Das Ziel der Forschung ist es, Prozessmerkmale der Unterrichtsqualität bei Auszubildenden mit Migrationshintergrund zu identifizieren. Die Forschungsfrage lautet: Welche Prozessmerkmale der Unterrichtsqualität sollten im Pflegeunterricht aus Sicht von Pflegelehrenden erfüllt sein, um die Bildungsprozesse von Auszubildenden mit Migrationshintergrund in erster Generation optimal zu unterstützen?
Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurde eine qualitative Studie zur Unterrichtsqualität in Bezug auf Migrationshintergrund durchgeführt. Für die Studie wurden Pflegelehrende zur Unterrichtsqualität interviewt. Da bereits einige Erkenntnisse aus der Literatur zu Qualitätsmerkmalen von Unterricht bekannt sind und eine konkrete Problemstellung vorliegt, wurde ein leitfadengestütztes problemzentriertes Interview durchgeführt.
Bei den Ergebnissen spiegeln sich die Basisdimension der Unterrichtsqualität mit ihren einzelnen Prozessmerkmalen wider. Die Ergebnisse zeigen, dass eine Anpassung auf Lernende mit Migrationshintergrund in Form von einer Akzentuierung einzelner Prozessmerkmale notwendig ist. Besonders die Basisdimension der konstruktiven Unterstützung ist für diese Lernenden von besonderer Wichtigkeit. Aber auch in den Basisdimensionen kognitiver Aktivierung und effektiver Klassenführung gibt es Prozessmerkmale, die in den Vordergrund und einzelne Merkmale, die in den Hintergrund rücken.
Schlussfolgernd kann man sagen, dass sich die Prozessmerkmale des in Deutschland anerkannten Modells der Basisdimensionen von Unterrichtsqualität auch auf die Auszubildenden mit Migrationshintergrund anwenden lassen. Für einen qualitativ hochwertigen Unterricht bei diesen Auszubildenden sollten jedoch einige Prozessmerkmale besonders beachtet werde.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung und Problemstellung
1.1. Relevanz/ Forschungslücke
1.2. Fragestellung und Zielsetzung
1.3. Aufbau der Arbeit
2. Theoretischer Hintergrund, Bezugsrahmen und Stand der Forschung
2.1. Merkmale von Unterrichtsqualität
2.1.1. Kognitive Aktivierung
2.1.2. Effektive Klassenführung
2.1.3. Konstruktive Unterstützung
2.1.4. Zusammenführung der Basisdimensionen
2.1.5. Kritik am Modell der drei Basisdimensionen
2.2. Umgang mit Heterogenität im Unterricht
2.2.1. Heterogenität und Unterrichtsqualitätsforschung
2.2.2. Stufen der Unterrichtsqualität
2.2.3. Bedeutung fachdidaktischer Konzepte für die Heterogenität
2.2.4. Didaktische Konsequenzen
3. Ziele und Fragestellung
4. Methodik
4.1. Methodik zur Literaturrecherche
4.2. Methodik des empirischen Teils
4.2.1. Begründung des Erhebungsinstruments
4.2.2. Datenerhebung
4.2.3. Sampling
4.2.4. Der Kurzfragebogen zu den Basisdaten
4.2.5. Durchführung des Interviews
4.3. Ethische Aspekte zur Datenerhebung
4.4. Die Auswertung
4.4.1. Transkription
4.4.2. Inhalts
4.4.3. analyse nach Mayring
4.5. Anwendung der Gütekriterien
5. Die Ergebnisse der qualitativen Forschung
5.1. Beschreibung der Teilnehmenden
5.2. Ergebnisse der qualitativen Interviews
6. Die Diskussion
6.1. Konstruktive Unterstützung
6.1.1. Implikationen für die Praxis
6.2. Effektive Klassenführung
6.2.1. Implikationen für die Praxis
6.3. Kognitive Aktivierung
6.3.1. Implikationen für die Praxis
6.4. Anpassungen des Modells der Basisdimensionen an Lernende mit Migrationshintergrund
6.5. Stärken und Schwächen der Arbeit
7. Die Schlussfolgerung
Zielsetzung & Themen
Die Masterarbeit zielt darauf ab, lernförderliche Prozessmerkmale der Unterrichtsqualität speziell für Auszubildende mit Migrationshintergrund der ersten Generation zu identifizieren. Dabei wird untersucht, wie etablierte Basisdimensionen des Unterrichts angepasst und erweitert werden müssen, um den Anforderungen heterogener Lerngruppen gerecht zu werden und Bildungsprozesse optimal zu unterstützen.
- Analyse relevanter Prozessmerkmale im Pflegeunterricht aus Lehrerperspektive
- Fokussierung auf die Basisdimensionen: Kognitive Aktivierung, Effektive Klassenführung und Konstruktive Unterstützung
- Bedeutung der Lehrer-Schüler-Beziehung und sozio-emotionaler Unterstützung für Lernende mit Migrationshintergrund
- Herausforderungen in der Unterrichtsgestaltung bei hoher sprachlicher und kultureller Heterogenität
- Gewinnung empirischer Erkenntnisse durch leitfadengestützte problemzentrierte Interviews
Auszug aus dem Buch
1.1. Relevanz/ Forschungslücke
„Die Schule in der multikulturellen Gesellschaft ist die Welt in Miniatur“ (Takeda, 2010, S.1). Sie bildet ein soziodynamisches Forum, in dem diverse Kulturen, Religionen und Wertanschauungen aufeinanderprallen (Takeda, 2010). Transkulturalität ist in der Gesellschaft ein zunehmendes Phänomen, das auch in der Ausbildung zum Pflegefachmann/ frau an Bedeutung gewinnt (Hauenschild, 2005). Eine besondere Herausforderung ist dabei die Auszubildenden mit Migrationshintergrund in erster Generation (Afentakis, Maier, 2013, S. 1074). Um den Fachkräftemangel zu kompensieren ist ein politisches Ziel, Menschen mit Migrationshintergrund in erster Generation für die Ausbildung als Pflegefachfrau/ mann anzuwerben (Deutscher Bundestag, 2021). Daraus resultiert ein stetig steigender Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in der Pflegeausbildung (Afentakis, Maier, 2013, S. 1074, Die Bundesregierung, 2021). Ein konkretes Projekt dazu ist das „Triple Win“- Programm der Bundesregierung. Es werden gezielt Auszubildende für die Pflege in den Ländern Vietnam, Bosnien und Herzegowina, Philippinen, Mexiko, Brasilien und Tunesien angeworben (Deutscher Bundestag, 2021). Seit Beginn des Projekts im Jahr 2013 wurden bis Mitte 2021 bereits über 4500 Pflegekräfte vermittelt. Für die Auszubildenden ist insbesondere der theoretische Teil der Ausbildung besonders herausfordernd (Resch, 2009). Dies bestätigt auch die vorab durchgeführte schulpraktische Studie (Tübbing, 2022).
Von den Lehrenden wird erwartet, dass sie auf diese Heterogenität professionell und qualitativ hochwertig reagieren (Biederbeck, Rothland, 2017, S. 223). Um einen qualitativ hochwertigen Unterricht anzubieten haben sich im deutschsprachigen Raum in der empirischen Bildungsforschung die drei Basisdimensionen von Unterrichtsqualität durchgesetzt (Klieme, Baumert, 2001). Die Basisdimension kognitive Aktivierung verfolgt das Ziel die Lernenden kognitive Prozesse anzuregen und somit eine möglichst tiefe Auseinandersetzung mit dem Lernstoff zu erzeugen (Klieme, Baumert, 2001). Die Basisdimension effektive Klassenführung verfolgt ebenfalls das Ziel der Verarbeitungstiefe, aber auch das effektive Nutzen der vorhandenen Zeit und das Erleben von Autonomie, Kompetenz und sozialer Eingebundenheit der Lernenden. Dabei wird besonderen Wert auf einen reibungslosen Übergang und das Vermeiden von Störungen gelegt (Seidel, 2020, S. 128). Die letzte Basisdimension ist die konstruktive Unterstützung. Bei der konstruktiven Unterstützung geht es darum die Lernenden individuell zu unterstützen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel erläutert die Relevanz der Thematik vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels und definiert die Forschungsfrage bezüglich der optimalen Unterstützung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund.
2. Theoretischer Hintergrund, Bezugsrahmen und Stand der Forschung: Hier werden die etablierten Modelle der Unterrichtsqualität (Basisdimensionen) sowie Konzepte zum Umgang mit Heterogenität im schulischen Kontext wissenschaftlich fundiert dargestellt.
3. Ziele und Fragestellung: Das Kapitel konkretisiert die Teilziele der Forschung, die sich auf die Mikroebene des Unterrichts fokussieren, um spezifische Qualtitätskriterien zu identifizieren.
4. Methodik: Hier wird das qualitative Forschungsdesign dargelegt, welches problemzentrierte Interviews mit sechs Lehrenden nutzt, um Erkenntnisse zur Unterrichtsgestaltung zu gewinnen.
5. Die Ergebnisse der qualitativen Forschung: In diesem Kapitel werden die aus den Interviews extrahierten und inhaltsanalytisch ausgewerteten Daten systematisch präsentiert.
6. Die Diskussion: Die Ergebnisse werden mit dem theoretischen Forschungsstand verglichen, wobei spezifische Implikationen für die Praxis abgeleitet werden.
7. Die Schlussfolgerung: Das letzte Kapitel fasst die zentralen Erkenntnisse zusammen und beurteilt die Akzentuierungen der Basisdimensionen für Lernende mit Migrationshintergrund.
Schlüsselwörter
Unterrichtsqualität, Pflegeausbildung, Migrationshintergrund, Kognitive Aktivierung, Effektive Klassenführung, Konstruktive Unterstützung, Heterogenität, Qualitative Forschung, Lehrerperspektive, Bildungsprozesse, Scaffolding, Feedback, Inhaltsanalyse, Pflegepädagogik, Auszubildende
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Qualität von Unterricht für Auszubildende mit Migrationshintergrund in der Pflege und wie Lehrende diese Lernenden optimal unterstützen können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind Unterrichtsqualität, der Umgang mit Heterogenität im Klassenraum und die spezifischen Anforderungen an die didaktische Begleitung von Lernenden aus anderen Herkunftsländern.
Was ist das primäre Ziel der Forschungsfrage?
Ziel ist es zu ermitteln, welche Prozessmerkmale der Unterrichtsqualität erfüllt sein müssen, um die Bildungsprozesse dieser speziellen Zielgruppe effektiv zu fördern.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wurde ein qualitativer Forschungsansatz gewählt, der auf problemzentrierten Interviews mit sechs erfahrenen Pflegelehrenden basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Aufarbeitung der Basisdimensionen von Unterricht (Klieme-Modell) und eine empirische Analyse der Interviewergebnisse mittels qualitativer Inhaltsanalyse nach Mayring.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Unterrichtsqualität, Pflegeausbildung, Migrationshintergrund, Heterogenität und konstruktive Unterstützung sind die wesentlichen Begriffe.
Warum ist besonders die konstruktive Unterstützung in dieser Arbeit so wichtig?
Die Analyse zeigt, dass Lernende mit Migrationshintergrund oft einen höheren Bedarf an sozio-emotionaler Unterstützung haben, da sie sich häufiger zurückziehen oder unter Sprachbarrieren leiden.
Wie unterscheiden sich die Anforderungen in der Klassenführung?
Anstatt auf starre Regelsysteme zu setzen, zeigen die Ergebnisse, dass moderne Klassenführung bei dieser Zielgruppe eher durch ein unterstützendes Lernklima und eine wertschätzende Haltung geprägt sein sollte.
- Arbeit zitieren
- Tim Tübbing (Autor:in), 2023, Verständnisvolles Lernen von Auszubildenden mit Migrationshintergrund in der Pflege. Unterstützungsmöglichkeiten im Unterricht aus der Sicht von Lehrenden, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1358847