Ziel dieser Bachelorarbeit ist eine kritische Betrachtung der liberalen Vorstellung des Privaten im Kontext von Big Data. Zuerst werden die verschiedenen Aspekte von Privatheit untersucht und dann in Beziehung zu den Herausforderungen gesetzt, die sich aus der digitalen Datenerfassung ergeben. Dabei wird die Bedeutung einer feministischen Perspektive auf das Thema hervorgehoben.
Unser gesellschaftliches Verständnis von Privatheit folgt im Allgemeinen einer liberalen Vorstellung, welche auf Freiheit und Eigentum basiert. Liberale Privatheit betont den Schutz individueller Freiheit und den Schutz von Informationen, die eine Person vor einer anderen verbirgt. Dieses Verständnis zeigt sich jedoch den Herausforderungen, die sich aus der Überwachung und Datenerfassung ergeben, nicht gewachsen. Daher lohnt sich ein kritischer Blick auf die liberale Privatheit. Feministische Theorien bieten eine alternative Perspektive auf die Bedeutung von Privatheit, die soziale, politische und kulturelle Faktoren berücksichtigt, welche das Verständnis und die Wahrnehmung von Privatheit beeinflussen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Das Private als Diskursthema
2.1 Ein Recht auf Privatheit
2.2 Die Ambivalenz des Privaten
2.3 Der Wert des Privaten
3. Informationelle Privatheit im digitalen Zeitalter
3.1 Big Data und Datenherrschaft
3.2 Unzulänglichkeiten des liberalen Rechts auf Privatheit im Internet
3.3 Lösungsansätze für die Herausforderungen digitaler Privatheit
4. Schluss
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Bachelorarbeit untersucht kritisch aus einer feministischen Perspektive das liberale Verständnis von Privatheit im Kontext von Big Data. Ziel ist es, aufzuzeigen, wie digitale Erfassung und Datenverarbeitung bestehende Machtverhältnisse – insbesondere in Bezug auf Geschlecht, Klasse und Rasse – beeinflussen und warum ein neuer Ansatz zum Schutz des Privaten dringend erforderlich ist.
- Die kritische Analyse liberaler Privatheitskonzepte.
- Die ambivalenten Auswirkungen der Digitalisierung auf das Private.
- Die Machtasymmetrien durch Big Data und Datenherrschaft.
- Die Unzulänglichkeiten bestehender rechtlicher Rahmenbedingungen (z. B. DSGVO).
- Die Notwendigkeit einer feministischen Neubewertung der Privatsphäre.
Auszug aus dem Buch
3.1 Big Data und Datenherrschaft
In den letzten paar Jahrzehnten hat sich ein neues Geschäftsmodell, basierend auf der Ausbeutung von Daten, entwickelt. Das Geschäft mit Daten ist undurchsichtig und konzentriert sich auf einige wenige Unternehmen und Organisationen. Diese machten aus Daten austauschbare Güter und erschufen einen Markt für sie. Der Datenmarkt wird kontrolliert von den Big Tech Unternehmen Google, Apple, Meta (früher Facebook), Amazon und Microsoft. Dieser Datenmarkt wird von verschiedenen Autoren als privatisierende und räuberische Form von Kapitalismus beschrieben, welcher sich Reichtum aneignet, statt ihn generieren.
Der Begriff Big Data wird im Alltagsgebrauch gleichgesetzt mit riesigen, zu analysierenden Datenmengen, grundsätzlich bezogen auf das Internet. Doch der alleinige Fokus auf diese Menge an Daten wird dem Phänomen Big Data nicht gerecht, meint Viktor Mayer-Schönberger, Professor am Internet Institute der Universität Oxford. Auch die von den Medien oft benutzten drei „Vs“; volume (Menge), velocity (Geschwindigkeit) und variety (Vielfalt); um Big Data zu charakterisieren, sind laut Mayer-Schönberger nicht konstitutiv. Vielmehr beschreibt er Big Data als eine „neue oder jedenfalls signifikant verbesserte Methode der Erkenntnisgewinnung“ wodurch sich „aus Daten Erkenntnisse über die Wirklichkeit gewinnen lassen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Spannungsfeld zwischen Digitalisierung, persönlicher Privatheit und staatlicher oder unternehmerischer Überwachung ein und formuliert die Forschungsfrage.
2. Das Private als Diskursthema: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Theorien zum Begriff der Privatheit und beleuchtet die historische Entwicklung sowie die Debatte um deren Definition.
3. Informationelle Privatheit im digitalen Zeitalter: Hier wird der Einfluss von Big Data auf die informationelle Privatheit analysiert und die Schwachstellen aktueller Regelungen wie der DSGVO aufgezeigt.
4. Schluss: Das Fazit fasst die zentralen Argumente zusammen und betont die Notwendigkeit, das Konzept der Privatheit unter Berücksichtigung feministischer und machtkritischer Perspektiven weiterzuentwickeln.
Schlüsselwörter
Privatheit, Informationsgesellschaft, Big Data, Datenschutz, digitale Überwachung, feministische Theorie, Machtverhältnisse, informationelle Selbstbestimmung, Privatsphäre, Datenherrschaft, DSGVO, digitale Profile, Rechtsphilosophie, Geschlechtergerechtigkeit, Technologisierung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die kritische Analyse des Begriffs der Privatheit im digitalen Zeitalter unter besonderer Berücksichtigung der Mechanismen von Big Data und feministischer Theorieansätze.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Fokus?
Zentral sind die Dynamik von Big Data, die Kritik am liberalen Rechtsverständnis von Privatsphäre und die geschlechtsspezifische Dimension von Überwachung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Unzulänglichkeiten des liberalen Privatheitsmodells aufzuzeigen und die Notwendigkeit für einen Schutz zu begründen, der Machtverhältnisse und soziale Auswirkungen explizit mitdenkt.
Welchen wissenschaftlichen Ansatz wählt die Autorin?
Es wird eine diskursanalytische Vorgehensweise gewählt, die liberale Theorien (wie die von Warren & Brandeis) mit feministischen Ansätzen (u.a. Hannah Arendt, Carol Hanisch) konfrontiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Diskurse über das Private, die Analyse von Datenherrschaft durch Großkonzerne und die Evaluierung rechtlicher Schutzmaßnahmen wie der DSGVO.
Welche Schlagworte charakterisieren diese Arbeit am besten?
Privatheit, Datenherrschaft, Big Data, Feministische Theorie, Datenschutz und Überwachungsgesellschaft.
Warum wird die DSGVO im Dokument kritisch hinterfragt?
Die Autorin argumentiert, dass die DSGVO primär auf einer liberalen Vorstellung von individueller Zustimmung basiert und die systemischen Machtasymmetrien von Big Data nicht ausreichend adressieren kann.
Welche Rolle spielt die feministische Debatte "Das Private ist politisch"?
Dieser Slogan dient als theoretisches Fundament, um aufzuzeigen, dass persönliche (private) Daten und deren Erfassung nicht isoliert betrachtet werden dürfen, sondern politische und gesellschaftliche Machtwirkungen haben.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2023, Das Private im Kontext von Big Data. Herausforderungen und Ambivalenzen aus feministischer Perspektive, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359386