Durch diese Literaturarbeit in Form einer Hausarbeit möchte der Autor den neuen § 2a NotSanG anhand eines realistischen Sachverhaltes strafrechtlich analysieren. In dem Sachverhalt geht es um einen Traumapatienten, der nach Einwilligung von einem Notfallsanitäter das Betäubungsmittel Fentanyl zur Analgesie verabreicht bekommt.
Der § 2a NotSanG ist eine weitere wichtige Veränderung auf dem Weg zu einer Professionalisierung des Rettungsdienstes, welcher gleichzeitig mit einem großen Kompetenz- und Verantwortungsgewinn für die Notfallsanitäter_Innen verbunden ist. In bis zu 54% aller Einsätze geben die Patienten_Innen Schmerzen als Symptom an. Eine Verringerung der Schmerzschwere um ≥ 2 NRS Punkten, oder eine Senkung <4 auf der NRS Skala kann als adäquate Analgesie definiert werden. Ein Großteil erhält keine ausreichende Analgesie.
Die Literatur beschränkt sich aufgrund des Themas auf deutsche Quellen, Stellungnahmen vom Wissenschaftlichen Dienst und Berufsverbänden, sowie weiteren namhaften Experten. Besondere Berücksichtigung findet der Kommentar des StGB von Fischer. Die Fallanalyse erfolgt in Anlehnung an die juristische Gutachtenmethodik.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung und Problemstellung
2 Theoretischer Hintergrund und Bezugsrahmen
2.1 Kompetenzen der Notfallsanitäter_Innen
2.1.1 Ausbildungsziele gemäß § 4 NotsanG
2.1.2 Garantenstellung
2.2 § 2a NotsanG - „Heilkundekompetenz“
2.2.1 Beherrschen
2.2.2 Lebensgefahr & wesentliche Folgeschäden
2.3 Schmerzzustand & Analgesie
3 Sachverhalt
4 Strafrechtliche Herausforderungen
4.1 Tatbestand
4.1.1 § 5 HeilPrG - Ausübung der Heilkunde
4.1.2 §§ 13 I, 29 I Nr. 6b BtMG - Abgabe und Straftat
4.1.3 §§ 223 I, 13 I StGB - Körperverletzung durch Unterlassen
4.1.4 §§ 340 I, 13 I StGB - Körperverletzung im Amt durch Unterlassen
4.1.5 § 323c StGB - Unterlassene Hilfeleistung
4.2 Rechtswidrigkeit
4.2.1 § 228 StGB - Einwilligung
4.2.2 § 2a NotSanG - „Heilkundekompetenz“
4.2.3 § 34 StGB - Rechtfertigender Notstand
4.3 Schuld
4.3.1 Schuldausschließungsgründe
4.3.2 Entschuldigungsgründe
5 Diskussion
6 Fazit
Zielsetzung & Themen
Ziel dieser Arbeit ist die strafrechtliche Analyse des neuen § 2a NotSanG anhand eines realitätsnahen Fallbeispiels. Dabei wird untersucht, ob und inwieweit diese gesetzliche Neuregelung Notfallsanitätern mehr Rechtssicherheit bei der eigenverantwortlichen Applikation von Betäubungsmitteln zur Schmerztherapie bietet und welche strafrechtlichen Konsequenzen ohne ärztliche Anwesenheit drohen.
- Rechtliche Grundlagen und Kompetenzrahmen des Notfallsanitätergesetzes (NotSanG)
- Strafrechtliche Bewertung von Garantenstellung und Unterlassungsdelikten
- Analyse der Tatbestandsmerkmale bei medizinischen invasiven Maßnahmen
- Diskussion über Rechtfertigungsgründe wie den rechtfertigenden Notstand nach § 34 StGB
- Fallstudie: Applikation von Fentanyl durch Notfallsanitäter ohne Notarzt
Auszug aus dem Buch
3 Sachverhalt
Der Autor möchte anhand eines realitätsnahen Sachverhaltes die Grundlage für die weiteren Kapitel setzen, da er sehr ähnliche Fälle auf dem Rettungswagen (RTW) bereits selber mehrfach erlebt hat. Anhand des Fallbeispiels erfolgt im Weiteren eine strafrechtliche Bewertung und Analyse mit dem Schwerpunkt der BTM Gabe.
Einsatzmeldung/ Anfahrt
An einem warmen Sonntagnachmittag erfolgt gegen 14:30 Uhr die Alarmierung für den RTW mit dem Einsatzstichwort „gestürzter E-Bike-Fahrer“. Der mit einem Notfallsanitäter und einer Rettungssanitäterin besetzte RTW trifft nach ca. fünf Minuten Fahrzeit am Einsatzort ein. Die Besatzung ist bei der Kommune verbeamtet und hat zusätzlich jeweils eine feuerwehrtechnische Ausbildung. Auf dem Rettungswagen sind alle Medikamente nach dem Pyramidenprozess inkl. Morphin und Fentanyl für eine ärztliche Behandlung verlastet. Zwei Passanten übernehmen die Einweisung.
Situation am Notfallort/ Erstbefund
Der 28-jährige E-Bike-Fahrer liegt am Rand des Radweges auf der linken Körperseite, der Kopf ist mit einem äußerlich intakten Helm geschützt. Er gibt von starken Schmerzen geplagt an, dass er bei ca. 25km/h von seinem Handy ablenkt wurde und vom Fahrbahnrand abgekommen ist. Darauf stürzte er auf seine rechte Körperseite. Beim Erzählen stützt er mit der linken Hand den rechten Arm. Seine Haut ist blass, das Gesicht schmerzverzerrt, an der Stirn imponieren Schweißperlen. Die Rettungssanitäterin fixiert den Kopf mit den Knien und legt das vollständige Basismonitoring an. Der Blutdruck beträgt 135/87 mmHG, die Herzfrequenz zeigt sich mit 110 Schlägen in der Minute. Die Sauerstoffsättigung liegt bei 99%.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung und Problemstellung: Dieses Kapitel skizziert die steigenden Anforderungen an Notfallsanitäter und die daraus resultierende Notwendigkeit einer klaren rechtlichen Basis für eigenverantwortliche invasive Maßnahmen.
2 Theoretischer Hintergrund und Bezugsrahmen: Hier werden die rechtlichen Kompetenzen, die Garantenstellung und die Begriffe des § 2a NotSanG erläutert, die den Rahmen für das Handeln im Rettungsdienst bilden.
3 Sachverhalt: Präsentation eines konkreten, realitätsnahen Einsatzszenarios eines gestürzten E-Bike-Fahrers, das als Grundlage für die strafrechtliche Prüfung dient.
4 Strafrechtliche Herausforderungen: Detaillierte Analyse des Falls hinsichtlich möglicher Straftatbestände nach StGB, HeilprG und BtMG sowie der Prüfung möglicher Rechtfertigungsgründe.
5 Diskussion: Betrachtung der Ergebnisse im Hinblick auf die professionelle Entwicklung des Rettungsdienstes und die verbleibenden Grauzonen bei der Gabe von Betäubungsmitteln.
6 Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass § 2a NotSanG wichtige Klarheit schafft, die eigenverantwortliche Opiatgabe aber weiterhin rechtlich problematisch bleibt.
Schlüsselwörter
Notfallsanitäter, NotSanG, § 2a NotSanG, Heilkundekompetenz, Strafrecht, Garantenstellung, Unterlassungsdelikt, Fentanyl, Betäubungsmittelgesetz, BtMG, Analgesie, Notfallrettung, invasive Maßnahmen, Rechtssicherheit, Notarzt
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die strafrechtliche Legitimation von Notfallsanitätern bei der eigenverantwortlichen Anwendung medizinischer Maßnahmen, insbesondere der Gabe von Schmerzmitteln wie Fentanyl.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Die zentralen Themen sind das Notfallsanitätergesetz (§ 2a NotSanG), die strafrechtliche Bewertung von unterlassenem Handeln (Garantenstellung) sowie die Konfliktsituation zwischen invasiver Therapie und dem Betäubungsmittelgesetz.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, anhand eines Fallbeispiels zu prüfen, ob der § 2a NotSanG Notfallsanitätern mehr Rechtssicherheit bei der eigenverantwortlichen Durchführung heilkundlicher Tätigkeiten in akuten Notsituationen bietet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, in der die Fallanalyse in Anlehnung an die juristische Gutachtenmethodik (Aufbau einer Straftat mit Tatbestand, Rechtswidrigkeit und Schuld) durchgeführt wird.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Bezugsrahmen, einen ausführlichen Sachverhalt und eine juristische Prüfung der relevanten Paragrafen des StGB, HeilprG und BtMG.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Kernbegriffe sind Notfallsanitäter, Heilkundekompetenz, Beschützergarant, Rechtfertigender Notstand und strafrechtliche Bewertung.
Kann ein Notfallsanitäter für das Unterlassen einer Analgesie bestraft werden?
Ja, da Notfallsanitäter als Beschützergaranten eine besondere Obhutspflicht haben, können sie bei Unterlassen einer technisch beherrschten und erforderlichen Maßnahme strafrechtlich zur Verantwortung gezogen werden.
Welche Rolle spielt der § 2a NotSanG im diskutierten Fallbeispiel?
Der § 2a NotSanG dient als Grundlage für die Heilkundebefugnis, reicht jedoch nach Ansicht des Autors nicht aus, um die eigenverantwortliche Applikation von BtMG-pflichtigen Medikamenten rechtssicher zu rechtfertigen.
- Quote paper
- Michael Jünger (Author), 2022, Legitimation der Applikation von Fentanyl durch Notfallsanitäter nach § 2a NotSanG. Eine Fallanalyse aus strafrechtlicher Sicht, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359630