Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen

Die Geschichte seiner Person und der Planung eines „Patriarchats des Nordens“


Seminararbeit, 2004

14 Seiten


Leseprobe

Gliederung

Einleitung

Herkunft und Werdegang Adalberts

Adalberts Einbindung in die Politik Heinrichs III. in Sachsen

Der beginnende Herrschaftsausbau

Die Patriarchatspläne

Adalberts Wirken unter Heinrich IV

Niedergang und Wiederaufstieg

Quelle.

Literatur

Einleitung

Diese Arbeit stellt eine Zusammenfassung der bedeutendsten Ereignisse aus dem Leben des Erzbischofs Adalbert (~1000–1072) von Hamburg-Bremen dar. Der Untersuchungsschwerpunkt liegt dabei auf der Frage, welche machtpolitischen Voraussetzungen ihn planen ließen im Norden des Reiches ein kirchliches Patriarchat, bestehend aus einem Dutzend einzelner Bistümer, zu errichten. Die politisch-geographische Lage, in der sich Norddeutschland zu seiner Zeit befand, spielt dabei eine ebenso wichtige Rolle wie die Einbindung Adalberts in die wechselnden Macht-gefüge des Reiches und seiner Nachbarn im 11. Jahrhundert.

Die Grundlage zur Betrachtung seines Lebens und Wirkens bildet die durch den Geschichtsschreiber Adam von Bremen verfasste Geschichte der Hamburger Erzbischöfe „Gesta Hammaburgensis ecclesiae pontificium“. Das dritte Buch dieses Werkes stellt eine Art Biographie Adalberts mit teilweise tiefgehenden Charakterstudien dar. Adam spart hierin ebenso wenig mit Kritik am Lebenswandel Adalberts, wie mit der Bewunderung für dessen Leistungen.

Die umfangreichen Darstellungen des außergewöhnlichen persönlichen und politischen Werdegangs Adalberts können in dieser Arbeit nicht vollständig wiedergegeben werden. Verschiedene, oftmals persönliche Besonderheiten, Situationen und Personen im Leben dieses Erzbischofs, der es verstand das Angenehme mit dem Nützlichen zu verbinden, finden jedoch neben seiner machtpolitischen Entwicklung ihre Erwähnung.

Insbesondere seine umfangreichen Aktivitäten in der skandinavischen und slawischen Missionsarbeit sind unter Berücksichtigung des Untersuch-ungsschwerpunktes nur punktuell herausgearbeitet.

Herkunft und Werdegang Adalberts

Adalbert wurde um das Jahr 1000 als Sohn des Grafen Friedrich von Goseck bei Naumburg an der Saale geboren. Seine Mutter Agnes war die Tochter des Grafen Wilhelm II. von Weimar-Orlamünde.[1] Adalberts Bruder Dedo, der 1056 von einem Priester seiner Diözese erschlagen wurde, und Friedrich waren nacheinander Pfalzgrafen von Sachsen.[2] Die einzige Schwester heiratete den Grafen von Sommereschenburg.

In jungen Jahren wurde Adalbert in die Domschule von Halberstadt gegeben. Als der dortige Dompropst Hermann 1030 Erzbischof von Hamburg-Bremen wurde, machte er Adalbert zu seinem Subdiakon. Adam von Bremen beschreibt ihn zu diesem Zeitpunkt bereits als einen „unheimlichen Redner mit einem überheblichen Auftreten“.[3] Nach dem Tode Hermanns im Jahr 1032 kehrte Adalbert nach Halberstadt zurück und erlangte dort später das Amt des Dompropstes.

Anfang Mai 1043 wird er in Aachen unter Teilnahme König Heinrichs III., der Reichsfürsten und zwölf Bischöfen zum Bischof ordiniert.[4] Der vorheri-ge Bischof des Erzstiftes Hamburg-Bremen, Bezelin, verstarb am 15. April 1043. Aufgrund der kurzen Zeitspanne zwischen Bezelins Tod und der Einsetzung Adalberts kann man vermuten, dass Adalbert bereits als Dompropst am Hofe Heinrichs III. bekannt war. Es wird sogar davon ausgegangen, dass Adalbert bereits der Hofkapelle angehört habe.[5]

Der Werdegang Adalberts ist typisch für viele deutsche Erzbischöfe seiner Zeit. Sie entstammten hochadeligen Familien, waren vor ihrer Ordination als Pröpste eingesetzt, und der Dienst am Hof als Kanzler oder Kapellan, der auch für Adalbert angenommen wird, war die gängige Vorstufe für das Bischofsamt.[6]

Adalberts Einbindung in die Politik Heinrichs III. in Sachsen

Die Regentschaft Heinrichs III. (1039-1056) war eine unruhige Zeit für das Reich. Zunehmende Kritik an Missständen in der Kirche führte im Laufe dieser Zeit zu einer grundlegenden Reformbewegung in fast ganz Europa. Diese richtete sich insbesondere gegen die Verweltlichung des Klerus, welcher sich die Güter der Kirche aneignete, ohne seinen geistlichen Pflichten in ausreichendem Maße nachzukommen.

Geistige Wegbereiter dieser Kirchenreform waren die strengreligiösen Reformklöster mit Cluny an ihrer Spitze.[7]

Der von dieser Zeitströmung einer ernsthaften Frömmigkeit erfasste Heinrich III. förderte die Bewegung und bekämpfte mit Nachdruck die ent-sprechenden Unsitten, wie den Ämterkauf (Simonie) und die Priesterehe (Nikolaitismus). Diesbezüglich ist anzunehmen, dass seine Beliebtheit in den traditionellen Kreisen der Kirche durch diese Maßnahmen nicht gerade gesteigert wurde. Heinrich heiratete 1043 in zweiter Ehe Agnes von Poitou und Aquitanien. Agnes stammte aus genau dem Herzogshaus, welches das burgundische Reformkloster Cluny gestiftet hatte. Dieser Umstand wirkte sich in jener Zeit wahrscheinlich sehr vorteilhaft auf Heinrichs frommen Reformwillen aus.[8]

In herrschaftlicher Hinsicht machte Heinrich III. das traditionelle Selbstver-ständnis des hohen Adels zu schaffen. Diese sahen in ihm eine Kon-kurrenz für ihre eigene Herrschaftsausübung. Dadurch kam es im Laufe seiner Regierung insbesondere mit verschiedenen Herzögen zu einer starken politischen Auseinandersetzung.[9]

Von den Herzögen in Sachsen[10], den Billungern wurde der neue Erz-bischof als Spion Heinrichs und zunehmend als Rivale bei ihren eigenen Plänen einer Güterexpansion gesehen.[11] Adam berichtet diesbezüglich, dass Herzog Bernhard Billung (1011–1059) oft erklärte, er und seine Söhne „würden dafür sorgen, dass Adalbert nicht einen guten Tag in seinem Bistum erleben wird“.[12]

Es ist möglich, dass Adalbert tatsächlich ursprünglich mit einem speziellen Auftrag, nämlich den Billungern politisch entgegenzuwirken als Erzbischof eingesetzt worden war.

Aufgrund seiner späteren Ratgeberfunktion am Hofe kann eine gewisse Vertrauensstellung zu Heinrich III. angenommen werden.[13]

Der beginnende Herrschaftsausbau

Die Vorstellungen Adalberts gingen von Anfang an dahin, die herrschaft-liche Stellung seines Bistums und somit auch seiner eigenen Person auszubauen. Er wollte nach dem Vorbild des Bischofs von Würzburg handeln, der alle Grafschaften seines Sprengels selbst besaß und dazu noch das Herzogtum des Landes verwaltete. Hierzu fasste Adalbert den Plan, alle Grafschaften seiner Diözese, denen Gerichtsrechte zustanden, unter die Gewalt seiner Kirche zu bringen.[14]

Auf der an Weihnachten 1046 stattgefundenen Kirchenversammlung in Rom, welche im Anschluss an die Synode von Sutri abgehalten wurde, verzichtete Adalbert, der sich dort im Gefolge Heinrichs III. befand, auf seine vorgesehene Ernennung zum Papst. Er tat dies zugunsten des aus sächsischem Adel stammenden Bischofs Suidger von Bamberg (Papst Clemens II.). Zuvor hatte Heinrich die drei gleichzeitig um den Stuhl konkurrierenden Päpste Gregor VI., Silvester III. und Benedikt IX. absetzen lassen.[15]

Es wird vermutet, dass Suidger ein Bekannter Adalberts aus dessen Zeit in Halberstadt war. Adalberts Ausschlagen der an ihn herangetragenen Papstwürde passt hierbei nicht gleich in das sonst überlieferte Charak-terbild dieses ehrgeizigen Mannes. Hintergrund der Entscheidung war, dass er zum einen die große Bedeutung seines Erzbistums für das Reich erkannt hatte und sich an die ihm hier gestellte Aufgabe gebunden fühlte.[16] Zum anderen sah er wohl in Anbetracht des Mangels an realer Macht des Papsttums dieser Zeit, in seinem bestehenden Amt die aussichtsreichere politische Position.

In dem Handeln des neuen Papstes Clemens II. wurde zudem auch dessen ausdrücklich Verbundenheit gegenüber seinen Fürsprechern unmittelbar deutlich. Noch während des Weihnachtsfestes 1046 krönte er Heinrich III. zum Kaiser. Vier Monate später im April 1047 bestätigte Clemens II. dem Erzbischof Adalbert und seinen Nachfolgern dessen gesamten kirchlichen Besitzstand, sowie die Oberhoheit über die Bischöfe der Schweden, Dänen und im Gebiet von der Nordelbe bis zur Peene und Eider. Außerdem wurde die Untrennbarkeit der Diözesen Hamburg und Bremen bestätigt, ebenso wie das Recht zur Bischofsweihe in seiner ganzen Kirchenprovinz. Adalbert wurde die Trageerlaubnis der entsprech-enden kirchlichen Machtinsignien erteilt, und die Bischöfe von Halberstadt, Hildesheim, Paderborn, Minden und Verden wurden zusätzlich dazu bestimmt die Hamburger Mission zu unterstützen.[17]

Adalberts Entscheidung gegen die eigene Person und stattdessen für einen ihm wohlgesonnenen Mann auf dem Papststuhl hatte sich somit bereits nach kürzester Zeit machtpolitisch für ihn ausgezahlt.

Durch den frühen Tod Clemens` II. nach weniger als einem Jahr im Amt und die auffallend kurzen Pontifikate von vier weiteren deutschen Päpsten innerhalb der nächsten elf Jahre, erwies sich der Amtsverzicht für Adalbert wohl auch in „gesundheitlicher Hinsicht“ als die richtige Entscheidung.[18]

Adalberts Machtexpansion setzte sich noch im gleichen Jahr in Friesland fort. Im Sommer 1047 wurde König Heinrich III. von Erzbischof Adalbert in die Propstei Lesum[19] bei Bremen eingeladen, um dort vorgeblich mit dem König von Dänemark zu verhandeln. In Wirklichkeit, so beschreibt es Adam, wollte Adalbert damit die Zuverlässigkeit der sächsischen Herzöge auf die Probe stellen.[20]

Während des Besuches übertrug der König der bremischen Kirche die Anwartschaft auf die Grafschaft in den friesischen Gauen Fivelgo und Hunesgo. Vollständig verwirklicht wurde diese Schenkung dann zehn Jahre danach durch König Heinrich IV.

Bei der Abreise Heinrichs III. aus Lesum erbrachte Adalberts „Treuetest“ ein deutliches Ergebnis. Graf Thietmar, ein Bruder Bernhard Billungs, versuchte einen Mordanschlag auf den König, der jedoch durch die Wach-samkeit Adalberts verhindert wurde. Dieses Ereignis verstärkte einerseits die enge Verbindung zwischen Heinrich III. und Adalbert, andererseits aber auch den Hass der Billunger Herzöge auf den Erzbischof.[21]

[...]


[1] Seegrün, Theologische Realenzyklopädie, „Adalbert von Hamburg-Bremen“,
Bd. I, Berlin 1977, S.407

[2] Adam Bremensis, Gesta Hammaburgensis ecclesiae Pontificium. Darmstadt 1974,
III, 56 (55)

[3] Adam, II, 68 (66)

[4] Adam, III, 1

[5] Jordan, Lexikon des Mittelalters. „Adalbert“, Bd. I, Zürich-München 1999, Sp. 97

[6] Glaeske, Die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen als Reichsfürsten (937-1258), Quellen
und Darstellungen zur Geschichte Niedersachsens, Bd. 60, Hildesheim 1962, S.57

[7] Müller, Helmut, Schlaglichter der deutschen Geschichte. Leipzig-Mannheim 2002, S.47

[8] Fuhrmann, Horst, Deutsche Geschichte im hohen Mittelalter. Von der Mitte des 11. bis
zum Ende des 12. Jahrhunderts, Deutsche Geschichte, Bd. 2, Göttingen 1978, S.54

[9] Im Hinblick auf den Wirkungsbereich Adalberts, wird aus der Menge der innerdeutschen
Adelsopposition besonders das Verhältnis zu den sächsischen Herzögen näher in
dieser Arbeit untersucht. (Anm.d.Verf.)

[10] Der Titel lautet nicht „von“ Sachsen, da eine förmliche Übertragung der Herzogswürde
nicht stattgefunden hatte. (Anm.d.Verf.)

[11] Seegrün, Theologische Realenzyklopädie, „Adalbert von Bremen“ S.407;
Fuhrmann, Deutsche Geschichte im hohen Mittelalter, S.55

[12] Adam, III, 5

[13] Adam, III, 31 (30)

[14] Adam, III, 46 (45)

[15] Fuhrmann, Deutsche Geschichte im hohen Mittelalter, S.57; Adam, III, 7

[16] Glaeske, Die Erzbischöfe von Hamburg-Bremen als Reichsfürsten, S. 61

[17] May, Otto Heinrich, Regesten der Erzbischöfe von Bremen. Bd. I (787-1306),
Hannover 1937, 230

[18] Fuhrmann, Deutsche Geschichte im hohen Mittelalter. S. 58; Die Gerüchte, es sei beim
Ableben der dt. Päpste nicht alles mit rechten Dingen zugegangen kamen unmittelbar
auf. Eine 1942 in Bamberg vorgenommene Exhumierung der Knochen Clemens`II.
ergab einen hohen Bleigehalt und verstärkte den ursprünglichen Verdacht einer
möglichen Vergiftung. (Anm.d.Verf.)

[19] Den Namen Lesum trägt heute noch ein Stadtteil am gleichnamigen Weserzufluss im
Norden von Bremen. (Anm.d.Verf.)

[20] Adam, III, 8

[21] Adam, III, 8; May, Regesten der Erzbischöfe von Bremen. Bd. I, 231, 250

Ende der Leseprobe aus 14 Seiten

Details

Titel
Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen
Untertitel
Die Geschichte seiner Person und der Planung eines „Patriarchats des Nordens“
Hochschule
Westfälische Wilhelms-Universität Münster  (Historisches Seminar)
Veranstaltung
„Bischofstädte zwischen Rhein und Elbe“
Autor
Jahr
2004
Seiten
14
Katalognummer
V135908
ISBN (eBook)
9783640445608
ISBN (Buch)
9783640445271
Dateigröße
453 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Erzbischof, Adalbert, Hamburg-Bremen, Geschichte, Person, Planung, Nordens“
Arbeit zitieren
Studienrat Andreas Büter (Autor), 2004, Erzbischof Adalbert von Hamburg-Bremen, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135908

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