Die Imitatio im Barock konzentriert sich auf den Petrarkismus, welcher eine besondere Form der Liebeslyrik ist. Präferiert wird es in der Sonettform geschrieben. Der Petrarkismus geht auf die 366 Gedichte des Canzionere zurück, die Petrarca seiner Frau Laura gewidmet hat. Oft verwendete Stilmittel sind Oxymora, Hyperbeln, Paradoxa und Chiasmen.
Das wichtigste Merkmal der petrarkistischen Liebeslyrik ist die Verbindung zwischen der Geliebten und dem Liebhaber. Die geliebte Frau steht meist in einem Dualismus. Sie ist bezaubernd und gleichzeitig tyrannisch, erotisch anziehend und abweisend, beinahe arrogant. Sie ist für den Liebenden unerreichbar und doch erhofft er sich ihr Mitleid. Ihre Schönheit wird in einzelnen Körperteilen besungen und betrachtet, sodass der Liebende als Sklave ihrer Schönheit erscheint, denn seine Liebe muss stets unerfüllt bleiben. Sein Liebesstreben ist gekoppelt an die Antithetik von Sinnlichkeit/Wollust und Tugend, Befreiung und Verfallenheit.
In der petrarkistischen Lyrik finden immer wieder feste Motive und Bildelemente ihre Verwendung, sodass die Naturmetaphorik oft verbreitet ist. Anders als im generellen Petrarkismus ist im erotischen Petrarkismus das Liebeswerben des Liebenden erfolgreich. Dieses wird ausführlich beschrieben, z.T. mit obszönen Aufforderungen an die Geliebte. Es wird hauptsächlich über den Körper und kaum über den Geist geschrieben. Die Geliebte ist nun kein „höheres Wesen“ mehr, sondern ein erotisches Objekt der männlichen Begierde.
Inhaltsverzeichnis
1. EINLEITUNG, GEGENSTAND UND METHODE DER UNTERSUCHUNG
2. TEXTANALYTISCHER TEIL
2.1. KROATISCHE RENAISSANCE: HANIBAL LUČIĆ „JUR NIJEDNA NA SVIT VILA...“
2.1.1. AUFBAU
2.2. KROATISCHER BAROCK: IVAN BUNIĆ VUČIĆ „PRSI...“
2.2.1. AUFBAU
2.3. IVAN BUNIĆ VUČIĆ: „ČIM GLEDAM NA RUŽICU“
2.3.1. AUFBAU
2.4. IVAN BUNIĆ VUČIĆ: „ČIM LIEPTIR DOLETI NA PLAMEN...“
2.4.1. AUFBAU
3. RESÜMEE
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand einer literaturwissenschaftlichen Analyse ausgewählter Gedichte von Hanibal Lučić und Ivan Bunić Vučić die Wirkung und Ausprägung petrarkistischer Motive und poetischer Verfahren innerhalb der kroatischen Renaissencedichtung und des Barock. Dabei steht die Anwendung der „Vier Weisen einen Text zu lesen“ im Zentrum, um die strukturellen, rhetorischen und sprachlichen Ebenen der ausgewählten Werke systematisch zu dekonstruieren.
- Analyse petrarkistischer Merkmale in der kroatischen Literaturgeschichte.
- Methodische Anwendung der „Vier Weisen einen Text zu lesen“ nach Prof. Dr. Matthias Freise.
- Stilistische Untersuchung von Metaphorik, Klangfiguren und Wiederholungsfiguren.
- Gegenüberstellung der poetischen Verfahren bei Hanibal Lučić und Ivan Bunić Vučić.
- Interne Struktur- und Metrik-Analysen der spezifischen Sonette.
Auszug aus dem Buch
2.1.Kroatische Renaissance: Hanibal Lučić „Jur nijedna na svit vila...“
Jur nijedna na svit vila
Lipotom se već ne slavi,
Jer je hvale sve skupila
Vila ka mi srce travi.
Ni će biti, ni je bila,
Njoj takmena ka se pravi.
Lipotom se već ne slavi
Jur nijedna na svit vila.
Vrhu njeje vedra čela
Vridna ti se kruna vidi
Od kosice ku je splela
Kojom zlatu ne zavidi,
Svakomu je radost vela
Kad ju dobro razuvidi.
Vridna ti se kruna vidi
Vrhu njeje vedra čela.
Zusammenfassung der Kapitel
1. EINLEITUNG, GEGENSTAND UND METHODE DER UNTERSUCHUNG: Dieses Kapitel führt in den Petrarkismus als literarische Strömung ein und erläutert die methodische Herangehensweise nach den „Vier Weisen einen Text zu lesen“.
2. TEXTANALYTISCHER TEIL: Im Hauptteil werden ausgewählte Gedichte von Hanibal Lučić und Ivan Bunić Vučić hinsichtlich ihres Aufbaus, ihrer Metrik, Syntax und Rhetorik detailliert analysiert.
2.1. KROATISCHE RENAISSANCE: HANIBAL LUČIĆ „JUR NIJEDNA NA SVIT VILA...“: Eine Analyse von Lučićs Sonett, das insbesondere durch seine Onomatopoesie und deskriptive Schönheit besticht.
2.2. KROATISCHER BAROCK: IVAN BUNIĆ VUČIĆ „PRSI...“: Das Kapitel untersucht Bunić Vučićs Gedicht, welches sich durch antithese-reiche Sprache und die Concetto-Technik auszeichnet.
2.3. IVAN BUNIĆ VUČIĆ: „ČIM GLEDAM NA RUŽICU“: Fokus auf die distinctio-Figur in diesem kurzen Gedicht, wobei das Motiv der Rose als Kernstück fungiert.
2.4. IVAN BUNIĆ VUČIĆ: „ČIM LIEPTIR DOLETI NA PLAMEN...“: Untersuchung der Polyptoton-Figuren und der thematischen Verarbeitung von Leidenschaft und Vergänglichkeit in diesem Gedicht.
3. RESÜMEE: Abschließende Zusammenführung der Erkenntnisse über die Verbindung von poetischer Form und dem Ausdruck menschlicher Sehnsüchte in der untersuchten Lyrik.
Schlüsselwörter
Petrarkismus, Kroatische Renaissance, Kroatischer Barock, Lyrikanalyse, Hanibal Lučić, Ivan Bunić Vučić, Concetto-Technik, Rhetorik, Metrik, Sonett, onomatopoetische Figuren, syntaktische Parallelismen, Literaturwissenschaft, Epochenstil, poetische Verfahren.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse poetischer Verfahren in Gedichten des kroatischen Petrarkismus, insbesondere anhand von Werken von Hanibal Lučić und Ivan Bunić Vučić.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Petrarkismus, die poetische Gestaltung der Geliebten, das Motiv der Vergänglichkeit sowie die formale Analyse von Klang- und Wiederholungsfiguren.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die wissenschaftliche Untersuchung der poetischen Ausdrucksmittel innerhalb der ausgewählten Sonette und deren Einordnung in den jeweiligen literarischen Kontext.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird die Methode der „Vier Weisen einen Text zu lesen“ von Prof. Dr. Matthias Freise angewandt, welche eine systematische Analyse auf historischer, technischer, ästhetischer und kultureller Ebene ermöglicht.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine detaillierte Einzelanalyse verschiedener Gedichte, wobei Aufbau, Metrik, Syntax und rhetorische Mittel wie Metaphern und Concetti im Vordergrund stehen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist gekennzeichnet durch Begriffe wie Petrarkismus, Kroatische Renaissance, Concetto-Technik, Lyrikanalyse, Metrik und rhetorische Stilmittel.
Wie unterscheidet sich die Lyrik von Hanibal Lučić von der von Ivan Bunić Vučić im untersuchten Kontext?
Während Lučić häufig durch deskriptive Schönheit und Onomatopoesie überzeugt, nutzt Bunić Vučić vermehrt die Concetto-Technik und komplexe antithetische Strukturen zur Verdeutlichung innerer Zustände.
Welche Bedeutung hat die Concetto-Technik in den Gedichten von Ivan Bunić Vučić?
Die Concetto-Technik dient Bunić Vučić als rhetorisches Mittel, um durch überraschende Verbindungen von Begriffen – etwa die Analogie des Disparaten – eine tiefere, oft abstrakte Bedeutungsebene zu erschließen.
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- Thea Genkinger (Autor), 2023, Petrarkistische Elemente in den Gedichten von Hanibal Lucić und Ivan Bunić Vučić, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1358831