Unternehmenskulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den USA aus der Sicht einer deutschen Auswanderin in South Carolina


Bachelorarbeit, 2008
44 Seiten, Note: 1,3

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

Abbildungsverzeichnis

Abkürzungsverzeichnis

I Einleitung

II Unternehmenskulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den USA

1 Was ist Kultur?
1.1 Klassifizierung von Kultur nach Theorien
1.1.1 Theorien nach Hall
1.1.2 Theorien nach Hofstede
1.2 Nationalkultur
1.2.1 Nationalkultur Deutschlands
1.2.2 Nationalkultur der USA
1.3 Unternehmenskultur
1.3.1 Ebenen und Komponenten von Unternehmenskultur
1.4 Subkultur

2 Unterschiede in der Kommunikation
2.1 Was ist Kommunikation?
2.2 Unterschiede bzw. Gemeinsamkeiten der deutschen und amerikanischen Geschäftssprache

3 Unterschiede in der Denkweise
3.1 Zeitdenken
3.2 Sicherheitsdenken
3.3 Motivation
3.4 Deduktives bzw. induktives Denken

4 Weitere Unterschiede
4.1 Etikette
4.2 Management in den USA und Deutschland

5 Anpassung an die Fremdkultur
5.1 Kulturschock
5.2 Kulturschock Modelle
5.3 Re-entry Schock
5.4 Symptome des Kulturschocks
5.5 Maßnahmen zur Minimierung von Kulturschock

6 Vermeiden von interkulturellen Schwierigkeiten
6.1 Wahl der passenden Kandidaten für den Auslandseinsatz
6.2 Interkulturelle Trainings

III Schluss

Literaturverzeichnis

Anhang

Abbildungsverzeichnis

Abb. 1: Kultureller Eisberg

Abb. 2: Das Zwiebel-Diagramm

Abb. 3: The Balance of Values versus Practices at the National and Organizational Levels

Abb. 4: Vernetzte Komponenten der Unternehmenskultur

Abb. 5: The 5D Model of Professor Geert Hofstede

Abb. 6: Das U-Modell

Abb. 7: Das W-Modell

Abkürzungsverzeichnis

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

I Einleitung

Schon seit Jahrtausenden machen sich Menschen auf die Reise, um ferne Länder zu entde-cken, zu erobern oder um einem Leben, das ihnen im Heimatland widerstrebt, zu entfliehen. Es liegt in der Natur des Menschen, Neues zu erforschen und sich weiterentwickeln zu wol-len. So setzte auch Christopher Columbus 1492 die Segel auf der Suche nach Indien und landete schließlich auf einem bis dato unbekannten Kontinent – Amerika. Im Laufe der Jahr-hunderte siedelten immer mehr Menschen aus Europa nach Amerika über, in der Hoffnung, dort ein besseres Leben führen zu können, unter ihnen auch viele Deutsche.

Im Rahmen der heutigen Globalisierung wagen immer mehr Menschen den Schritt ins Aus-land. Viele verbringen ihren Urlaub in den USA, andere besuchen dort die Schule oder ab-solvieren ein Praktikum. Und eine immer größere Zahl von Arbeitnehmern nutzt die Chance, einige Monate oder auch mehrere Jahre in den USA zu arbeiten, um ihre berufliche Karriere anzutreiben oder ihren eigenen Horizont zu erweitern.

Viele deutsche Unternehmen, die sich durch eine Präsenz im Land einen größeren Profit und eine einfachere und schnellere Erschließung des amerikanischen Marktes erhoffen, ver-lagern einen Teil ihrer Produktion ins Ausland, gründen Tochtergesellschaften, unterhalten Niederlassungen, Zweigstellen oder Büros. So siedelten sich in den letzten Jahren eine ganze Reihe deutscher Unternehmen in den USA an wie z.B. Siemens, Daimler oder auch BMW. Letzteres im U.S.- Bundesstaat South Carolina, wo sich auch mein Hauptwohnsitz befindet.

Eine Folge dieser internationalen Verflechtungen ist eine Fülle von Auslandsreisen mit einer breiten Facette von interkulturellen Kontakten und Begegnungen.

Denn wer seinen vertrauten Lebensraum verlässt und sich in die Fremde begibt, trifft unwei-gerlich auf Menschen mit Lebensweisen, die sich von den vertrauten zum Teil beträchtlich unterscheiden können. Diese kulturellen Unterschiede manifestieren sich nicht nur in der Sprache und der Lebensweise, sondern auch im Weltbild und moralischen Werten der frem-den Kultur. Je nach Einstellung und Persönlichkeit des Einzelnen können sich im Umgang mit der Fremdkultur kleinere oder größere Probleme ergeben, welche sich wiederum negativ auf das körperliche und geistige Wohlbefinden während des Auslandsaufenthalts auswirken können.

In der vorliegenden Arbeit sollen der Begriff Kultur und seine Bedeutungen am Beispiel von ausgewählten unternehmenskulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und den USA näher beleuchtet werden.

Das erste Kapitel befasst sich zunächst mit der Definition des Begriffs Kultur im Allgemeinen und stellt im Verlauf des Kapitels dar, wie sich Nationalkultur und Unternehmenskultur vom Oberbegriff Kultur abgrenzen und welche Gemeinsamkeiten zu erkennen sind. Des Weite-ren werden Theorien bzw. Kulturdimensionen namhafter Anthropologen vorgestellt und nä-her erläutert.

Abhängig von deren Anwendbarkeit werden diese im zweiten Kapitel zum Vergleich konkre-ter unternehmenskultureller Unterschiede herangezogen. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Unterschieden in der Kommunikations- und Denkweise der Menschen in beiden Kulturen.

Das Thema „Kulturschock“ ist im Zusammenhang mit interkultureller Begegnung ein wichti-ger Aspekt und wird in der vorliegenden Arbeit im fünften Kapitel ausführlich untersucht und erläutert.

Im letzten Kapitel werden die Möglichkeiten zur Vermeidung von negativen interkulturellen Erfahrungen im Rahmen eines Arbeitseinsatzes in den USA dargelegt.

Bei meiner Untersuchung bin ich in zwei Schritten vorgegangen:

Zunächst habe ich versucht, die wesentlichen kulturellen Unterschiede zwischen Deutsch­land und den USA auf der Grundlage von Sekundärliteratur und meinen eigenen Erfahrun-gen herauszuarbeiten.

Im zweiten Schritt erfolgte ein kontrastiver Vergleich bestimmter Verhaltensweisen unter Anwendung der Theorien bzw. Kulturdimensionen des Anthropologen Edward T. Hall bezüg-lich Zeit und Kommunikation, sowie der Kulturdimensionen eines weiteren namhaften Anth-ropologen, Geert Hofstede zur weiteren Verdeutlichung der Verhaltensweisen.

Selbstverständlich sind die Denk- und Verhaltensweisen, die der jeweiligen Kultur zugeord-net werden, nicht übertragbar auf sämtliche Mitglieder dieser Kultur, es geht hierbei lediglich um die Feststellung von Tendenzen.

Abschließend sei darauf hingewiesen, dass generell auf die Verwendung von Paarformen oder der weiblichen Form verzichtet wurde. Die gewählte Vorgehensweise dient einzig und allein der besseren Lesbarkeit des Textes. Mit allen anderen Begriffen wurde folglich analog verfahren.

„Amerikanisch“ bezieht sich zum Zwecke der Klarheit vornehmlich auf die weiße Mittelklas-seschicht Nordamerikas.

Die meisten ursprünglich englischsprachigen Zitate wurden ebenfalls zur besseren Lesbar-keit des Textes sinngemäß ins Deutsche übersetzt.

II Unternehmenskulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den USA

Durch die verstärkte unternehmerische Präsenz deutscher Firmen in den USA ergibt sich für eine Vielzahl deutscher Arbeitnehmer die Möglichkeit, eine bestimmte Zeit in einer Tochter-gesellschaft, Niederlassung oder eine Auslandsbüro für ihre deutsche Firma in den USA zu arbeiten.

Dabei werden sie nicht isoliert von ihren amerikanischen Kollegen tätig, sondern arbeiten mit ihnen zusammen. Kulturelle und unternehmenskulturelle Unterschiede treten dabei beson-ders deutlich zu Tage und stellen den einen oder anderen vor Schwierigkeiten. Nicht immer weiß man, wie man sich in der neuen Umgebung richtig verhält, oder man interpretiert Ges-ten, Ausdrücke und Kommunikationshandlungen falsch . Mehrere Faktoren und Hintergrün-de tragen entscheidend zum erfolgreichen Bestehen am Arbeitsplatz in der neuen Umge-bung bei. Entscheidend ist dabei, dass man sich dem Konzept „Kultur“ bewusst wird und sein Verhalten und Denken entsprechend anpasst bzw. ändert. Diese sehr wichtige Punkt wird im sechsten Kapitel genauer beleuchtet.

In diesem Kapitel sollen zunächst die einzelnen für diese Arbeit relevanten Kulturbegriffe geklärt und von einander abgegrenzt werden.

1 Kultur

Der Begriff „Kultur“ leitet sich vom lateinischen „cultura“ ab, der verschiedene Bedeutungen umfasst: „Landbau“; Pflege des Körpers und Geistes; Gesamtheit der geistigen und künstle-rischen Lebensäußerungen einer Gemeinschaft oder eines Volkes; Bildung; verfeinerte Le-bensweise; Zucht von Bakterien u.a. auf Nährboden“ – so lauten die Definitionen verschie-dener deutscher Wörterbücher (Jost 2003, 9).

Viele denken bei „Kultur“ an die Rituale von Eingeborenen im Urwald oder an die Gebräuche und Sitten in unseren Breitengraden. Ebenso verbinden wir viele Vorgänge mit Kultur, so reden wir zum Beispiel von Esskultur, Tischkultur, Sprachkultur, usw.

In der Kulturanthropologie versteht man unter „Kultur“ ein System von Werten, Symbolen, Bräuchen, Sitten, Ritualen, Verfahrens- und Verhaltensweisen einer Gemeinschaft von Men-schen, die sich in den Gefühlen der Menschen, ihren Gegenständen, ihrem Denken und Handeln, ihrer Einstellung und Meinung, ihrem Glaubens- und Wertesystem und in ihrer Identität offenbaren. Diese Werte und Normen verinnerlichen wir im Rahmen unserer Sozia-lisierung, die mit der Geburt beginnt und ungefähr mit Erreichen des zehnten Lebensjahres im Groben abgeschlossen ist.

Mythen, Legenden, Märchen und Geschichten zählen ebenso zu Kultur wie Gebäude, Kult-gegenstände oder künstlerische Tätigkeiten (Jost 2003, 10).

Die Wissenschaft hat sich bis dato nicht auf eine feste Definition von „Kultur“ festlegen kön-nen, unter anderem weil „Kultur“ nie statisch ist – sie ändert sich mit dem Wandel der Zeit und entwickelt sich weiter. Es „menschelt“ sehr in jeder Kultur, wobei einzelne Aspekte mehr oder weniger stark ausgeprägt sind.

Es wurden bereits verschiedene Modelle zur Darstellung von Kultur entwickelt. Ein sehr be-kanntes ist das Modell des „kulturellen Eisbergs“ von Robert L. Kohls, eine Abbildung ist auf Seite 7 zu finden.

Danach hat ein Eisberg eine sichtbare, über der Wasseroberfläche liegende Spitze. Der we-sentlich größere Teil des Eisbergs, der nicht sichtbare Teil, liegt unterhalb der Wasserober-fläche.

Daraus ergibt sich folgender Schluss: Kultur hat einige sichtbare, sofort erkennbare Aspekte und andere, die man nur vermuten oder erahnen kann. Probleme ergeben sich dann, wenn zwei Eisberge aufeinander stoßen, das heißt, wenn die nicht sichtbaren Aspekte einer Kultur mit den nicht sichtbaren Aspekten einer anderen Kultur kollidieren.

Die Illustration auf der folgenden Seite stellt den „kulturellen Eisberg“ bildlich dar.

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.1 Kultureller Eisberg ( http://www.culturalfactor.com )

Das sogenannte „Zwiebeldiagramm“ von Geert Hofstede (Hofstede 2001, 9-11) veranschau-licht die Zusammenhänge von in diesem Fall vier verschiedenen Manifestationen von Kultur:

Abbildung in dieser Leseprobe nicht enthalten

Abb.2 Das „Zwiebel-Diagramm“: Manifestationen von Kultur auf verschiedenen Tiefebenen

Die Schalen einer Zwiebel repräsentieren bei diesem Modell die einzelnen Manifestationen, wobei deren Anordnung in der Zwiebel ihre Bedeutung veranschaulicht. Symbole sind demnach die oberflächlichen Manifestationen. Helden und Rituale findet man in der Mitte und Werte sind die am tiefsten in Kulturen verankerten Manifestationen.

Hofstede (2005, 6ff.) fasst Symbole, Helden und Rituale als für Außenstehende sichtbare Praktiken zusammen. Die spezielle Bedeutung dieser Praktiken in der jeweiligen Kultur bleibt jedoch für Außenstehende im Verborgenen und kann nur von Angehörigen der jeweili-gen Kultur richtig interpretiert werden. Die sich im Kern der Zwiebel befindenden Werte hin-gegen können nicht von Außenstehenden wahrgenommen werden. Sie zählen nicht zu den Praktiken, da lediglich Schlussfolgerungen aus dem Handeln der Kultur zugehörenden Per-sonen gezogen werden können. Werte werden im frühen Kindesalter im Rahmen der Sozia-lisierung erlernt und häufig ist man sich diesen Werten als Erwachsener überhaupt nicht mehr bewusst. Ihre Anordnung im Mittelpunkt der Zwiebel verdeutlicht dabei, von welch elementarer Bedeutung sie für die kulturellen Gepflogenheiten einer Kultur sind.

Abschließend sei angemerkt, dass „Kultur“ in manchen Zusammenhängen in einer anderen Bedeutung verwendet wird. Dann handelt sich bei Kultur nicht um die Lebensweise einer Gemeinschaft von Menschen, sondern um die Gemeinschaft selbst, die durch eine gemein-same Lebens- und Verhaltensweise gekennzeichnet ist. Diese Ansicht wird zum Beispiel von dem amerikanischen Anthropologen Richard W. Brislin vertreten: „Eine Kultur ist zu ver-stehen als eine identifizierbare Gruppe mit gemeinsamen Überzeugungen und Erfahrungen, mit Wertgefühlen, die mit diesen Erfahrungen verbunden sind, und mit einem Interesse an einem gemeinsamen historischen Hintergrund“ (Brislin 1981, 3).

In der vorliegenden Arbeit ist diese Sichtweise jedoch nicht von Bedeutung.

1.1 Klassifizierung von Kultur und Theorien

Eine Reihe von Anthropologen und Sozialwissenschaftlern haben in verschiedenen Ansät-zen versucht, Theorien zur Erklärung für das Verhalten von Menschen aus verschiedenen Kulturkreisen zu entwickeln. Besonders zu nennen sind hierbei der amerikanische Anthropo-loge Edward T. Hall und der niederländische Sozialwissenschaftler und Anthropologe Geert Hofstede. Die Theorien dieser beiden Wissenschaftler sollen im zweiten Kapitel für den Ver-gleich von unternehmenskulturellen Unterschieden zwischen Deutschland und den USA he-rangezogen werden.

1.1.1 Theorien nach Edward T. Hall

Edward T. Hall gilt as Begründer der interkulturellen Kommunikation als anthropologische Wissenschaft.

In seinen Werken nennt Hall die verschiedenen Aspekte von Kultur „dimensions of culture“, wofür in der vorliegenden Arbeit die Übersetzung „Kulturdimensionen“ an Stelle der engli-schen Benennung verwendet wird.

Er unterschiedet im Hinblick auf den Aspekt Zeit in den verschiedenen Kulturen zwischen „monochronen“ und „polychronen“ Kulturen (Hall 1989, 53).

a) Monochrone Kulturen

In einer monochronen Gesellschaft beschäftigen sich die Menschen mit nur jeweils einer Tätigkeit. Zeit verläuft linear und wird eingeteilt. Aus diesem Grund spielen Zeit- und Ter-minpläne in monochronen Kulturen eine äußerst wichtige Rolle. Das monochrone Zeitemp-finden entstand im Zeitalter der Industrialisierung in Nordeuropa. Ohne die Einhaltung strikter Zeit- und Arbeitspläne hätte die Industrialisierung nicht funktioniert und das wirtschaftli-che Aufblühen Nordeuropas wahrscheinlich so nie stattgefunden. Eine monochrone Le-bensweise trägt offensichtlich zu einer effizienteren Arbeitsweise bei, sie stört jedoch unse-ren natürlichen biologischen Rhythmus.

b) Polychrone Kulturen

Typisch für polychrone Kulturen hingegen ist das gleichzeitige Erledigen mehrerer Tätigkei-ten. Es wird ein größerer Wert auf die Beziehung zwischen den Menschen und deren Bezie-hungen untereinander gelegt denn auf das Einhalten von vorgegebenen Zeitplänen. So wer-den italienische Geschäftsleute ihr lebhaftes Gespräch nicht abrupt für eine anstehende Be-sprechung unterbrechen. Der Schwerpunkt einer Kommunikationshandlung liegt in einer po-lychronen Kultur auf der Tätigkeit per se und nicht auf Zeitplänen.

Ein weitere Theorie Halls basiert auf dem Konzept der Kommunikation. Der Begriff „Kom-munikation“ wird im zweiten Kapitel genauer erläutert.

Nach Hall zieht sich Kommunikation wie ein roter Faden durch eine Kultur. Dabei spielt „Kontext“ eine sehr wichtige Rolle. Während sich in der Linguistik ein Code auf einigen Ebe-nen unabhängig vom Kontext analysieren lässt, können „im wahren Leben der Code, der Kontext und der Sinn nur als unterschiedliche Aspekte einer einzigen Kommunikationshand-lung gesehen werden“ (Hall 1989, 90).

Das bedeutet, dass in unterschiedlichen Situationen in den verschiedenen Kulturen anders gedacht und gefühlt wird. Für ein erfolgreiches Kommunizieren ist es deshalb unabdingbar, über genug Hintergrundwissen hinsichtlich verbaler und nonverbaler Ausdrucksweisen und Besonderheiten der jeweiligen Kultur zu verfügen, um sich in den einzelnen Situationen rich-tig verhalten zu können.

Hall kategorisiert Kulturen gemäß einer Skala auf der wir „low-context“ Kulturen am einen Ende und „high-context“ Kulturen am anderen Ende finden. „High-“ bzw. „low-context“ be-zeichnen Konzepte zur Gewinnung oder Verarbeitung von Informationen und die dazu not-wendige Vernetzung. Dabei geht es weniger um hohen oder niedrigen Kontext, sondern um starken oder schwachen Kontextbezug bei der Kommunikation.

a) „High-context“ Kulturen

In einer „high-context“ Kultur liegt der Schwerpunkt von Kommunikationshandlungen im non-verbalen Bereich. Kommunikation findet implizit statt, das heißt codiert und indirekt. Die Bot-schaft wird nicht eindeutig ausgesprochen, sondern „schwingt implizit mit“ und ist interpreta-tionsbedürftig. Die Menschen einer „high-context“ Kultur verlassen sich auf ihr gegenseitiges Kulturverständnis, um einer impliziten Kommunikationshandlung Bedeutung zu verleihen. So ist es in „high-context“ Kulturen weniger üblich, die Dinge direkt beim Namen zu nennen. Ihre Bekanntheit wird implizit vorausgesetzt und das Erwähnen zahlreicher Details kann als negativ empfunden werden. Der Gesichtsausdruck der Gesprächspartner, Anspielungen, die Umstände der Begegnung und viele weitere Kontextfaktoren sind eigene nicht zu unter-schätzende Informationsträger.

In einer „high-context“ Kultur bieten zum Beispiel Kinder, die Respekt für die Älteren in ihrer Gemeinschaft im Verlauf ihrer Sozialisierung verinnerlicht haben, ihren Sitzplatz den Älteren an, ohne dass ein Wortwechsel notwendig wird. Es findet keine verbale Kommunikation statt, da der Wert und die Bedeutung, die in diesen Kulturen dem Alter zugeschrieben wer-den, eine Botschaft an alle sich im Raum befindenden Personen aussendet.

Hall führt die arabische und japanische Kultur sowie die Kulturen im Mittelmeerraum als Bei-spiele für „high-context“ Kulturen an.

b) „Low-context“ Kulturen

Umgekehrt greifen „low-context“ Kulturen weit weniger auf Kontextbezug zurück, sondern bringen das Gemeinte verbal und explizit zum Ausdruck. Die Mitteilung der Botschaft erfolgt hier direkt, eindeutig und klar. In „low-context“ Kulturen spielen Worte in einer Kommunikati-onshandlung eine weit größere Rolle als Kontext. Das „Mitschwingen von implizierten Be-deutungen“ findet seltener statt und somit ist auch keine Interpretation der Kommunikati-onshandlung notwendig.

Nach Hall zählen gehören unter anderem Deutsche, Amerikaner, Schweizer und Bewohner des skandinavischen Raums „low-context“ Kulturen an.

1.1.2 Theorien nach Geert Hofstede

Geert Hofstede ist emeritierter Professor für Organisationsanthropologie. Bekannt wurde er unter anderem durch seine zwischen 1967 und 1978 durchgeführte IBM Studie, in der er die Zusammenhänge zwischen nationalen Kulturen und Unternehmenskulturen durch Befra-gung von IBM Mitarbeitern aus 50 verschiedenen Ländern untersuchte.

Sein Ziel war es, eine Sprache zu finden, in der Kultur ohne Missverständnisse wissen-schaftlich bearbeitet werden kann. Aus den Antworten der Fragebögen destillierte Hofstede vier bestimmende Dimensionen zur Beschreibung von Kulturen. 1985 kam eine fünfte Di­mension hinzu.

Im Folgenden sollen diese fünf Kulturdimensionen genauer erläutert werden:

a) Power Distance (Machtdistanz)

Beim Konzept der Machtdistanz geht es laut Hofstede darum, „wie verschiedene Kulturen mit der ungleichen Verteilung von Macht umgehen“(Hofstede 2001, 79). Diese Ungleichheit kann sich im Wohlstand, Prestige oder auch im sozialen Status manifestieren. So legen Kul-turen unterschiedlichen Wert auf Gleichheit in diesen Bereichen. In Unternehmen zum Bei-spiel ist die ungleiche Verteilung von Macht unvermeidlich und funktional. Am deutlichsten tritt diese Ungleichheit zu Tage, wenn man die Beziehungen zwischen Vorgesetzten und Untergebenen vergleicht.

Im Rahmen seiner Studie entwickelte Hofstede für diese Dimension einen Index, den soge-nannten Power Distance Index (PDI). Dieser Index gibt an, inwieweit weniger einflussreiche Individuen eine ungleiche Machtverteilung akzeptieren oder sogar erwarten. Hohe Machtdis-tanz bedeutet, dass Macht sehr ungleich verteilt ist, während bei geringer Machtdistanz Macht gleichmäßiger verteilt ist.

In Ländern mit niedrigem PDI zum Beispiel genießen die Arbeitnehmer eine größere Unab-hängigkeit gegenüber ihren Vorgesetzten als dies in Ländern mit hohem PDI der Fall ist. Des Weiteren wird in Ländern mit niedrigem PDI eine enge Kommunikation zwischen Vor-gesetzen und Arbeitnehmern hoch geschätzt. Es besteht also eine gewisse Abhängigkeit beider Parteien voneinander.

Länder, in denen germanische Sprachen vorherrschen (u.a. Deutschland, Dänemark, Eng­land) weisen tendenziell einen geringeren PDI auf als Länder, in denen romanische Spra-chen gesprochen werden (u.a. Frankreich, Spanien und Italien).

Laut Hofstede (2005, 66) lässt sich an folgenden Faktoren erkennen, ob ein Land einen ho-hen bzw. niedrigen PDI aufweist:

1. die geographische Lage (je weiter nördlich, desto geringer der PDI)
2. die Bevölkerungsdichte ( je dichter, desto höher der PDI)
3. der Wohlstand (je reicher das Land, desto niedriger der PDI)

b) Uncertainty Avoidance (Unsicherheitsvermeidung)

Hofstede schlägt folgende Definition für Unsicherheitsvermeidung vor: „Das Maß, in dem sich eine bestimmte Kultur vor ungewissen oder unbekannten Situationen bedroht fühlt“ (Hofstede 2001, 161).

Meiner Meinung nach ist diese Definition irreführend, da sie bei genauer Analyse den Begriff „Unsicherheit“ beschreibt und nicht „Unsicherheitsvermeidung“.

Das Konzept dieser Kulturdimension befasst sich mit der Frage, wie verschiedene Kulturen mit der Unvorhersehbarkeit und Unsicherheit der Zukunft umgehen.

Die Unsicherheit unserer Zukunft ist laut Hofstede ein Tatsache unseres Daseins auf der Welt, der wir durch eine Flucht in die Technik, durch das Aufstellen von Regeln und Geset-zen und durch Praktizieren von religiösem Glauben zu entkommen versuchen.

Technik soll uns dabei vor den Launen der Natur und deren Folgen bewahren. Regeln und Gesetze dienen unserem Schutz vor Mitmenschen, deren Handlungen wir nicht immer ab-sehen können. Und Religion hilft uns dabei, Ereignisse auf der Erde zu akzeptieren, die wir weder beeinflussen noch abwenden können, da es eine höhere Gewalt geben muss, die diese Geschehnisse verursacht und lenkt.

Analog zum PDI entwickelte Hofstede den Uncertainty Avoidance Index (UAI). Je höher der UAI einer Kultur, desto eher verfügt diese Kultur über starre und konservative Verhaltens-muster, die oft in Form von strengen Regelungen und Gesetzen sichtbar werden.

Im Privatleben neigen Menschen in Ländern mit hohem UAI zum Beispiel dazu, beim Auto-kauf einen Neuwagen einem Gebrauchtwagen vorzuziehen. Dieses Beispiel veranschaulicht den inneren Drang dieser Menschen, die Wahrscheinlichkeit eines unangenehmen Ereignis-ses (hier technische Probleme) so gering wie möglich zu halten.

Zudem verhalten sie sich bei der Einführung neuer Techniken (z.B. Internet) oder Produkte zu Beginn meist zögerlich. Werbespots in Ländern mit hohem UAI sind in der Regel ernst und seriös, wobei oft Ärzte, Experten oder andere geschätzte Persönlichkeiten das Produkt im Fernsehen anpreisen. In Ländern mit niedrigem UAI dagegen spielt Humor in Werbe-spots eine sehr große Rolle.

Gemessen am UAI ist Deutschland im oberen Mittelfeld angesiedelt, während sich die USA im unteren Bereich der Skala wiederfinden (Hofstede 2005, 168ff.).

c) Individualism and Collectivism (Individualimus und Kollektivismus)

Individualismus und Kollektivismus sind wechselseitig aufeinander bezogen und bilden Hofstedes dritte Kulturdimension. Dabei gibt sich auf der einen Seite Gesellschaften und Kulturen, in denen das Hauptaugenmerk auf dem Individuum liegt. Es wird von den Mitglie-dern dieser Kulturen erwartet, für sich selbst und ihre unmittelbare Familie zu sorgen. Die Selbstbestimmung der einzelnen Person steht im Vordergrund. Auf der anderen Seite finden wir Gesellschaften und Kulturen, in denen die Unterordnung unter das Kollektiv, also einer Gruppe, als das angemessene soziale Verhalten gilt. Der Mensch ist von Geburt an in star-ke, geschlossene Einheiten oder Gruppen integriert, die ihn ein Leben lang schützen, dafür aber bedingungslose Loyalität verlangen (Hofstede 2005, 75).

Der Individualism Index (IDV) gibt an, in welchem Maße eine Kultur dem Individualismus zu-zuordnen ist.

[...]

Ende der Leseprobe aus 44 Seiten

Details

Titel
Unternehmenskulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den USA aus der Sicht einer deutschen Auswanderin in South Carolina
Hochschule
Sprachen & Dolmetscher Institut München
Note
1,3
Autor
Jahr
2008
Seiten
44
Katalognummer
V135962
ISBN (eBook)
9783640912933
ISBN (Buch)
9783640912049
Dateigröße
1396 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
unternehmenskulturelle, unterschiede, deutschland, sicht, auswanderin, south, carolina
Arbeit zitieren
Carola Robbins (Autor), 2008, Unternehmenskulturelle Unterschiede zwischen Deutschland und den USA aus der Sicht einer deutschen Auswanderin in South Carolina, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/135962

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