle des Hortes?
Der Hort wird nicht nur als materielles Gut, sondern primär als symbolisches Objekt verstanden, das eine Einheit mit dem toten Siegfried bildet.
Warum ist Kriemhilds Tod unheroisch?
Im Gegensatz zu männlichen Helden wird ihr Tod als unheroisch und mit Furcht und Schreien verbunden dargestellt, was den gesellschaftlich-patriarchalischen Standpunkt des Dichters widerspiegelt.
- Quote paper
- Elena Tresnak (Author), 2006, Die Kriemhild-Figur im "Nibelungenlied". Entwicklungsprozess oder Rollenwechsel von der 'höfischen Dame' zur 'entmenschlichten Rächerin'?, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135871