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Die Gesellschaft in Fontanes "Effi Briest"

Ein sozialgeschichtlicher Ansatz

Titel: Die Gesellschaft in Fontanes "Effi Briest"

Bachelorarbeit , 2020 , 36 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Sarah Hagenauer (Autor:in)

Germanistik - Neuere Deutsche Literatur
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Manifestation des Bösen in der Gesellschaft in Fontanes Roman „Effi Briest“. Dabei soll zu Beginn eine übersichtliche Auskunft über das Wesen und die Funktion des Gesellschaftsromans gegeben werden. Darüber hinaus sollen unterschiedliche Aspekte der Frauenproblematik wiedergegeben und analysiert werden. Mit dieser Arbeit soll jenes Ziel verfolgt werden, die Infantilisierung der Frau in ihrer Ausprägung im 19 Jahrhundert korrekt wiederzugeben und die Verbindung zur Titelheldin Effi Briest herzustellen. Um die eigene These begründen zu können, soll die vorherrschende Gesellschaftsstruktur des 19. Jahrhunderts auf thematisch-inhaltlicher Ebene kritisch beleuchtet werden, um schlussendlich die Gesellschaft selbst als böse Instanz anzuerkennen.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Wesen und Funktion des Gesellschaftsromans

2.1 Effi Briest als Gesellschaftsroman

2.2 Definition des Bösen mit besonderer Berücksichtigung der Moralvorstellung der Gesellschaft

2.3 Die Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts als böse Instanz

3 Die Frauenproblematik im Gesellschaftsroman

3.1 Situation der Frau in der Familie des 19. Jahrhunderts

3.2 Infantilisierung der Frau: Die Ehefrau als wesentlicher Besitz des Mannes

3.3 Gesellschaftliche Stellung vor Mutterliebe

3.4 Das Frauenbild bei Barbara Duden

3.5 Kritik an der patriarchalen Machtstruktur

3.6 Opfer der Gesellschaft

4 Die Rolle von Effi Briest in der bürgerlichen Gesellschaft

4.1 Die Rolle als Kind

4.2 Die Rolle in der Natur

4.3 Die Rolle als Ehefrau

5 Ehebruchskandale: Weiterführende Überlegungen zu Effi Briest, Emma Bovary und Anna Karenina

5.1 Vergleich der Werke

5.2 Das Natur- und Objektmotiv

5.3 Gründe des Ehebruchs

5.4 Der Tod der Protagonistinnen

5.5 Conclusio des Vergleichs

6 Resümee

Zielsetzung & Themen

Die Bachelorarbeit untersucht die Manifestation des Bösen in der Gesellschaft des 19. Jahrhunderts anhand von Theodor Fontanes Roman „Effi Briest“. Dabei wird kritisch analysiert, wie gesellschaftliche Normen, patriarchale Strukturen sowie die Infantilisierung und Einschränkung der Frau in der Ehe zur Zerstörung der Protagonistin führen und ob die Gesellschaft selbst als böse Instanz wahrgenommen werden kann.

  • Wesen und Funktion des Gesellschaftsromans im 19. Jahrhundert
  • Analyse der Frauenproblematik und der patriarchalen Machtstrukturen
  • Die Rolle von Effi Briest als Kind, Naturwesen und Ehefrau
  • Vergleich mit den Ehebruchsromanen „Madame Bovary“ (Flaubert) und „Anna Karenina“ (Tolstoi)
  • Definition des Bösen im Kontext gesellschaftlicher Moralvorstellungen

Auszug aus dem Buch

3.2 Infantilisierung der Frau: Die Ehefrau als wesentlicher Besitz des Mannes

Schon Aristoteles war der Ansicht, dass das Weib nur dadurch Weib ist, dass ihm bestimmte Eigenschaften fehlen und man folglich „das Wesen der Frau als etwas natürlich Mangelhaftes sehen müsse.“ Die Einschätzung des Mannes gibt in gemeinschaftlichen Angelegenheiten stets den Ton an. So hält sich Innstetten selbst aufgrund einer Aussage von der Frau von Padden, welche Innstetten auffordere Effi gut zu hüten, mehr für einen „Erzieher“ als für einen „Ehemann“. Dies offenbart einerseits die Zwangslage der Frau, die aus der männlichen Erziehung kaum zu entkommen vermag, stellt jedoch auch für den Mann gesellschaftliche Vorschriften auf. Das Leben ist sozusagen innerhalb der Gesellschaft vorgesehen, doch außerhalb der Normen unmöglich. Die Erziehungsgewalt liegt somit zu Beginn noch beim Vater, wird aber nach der Verheiratung sofort dem Ehemann übergeben. Dieser Umstand der Bevormundung führt dazu, dass die Ehefrau als geistig unselbstständiges Individuum hervortritt.

Die gesellschaftliche Stellung der Frau wurde schon von Zeitgenossen Fontanes analysiert und es entwickelte sich nach und nach ein Umdenken. Die Frau ist das, wozu der männliche (Be-) Herrscher sie macht, nämlich indem dieser auch Erziehungsmaßnahmen gegenüber seiner Ehefrau ergreifen kann. Bei der Ausbildung wird zusätzlich ein zu großer Unterschied zwischen dem männlichen und dem weiblichen Geschlecht gemacht. Während beim Mann der Verstand gefördert wird, muss sich die Frau mit der Ausbildung des Gemüts begnügen. Das führt zu der heiklen Lage, dass die Ehefrau als Unwissende in vielen Bereichen gegenüber ihrem Ehemann besteht. Der Wissensbestand von Effi ist aufgrund ihrer schlechten Ausbildung und ihres jungen Alters gegenüber Innstettens enorm groß und die Beiden stehen sich daher von Anfang an nicht ebenbürtig gegenüber.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Die Arbeit führt in die Fragestellung ein, wie soziale Normen Fontanes Protagonistin Effi Briest beeinflussen und ob die Gesellschaft für ihr Scheitern verantwortlich gemacht werden kann.

2 Wesen und Funktion des Gesellschaftsromans: Dieses Kapitel definiert den Gesellschaftsroman des 19. Jahrhunderts, diskutiert das Böse unter dem Aspekt gesellschaftlicher Moralvorstellungen und beleuchtet Rousseau’sche Theorien zur Gesellschaftsordnung.

3 Die Frauenproblematik im Gesellschaftsroman: Es wird die Situation der Frau im 19. Jahrhundert analysiert, insbesondere die Infantilisierung und die patriarchale Machtstruktur, welche die Frau in eine Zwangslage versetzen.

4 Die Rolle von Effi Briest in der bürgerlichen Gesellschaft: Dieses Kapitel betrachtet spezifische Rollenbilder: Effi als Kind, als Naturwesen sowie als Ehefrau, und wie diese durch gesellschaftliche Regeln instrumentalisiert werden.

5 Ehebruchskandale: Weiterführende Überlegungen zu Effi Briest, Emma Bovary und Anna Karenina: Ein vergleichender Blick auf europäische Ehebruchsromane zeigt Parallelen in der gesellschaftlichen Ausgrenzung der Protagonistinnen sowie in der Objektivierung und der Rolle von Requisiten wie der Kutsche.

6 Resümee: Die Arbeit schließt mit dem Fazit, dass die Gesellschaft als "böse Instanz" durch ihre Unterdrückung von Frauenfiguren fungiert und das Werk eine fundamentale Kritik am damaligen Patriarchat übt.

Schlüsselwörter

Effi Briest, Theodor Fontane, Gesellschaftsroman, 19. Jahrhundert, Patriarchat, Ehebruch, Infantilisierung, Moralvorstellung, Rousseau, Frauenproblematik, Sozialisation, Gesellschaftskritik, Unterdrückung, Literaturwissenschaft, Realismus

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert kritisch das Schicksal der Romanfigur Effi Briest vor dem Hintergrund der Gesellschaftsstrukturen und moralischen Erwartungen des 19. Jahrhunderts.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zentrale Themen sind die Frauenproblematik, das patriarchale Machtverhältnis in der Ehe, das Verhältnis von Individuum und Gesellschaft sowie die Definition des Bösen als soziales Konstrukt.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Ziel ist es zu belegen, dass die Gesellschaftsordnung des 19. Jahrhunderts als „böse Instanz“ fungierte, die Effi Briest in eine ausweglose Zwangslage brachte und so zum Ehebruch und Untergang der unverstandenen jungen Frau beitrug.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit stützt sich auf eine sozialgeschichtliche literaturwissenschaftliche Methode, welche literarische Texte als Reflexion der sozialen Wirklichkeit begreift.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung des Gesellschaftsromans, eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Rollenbildern der Frau und einen komparatistischen Vergleich mit Werken von Flaubert und Tolstoi.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Essentielle Begriffe sind Effi Briest, Ehebruch, Patriarchat, Gesellschaftskritik, Moralvorstellung und Infantilisierung.

Welche Rolle spielt die Schaukel-Symbolik für Effis Charakter?

Die Schaukel symbolisiert sowohl die kindliche Ungezwungenheit ihrer verlorenen Jugend als auch die Zerbrechlichkeit ihrer Existenz sowie die Last der Schuld unter der gesellschaftlichen Norm.

Inwiefern unterscheidet sich der Ehebruch bei Effi Briest von Anna Karenina?

Während Effis Fall primär durch soziale Zwänge, Konventionen und eine unbewusste Sozialisation determiniert ist, findet der Ehebruch bei Tolstois Anna Karenina explizit aus einer selbstbestimmten Liebesbeziehung heraus statt.

Ende der Leseprobe aus 36 Seiten  - nach oben

Details

Titel
Die Gesellschaft in Fontanes "Effi Briest"
Untertitel
Ein sozialgeschichtlicher Ansatz
Hochschule
Pädagogische Hochschule Oberösterreich  (Neuere Deutsche Literatur)
Veranstaltung
Pädagogische Hochschule Linz
Note
1,0
Autor
Sarah Hagenauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2020
Seiten
36
Katalognummer
V1359087
ISBN (PDF)
9783346877413
ISBN (Buch)
9783346877420
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Effi Briest Theodor Fontane Frauengeschichte
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Sarah Hagenauer (Autor:in), 2020, Die Gesellschaft in Fontanes "Effi Briest", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359087
Blick ins Buch
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Leseprobe aus  36  Seiten
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