Diese Hausarbeit soll anhand der Filme "Die Welle" und "Joker" exemplarisch aufzeigen, wie Film und Fernsehen unsere Vorstellung von einer Radikalisierung prägen und dabei vor allem die Frage beleuchten, ob, und in wie fern die wichtigsten wissenschaftlich festgestellten Ursachen von Radikalisierung in filmisch inszenierten Darstellungen verarbeitet werden.
Hierfür soll zuerst die für diese Arbeit verwendete Definition von Radikalisierung vorgestellt und deren Ursachen ausgeführt werden. Im Anschluss werden diese Ursachen auf die Verfilmungen von "Joker" (2019) und "Die Welle" (2008) angewendet, um mögliche Ursachen im Spektrum von Links- und Rechtsextremismus sowie individuelle Radikalisierung und Gruppenradikalisierung gleichermaßen zu bedienen. Anschließend soll ein Vergleich klären, welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede der verschiedenen Radikalisierungsprozesse in den Filmen deutlich werden. Im Fazit werden die Ergebnisse festgehalten und ein Ausblick auf die Vertiefung des Themas gegeben.
Radikal denken, handeln, leben. Das Wort radikal wird beinahe inflationär verwendet, doch welche Definition sieht die Wissenschaft für das Phänomen der Radikalisierung vor? Wie und warum vollzieht sich Radikalisierung? Diese Fragen stoßen im gesellschaftlichen Diskurs auf unzählbar viele mögliche Antworten, aber welche davon sind wissenschaftlich fundiert?
Besonders Serien und Filme schildern der Öffentlichkeit ihre Interpretation von Radikalisierung, und scheinen dabei eine Antwort auf die Fragen von radikalen Ursachen, Formen und Verläufen zu geben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Begriffserläuterungen
2.1. Definition Radikalisierung
2.2. Mögliche Radikalisierungsursachen
2.2.1. Mögliche Radikalisierungsursachen
2.2.2. Das Umfeld
2.2.3. Lebensbiografie
3. Joker
3.1. Inhalt
3.2. Analyse der Ursachen
4. Die Welle
4.1. Inhalt
4.2. Analyse der Ursachen
5. Vergleich
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht exemplarisch anhand der Filme "Joker" (2019) und "Die Welle" (2008), inwieweit wissenschaftlich festgestellte Radikalisierungsursachen in filmischen Darstellungen verarbeitet werden. Dabei liegt das Ziel darin, Gemeinsamkeiten und Unterschiede zwischen individuellen Radikalisierungsprozessen und Gruppenradikalisierungsprozessen in den fiktionalen Werken wissenschaftlich zu beleuchten.
- Wissenschaftliche Definitionen von Radikalisierungsprozessen
- Individuelle Dispositionen und psychologische Faktoren
- Soziale Umfeldfaktoren und Gruppenradikalisierung
- Analyse der Radikalisierungsursachen in "Joker"
- Analyse der Radikalisierungsursachen in "Die Welle"
- Vergleichende Untersuchung beider Radikalisierungsszenarien
Auszug aus dem Buch
3.2. Analyse der Ursachen
Joker, oder auch mit seinem bürgerlichen Namen Arthur Fleck genannt, wird Opfer der relativen Deprivation. Bereits von Kindheit an empfindet er das Gefühl, anders zu sein. Schon durch seine Krankheit, ein „unkontrollierbares Lachen, das nicht der Gemütslage entspricht“ (Philipps 2019: 08’50’’), hebt er sich von anderen Mitgliedern der Gesellschaft ab, die ihm größtenteils ablehnend gegenüberstehen. So verbietet ihm eine Frau im Bus, ihr Kind zum Lachen zu bringen (vgl. ebd. 08’16’’), seine Therapeutin interessiert sich nicht für seine Probleme (vgl. ebd. 40’43’’) und er wird mehrfach von Jugendlichen verprügelt (vgl. ebd. 02’55’’; 32’22’’). Selbst in seinem familiären Umfeld erlebt er Ablehnung und Zurückweisung, da Arthurs Mutter seinen Traum Comedian zu werden, in Frage stellt: „Warum denkst du, dass du das kannst? Muss man nicht witzig sein als Comedian?“ (ebd. 21’50’’).
Weiterhin differenziert sich Arthur von der Gesellschaft, indem er über andere Dinge lacht, als es konventionell praktiziert wird. Er erlebt seine Emotionen sehr intensiv und impulsiv. Arthurs unkontrolliertes Lachen stellt jede von ihm intensiv erlebte Emotion und unangenehme Situationen dar. Es ist feststellbar, dass sein Lachen als Katalysator für Emotionen wie Freude (vgl. ebd. 91’07’’), aber auch Nervosität oder Unsicherheit (vgl. ebd. 08’17’’; 30’32’’) und Trauer (vgl. ebd. 79’04’’) dient. Fest steht allerdings, dass durch diese Situationen die Intensität seiner Gefühlswelt an die Außenwelt weitergegeben wird, welche sein Verhalten jedoch nicht deutet.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung stellt die Forschungsfrage vor und erläutert die methodische Herangehensweise, Filme zur exemplarischen Untersuchung wissenschaftlicher Radikalisierungsursachen zu nutzen.
2. Begriffserläuterungen: Es werden grundlegende Definitionen von Radikalisierung sowie theoretische Ursachenkategorien wie individuelle Dispositionen, das soziale Umfeld und die Lebensbiografie dargelegt.
3. Joker: Dieses Kapitel analysiert die Figur Arthur Fleck und beleuchtet dessen individuelle Radikalisierung unter Berücksichtigung psychischer Krisen und gesellschaftlicher Rückweisung.
4. Die Welle: Der Fokus liegt hier auf der Untersuchung der Gruppenradikalisierung anhand der Figur Tim Stoltefuss im Zuge des pädagogischen Experiments im Film.
5. Vergleich: Dieser Abschnitt gegenüberstellt die Radikalisierungsprozesse von Arthur Fleck und Tim Stoltefuss, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede in ihrer Entwicklung aufzuzeigen.
6. Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass beide Filme wissenschaftlich fundierte Ursachen aufgreifen und diskutiert die mediale Rolle bei der Darstellung gesellschaftlicher Konflikte.
Schlüsselwörter
Radikalisierung, Joker, Die Welle, Sozialisation, Individuelle Disposition, Gruppenradikalisierung, Gesellschaftsanalyse, Filmwissenschaft, Psychologie, relative Deprivation, Gewaltzirkel, Identitätsbildung, Extremismus, Fremdbestimmung, Konflikteskalation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht, wie Filme Radikalisierungsprozesse abbilden und ob diese filmischen Darstellungen mit wissenschaftlich fundierten Ursachen für Radikalisierung übereinstimmen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die psychologischen Aspekte individueller Dispositionen, die Rolle des sozialen Umfelds sowie die Mechanismen von Gruppenradikalisierung und wie diese filmisch inszeniert werden.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, ob die Filme "Joker" und "Die Welle" komplexe wissenschaftliche Konzepte der Radikalisierung korrekt verarbeiten oder diese eher vereinfacht beziehungsweise idealisiert darstellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Filmanalyse, bei der zwei repräsentative Filme in Bezug auf definierte soziologische und psychologische Radikalisierungstheorien untersucht werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit detailliert behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Protagonisten Arthur Fleck ("Joker") und Tim ("Die Welle") hinsichtlich ihrer Hintergründe, ihrer psychischen Verfassung und ihrer Entwicklung hin zur Gewalt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Zu den prägenden Begriffen gehören insbesondere Radikalisierung, relative Deprivation, Gruppendynamik, soziale Identität und mediale Gesellschaftskritik.
Wie unterscheidet sich die Radikalisierung in "Joker" von der in "Die Welle"?
Während "Joker" primär auf die individuelle Radikalisierung aufgrund persönlicher Krisen fokussiert, stellt "Die Welle" die gruppenspezifischen Dynamiken und den Einfluss eines kollektiven Milieus in den Mittelpunkt.
Welche Rolle spielen die "familiären Hintergründe" bei den Hauptcharakteren?
Sowohl bei Arthur als auch bei Tim werden familiäre Vernachlässigung und fehlende Anerkennung als zentrale biografische Brüche identifiziert, die den Weg in die Radikalisierung begünstigen.
- Citation du texte
- Sarah Binzenbach (Auteur), 2020, Radikalisierung im Fokus. Eine Filmanalyse von "Die Welle" und "Joker", Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1359994