Orna Donaths „Regretting Motherhood“, veröffentlicht in 2015, hat in den letzten Jahren viel Aufmerksamkeit und Diskussionen auf der ganzen Welt erregt. Die israelische Soziologin und Feministin untersucht in ihrem Buch das Tabu-Thema, dass es Frauen gibt, die das Muttersein bereuen. Hierfür hat sie Interviews mit 23 israelische Frauen geführt, die über ihre negativen Erfahrungen mit dem Mutterdasein sprechen. Hierbei stand die konzeptualisieren der Mutterschaft im Fokus, das Paradigma der „guten Mutter“ soll in Frage gestellt werden.
Orna Donath hat wissenschaftlich untersucht, wie die Mutterschaft in westlichen Gesellschaften konstruiert wird. Dabei hat sie festgestellt, dass Mutterschaft sowohl kulturell als auch ideologisch und historisch geprägt ist. Zudem ist in unserer Gesellschaft oft eine Gleichsetzung von "Weiblichkeit" und "Mutterschaft" zu beobachten, die sich über verschiedene soziale Klassen, ethnische Gruppen und Geschlechter hinweg erstreckt.
Donaths Veröffentlichung hat international viele Diskussionen entfacht und diverse Kritik, sowohl positive als auch negative, hervorgerufen. Nachdem Orna Donaths Arbeit und damit auch der Inhalt des Referats dargestellt wurde, soll der Begriff der Mutterschaft diskutiert und auch auch die die Kritik an Donath präsentiert werden, gefolgt von einem Fazit.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Orna Donath „Regretting Motherhood - A Sociopolitical Analysis“
2.1 Die soziale Dimensionen des Bereuens
2.2 Reproduktionspolitik und Mutterrolle in Israel, gesellschaftlicher und politischer Einfluss
2.3 Ambivalenzen innerhalb der Mutterschaft
2.4 Machtsysteme, Mutterschaft und Mutterliebe
3. Der Begriff der Mutterschaft
3.1 Mutterschaft nach Orna Donath
3.2 Weitere Definitionen der Mutterschaft
4. Internationale Kritiken auf „Regretting Motherhood“
4.1 Positive Kritik
4.2 Negative Kritik
4.2.1 Inhaltliche Kritik
4.2.2 Formale Kritik
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich kritisch mit dem Werk „Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis“ von Orna Donath auseinander, um das gesellschaftlich tabuisierte Phänomen des Bereuens der Mutterschaft sowie die damit verbundenen Konstruktionen von „Weiblichkeit“ und „Mutterschaft“ zu beleuchten.
- Analyse der soziopolitischen sowie psychologischen Dimensionen von Mutterschaftsreue.
- Untersuchung der institutionellen und gesellschaftlichen Einflüsse auf die Mutterrolle (insb. in Israel und Deutschland).
- Diskussion verschiedener Definitionen von Mutterschaft jenseits biologischer Rollenbilder.
- Darstellung und Evaluation internationaler positiver wie negativer Kritik an Donaths Forschungsmethodik und Thesen.
Auszug aus dem Buch
2.3 Ambivalenzen innerhalb der Mutterschaft
Unter der mütterlichen Ambivalenz wird die Koexistenz von Liebe und Hass innerhalb der Mutterschaft verstanden. Diese zeigt sich durch gegensätzliche Beschreibungen der Erfahrung Mutterschaft. Angesprochen werde beispielsweise „schöne Sachen aber auch Probleme“ oder „Verlust und Gewinn“. Würden Mütter vor die Wahl gestellt, auch diese die die Mutterschaft bereuen, so würden sie letztendlich trotzdem die Mutterschaft wählen.
Das Bereuen verläuft in zwei Stufen, so Donath. Die erste Stufe ist hierbei selbst-erkannt und selbst-reflektiert. Es ist also ein unabhängiges Urteil der Mutter. Erst in Stufe zwei Vergleicht sie sich mit der Vorstellung der Gesellschaft, ihrer eigenen Vorstellung und den Erfahrungen anderer Mütter. Das Bereuen passiert letztendlich durch das Verfehlen der eigenen und fremden Erwartungen und „Was wäre wenn“-Gedanken. Mütter fragen sich, ob sie ohne Kind glücklicher wären. Allerdings schildern viele Mütter, wie sie nun ohne die Mutterschaft eine leere verspüren würden. Diese kann aber nur mit dem aktuellen Wissen über das Leben mit Kind verspürt werden. Hätten sie diese Erfahrung nie gemacht, so würden sie auch dieses Gefühl nicht kenne. Mütter beschreiben den Übergang zur Mutterschaft als automatisch, nicht komplett oder ohne die Konsequenzen abzuwägen.
Teil der Ambivalenz ist außerdem die Unterscheidung zwischen dem Objekt, dem Kind und der Erfahrung, der Mutterschaft. So empfinden bereuende Mütter meist Liebe zu ihrem Kind, aber Hass zu der Erfahrung der Mutterschaft. So schildert eine Mutter: “I regret having had children and becoming a mother, but I love the children that I’ve got. […] If I regretted it then I’d not want them to be here. But I wouldn’t want them not to be here, I just don’t want to be a mother.” Gründe hierfür sind der verspürte Verlust des eigenen, selbstgesteuerten Lebens, aber auch fehlender (emotionaler) Bezug zur Rolle.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in Orna Donaths Werk ein und stellt das Ziel der Arbeit dar, das Tabuthema des Bereuens von Mutterschaft wissenschaftlich im Kontext westlicher Gesellschaften zu betrachten.
2. Orna Donath „Regretting Motherhood - A Sociopolitical Analysis“: Das Kapitel analysiert Donaths soziologische Perspektive auf Reue als dialektischen Prozess, die Bedeutung von Machtsystemen und die Rolle der Reproduktionspolitik, besonders unter Bezugnahme auf Israel.
3. Der Begriff der Mutterschaft: Hier wird Mutterschaft von Donath als sozial konstruierte Rolle definiert und durch weitere, teils biologische oder rechtliche Definitionsansätze ergänzt, um ein breiteres Verständnis zu ermöglichen.
4. Internationale Kritiken auf „Regretting Motherhood“: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der positiven Resonanz und der Rezeption der Thematik in sozialen Medien mit einer fundierten inhaltlichen und formalen Kritik an Donaths methodischem Ansatz.
5. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Donath trotz methodischer Mängel das Paradigma der „guten Mutter“ erfolgreich dekonstruiert und einen wichtigen Diskurs über gesellschaftliche Erwartungshaltungen angestoßen hat.
Schlüsselwörter
Regretting Motherhood, Mutterschaft, Mutterrolle, Reue, Soziopolitische Analyse, Weiblichkeit, Geschlechterrollen, gesellschaftliche Erwartungen, Reproduktionspolitik, Mutterschaftsdebatte, qualitative Studie, westliche Gesellschaften, Mutterliebe, Identität, Soziologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht kritisch Orna Donaths soziopolitische Analyse „Regretting Motherhood“, die das Tabu thematisiert, dass Frauen ihre Entscheidung Mutter zu sein, bereuen können.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die soziale Konstruktion von Mutterschaft, das Spannungsfeld zwischen individueller Erfahrung und gesellschaftlichen Erwartungshaltungen sowie die psychologische Ambivalenz der Mutterrolle.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, Donaths Arbeit darzustellen, zu kontextualisieren und eine kritische Diskussion sowohl über ihre Thesen als auch über die internationale internationale Aufnahme ihrer Forschung zu führen.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?
Die Arbeit basiert auf einer Literatur- und Quellenanalyse der ursprünglichen Studie von Orna Donath sowie einer Auswertung der darauffolgenden internationalen fachwissenschaftlichen und journalistischen Debatte.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die inhaltliche Auseinandersetzung mit Donaths zentralen Thesen (wie Reue-Prozessen und Machtsystemen), eine philosophische und rechtliche Begriffsklärung von Mutterschaft sowie eine kritische Reflexion der positiven und negativen internationalen Rezeption.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben „Regretting Motherhood“ prägen Begriffe wie „Mutterschaft“, „Reue“, „gesellschaftliche Erwartungen“, „Weiblichkeit“ und „Diskurs“ die Arbeit maßgeblich.
Warum spielt der geografische Kontext Israels eine Rolle?
Israel wird als Ausgangspunkt der Studie betrachtet, da die dortige Mutterrolle durch kulturelle, religiöse und geschichtliche Narrative (insb. Holocaust) besonders stark politisiert und idealisiert ist.
Welche methodische Kritik wird an Donaths Studie geübt?
Kritiker monieren vor allem die mangelnde Repräsentativität der Stichprobe von 23 Frauen sowie die wissenschaftliche Validität der Publikation, die teilweise als eher aktivistisch denn als rein empirisch-soziologisch eingestuft wird.
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- Anonym (Autor), 2023, Eine kritische Betrachtung Orna Donath’s "Regretting Motherhood: A Sociopolitical Analysis" und dem Begriff der Mutterschaft, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359140