Das Thema dieser Arbeit lautet „Die Nationalliberale Partei in der Bismarckzeit – Politisch sinnvoller Pragmatismus oder ungenutzte Chance?“ Der Untertitel deutet schon die Fragestellung, die die These aus meinem Referat im Seminar aufgreift, an. Gegenstand der Darstellung soll es sein, herauszuarbeiten ob die Teilhabe der Nationalliberalen Partei an der Regierung unter Bismarck sinnvoller Pragmatismus war, um die liberalen Ziele so gut es ging zu verwirklichen oder ob diese Kooperation mit Bismarck der Verrat an den liberalen Ideen war und „die Tragödie des deutschen Liberalismus“ begründet hat.
Die Forschung hat die Rolle der Nationalliberalen in der Bismarckzeit lange Zeit sehr negativ gesehen und sie zu reinen Handlangern Bismarcks degradiert. „Von Anfang an zeigte er den Liberalen den Herrn; reaktionäre Gepflogenheiten der Konfliktzeit wurden unbekümmert um den Friedensschluss fortgesetzt.“ So leitet SELL das Kapitel „Zusammenarbeit“ ein und gibt damit deutlich zu erkennen, wie gering er die aktive Teilhabe der Nationalliberalen am politischen Geschehen einschätzt, da er sie zu reinen Mehrheitsbeschaffern für Bismarck herabstuft.
Die Arbeit teilt sich in drei Hauptabschnitte: 1.Die Zeit des Norddeutschen Bundes 2.Die Zeit von der Reichsgründung bis zur großen Wende 3.Die Auswirkungen der großen Wende und die darauf folgende Neuorientierung der Partei.
Im ersten Abschnitt stehen somit die Gründung der Nationalliberalen Fraktion und Partei und ihre Arbeit im Norddeutschen Bund im Mittelpunkt. Genauso wie in den anderen Abschnitten konzentriere ich mich hierbei auf den Reichstag und in einigen Fällen auf den preußischen Landtag, da zum einen der Schwerpunkt des Seminars auf Preußen und der Bundesebene lag und zum anderen der Umfang der Arbeit im geforderten Maß bleiben soll.
Der zweite Abschnitt behandelt den Höhepunkt der Nationalliberalen Beteiligung an der Regierung und die Frage welche liberalen Reformen verabschiedet werden konnten und was gegen Bismarck nicht durchsetzbar war. Auch die starke Beteiligung am Kulturkampf, muss unbedingt bei der Betrachtung dieses Zeitraums ins Auge genommen werden.
Der dritte Abschnitt behandelt schließlich die Abkehr Bismarcks von den Nationalliberalen und die Reaktion der Fraktion und Partei hierauf.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
I. Die Zeit des Norddeutschen Bundes
1. Die Gründung der Nationalliberalen Fraktion und Partei
2. Die Mitarbeit an der Verfassung des Norddeutschen Bundes
3. Gesetzliche Initiativen in der Zeit des Norddeutschen Bundes und Versuche der Nationalliberalen die Verfassung zu erweitern
II. Die Zeit von der Reichsgründung 1871 bis zur großen Wende 1878
1. Die Nationalliberalen als Regierungspartei?
2. Der Kulturkampf als Bindemittel zwischen Bismarck und den Nationalliberalen
3. Die Abwendung Bismarcks von den Nationalliberalen
III. Die Auswirkungen der großen Wende und die darauf folgende Neuorientierung der Nationalliberalen Partei
Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Rolle der Nationalliberalen Partei während der Ära Bismarck. Im Zentrum steht die Forschungsfrage, ob die Regierungsbeteiligung und Kooperation der Liberalen mit Bismarck als ein politisch sinnvoller Pragmatismus zur Verwirklichung liberaler Ziele oder als Verrat an den eigenen Werten zu bewerten ist.
- Die Entstehung und der Aufbau der Nationalliberalen Partei im Norddeutschen Bund.
- Das Spannungsfeld zwischen liberalen Reformbestrebungen und der Dominanz Bismarcks.
- Die Rolle der Nationalliberalen als Regierungspartei und ihre Beteiligung am Kulturkampf.
- Die Ursachen für die politische Wende von 1878 und die anschließende Spaltung der Partei.
- Die politische Neuorientierung und der Rechtsruck der Partei in den späten 1880er Jahren.
Auszug aus dem Buch
Die Gründung der Nationalliberalen Fraktion und Partei
Der Auslöser für die Gründung der Nationalliberalen Fraktion und Partei war Bismarck. Die se Aussage bedarf einiger Erklärung, die ich im folgenden Abschnitt zu geben versuche wer de. Nach dem preußischen Sieg von Königgrätz löste sich der Deutsche Bund auf und die klein deutsche Lösung ohne Österreich war geboren. Am 15. August 1866 kam es zur Gründung des Norddeutschen Bundes, der, neben Preußen und seinen neu annektierten Gebieten wie z.B. Hannover, alle Länder nördlich des Mains umfasste. Die süddeutschen Länder verblieben zunächst außerhalb des Bundes.
Schon am 5. August 1866 veröffentlichte Bismarck, anlässlich der Eröffnung des preußischen Landtages, die so genannte Indemnitätsvorlage, mit der er im Nachhinein für die letzten Jahre die Regierung entlasten und den Verfassungskonflikt beenden wollte. Der Verfassungskon flikt war auf Grund der Weigerung des preußischen Landtages, der unter Führung der Fort schrittspartei stand, das Militärbudget zu genehmigen entstanden. Bismarck formulierte dar aufhin die so genannte Lückentheorie, in der er seine militärischen Ausgaben damit begründe te, dass der Staat im Falle eines Boykotts durch das Parlament nicht handlungsunfähig werden dürfte. Angesichts des erreichten militärischen Erfolgs sah Bismarck nun die Gelegenheit gekommen, diesen Streit zu beenden und sein begangenes Unrecht teilweise einzugestehen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Einleitung führt in die zentrale Fragestellung der Arbeit ein und reflektiert den Wandel in der historischen Forschung zur Rolle der Nationalliberalen während der Bismarckzeit.
I. Die Zeit des Norddeutschen Bundes: Das Kapitel behandelt die Gründung der Nationalliberalen, ihre Rolle bei der Entstehung der Verfassung des Norddeutschen Bundes sowie ihre Versuche, liberale Gesetzesinitiativen gegen Bismarck durchzusetzen.
II. Die Zeit von der Reichsgründung 1871 bis zur großen Wende 1878: Hier wird die Phase der Nationalliberalen als Regierungspartei, der Kulturkampf als Bindeglied zu Bismarck und der allmähliche Prozess der Entfremdung analysiert.
III. Die Auswirkungen der großen Wende und die darauf folgende Neuorientierung der Nationalliberalen Partei: Dieses Kapitel erläutert den Bruch von 1880, die Gründung der Sezession sowie die zunehmende Annäherung des verbliebenen Parteiflügels an die Konservativen.
Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst zusammen, dass die Zusammenarbeit mit Bismarck aus Sicht der Zeitgenossen eine reale Chance zur Reform bot, jedoch langfristig durch Bismarcks Taktik zur Schwächung des Liberalismus führte.
Schlüsselwörter
Nationalliberale Partei, Bismarckzeit, Deutscher Liberalismus, Norddeutscher Bund, Kulturkampf, Reichsgründung, Indemnitätsvorlage, Lückentheorie, Rudolf von Bennigsen, politische Spaltung, Freihandel, Sozialistengesetze, Verfassungswandel, Fortschrittspartei, Reichstag.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das politische Handeln der Nationalliberalen Partei während der Ära Bismarck und bewertet deren Kooperation mit der Regierung.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Themen umfassen die Entstehung des Norddeutschen Bundes, die liberale Gesetzgebungsarbeit, den Kulturkampf und die Auswirkungen der innenpolitischen Wende von 1878.
Welches Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es zu klären, ob das politische Handeln der Partei ein sinnvoller Pragmatismus zur liberalen Gestaltung des Staates war oder lediglich ein Scheitern an den autoritären Vorgaben Bismarcks.
Welche wissenschaftliche Methode wurde angewandt?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Protokolle, Memoiren sowie moderner geschichtswissenschaftlicher Standardliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich chronologisch in die Phasen des Norddeutschen Bundes, die Zeit zwischen 1871 und 1878 sowie die Zeit nach der großen Wende bis zur Neuorientierung der Partei.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind unter anderem Nationalliberale Partei, Bismarck, Kulturkampf, Reichsgründung und liberale Reformpolitik.
Warum war die Lückentheorie für die Gründung der Partei so bedeutend?
Die Indemnitätsvorlage Bismarcks spaltete die Fortschrittspartei, da ein Teil der Abgeordneten pragmatisch zur Zusammenarbeit bereit war, während der linke Flügel dies als Verrat wertete.
Welche Rolle spielte der Kulturkampf für das Bündnis mit Bismarck?
Der Kulturkampf fungierte als politisches Bindemittel, da sowohl die Nationalliberalen als auch Bismarck in den ultramontanen katholischen Strömungen eine Bedrohung für den modernen Nationalstaat sahen.
Was führte zur Abwendung Bismarcks von den Nationalliberalen?
Der Wechsel von einer Freihandelspolitik zu Schutzzöllen sowie die innenpolitische Notwendigkeit, den Liberalismus zu schwächen, führten zur Entfremdung und zur Allianz mit konservativen Kräften.
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- Fabian Rühle (Author), 2007, Die Nationalliberale Partei in der Bismarckzeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135935