In dieser Arbeit werden die traditionsgeschichtlichen Motive untersucht, die den Evangelisten Johannes inspiriert haben, und es wird analysiert, welche Botschaft er mit dieser Perikope des Lazarus vermitteln wollte. Besonders relevant ist die Frage nach der Bedeutung dieser Perikope in der heutigen Pastoral, insbesondere für die Trauerbegleitung. Der Text kann eine bedeutende Trostquelle für Menschen sein, die mit Verlust und Trauer konfrontiert sind. Allerdings erfordert es eine richtige Deutung, um die Botschaft angemessen zu erfassen. Diese Untersuchung bietet einen Beitrag zur Interpretation der Perikope und erhebt den Anspruch, eine Quelle des Trostes zu sein. Dabei werden wissenschaftliche Exegese-Methoden angewendet, um den Text sowohl synchron als auch diachron zu analysieren.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Wissenschaftlich – methodische Exegese
2.1 synchrone Analyse
2.1.1 Abgrenzung
2.1.2 Kontextstellung
2.1.3 Aufbau
2.1.4 Semantik
2.1.5 Kohärenz
2.2 Diachrone Analyse
2.2.1 Totenauferweckungen in der Antike
2.2.2 Die Bedeutung der „Zeichen“ im Johannesevangelium
3 Fazit der wissenschaftlich – methodischen Exegese
4 Was Joh 11, 1 – 45 für die Pastoral bedeuten kann
Zielsetzung und Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht die Perikope von der Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1–45) durch eine wissenschaftlich-exegetische Analyse, um deren theologischen Gehalt im Kontext des Johannesevangeliums zu ergründen und die daraus resultierende Bedeutung für die heutige Trauerpastoral kritisch zu reflektieren.
- Synchrone und diachrone Analyse der Lazarus-Erzählung
- Theologisches Verständnis der johanneischen „Zeichen“
- Kontrastierung von antikem Wunderverständnis und christlicher Hoffnung
- Herausforderungen und Ansätze in der heutigen Trauerpastoral
Auszug aus dem Buch
2.1.2 Kontextstellung
Die Perikope steht im Gesamtkontext des Evangeliums nach Johannes, das das letzte der vier kanonischen Evangelien sowie das Jüngste ist.
Das Johannesevangelium kann in fünf Teilbereiche gegliedert werden. Die Perikope der Auferweckung des Lazarus lässt sich in den Teilbereich des öffentlichen Wirkens Jesu einordnen. Die Auferweckung gehört zu den sieben Zeichen, in denen sich der Gottessohn den Menschen offenbart, und zugleich ist es das letzte Zeichen.
Die Perikope steht an einer bedeutsamen Stelle im Evangelium; sie fordert ein reflexives Verstehen des schon Geschehenen.4 Der Adressat muss also den vorherigen Kontext kennen, um die Perikope zu verstehen. Johannes umgreift „dessen ganzes bisheriges Wirken und lässt es in der Auferstehung des Lazarus kulminieren[...]“.5
In einer gewissen Spannung steht die Erzählung von der Auferweckung des Lazarus: Im vorherigen Kapitel 10,22f. wollen „die Juden“ von Jesus, dass er endlich sagt, ob er der Messias (der Christus) sei. Jesus hat dies aber bereits immer wieder mit seinen Zeichenhandlungen zu zeigen versucht, ist jedoch auf Unglauben gestoßen. Er offenbart ihnen seine Einheit mit dem Vater und zeigt gerade hier am Chanukka-Fest, dass er der wahre Tempel Gottes unter den Menschen ist.6 Dies wird aber als Gotteslästerung aufgefasst, was zu einer Steinigung Jesu führen soll. Jesus entkommt der aufgebrachten Menge. Klaus Wengst bezeichnet die Perikope der Auferweckung des Lazarus als: „Vehikel zur eigenen Passion Jesu, die am Kreuz endet.“7
Anschließend an die Perikope der Auferweckung des Lazarus folgt der Tötungsbeschluss des Hohen Rates (vgl.47-53). Jesu Werke und Wirken werden als Bedrohung bewertet und die Angst davor stieg, dass die Römer den jüdischen Kult verbieten. Das drauf folgende Mahl mit dem auferweckten Lazarus sowie die Salbung der Füße Jesu mit Nardenöl durch Marta verweisen schon auf die Passion und auf das Kommen seiner „Stunde“. Diese Todesprophezeiung wird dennoch durch den Duft des Lebens, der sich durch das ganze Haus verbreitet, in der Gewissheit der Auferstehung gedeutet.8
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Lazarus-Erzählung ein, beleuchtet ihre Bedeutung als komplexes theologisches Zeichen und stellt die Forschungsfragen bezüglich ihrer traditionsgeschichtlichen Einordnung sowie pastoralen Relevanz.
2 Wissenschaftlich – methodische Exegese: Dieses Hauptkapitel unterzieht den Text einer detaillierten synchronen Analyse (Aufbau, Semantik, Kohärenz) sowie einer diachronen Betrachtung antiker Auferweckungsvorstellungen und des johanneischen Zeichenkonzepts.
3 Fazit der wissenschaftlich – methodischen Exegese: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont, dass die Perikope weniger als historisches Mirakel, sondern als bildhafter Hoffnungstext für den Glauben an Gott, der Leben schenkt, zu verstehen ist.
4 Was Joh 11, 1 – 45 für die Pastoral bedeuten kann: Dieser Abschnitt erörtert die Herausforderungen bei der Verwendung des Textes in der Trauerpastoral und plädiert für eine tiefere, biblisch fundierte Auseinandersetzung, um die heilende Botschaft erfahrbar zu machen.
Schlüsselwörter
Auferweckung des Lazarus, Johannesevangelium, Exegese, Zeichenhandlung, Pastoral, Trauerarbeit, Christologie, antikes Weltbild, Trost, Auferstehung, Glaube, biblische Narrative, Wundererzählung, Hoffnung, Messias
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Erzählung der Auferweckung des Lazarus im Johannesevangelium unter exegetischen Gesichtspunkten und prüft deren Relevanz für die heutige Seelsorge.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die Schwerpunkte liegen auf der narrativen Struktur des Textes, dem johanneischen Verständnis von „Zeichen“ sowie der pastoralen Praxis im Umgang mit Tod und Trauer.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die narrative Botschaft der Perikope zu entschlüsseln und aufzuzeigen, wie sie über die rein historische Deutung hinaus als Quelle für Trost und Glauben in der heutigen Zeit wirken kann.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es werden Methoden der modernen Exegese angewandt, konkret eine Kombination aus synchroner Textanalyse und diachroner Einordnung in den antiken Kontext.
Was umfasst der theoretische Hauptteil?
Der Hauptteil gliedert sich in eine synchrone Analyse (Abgrenzung, Kontext, Aufbau, Semantik, Kohärenz) und eine diachrone Analyse von Totenauferweckungsvorstellungen in der Antike und der Bedeutung von „Zeichen“ bei Johannes.
Welche Schlagworte charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Johannesevangelium, Exegese, Zeichenhandlung, Pastoral, Trauerarbeit und Auferstehungshoffnung.
Warum wird die Perikope im Johannesevangelium oft als „Zeichen“ und nicht als „Wunder“ bezeichnet?
Der Autor unterscheidet bewusst, da es weniger um die bloße Tat des Lebensgebens geht, sondern um einen Hinweis auf Jesus Christus als die „Auferstehung und das Leben“, der über sich selbst hinausweist.
Wie unterscheidet sich die Lazarus-Erzählung von anderen Totenerweckungen der Bibel?
Besonders die narrative Einbettung, das Ausbleiben einer Berührung durch Jesus und die explizite Zeitspanne von vier Tagen im Grab geben der Geschichte laut Arbeit eine exklusive theologisch-symbolische Bedeutung.
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- Alexander Grüder (Author), 2016, Die Auferweckung des Lazarus im Johannesevangelium mit Bezug auf die heutige Pastoral, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359447