Das zweite Buch der Aeneis, in dem Aeneas, aufgefordert von Dido, den Fall Trojas und den anschließenden Auszug aus Troja erzählt, fällt durch die Häufung von verschiedenen göttlichen Zeichen besonders auf: Erscheinung einer Gottheit (der Venus), Prodigien (Schwitzen des Palladiums, Laokoonprodigium, Flammenprodigium und Sternprodigium), Traumerscheinung (Hektors) und Epiphanie (Kreusas).
Dass es um die Gründung des römischen Imperium geht, weiß der Leser schon nach den ersten Zeilen 1-7 des I. Buches. Wie es jedoch vom Fall Trojas zur Gründung Roms kommt, muss der Erzähler noch begründen, denn Erzählen ist sinnkonstituierend: es besteht nicht bloß aus der chronologischen Abfolge von Ereignissen, sondern schafft einen Handlungszusammenhang nach dem Prinzip der Kausalität.
Wie sich diese finale Motivierung im Text niederschlägt, möchte ich anhand der Prodigien im II. Buch der Aeneis analysieren. Denn nachdem die Aeneis in medias res anfängt, wird im II. Buch retrospektivisch der Anfang des Weges von Troja nach Latium dargestellt und vor allem durch die Prodigien als epische Mittel motiviert.
Inhaltsverzeichnis
1. Problemstellung
2. Was ist ein Prodigium?
3. Die Prodigien im II. Buch der Aeneis
3.1. Schwitzen des Palladiums (162-182)
3.2. Laokoonprodigium (199-233)
3.3. Flammenprodigium und Sternprodigium (679-704)
Flammenprodigium
Sternprodigium
4. Zusammenfassende Schlussfolgerung
5. Anhang: Übersetzung der Prodigien des II. Buches der Aeneis
5.1. Schwitzen des Palladiums (162-182)
5.2. Laokoonprodigium (199-233)
5.3. Flammen- und Sternprodigium (679-704)
Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Funktion und teleologische Kausalität der Prodigien im zweiten Buch der Aeneis und analysiert deren Rolle als göttliche Zeichen, die das Schicksal Trojas und die Gründung Roms spiegeln.
- Die narratologische Bedeutung von Prodigien im epischen Kontext.
- Analyse spezifischer Prodigien: Palladiuum, Laokoon, Flammen und Stern.
- Die Verbindung zwischen göttlicher Vorsehung (Fatum) und menschlichem Handeln.
- Die teleologische Ausrichtung der Vergilschen Handlungsstruktur.
Auszug aus dem Buch
3. Die Prodigien im II. Buch der Aeneis
Nach dem conticuere omnes beginnt Aeneas' Erzählung. Wir befinden uns also im intradiegetischen Rahmen und der Leser wird aufgefordert mit Dido und ihren Gästen den Fall Trojas, die insidiae der Danaer und den Auszug der Aeneaden aus Troja aus dem Munde des Aeneas zu hören.
3.1. Schwitzen des Palladiums (162-182)
Das erste Prodigium, das dem Leser im II. Buch der Aeneis begegnet, ist das Schwitzen des Standbildes der Pallas Athene. Im Vergleich zu den anderen Prodigien dieses Buch wird es im Rahmen der Trugrede Sinons erzählt. Die Funktion dieses Prodigiums ergibt sich demnach aus dem Zusammenhang der Sinon-Rede. Mit der Erzählung des Prodigiums antwortet Sinon auf die Frage Priamus’: „quo molem hanc immanis equi statuere? quis auctor?/quidue petunt? quae religio? aut quae machina belli?“ (150f)18.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Problemstellung: Dieses Kapitel führt in die Problematik der göttlichen Zeichen bei Vergil ein und legt die Forschungsfrage zur teleologischen Kausalität dar.
2. Was ist ein Prodigium?: Hier wird der römische Begriff des Prodigiums definiert und seine Funktion als göttliches Warnsignal oder Zeichen im religiösen Kontext erläutert.
3. Die Prodigien im II. Buch der Aeneis: Der Hauptteil analysiert detailliert die drei zentralen Prodigien (Palladium, Laokoon, Flammen/Stern) und deren erzähltechnische Einbettung.
4. Zusammenfassende Schlussfolgerung: Das Kapitel bündelt die Ergebnisse und bestätigt die These der teleologischen Verknüpfung der Prodigien mit der Gründung Roms.
5. Anhang: Übersetzung der Prodigien des II. Buches der Aeneis: Bietet eine direkte Übersetzung der untersuchten Textstellen zur besseren Nachvollziehbarkeit der Analyse.
Schlüsselwörter
Aeneis, Vergil, Prodigium, Fatum, Teleologie, Kausalität, Laokoon, Palladium, Troja, Antike, römische Religion, Epos, Götterzeichen, Mythologie, Literaturwissenschaft.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den göttlichen Zeichen (Prodigien) innerhalb des zweiten Buches von Vergils Aeneis und deren narrativer sowie teleologischer Bedeutung.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die römische Religion, die epische Struktur der Aeneis, das Konzept des Fatums und die bewusste Steuerung der Handlung durch göttliche Vorzeichen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Vergil die Prodigien nutzt, um die Ereignisse des Untergangs Trojas und der bevorstehenden Gründung Roms teleologisch zu verknüpfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Textanalyse der lateinischen Originalverse sowie einen Vergleich mit der wissenschaftlichen Sekundärliteratur zum Prodigienwesen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil findet eine detaillierte Untersuchung dreier Phänomene statt: Das Schwitzen des Palladiuum-Standbildes, die Laokoon-Episode mit den zwei Schlangen sowie die himmlischen Zeichen von Feuer und Stern.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Neben Aeneis und Vergil sind Prodigium, Fatum, Teleologie, römische Religion und epische Kausalität die maßgeblichen Begriffe.
Warum spielt das Laokoon-Prodigium eine so wichtige Rolle?
Es dient als Schicksalszeichen, das über die bloße Erzählfunktion hinaus die Trojaner täuscht und ihre schicksalhafte Verfehlung dramatisiert.
Wie unterscheidet sich die Deutung der Flammen- und Sternprodigien?
Während das Flammenprodigium positiv als göttliche Gunst gedeutet wird, untermauert das Sternprodigium die Verbindung zum sidus Iulium und legitimiert damit die römische kaiserliche Zukunft.
- Arbeit zitieren
- Vanya Gheorghita (Autor:in), 2007, Die Prodigien im II. Buch der Aeneis und ihre teleologische Kausalität, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359400