Soziale Konditionierung als Einschränkung. Selbstreflexion als Methode zur Individualisierung der Persönlichkeit


Ausarbeitung, 2023

28 Seiten


Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

Einleitung

1. Soziale Konditionierung
1.1. Rollenartiges Benehmen
1.2. Kulturspezifische Persönlichkeit

2. Selbstreflektiertes und bewusstes Sein
2.1. Bewusstsein – Über Denken, Handeln und Fühlen
2.1.1. Bewusstsein – Über die Stimmen im Kopf
2.1.2. Bewusstsein – Über das Ego
2.2. Bewusstsein als Sein – Distanz zur eigenen Identität

3. Bewusst unterbewusst
3.1. Gefühle als Sprache des Unterbewusstseins
3.2. Intuitives Entscheiden
3.2.1. Intuitives Entscheiden – Der Gefühlskompass

Fazit

Querverweise

Literaturverzeichnis

Einleitung

Dieser Artikel thematisiert die Einschränkung der Persönlichkeitsentwicklung, Authentizität und Individualität durch gesellschaftliche Normen und gewisse Eigenarten unserer Psyche und stellt Lösungsansätze für diese Problematik vor. Anhand der struktur-funktionalen Systemtheorie und des Habituskonzepts zeigt er im ersten Kapitel auf, wie die Gesellschaft unsere Persönlichkeit formt, ohne, dass wir uns dessen bewusst sind. Das zweite Kapitel stellt dann die Selbstobjektivation als geeignete Methode zur „Bewusstwerdung“([24]) über sein eigentliches Selbst vor. Hierzu beschreiben die Abschnitte 2.1.1. und 2.1.2. aus einem evolutionsbiologisch-entwicklungspsychologischen Ansatz heraus, wie unsere menschliche Natur unterbewusst Einfluss auf unsere Persönlichkeit nehmen kann. Abschnitt 2.1.2. stellt dabei einen Exkurs über meine Theorie des Egos dar, welches aufgrund seines realitätsverzerrenden und moralschädigenden Einflusses besonderer Aufmerksamkeit bedarf. Im dritten Kapitel wird die Sprache des Unterbewusstseins vorgestellt und erklärt, wie man sie wahrnehmen und nutzen kann. Einerseits dazu, um sein eigenes Unterbewusstsein kennenzulernen und dadurch sein Bewusstsein über sich selbst grundlegend zu erweitern. Andererseits, um auf seine unterbewusste Wahrnehmung und dadurch auch die verblüffenden Fähigkeiten seiner Intuition zugreifen zu können.

Mit dieser Arbeit möchte ich zum Nachdenken anregen: Über gesellschaftlichen Einfluss und Manipulation, Subjektivität und Wertung, Authentizität und Angepasstheit und Verwirklichungsmöglichkeiten durch „Bewusstwerdung“ (vgl. ebd.). Generell hoffe ich, dass ich mit meinen Schriftwerken dabei helfen kann zu verstehen, wie unser Verstand funktioniert, damit wir dieses Wissen dazu nutzen können, um mit uns selbst und anderen besser umgehen zu können.

Hinweise: Diese Arbeit versucht grundlegende Theorien über den Aufbau und die Funktionsweise des menschlichen Seins aufzustellen und wissenschaftlich zu fundieren. Deswegen ist sie sachlich gehalten und erfordert beim Lesen vielleicht etwas Geduld. Soll sie den Anforderungen einer wissenschaftlichen Arbeit vollends gerecht werden, sollte man die Seite 12 sowie die Abschnitte 2.1.1., 2.1.2. und 3.2.1. jedoch nicht dazuzählen, da diese im Wesentlichen eigene, frei aus mir heraus geschriebene Theorien vorstellen, deren Behauptungen und Zusammenhänge nur teilweise belegt sind. In dieser Arbeit wurde nicht gegendert.

1. Soziale Konditionierung

1.1. Rollenartiges Benehmen

Für seine Untersuchung der Sozialisation erschienen Dr. Peter Zimmermann1 vier soziologische Theorien als hilfreich, die er in seinem Buch „Grundwissen Sozialisation“ vorstellt([1]). Unter ihnen ist die struktur-funktionale Systemtheorie, mit Dr. Talcott Parsons2 als Hauptvertreter (vgl. ebd.). Niklas Luhmann3 schrieb einst: „Menschen werden geboren. Personen entstehen durch Sozialisation und Erziehung“([2]). In der struktur-funktionalen Systemtheorie ist Sozialisation im Grunde das Verinnerlichen von gesellschaftlich akzeptierten Handlungs- und Verhaltensweisen([3]), deren Einhaltung vor allem in professionellen Sozialbeziehungen (Lernende zu Lehrkräften, Angestellte zu Vorgesetzten etc.) verbindlich erwartet wird([4]). Deswegen muss man sich in persönlichen Sozialbeziehungen (Familienverhältnisse, Freundschaften oder Partnerschaften) meist rechtfertigen, wenn man sich verschließen und seinem Gegenüber etwas vorenthalten möchte, während man sich in professionellen Sozialbeziehungen rechtfertigen muss, wenn man zu persönlich wird oder sich anderweitig über die üblichen Handlungs- und Verhaltensweisen hinwegzusetzen versucht([5]). Fällt ein Gesellschaftsmitglied so aus seiner sozialen Rolle4 , indem es z.B. im Umgang mit seinen Vorgesetzten zu ungehalten ist, kann es mit diesem unangemessenen Verhalten auf schädlichen Widerstand aus der Gesellschaft treffen([6]). Dieser Widerstand kann sich z.B. in Form von Ausgrenzung äußern([7]) und ist im Umfang natürlich situationsabhängig. Verhalten, dass von der Norm abweicht, trifft in der Gesellschaft also häufig auf Ablehnung, welche eine bestrafende Funktion hat. Den Vorlesungsfolien von Prof. Dr. Mirjam Ebersbach5 folgend, handelt es sich hierbei also um eine operante Konditionierung des Menschen durch die Gesellschaft: Das Auftreten norm alen Verhaltens wird durch Belohnung (gesellschaftliche Akzeptanz) oder dem Ausbleiben von Bestrafung (gesellschaftliche Ablehnung) nachhaltig gefördert, wohingegen das Aufkommen abweichenden Verhaltens durch Bestrafung oder dem Ausbleiben von Belohnung unwahrscheinlicher gemacht wird([8]). Gesellschaftskonformes Verhalten wird auf diese Weise „antrainiert“: Man lernt sich situationsentsprechend und rollenspezifisch zu „benehmen“.

Doch wie sehr sind wir uns dieses „Benehmens“ wirklich bewusst?

1.2. Kulturspezifische Persönlichkeit

Noch eine von Zimmermann aufgeführte soziologische Theorie ist das Habituskonzept des französischen Soziologen Pierre Bourdieu([9]). Dabei beschreibt Zimmermann den Habitus nach Bourdieu als Aneignung eines „Lebensstils“, der für bestimmte gesellschaftliche Kreise typisch ist([10]). Demnach passen sich Gesellschaftsmitglieder, hauptsächlich während ihrer Kindheit und Schulzeit, ihrer Gesellschaft an([11]), wobei sie die Kultur der jeweiligen Gesellschaft übernehmen([12]). Das würde also auch das jeweilige „Benehmen“ innerhalb dieser miteinbeziehen, darüber hinaus aber auch noch viel mehr. Unser Habitus beeinflusst die Art und Weise wie wir empfinden, uns verhalten und handeln und bestimmt somit unsere Lebenseinstellung, Wahrnehmungs-, Wertungs-, Ausdrucks- und Denkweise maßgeblich mit([13]). Er prägt nicht weniger als unsere gesamte Persönlichkeit und Lebensweise und stellt damit unsere grundlegenden Haltungen, Einstellungen und Wertungen, also Meinungen dar, die dadurch einem gewissen Schema, einer bestimmten Matrix entsprechen.

Soweit ist das jedoch nicht unbedingt beunruhigend. Bisher bedeutet das alles nur, dass wir uns unserer Gesellschaft in Form eines Habitus anpassen, indem wir gesellschaftsspezifische Persönlichkeiten und soziale Rollen übernehmen. Das allein muss nicht unbedingt schlecht sein, solange wir uns unserer Individualität bewusst sind und auch eigene, unabhängige Meinungen und Persönlichkeiten nach eigenen, selbstgewählten Werten ausbilden können. Solange wir unsere Umwelt und Angepasstheit auch komplett unabhängig von dieser wahrnehmen und nach eigenen Maßstäben bewerten können, uns unserer gesellschaftlichen Identität und unserer eigentlichen Persönlichkeit bewusst sind und beides problemlos voneinander trennen können, ist das nicht unbedingt ein Problem. Eben genau das scheint in der Regel jedoch nicht der Fall zu sein. Den Habitus bezeichnet Zimmermann nämlich auch als Selbstverständlichkeit eines Menschen([9]), was bedeuten würde, dass er unhinterfragt bleibt. Bourdieu bekräftigt dies indem er meint, dass man den Habitus durch Bewusstsein verändern könnte([14]), was aber schlussfolgernd bedeutet, dass man dieses nicht von vorne herein hat. Letzteres ergibt sich vor allem auch durch Gernot Böhme6, wenn er behauptet, dass Menschen sich nicht ohne weiteres ihrer Selbst bewusst sind, sondern sich erst darum bemühen müssen es zu sein([15]), wobei sie die Fähigkeit, es sein zu können, auch erst entwickeln müssen([16]). Diese Aussagen ergeben nicht nur die Schlussfolgerung, dass es möglich ist, sich gar nicht bewusst darüber zu sein7, dass man, mit Zimmermanns Worten formuliert, sozial konditioniert ist([17]). Vielmehr bedeutet das auch, dass es möglich ist, sich generell nicht bewusst über sich selbst zu sein! Nach Ap Dijiksterhuis8 wäre beides problematisch. Er meint, dass man sich nur dann eine eigene Meinung über etwas bilden kann, wenn man diesbezüglich auch seine unterbewussten Meinungen und deren Ursprünge kennt, also weiß, auf welchen Grundlagen man seine Entscheidungen wirklich trifft([18]). Wie könnte man es ansonsten auch vermeiden seine unterbewusste Meinung zu vertreten? Man würde es tun, ohne es zu merken, weil man noch nicht einmal weiß, dass man eine solche überhaupt hat([19]). Ob diese gut oder richtig ist, kann man dann auch nicht beurteilen. Woher soll man wissen, ob einem die eigene Meinung selbst gefällt, wenn man sich nicht bewusst darüber ist, worauf sie basiert? Missfällt einem eine Person z.B. wirklich, weil sie sich aus eigener Sicht schlecht verhält? Oder einfach nur, weil man gerade besonders reizbar ist, Vorurteile hat oder in Wahrheit nur neidisch oder verunsichert durch sie ist? Reagiert man aus einer Laune heraus albern auf etwas? Oder als Schutzreflex, um seine Unsicherheit zu überspielen? Geht man Feiern, weil es einem gefällt und isst man Fleisch, weil es einem wirklich so sehr schmeckt? Oder hauptsächlich aus Gewohnheit und um sich dazugehörig zu fühlen? Vertritt man eine Meinung womöglich nur, um zu gefallen oder dazuzugehören? Auf welcher Grundlage hat man seine Identität erstellt? Einer äußeren, oder einer inneren? Und ist diese Grundlage überhaupt noch aktuell? Denn schließlich zählt doch nur das: Wie wir jetzt gerade sind und was die aktuelle Wahrheit über uns selbst ist. Sind wir uns dessen nicht bewusst, verstehen wir unser Handeln, unsere Ansichten, Wünsche, Bedürfnisse und Absichten nur begrenzt – und können daher auch nur begrenzt richtige Entscheidungen treffen. Wie sollten wir auch richtig mit etwas umgehen können, wenn wir nicht genau wissen, womit wir es zu tun haben? Was wir über uns selbst nicht wissen, fehlt uns an Verständnis über uns selbst.

Deswegen sehe ich im Habitus, genauergenommen in der Unwissenheit über diesen und auch jeder anderen Matrix, eine Einschränkung der persönlichen Entwicklung. Es ist generell jede Einschränkung des Bewusstseins über sich selbst, welche unsere persönliche Entwicklung beschränkt. Einer Persönlichkeit, welcher man sich nicht bewusst ist und welche man nicht hinterfragt, entwickelt sich nicht zu einem außergewöhnlichen Individuum, sondern bleibt weitestgehend auf ihren gewöhnlichen Habitus beschränkt. Sie ist dann nicht mehr unvergleichlich wertvoll, weil einmalig, sondern steckt in einem standardmäßigen und vorhersehbaren Schema fest. Und auch wenn ein solches unsere Persönlichkeit nicht vollends festlegen und komplett beschreibbar machen kann([20]), so stellt ein jedes Schema doch auch immer eine gewisse Definition, also Begrenzung dar. Denn alles Defini erte (franz.: de fin = das Ende) hat auch entsprechende Grenzen([21]) – und alles, was Grenzen hat, grenzt sich durch diese in gewisser Weise davon ab, auch etwas anderes sein oder werden zu können([22]). So führt der Habitus tendenziell zu einer definierten, also festgelegten und dadurch auch starren Persönlichkeit, die Pavel Florenskij9 weiterhin auch als „tot“ und „dinghaft“ beschreibt([23]). Für Florenskij lässt sich eine „reine“ Persönlichkeit nicht kategorisieren, definieren oder auch nur in ihrer Gesamtheit erfassen und ist überhaupt erst dadurch lebendig und kreativ (vgl. ebd.).

2. Selbstreflektiertes und bewusstes Sein

2.1. Bewusstsein – Über Denken, Handeln und Fühlen

Wie kann man nun also seine konditionierte Persönlichkeit durchschauen und seinen Horizont dadurch erweitern, wenn diese doch so selbstverständlich für einen ist? Generell, wie kann man sich seine unterbewussten Einflüsse bewusstmachen, sodass man nicht mehr unbemerkt von ihren gelenkt wird? Der erste Schritt dahin besteht logischerweise darin, sich sein eigenes Innenleben in seiner Gesamtheit bewusst zu machen. So sieht Bourdieu in „Bewusstwerdung“([24]) die Möglichkeit, die Kontrolle über den Habitus zu erlangen. Auch Dijiksterhuis meint wie zuvor veranschaulicht, dass man sich seiner unterbewussten Meinungen, Einstellungen und Haltungen bewusstwerden muss, um auch unabhängig vom Habitus entscheiden zu können. Aber wie kann man sich seine eigenen Denk- und Verhaltensweisen so bewusst machen, dass man sie selbst betrachten und dadurch kennenlernen und nach selbstgewählten Maßstäben bewerten und ggf. verändern kann?

Folgt man Böhme, so gelangt man zum Bewusstsein über sich selbst, indem man sich selbst reflektiert([25]), also kritisch hinterfragend betrachtet. Hierfür eignet sich ihmnach die Selbstobjektivation optimal([26]), bei welcher man versucht sein eigenes Verhalten objektiver zu bewerten, indem man sein Denken und Handeln aus einer außenstehenden Perspektive betrachtet([27]), um es dann im inneren Monolog mit sich selbst auszuhandeln([28]). Ungefähr so, als würde man ernsthafte Selbstgespräche führen. Man besitzt also die Fähigkeit sich selbst beobachten zu können([29]), z.B. indem man sich inmitten einer Situation daran erinnert kurz innezuhalten und in sich zu gehen, um zu bemerken, was man gerade denkt, fühlt, beabsichtigt oder tut. Erst dadurch, dass man es sich bewusst macht, kann man den Verlauf des Geschehens überhaupt beeinflussen, vor allem aber auch bisher unbemerkte Denk-, Handlungs- und Wertungsmuster in sich entdecken, die einem ansonsten vielleicht nie aufgefallen wären: Ansichten und Überzeugungen, die veraltet oder unzureichend hinterfragt sind und man gar nicht erwarten würde, überraschenderweise aber dennoch an sich beobachten kann. Man macht sich ein Bild von der tatsächlichen Realität seines Selbst, indem man sich diese schlichtweg anschaut, jedoch möglichst unvoreingenommen und unparteiisch, einzig und allein mit der Absicht, der Wahrheit näher zu kommen. Ohne die Erwartung, es zu kennen, schaut man auf das, was ohnehin die ganze Zeit schon da ist. Schließlich sind wir ja die ganze Zeit. Wollen wir herausfinden, wie das aussieht, müssen wir es nur unvoreingenommen, einsichtig und lange genug beobachten, um daraus immer mehr eine Landkarte von uns selbst erstellen zu können; Muster, die sich mit der Zeit erkennen lassen und immer mehr ein Gesamtbild unserer eigentlichen Eigenarten, unterbewussten Ansichten, automatisierten Verhaltensweisen und unbeachteten Gefühle ergeben.

Dass so viel Unbekanntes in einem selbst überhaupt möglich ist, erschließt sich auch aus dem Umstand, dass wir unser Handeln nicht bewusst in die Wege leiten können([30]). Forschende wie Benjamin Libet konnten beweisen, dass wenn ein Mensch meinte, sich bewusst für eine Handlung entschlossen zu haben, er diese immer schon bereits einige hundert Millisekunden zuvor unterbewusst entschieden hatte([31]). Bewiesenermaßen entspringen unsere Entscheidungen also immer unserem Unterbewusstsein. Dementsprechend können wir uns erst unmittelbar nachdem sie uns in den Sinn gekommen sind, oder wir schon dabei sind ihnen nachzugehen, bewusst über sie werden([32]). Folglich können wir unser Handeln auch erst frühestens dann selbst beurteilen([33]). Wenn wir es jedoch geschafft haben, es uns derart bewusst zu machen, dann können wir unser Handeln, wenn auch ein kleinwenig zeitverzögert, steuern und verändern, in eine andere Richtung lenken oder unterbinden([34]). Wir können uns dann schlichtweg umentscheiden.

Doch woher wissen wir, dass wir uns dann richtig entscheiden? Ulrich Oevermann10 meint nämlich, dass man seine eigene Situation nur schlecht bewerten kann, wenn man selbst von dieser betroffen ist([35]). Woran könnte das liegen?

2.1.1. Bewusstsein – Über die Stimmen im Kopf

Aus meiner Erfahrung liegt das häufig daran, dass wir das Gefühl haben, uns selbst zu kennen und dementsprechend auch zu verstehen, dabei jedoch oft nur eine Vorstellung von uns selbst im Kopf haben, die eben nur teilweise mit der Realität übereinstimmt. Oft scheint es mir z.B., als wären wir uns des unterbewussten Einflusses unserer prähistorischen menschlichen Natur zu wenig bewusst. Wir meinen zu wissen, worauf unser Entscheiden und Handeln beruhen und haben den Anschein, dass sie unserer Logik folgen, vergessen dabei aber leicht, dass wir im Grunde ein biologisches Programm mit Bewusstsein sind. Auch wenn wir in einer modernen Welt leben, ist unser Gehirn immer noch auf eine Welt von vor 30 000 Jahren programmiert([36]). So hat unsere Psyche in den Jahrmillionen ihrer Evolution gewisse Neigungen und Mechanismen entwickelt, die unser Verhalten stark beeinflussen können. Einfachste Beispiele für solche sehe ich z.B. in reflexartigen Ängsten (Spinnen, Schlangen, Höhen etc.) und Ekelerregungen (Fäule, Maden, Exkremente etc.), welche nicht auf traumatische Erfahrungen aus unserem Leben zurückzuführen sind. Auch Neigungen wie z.B. das Niedlich-finden und Beschützen-wollen von Wesen mit kindlichen Proportionen (Kindchenschema ([37])) und das Bevorzugen näherer statt entfernterer Verwandten (diskriminative Verwandtenfürsorge ([38])) entstehen nicht erst im Laufe unseres Lebens, sondern sind von Geburt an in uns „vorinstalliert“. Genauso gibt es auch komplexere und umfangreichere Programmierungen, die weitaus grundlegender sind, z.B. die natürliche Neigung unseres Gehirns zu Bequemlichkeit und Sicherheit, welche im Gegensatz zur ebenso natürlichen menschlichen Neugierde, Entdeckungslust und Risikobereitschaft steht. Das sind offensichtlich mehr als nur einfache Eigenarten wie Aggressivität bei Hunger, Gefühlsschwankungen bei Müdigkeit oder sexuelle Erregung beim Anblick von bestimmten Formen. Viel eher stellen sie ganze Charakterzüge von uns dar, die unser Temperament, Verhalten und unsere Wahrnehmung, Haltung und Sichtweise wie einen naturgegeben Habitus maßgeblich mitbestimmen: Sind wir eher vorsichtig und bequem, oder draufgängerisch und risikobereit? Empfinden wir Unbekanntes eher als potenzielle Gefahr, oder als potenzielles Abenteuer? Sehen wir Herausforderungen als Belastung und Unannehmlichkeit, oder als Gelegenheit zum Lernen und Wachsen? Sind Veränderungen für uns gleichbedeutend mit Verlust, oder mit neuen Chancen und Möglichkeiten?

Je nachdem wie sehr sich solche grundlegenden Charakterzüge in unserer „inneren Stimme“ durchsetzen, verändern sie unsere gesamte Sichtweise auf die Realität, und damit auch unsere Reaktion auf diese, in die eine oder andere Richtung. Wir sollten uns bewusst sein, wie solche Einflüsse unsere Entscheidungsfindung und Einschätzung beeinflussen können, denn manche von diesen Charakterzügen können unbeachtet gelassen sogar so gefährlich und schädlich sein, dass sie das Potenzial haben, uns und unsere Mitmenschen zu vergiften. So wie z.B. der Kompensationsmechanismus unserer Psyche: das Ego...

2.1.2. Bewusstsein – Über das Ego

Wenn ein Mensch von Selbstzweifeln, Angst und geringem Selbstwertgefühl geprägt ist, waren das schon immer keine guten Voraussetzungen dafür, in seinem gesellschaftlichen Umfeld zu bestehen. Diese Unsicherheit drückt sich nämlich unwillkürlich in seiner Körpersprache aus([39]) und ist gefundenes Fressen für feindselige Mitmenschen, die diese offensichtliche Angreifbarkeit ausnutzen wollen. Ebenso macht eine solche Person keinen vertrauenswürdigen oder zuverlässigen Eindruck. Sie strahlt Bedürftigkeit statt Nützlichkeit und damit zusätzlichen Aufwand statt Nutzen für die Gruppe aus. Vor allem gibt sie kein starkes und beschützendes Elternteil ab, sondern eher eine für andere erkennbare Schwachstelle im Familienverband und damit ein zusätzliches Sicherheitsrisiko. Sich seiner niedrigen Stellung in der Gesellschaft bewusst zu sein, würde den entsprechenden Menschen jedoch nur noch weiter verunsichern. Wir besitzen nämlich einen auf dem Neurotransmitter Serotonin basierenden neuronalen Schaltkreis, welcher unsere Rangordnung in der (für uns als relevant empfundenen) gesellschaftlichen Hierarchie verfolgt. Wenn wir in dieser einen hohen Stellenwert haben, lässt uns die Ausschüttung von Serotonin selbstbewusst, stark und konkurrenzfähig fühlen (vgl. ebd.). Entsprechend niedergeschlagen, schwach und unterlegen fühlen wir uns jedoch, wenn wir uns einer niedrigen Rangordnung oder generell jeglicher Niederlage oder Abweisung bewusstwerden (vgl. ebd.). Die Einsicht einer jeden Unvollkommenheit, vor allem, wenn sie vor anderen bloßgestellt wird, lässt uns also soziale Ablehnung befürchten. Da diese geradezu schmerzhaft ist (sozialer Schmerz)([40]), ist unser Verstand grundsätzlich stets bestrebt solche Einsichten aus Selbstschutz zu vermeiden, um uns vor dieser Belastung des Schmerzes und der Verunsicherung zu bewahren. Er will die Identifikation mit uns selbst durch das Gefühl von Stärke, Stolz und Überlegenheit zu einer durchsetzungsfähigen und für uns möglichst angenehmen machen. Wir wollen uns in unserer eigenen Haut wohl, selbstbewusst und stark fühlen (Selbstwertansatz)([41]), um gesellschaftlich attraktivit zu wirken. Folglich ist unser Verstand aber leider dazu bestrebt, unsere Ängste und Unvollkommenheiten vor anderen und vor uns selbst zu verbergen, sodass wir uns z.B. geradezu angegriffen fühlen, wenn wir auch nur daran denken, dass wir im Unrecht sein könnten. So macht uns unser Verstand tendenziell blind und uneinsichtig gegenüber unseren eigenen Fehlern und Schwächen, für die er statt Lösungen lieber Rechtfertigungen sucht. Und selbst wenn diese argumentativ noch so sinnlos und unpassend sind: Solange sie uns letztendlich erfolgreich davon abbringen können, uns mit beängstigenden Einsichten zu beschäftigen, haben selbst die absurdesten Rechtfertigungen ihren Zweck erfüllt; der Selbstschwindel ist gelungen. In diesem Schutzmechanismus unseres Verstandes sehe ich das bekannte Sprichwort „Man hört, was man hören will“ begründet: Unser Verstand verfälscht unsere Wahrnehmung der Realität, indem er uns unliebsame Fakten überhören oder auf gewünschte Weise fehlinterpretieren lässt. Wir sehen die Realität tendenziell so, wie wir sie gerne hätten (Wunschdenken)([42]). So müssen wir uns angenehmerweise nicht damit auseinandersetzen, dass wir uns möglicherweise in ihr irren. Was an sich nur eine wertvolle Gelegenheit dazu wäre, sich weiterzuentwickeln und der Realität näher zu kommen, ist für unseren Verstand jedoch gleichbedeutend mit Unvollkommenheit und Schwäche. Er will stattdessen einen guten Eindruck machen, sich durchsetzen und stolz und stark fühlen können([41]). Deswegen hindert er uns oft daran, die Realität zu sehen, die wir nicht einsehen wollen([42]), auch wenn wir sie im tiefsten Inneren eigentlich fühlen. Eine solche unreflektierte Haltung ist grundsätzlich problematisch, denn Einsicht ist bekanntlich der erste Schritt zur Besserung. Einen Schritt, den wir aber wohl kaum wagen werden, solange wir uns einreden lassen, dass für Besserung doch überhaupt kein Bedarf besteht oder wir zu Veränderung gar nicht in der Lage sind („Ich bin schon zu alt, um mich zu ändern“, oder einfach die magischen Worte: „Ich kann das nicht“).

Dieses Verhalten (ich würde es mit dem ängstlich-vermeidenden vergleichen) ist umso stärker ausgeprägt, je verunsicherter der Mensch ist: Zum Schutz vor dem schmerzhaften Gefühl, nicht gut genug zu sein, baut man sich eine harte Schale um den weichen Kern herum. Eine, die auch wir selbst irgendwann kaum mehr durchblicken können; als Schutz vor dem Anblick unseres wahren Selbst. Diese harte Schale ist die Maske, hinter der wir uns verstecken. Das Bild, das wir nach außen von uns abgeben und innerlich erhalten möchten, letztendlich aber eben nur ein Bild, nur eine Täuschung. Einen Schwindel, den wir, wenn wir genau hinhorchen, eigentlich spüren, jedoch verdrängen und so oft wiederholen, bis wir die unangenehme Wahrheit und die damit verbundene Verunsicherung selbst vergessen und durch eine angenehmere Vorstellung ersetzt haben. Ein Kompensations- und Selbstschutzmechanismus unserer Psyche, den ich Ego nenne – und den jeder von uns kennt. Es ist unser Stolz (≠Würde), der uns rechthaberisch und stur und wenn verletzt auch beschämt, beleidigt, wütend und rachsüchtig macht. Er lässt uns danach gieren vor anderen gut dazustehen und Anerkennung und Bestätigung von ihnen zu bekommen, um sich großartig und überlegen zu fühlen, selbst wenn wir dazu die Wahrheit verfälschen müssen – sowohl vor anderen als auch vor uns selbst. Unsere eigenen Irrtümer und Unvollkommenheiten blendet das Ego aus oder leugnet sie so, wie es auch Schuld von uns weist: Es legt sich die Umstände, Gründe, Definitionen und Kontexte entsprechend zurecht und verdreht die Realität so, dass die Schuld nicht mehr bei uns liegt, oder die eigenen Handlungen doch irgendwie gerechtfertigt sind, oder alles nur ein Missverständnis ist, oder es in dem Fall einfach kein richtig oder falsch gibt usw. Während es unsere eigenen Fehler krampfhaft versucht zu relativieren, dramatisiert unser Ego die Fehler anderer wiederum sehr gerne. Es sucht regelrecht nach ihnen und findet sie selbst da, wo sie nur hypothetisch hätten aufkommen können. So findet es immer Gründe dafür, die Leistungen anderer zu schmälern, während es keine Gelegenheit dazu auslässt, uns besonders gut darzustellen. Dabei legt unser Ego einen besonders großen Fokus auf das, was wir alles wissen und können und gibt uns dadurch das Gefühl, uns aufgrund unserer Kenntnisse gut auszukennen, lässt jedoch gern außer Acht zu bedenken, dass diese vielleicht nur ein kleiner Teil vom Ganzen sind (Dunning-Kruger-Effekt)([43]). Unser Ego reserviert unsere Aufmerksamkeit und Wertschätzung für uns selbst und das, was besser ist als wir. Es strebt unerlässlich nach Status und Anerkennung, um unseren Selbstwert anhand von gesellschaftlichen Maßstäben vor der Außenwelt rechtfertigen zu können. Je mehr wir uns nach dieser äußeren sozialen Bestätigung unseres Selbstwerts sehnen, desto mehr fokussiert das Ego unser Interesse auf das, was uns nützt, Vorteile verschafft und besser darstehen lässt und macht uns auch sonst egoistisch und egozentrisch, statt großzügig und kompromissbereit. Logisch, denn bei Mangel sind wir auf Nehmen statt auf Geben gestimmt – und der grundsätzliche Mangel, durch welchen unser Ego hervorgerufen wird, ist der an Sicherheit: Unüberwundene Kindheitstraumata und/ oder unerfüllte Grundbedürfnisse bringen unsere Psyche in einen dauerhaften Selbsterhaltungs- und -verteidigungsmodus. Dieser durch Bedürftigkeit und Angst erzeugte Zustand des Selbstschutzes äußert sich in Mangel- und Konkurrenzdenken, Rücksichtslosigkeit und Egoismus sowie einem verstärkten Fokus auf Ordnung, Planung, Vorbeugung und Kontrolle. Aus Angst davor verletzt zu werden, ist man verschlossener, pessimistischer, aggressiver und manipulativer. Man fühlt sich schneller angegriffen, nimmt Sachen schneller persönlich und bezieht generell zu viel auf sich, sodass man Argumentationen eher als Streit empfindet, in dem es um Durchsetzen und Rechtfertigen, statt um gemeinsame Wahrheitsfindung und Problemlösung geht. Zusätzlich dazu versucht unser Ego unsere Angst und Schwäche mit Materialismus, Status und vorteilhafter Selbstdarstellung zu kompensieren, was dazu beiträgt, dass wir (zumindest langfristig) insgesamt als arrogant und selbstverliebt wahgenommen werden, statt als sympatisch, selbstbewusst, originell und nahbar, wie wenn wir offen zu unserer Individualität, unseren Ängsten, Schwächen, Absichten und Gefühlen stehen würden.

Wie stark sich das Ego bemerkbar macht, ist je nach Verletztheit, Selbstwertgefühl und Bewusstseinsgrad unerschiedlich. Bei manchen Menschen tut es das kaum, während es bei einem seit Jahrzenten weltweit bedrohlich steigenden Teil der Bevölkerung dem Höchstmaß der obigen Beschreibung entspricht: Narzissten. Ich empfehle sich mit dieser überaus toxischen Persönlichkeitsstörung unbedingt auszukennen. Die klinische Psychologin, Psychologieprofessorin und Bestsellerautorin Prof. Dr. Durvasula hat hierzu Bücher und einen unvergleichlich wertvollen Kanal auf Youtube. Ihre Arbeit auf diesem Gebiet ist beispiellos.

2.2. Bewusstsein als Sein – Distanz zur eigenen Identität

Aus der Kontrolle unserer übernommenen Denk- und Verhaltensweisen befreien wir uns im Grunde genauso wie von den unliebsamen, eigensinnigen Stimmen in unserem Kopf: Wir hören auf uns mit ihnen zu identifizieren und distanzieren uns von ihnen, indem wir ihnen mit der gleichen Skepsis begegnen, mit der wir auch anderen Menschen begegnen würden. Wir betrachten und behandeln sie nicht mehr als selbstverständlich oder als das, wer wir sind, denn sonst nehmen wir sie automatisch in Schutz, sondern wie andere, fremde Persönlichkeiten und hören den Gedanken in unserem Kopf zu wie den Stimmen von Unbekannten, die wir gerade erst kennenlernen. Solchen stehen wir ja auch kritisch gegenüber und überprüfen den Wahrheitsgehalt ihrer Aussagen, und wenn wir feststellen, dass sie Unsinn reden, hören wir auf sie ernst zu nehmen. Sie können dann vielleicht immer noch auf uns einreden und wir ihnen auch zuhören, aber solange wir wissen, was wir von den Stimmen in unserem Kopf halten wollen und wir uns diese Entscheidung vor Augen halten, stören sie uns vielleicht, haben aber ansonsten keine Kontrolle mehr über uns. Unsere Gedanken haben nur so lange Macht über uns, wie wir ihnen Glauben schenken. Ohne diesen verstummen sie eventuell immer mehr, weil es niemanden mehr gibt, der sie ernst nimmt.

Bei der Selbstobjektivation nach Böhme distanziert man sich genauso durch „Selbstreflexion“([44]) bzw. „reflexives Bewusstsein“([45]) von seiner eigenen Situation([46]), indem man sich wie erklärt wurde aus einer außenstehenden Position beobachtet, so als würde man jemand anderes beobachten. Statt direkt zu handeln oder etwas zu behaupten, hält man inne und macht sich bewusst, was man gerade tut oder denkt und fragt sich dann, was man davon halten würde, wenn das jemand anderes tun würde. Man distanziert sich dadurch von der definierten Person, mit der man sich ansonsten selbst identifiziert. Diese so entstehende „Coolness“([47]) bzw. „Rollendistanz“11 ([48]) ermöglicht uns eine eigene kritische Betrachtung und Bewertung unserer Situation und unseres Verhaltens, indem wir eine skeptische Haltung gegenüber uns selbst einnehmen. So können wir beherrscht reagieren und gefasst, bedacht und besonnen auch nach eigenen individuellen oder objektiven Wertvorstellungen und Idealen handeln([49]).

Das alles funktioniert logischerweise aber nur mit viel Selbstachtsamkeit und Unvoreingenommenheit. Erst in der Annahme, dass wir uns selbst noch nicht kennen, haben wir die Offenheit, Unbekanntes in uns zu erwarten. Erst dann sind wir achtsam und beobachten uns aufmerksam und erkennen so immer mehr Eigenarten und Muster, die unhinterfragt und automatisiert ablaufen; feste Denk- und Verhaltensabläufe, die in bestimmten Situationen reflexartig aufkommen. Kennen wir diese Abläufe erstmal, sind wir das nächste Mal in solchen Situationen aufmerksamer und in Erwartung dieser und somit nicht unvorbereitet, wodurch wir immer schneller reagieren und uns ggf. korrigieren können. So lernen wir uns erst durch Selbstobjektivation überhaupt richtig kennen und werden uns immer bewusster darüber, wie wir tatsächlich sind – und was wir wirklich davon halten.

Hierzu drängt sich jedoch immer noch eine wichtige Frage auf: Wenn unsere Meinung doch so sehr von unserem Verstand manipuliert sein kann…woher können wir dann überhaupt wissen, wann wir authentisch sind und wann wir uns nur wieder einmal etwas vormachen? Woher können wir wissen, was gerade unsere echte Meinung ist und was nur Fassade?

3. Bewusst unterbewusst

3.1. Gefühle als Sprache des Unterbewusstseins

Um herauszufinden, was wir von einer bestimmten Sache wirklich halten, müssen wir uns unseren diesbezüglich aufkommenden Gefühlen bewusstwerden([50]). Denn die eigentliche Meinung eines Menschen ist laut Dijiksterhuis hauptsächlich unterbewusst und drückt sich in Form von Gefühlen aus([51]). Im ersten Kapitel seines Buches „ Das kluge Unbewusste “ erklärt er, dass Menschen „unendlich viele Informationen verarbeiten können, obwohl das Bewusstsein nur sehr wenige Informationen gleichzeitig erfassen kann“([52]). Wir nehmen nämlich unvergleichlich viel mehr unterbewusst als bewusst wahr([53]). Unser Bewusstsein verarbeitet 50 bis 60 Bits pro Sekunde([54]). Das sind jedoch gerade einmal 0,0004% der gesamten Informationsmenge, die wir ständig über unsere Sinne aufnehmen([55]). Den Rest übernimmt das Unterbewusstsein. Es verarbeitet 11-11,4 Millionen Bits pro Sekunde und damit mehr als 200 000 Mal mehr Information als unser Bewusstsein([54]). Daraus ergibt sich, dass der mit Abstand größte Teil unseres Wissens unterbewusst ist, da wir den allergrößten Teil unserer Information unbewusst aufnehmen. Diese unbewusst aufgenommene Information wird auch nicht etwa herausgefiltert, gelöscht o.ä., sondern im Unterbewusstsein ununterbrochen verarbeitet und abgespeichert([56]), auch während wir weitere Eindrücke aufnehmen([57]) und vor allem auch, während wir schlafen([58]). Wir verfügen also über unwahrscheinlich viel Wissen, können das meiste davon aber nicht in Worte fassen, weil es uns schlichtweg nicht bewusst ist([59]). Unsere Meinung über etwas bildet sich aber trotzdem aus unserem gesamten Wissen darüber([60]). Sie ist dann folglich jedoch ebenso zum größten Teil unterbewusst und genauso schwer in Worte zu fassen. Deswegen kann man sie meist nur als intuitives Bauchgefühl empfinden. Dieses wiederum kann man sich jedoch sehr wohl bewusst machen, z.B. indem man unerwartet mit der jeweiligen Sache konfrontiert wird. Darauf reagiert man nach Dijiksterhuis nämlich zunächst mit spontanen und dadurch unvoreingenommenen Gefühlen, noch bevor man darüber nachdenken und seine Meinung dadurch verfälschen kann([61]). Diese spontanen Gefühle sind nun die eigentliche Meinung eines Menschen([59]).

3.2. Intuitives Entscheiden

Indem man sich seine Gefühle bewusst macht, kann man nicht nur unliebsame Wertungen und Vorurteile in sich entdecken([55]), sondern auch seine Entscheidungsfindung verbessern. Bei Entscheidungen kann unsere Intuition laut Dijiksterhuis sehr hilfreich sein, eben weil unsere unterbewusste Einschätzung auch unterbewusste Informationen miteinbezieht([62]). Seiner Meinung nach sollten Menschen deswegen besonders bei so komplexen Sachverhalten wie dem Auto-, Möbel- oder Immobilienkauf([63]) oder dem Einschätzen einer Persönlichkeit([64]) sogar hauptsächlich auf ihre unterbewusste Einschätzung vertrauen([65]). Bei den vielschichtigen und unübersichtlichen Sachverhalten komplexer Entscheidungen erweist es sich nämlich als problematisch sich nur auf sein Bewusstsein zu verlassen. Aufgrund der zuvor aufgezeigten vergleichsweise geringen „Verarbeitungskapazität“ des Bewusstseins, kann dieses nur eine Sache nach der anderen untersuchen([66]). Das kann es dafür aber sehr genau([67]), weswegen es sich bei sehr einfachen und übersichtlichen Sachverhalten wie z.B. dem Kauf von Topflappen oder von Kleidung besser für eine gute Entscheidungsfindung eignet([63]). Bei komplexen Sachverhalten jedoch ist es nicht nur sehr langsam([68]), vor allem beschränkt es durch seine konzentrierte Aufmerksamkeit die Wahrnehmung auf einen nur sehr kleinen Teil der Wirklichkeit([69]). Mit dem Bewusstsein können wir uns wie gesagt nur auf einen Aspekt nach dem anderen konzentrieren. Bei vielen verlieren wir so schnell den Überblick über die ganzen Zusammenhänge, die sich erst aus der Sicht auf das Gesamtbild erschließen und eine realistische Bewertung des Sachverhalts überhaupt ermöglichen([70]). Mit dem Unterbewusstsein wiederum wird man zwar keine Details, dafür aber direkt die Umrisse des Gesamtbild intuitiv erkennen und verstehen können. Die unterbewussten Erkenntnisse daraus stehen einem dann als Bauchgefühl zur Verfügung. Besonders bei komplexen Sachverhalten sollte man also auch sein Unterbewusstsein in seine Entscheidungsfindung miteinbeziehen, indem man versucht, zunächst einfach nur möglichst wertungsfrei, unvoreingenommen und identitätslos zu beobachten und nur dabei zu bleiben, ohne sich auf irgendwas zu fokussieren([71]). Dadurch erstreckt sich die Aufmerksamkeit auf einen viel größeren Bereich([72]), nämlich auch auf die unbewusste Wahrnehmung und Wertung. Dann braucht man dem Unterbewusstsein im Grunde einfach nur noch z.B. über Nacht Zeit zu lassen, um die aufgenommene Information zu verarbeiten und zu einem Gesamturteil (in Form eines Bauchgefühls) zusammenzufassen([73]), welches man sich dann auf bereits beschriebene Weise bewusst machen kann, um damit letztendlich „aus dem Bauch heraus“ entscheiden zu können([74]).

Beim Gebrauch seines Bauchgefühls sollte man jedoch vorsichtig sein. Schließlich ist uns die Information, durch die unser Unterbewusstsein zu seinen Erkenntnissen kommt, nicht ohne weiteres bewusst. Dessen Einschätzung könnte auch zu einem entscheidenden Teil auf Annahmen und Vorurteilen beruhen, sodass wir z.B. Männern intuitiv grundsätzlich weniger vertrauen als Frauen und Jugendlichen weniger als Seniorenaltrigen([55]). Deswegen müssen wir skeptisch bleiben und versuchen herauszufinden, wie unser Unterbewusstsein auf seine Ergebnisse gekommen ist, also auf welcher Wissensgrundlage unsere unterbewusste Meinung basiert. Wir können den Gesamtumfang unseres Wissens verständlicherweise nur schwer abschätzen, wenn uns der allergrößte Teil davon nicht bewusst ist. Daher sollten wir versuchen einzuschätzen, wie gut wir uns in einer Sache wirklich auskennen. Je weniger Zeit und Gelegenheit wir dafür hatten, Informationen über sie aufzunehmen, je unbekannter eine Sache also für uns ist und je unerfahrener wir in ihr sind, desto skeptischer sollten wir mit unserem Bauchgefühl sein, rät Professor Gerd Gigerenzer12 (vgl. ebd.). Trotzdem sollten wir es auch dann miteinbeziehen, denn unser Gefühl fungiert als Warnung, wenn wir etwas übersehen haben, sagt Prof. Dr. Andreas Glöckner13 (vgl. ebd.). Ihm zufolge signalisiert uns das Gefühl, dass da noch etwas ist, was unsere bewusste Betrachtung und Einschätzung nötig hat. Da das Gefühl wie gesagt die Sprache unseres Unterbewusstseins ist, bedeutet dies, dass unser Unterbewusstsein es uns spüren lässt, wenn es auf etwas gestoßen ist. Folglich brauchen wir nur unserem Gefühl zu folgen, wenn wir herausfinden wollen, wo in unserem Unterbewusstsein etwas verborgen liegt…

3.2.1. Intuitives Entscheiden – Der Gefühlskompass

Die Art und Weise, wie sich unser Bauchgefühl äußert, lässt mich vermuten, dass dessen biochemische Funktionsweise auf unserem mesotelenzephalen Belohnungssystem basiert. Wenn wir etwas als belohnend empfinden, wird im Rahmen dieses Systems der Neurotransmitter Dopamin vermehrt ausgeschüttet([75]), was dann (indirekt) freudvolle Gefühle in uns auslöst([76]). Ist man nun auf der Suche nach einer Antwort, die man nur unterbewusst kennt (z.B. geht man aus und fragt sich, wo man essen gehen möchte), so brauch man „nur“ alle möglichen Antworten im Kopf durchgehen und feststellen, wie man gefühlsmäßig bei einer jeden reagiert. Je richtiger die Antwort ist, desto mehr Dopamin wird bei der gedanklichen Konfrontation mit dieser ausgeschüttet und desto belohnender fühlt sie sich an. Je falscher die Antwort, desto mehr Widerstand spürt man wiederum in sich aufkommen, wenn man sich mit dieser Option konfrontiert sieht. Genauso geht man auch vor, wenn man ein unangenehmes Bauchgefühl hat und herausfinden will, woher dieses bedrückende Gefühl kommt. Hat man dessen Ursprung erst einmal gefunden, das Gefühl somit verstanden und das Problem gelöst, weicht die bedrückende Schwere einer erlösenden Leichtigkeit, als würde einem ein Stein vom Herzen fallen([77]). Wir erleben dann ein sogenanntes „Aha-Erlebnis“ und dessen charakteristisches Gefühl der plötzlich einsetzenden befreienden Klarheit und damit einhergehenden wohligen Freude und Erleichterung (vgl. ebd.). Unser ganzer Körper teilt uns mit, dass wir verstanden haben, was uns unser Unterbewusstsein mit dem unangenehmen Gefühl mitteilen wollte. Wenn wir uns dessen dann erst einmal richtig bewusstgeworden sind, wird es sich einfach wieder auflösen. Es sei denn die Erleichterung hält nicht lange an, das Gefühl kommt einige Augenblicke später wieder und bleibt auch dann noch, wenn wir uns unsere neue Erkenntnis immer wieder bewusst machen. In dem Fall waren wir der Antwort zwar schon nähergekommen oder haben schon einen Teil von ihr herausgefunden, aber waren an dem Punkt noch nicht ganz fertig mit unserer Suche. Oder es kommt an der Stelle direkt ein anderes solches Gefühl auf, etwas anderes, was sich aber wieder genauso anfühlt. Unser Unterbewusstsein kann sich schließlich nicht auf allzu vielfältige Weise ausdrücken. Bis auf unsere Träume, stehen ihm sonst nur unsere Gefühle als Kommunikationsmittel zur Verfügung. Durch diese kann es uns aber spüren lassen, dass da noch mehr ist([55]).

Wenn man herausfinden will, aus welchen Gründen man etwas wirklich will, um beurteilen zu können, ob einem diese Gründe überhaupt gefallen, geht man sehr ähnlich vor. Man geht die möglichen Gründe wieder nacheinander im Kopf durch und beobachtet seine gefühlsmäßige Reaktion bei jeweils jedem, nur dass es in dem Fall zu beachten gilt, dass wir dem Ergebnis möglicherweise sehr voreingenommen gegenüberstehen und bestimmte Gründe u.U. nur sehr ungern einsehen werden (für Beispiele siehe unteres Viertel von Seite 4). Solche wird unser Unterbewusstsein dann natürlich nicht gerne preisgeben, sodass wir uns kurz nach unserer plötzlich einsetzenden, befreienden Klarheit diesmal nicht unbedingt wohlig erleichtert, sondern stattdessen angespannt, nervös, angegriffen und manchmal auch extrem verunsichert und schmerzerfüllt fühlen können. Wir lösen eine Abwehrreaktion unseres Verstandes aus, welcher dann anfängt zu leugnen oder zu rechtfertigen; unser Ego greift ein. Und genau das, überhaupt jegliche starke emotionale Reaktion unseres Körpers verrät uns, dass wir an der Stelle wirklich auf was gestoßen sind, denn sonst würden wir nicht drauf reagieren. Es ist ein einfaches, grundsätzliches Prinzip: Wir rufen etwas in uns hinein und schauen, ob etwas in uns darauf antwortet. Wir formulieren eine Vermutung und schauen, ob sich etwas in uns angesprochen fühlt. Es ist als würden wir mit einem Metalldetektor über den Boden streifen und um zu schauen, wo etwas vergraben liegt. Wir müssen lediglich unseren Gefühlen bis zu ihrer Quelle folgen, denn sie kommen nicht einfach aus dem Nichts. Es geht also darum immer dort genauer hinzuschauen, wo immer sie aufkommen. Genau dort ist nämlich etwas, sonst wären da auch keine. Unser Verstand kann vielleicht versuchen dagegen zu argumentieren, uns davon abzulenken oder es zu leugnen und uns mit der Zeit vielleicht sogar immer mehr vom Gegenteil überzeugen, doch die Wahrheit hat sich zu diesem Zeitpunkt schon längst offenbart. Wir müssen nur eben diesen Moment erwischen, in dem sie sich zeigt und dann an diesem anknüpfen. Entscheidend ist also seine volle Aufmerksamkeit auf den Augenblick zu richten und seine Achtsamkeit bei all dem zu haben, was im Moment geschieht. So gesehen existiert sowieso nichts anderes als das Hier und Jetzt. Es ist also die beste Chance, die wir haben, um der Realität am nächsten zu kommen. Dabei dürfen wirt uns das alles jedoch nicht immer allzu leicht vorstellen. Die gesamte Theorie aus dieser Arbeit mag vielleicht einfach, im Sinne von unkompliziert sein, doch die Praxis kann einem schwerer fallen als alles, was man bisher erlebt hat. Einsicht kann sich unerträglich schmerzhaft anfühlen und auf dem scheinbar unendlich verzweigten Weg zu dieser werden wir u.U. heftigsten Gefühlen und Abwehrreaktionen unseres Verstandes begegnen, welcher das zu beschützen versucht, woran er so lange geglaubt und festgehalten hat. Besonders dann, wenn es schmerzhaft wird, hilft es sich immer wieder daran zu erinnern, dass der Film und Schmerz in unserem Kopf letztendlich nicht mehr sind als das. Wir erkennen und verstehen sehr viel und empfinden sehr stark, aber passieren tut uns letztendlich nichts. Wir können bei allem einfach nur beobachten und nichts weiter tun als zuschauen und empfinden, in unserem Kopf eine Weltreise machen, während wir trotzdem einfach dort bleiben, von wo aus wir beobachten.

Fazit

Das erste Kapitel handelt davon, dass wir sowohl unser Verhalten, als auch unsere gesamte Persönlichkeit an unsere Gesellschaft anpassen. Unsere Persönlichkeit erhält dadurch eine bestimmte, gesellschaftsspezifische Form, welche für uns jedoch selbstverständlich ist und uns erst noch bewusst werden muss. Bevor wir auch aus anderen Blickwinkeln sehen können, um die Welt und uns selbst besser und klarer zu verstehen, muss uns bewusst werden, dass wir in einer beschränkenden Sichtweise und Wertung feststecken. Wollen wir einen unverfälschteren, freieren Blick, so müssen wir unabhängig von dieser selbstverständlichen Sichtweise sein können, was Inhalt des zweiten Kapitels ist. Dafür versuchen wir die Form unserer Persönlichkeit, unsere Sichtweise, Wertungsweise, Denk- und Verhaltensweise, unbefangen zu beobachten, so als wäre sie die Form einer anderen Persönlichkeit. Wir müssen uns derart von ihr loslösen, um überhaupt in der Lage zu sein, anders zu sehen, zu denken und zu werten. Zwar versucht sich unsere Psyche genau davor zu schützen, doch auch die Selbstschutzmechanismen und die naturgegebenen Mechanismen unserer Psyche können wir uns bewusst machen, indem wir sie als eigenständige, von uns abgegrenzte Phänomene betrachten. Erst indem wir auf diese Weise losgelöst von außen auf etwas schauen, ohne uns damit zu identifizieren, fangen wir überhaupt an es realiastisch zu sehen. Ansonsten ist es schwierig, seine eigene Perspektive dabei nicht in Schutz zu nehmen, wie im Abschnitt 2.1.2. im Rahmen meiner Theorie über das Ego erklärt wird.

Warum wir uns über unsere eigene Persönlichkeit grundsätzlich so fundamental im Unklaren sind, wird im dritten Kapitel erläutert. Aus diesem wird deutlich, dass die gesamte Wahrheit über uns selbst, über unsere Meinungen, Ansichten und Absichten, in unserem Unterbewusstsein verborgen liegt. Dementsprechend ist sie uns auch nicht ohne weiteres bewusst, sondern muss erst schrittweise von uns ergründet werden. Diese Arbeit soll deutlich machen, dass diese „Bewusstwerdung“([24]) eine Aufgabe von entscheidender Bedeutung für den richtigen Umgang mit sich selbst ist. So finden sich z.B. die eigentlichen Beweggründe hinter unseren Entscheidungen in unserem Unterbewusstsein, sodass wir diese nicht von vorne herein kennen. Wir müssen erst ihre Hintergründe in Erfahrung bringen, bevor wir unsere Entscheidungen überhaupt richtig nachvollziehen können. Darüber hinaus findet der Entschluss zu unseren Entscheidungen immer in unserem Unterbewusstsein statt, wie im Abschnitt 2.1. erwähnt wird. Wir wählen unsere Entscheidungen also nicht bewusst aus, sondern sie werden von unserem Unterbewusstsein unbemerkt in die Wege geleitet, sodass es Aufmerksamkeit erfordert überhaupt zu bemerken, dass wir eine Entscheidung zu verfolgen begonnen haben. Ohne unser Bewusstsein als Instanz würden wir weder bemerken, dass wir ein Urteil oder eine Handlung in Gang gebracht haben, noch könnten wir uns bewusst machen, worauf dieses Urteil oder Handeln basiert. Wie im zweiten Kapitel beschrieben, macht das unser Bewusstsein zu dem Werkzeug, mit dem wir unser Handeln selbst in die Hand nehmen können. Erst im Gebrauch dieser Instanz ergibt sich das Potential auch unabhängig von dem Sein zu sein, welches ansonsten unbemerkt wie ein installiertes Programm automatisiert ablaufen würde. Erst mit unserem Bewusstsein können wir unser Unterbewusstsein durchschauen und dessen Einfluss, dem wir sonst wehrlos ausgeliefert wären, erkennen und verstehen, um ihn in unsere Urteils- und Entscheidungsfindung mit einfließen zu lassen. Dieses erweiterte Verständnis kann unsere Überzeugungen verändern und uns mit anderen Augen sehen lassen. Wir erkennen z.B. die Gründe dafür, warum wir so sind, wie wir sind oder wollen, was wir wollen und stehen dann anders dazu. Diese neuen Überzeugungen gilt es dann bei jeder Gelegenheit entsprtechend in die Tat umzusetzen, um sein neues, weiterentwickeltes Sein immer konkreter werden zu lassen. Dafür müssen wir unser vorheriges auch nicht etwa erst bekämpfen, zerstören oder gar verleugnen. Wir lassen es lediglich aushungern, lassen es einfach verblassen, indem wir unsere Wertschätzung und Aufmerksamkeit stattdessen auf jenes lenken, was wir für richtig halten. Wir handeln so konsequent wie möglich danach und erinnern uns immer wieder daran, warum wir das tun.

Wir als Bewusstsein können nämlich in jedem Moment entscheiden, welchem Sein und welcher Entwicklung wir angehören wollen. Als solches können wir über unsere einkonditionierte Persönlichkeit und sogar über unsere menschliche Natur stehen und uns aktiv dazu entscheiden andere Richtungen zu gehen. Dies wirft eine ganz entscheidende Frage auf: Wenn wir die Fähigkeit besitzen, über das zu stehen, was wir sind…wo stehen wir dann eigenlich? Wenn wir alles überwinden können, was wir gerade sind, was sind wir dann in dem Moment überhaupt noch? Wir müssen eben das sein, was dann trotzdem immer noch übrig bleibt. Jenes, was wir eben nicht von uns nehmen können und von dem wir uns nicht ultimativ loslösen können, ohne uns dabei selbst zu verlieren. Es ist das Beobachten an sich, das reine Bewusstsein, das pure Potential. Wir sind dann in dem Moment keine Person mehr, sondern nichts weiter als beobachtendes Bewusstsein; die Freiheit, die jederzeit darüber entscheiden kann, welchen Stimmen wir wie sehr zuhören, glauben, vertrauen oder folgen möchten. Hauptaufgabe dieser Arbeit war es eben diese Freiheit aufzuzeigen, jedoch nicht ohne deutlich zu machen, warum wir sie nötig haben: Weil wir ansonsten im Grunde keinerlei Kontrolle über uns selbst haben, sondern unser Selbst die völlige Kontrolle über uns. Dementsprechend bescheiden sollten wir mit unseren Wertungen umgehen und uns darin üben, durch hinterfragende Achtsamkeit und Einsicht bewusst zu sein.

Querverweise

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

*Diese Quelle ist leider nur über die zugangsbeschränkte Online-Datenbank „Moodle“ der Universität Kassel zugänglich.

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[...]


1 akademischer Direktor am Institut für Schulentwicklungsforschung im Fachbereich Erziehungswissenschaft und Soziologie der Technischen Universität Dortmund (vgl. „Grundwissen Sozialisation“, o.D.: „Über den Autor“)

2 ehemaliger Soziologieprofessor an der Harvard Universität (vgl. „Kapitalismus bei Max Weber – zur Rekonstruktion eines fast vergessenen Themas“, o.D.: „Über den Autor“)

3 ehemaliger Soziologieprofessor an der Universität Bielefeld (vgl. „Ökologische Kommunikation“, o.D.: „Über den Autor“)

4 Sowohl: „die Summe von Erwartungen an das soziale Verhalten eines Menschen“, als auch: „gesellschaftlich bereitgestelltes Verhaltensmuster, dass in bestimmten Situationen ausgeführt werden kann oder muss“ (vgl. „Rolle“, 2005 – 2008: 464)

5 Psychologieprofessorin an der Universität Kassel

6 Philosophieprofessor an der Technischen Universität Darmstadt (vgl. „Platons theoretische Philosophie“, o.D.: „Über den Autor“)

7 Auch wenn etwas dem Menschen nicht bewusst ist, kann es ihn beeinflussen. (vgl. Dijiksterhuis, 2010: 51; Gazzaniga, 2012: 95)

8 niederländischer Experimentalpsychologe (vgl. Dijiksterhuis, 2010: 9)

9 russischer Theologe, Philosoph und Physiker (vgl. Emrich, 2007: 106)

10 ehemaliger Soziologieprofessor an der Universität in Frankfurt am Main (vgl. Oevermann, 1972: o.S.)

11 Distanz zur sozialen Rolle 4

12 Direktor am Max-Plank-Institut für Bildungsforschung (vgl. Wellmann, 2018: 34)

13 Psychologieprofessor an der Universität Göttingen (vgl. ebd.)

Ende der Leseprobe aus 28 Seiten

Details

Titel
Soziale Konditionierung als Einschränkung. Selbstreflexion als Methode zur Individualisierung der Persönlichkeit
Hochschule
Universität Kassel  (Humanwissenschaften)
Veranstaltung
Einführung in wissenschaftliches Denken, Arbeiten und Argumentieren
Autor
Jahr
2023
Seiten
28
Katalognummer
V1359232
ISBN (eBook)
9783346880239
ISBN (Buch)
9783346880246
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Bewusstsein, Unterbewusstsein, Persönlichkeit, Identität, Sozialisation, soziale Konditionierung, soziale Rollen, Habitus, Matrix, Persönlichkeitsentwicklung, Rollendistanz, Objektivität, Subjektivität, Programmierung, Verstand, Ego, Egoismus, Egozentrismus, Reflexion, Selbstreflexion, Selbstobjektivation, Voreingenommenheit, Moral, Intuition, Bauchgefühl, Gefühle, Achtsamkeit, Psyche, Gesellschaft, Psychologie, Soziologie, Philosophie
Arbeit zitieren
Viktor Genkov (Autor:in), 2023, Soziale Konditionierung als Einschränkung. Selbstreflexion als Methode zur Individualisierung der Persönlichkeit, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359232

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