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Morphologisch-phonologische Kategorien der Genuszuweisung

Eine quantitative Erhebung bei syrischen und afghanischen Flüchtlingen mittels Kunstwörtern

Title: Morphologisch-phonologische Kategorien der Genuszuweisung

Master's Thesis , 2017 , 66 Pages , Grade: 2,3

Autor:in: Sebastian Kasprowicz (Author)

Didactics - German Studies
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Summary Excerpt Details

Diese Masterarbeit geht der Hypothese nach, dass syrische und afghanische Geflüchtete durch explizit-induktive Vermittlung von Genusregeln mittels realer Wörter Genuszuweisungskategorien abstrahieren, welche sie dann autonom auf Kunstwörter anwenden.

Im ersten Teil der Arbeit wird über die Dimensionen des Genus Auskunft gegeben. Danach wird erklärt, wo die Schwierigkeiten beim Erwerb der Genuszuweisung zu verorten sind. Anschließend wird die Frage der Sinnhaftigkeit der Genusvermittlung diskutiert, da theoretisch auch Äußerungen mit falschem Genus zu keinen Verständnisproblemen führen. Die Studie und die Auswahl der Testitems sind angelehnt an Wegener. Die Auswahl der Items erfolgte nach morphonologischen Genuszuweisungskriterien sowie nach dem monosyllabischen Prinzip. So sind Einsilber tendenziell Maskulina, mit Ausnahme der mit < f/ch+t > auslautenden Substantive. Nach einer kurzen Beschreibung der Lehr- und Lernbedingungen erfolgt eine Auswertung der Studie, die mit einem Ausblick endet.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Genus

2.1 Genus-Sexus-Korrelation

2.2 Arbitrarität oder Motiviertheit

2.2.1 Phonologische Prinzipien

2.2.2 Semantische Prinzipien

2.2.3 Morphologische Prinzipien

2.3 Defaultgenus

2.4 Funktion des Genus

2.5 Grammatische und pragmatische Genuskongruenz

2.5.1 Grammatische und pragmatische Kongruenz bei Menschenbezeichnungen

2.5.2 Grammatische und pragmatische Kongruenz in anderen Referenzdomänen

2.5.3 Pragmatische Kongruenz bei feldexternen und genuslosen Substantiven

2.6 Morphologie der Genusmarker

2.7 Salienz, Frequenz und Validität von Genusmarkern

2.7.1 Salienz

2.7.1 Frequenz

2.7.3 Validität

2.8 Zusammenfassung und Relevanz der Genuszuweisungskategorien

3 Genuszuweisung im Unterricht

3.1 Phasen des Genuserwerbs

3.2 Problematik bei der Vermittlung der Genuszuweisung

3.2.1 Bedeutungsgehalt der Flexive

3.2.2 Probleme mit Pronomen, welche als Artikel verwendeten werden

3.3 Relevanz von Genus: Sollten Genuszuweisungen im Unterricht vermittelt werden?

3.4 Kunstwörter als Messinstrument

4 Situationsanalyse und didaktische Überlegungen zur Lerngruppe

4.1 Information zur Lerngruppe

4.2 Didaktisches Konzept

4.3 Unterrichtsmodell

5 Hypothesen

6 Forschungsdesign

6.1 Vorgehensweise

6.2 Auswahl der Genuskategorien und Items

6.3 Aufbau des Fragebogens und Untersuchungsverlauf

6.4 Störfaktoren

6.4.1 Auswahl der Stichprobe

6.4.2 Mahßnahmen zur Elimination

6.5 Dateneingabe und Auswertung mit SPSS Statistics 24

7 Auswertung und Analyse

7.1 GR1 - Einsilberregel

7.2 GR2 - Einsilberregel mit < f/ch+t > im Auslaut

7.3 GR3 - Substantive mit -heit / -keit / -ung / -ei Suffix

7.4 GR4 - Schwaregel

7.5 GR5 - Substantive mit –lein bzw. –chen

7.6 GR6 - Substantive mit -ment oder –um Suffix

7.7 Defaultwerte für Prä- und Posttest

8 Zusammenfassung der Ergebnisse und Resultate

9 Ausblick

10 Fazit

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht in einer Replikationsstudie mit syrischen und afghanischen Flüchtlingen, ob die explizit-induktive Vermittlung von Genusregeln dazu führt, dass diese morphonologische Zuweisungskriterien autonom auf Kunstwörter anwenden können, um die Arbitraritätshypothese der Genuszuweisung zu widerlegen.

  • Widerlegung der Arbitraritätshypothese bei der Genuszuweisung
  • Explizit-induktive Vermittlung von Genusregeln
  • Anwendung morphonologischer Prinzipien auf Kunstwörter
  • Einfluss von Prä- und Posttestverfahren auf den Lernerfolg
  • Relevanz der Genusvermittlung im DaZ-Unterricht

Auszug aus dem Buch

2.2.1 Phonologische Prinzipien

Besonders in diesem Punkt gehen die wissenschaftlichen Expertisen weit auseinander. Köpcke & Zubin (1983, S. 473ff.) konnten für ca. 2000 monosyllabische Substantive (Einsilber) 24 An- und Auslautmuster feststellen, welche genusbestimmend sind. Sie (Köpcke & Zubin, 2009, S. 136f.) stellen fest, dass 90% der Einsilber durch phonologische Regeln erklärbar oder auf zwei Alternativen reduzierbar sind. So sind Einsilber mit <kn> im Anlaut immer Maskulina, Substantive mit <ft> und <xt> im Ablaut Femininum. Jedoch widerspricht Wegener diese Ansicht und erklärt diese als „(...) eine komplexe Abfolge unmotivierter Regeln und Listen von Ausnahmen“ (Wegener, 1995b, 77). Elf der 24 Regeln schließen nur ein Genus definitiv aus. So liegt die Fehlerqoute noch bei 33%. Die Auszählungen beruhen auf 1466 Einsilbern, welche jedoch nicht nach ihrer Aktualität ausgesucht wurden. Auch haben die Autoren weder auf das Verhältnis im Grundwortschatz geachtet, noch auf die Tokenfrequenz im Lernerwortschatz. Vielmehr stellen diese Regeln eine starke Belastung für den Cognitive Load (Woolfolk, 2014, S. 289) dar. Es fehlen die für cues erforderlichen Eigenschaften des großen Skopus und der großen Type-Verfügbarkeit im Lexikon des Lerners.

Auch sei hier darauf hingewiesen, dass das Prinzip des natürlichen Geschlechts produktiver ist und wesentlich schneller erworben wird. Wegener spricht sich bei Einsilbern bzw. Kernwörtern dafür aus, sie tendenziell dem maskulinen Genus zuzuordnen. Es sollten folglich nur die Ausnahmen, nicht die Regeln / Muster nach Köpcke & Zubin (1983) gelernt werden. Der Anteil von knapp 64% maskulinen Einsilbern im Grundwortschatz spricht für diese These (Wegener, 1995b, S. 78). Köpcke & Zubin (2009, S. 136f.) geben 26 Jahre später auch nur beide oben genannten phonologischen Regeln an. Daher wird auf eine detaillierte Darstellung der An- und Auslautmuster nach Köpcke & Zubin (1983) zugunsten der Darstellung von Wegener (1995b, S. 68ff.) verzichtet.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Diese Einleitung führt in die Problematik der Genuszuweisung bei Flüchtlingen ein und formuliert die Hypothese, dass eine explizit-induktive Vermittlung zur autonomen Anwendung von Genusregeln führt.

2 Genus: In diesem Kapitel werden theoretische Dimensionen des Genus, wie Korrelationen zwischen Genus und Sexus sowie morphologische und semantische Prinzipien, detailliert beschrieben und analysiert.

3 Genuszuweisung im Unterricht: Dieses Kapitel thematisiert die didaktische Aufbereitung des Genuserwerbs, die Phasen des Lernverlaufs sowie die Eignung von Kunstwörtern als Messinstrument.

4 Situationsanalyse und didaktische Überlegungen zur Lerngruppe: Hier werden die Lerngruppe und die konkrete methodische Vorgehensweise des Unterrichtsmodells im Vorkurs für Geflüchtete beschrieben.

5 Hypothesen: Dieses kurze Kapitel stellt die Forschungsfrage und die zu überprüfende Hypothese zur explizit-induktiven Vermittlung von Genusregeln auf.

6 Forschungsdesign: Das Kapitel erläutert die quantitative Vorgehensweise, den Aufbau der Erhebung, das Unabhängige-Posttestdesign sowie die Auswahl der Testitems.

7 Auswertung und Analyse: Der zentrale Teil der Arbeit präsentiert die empirischen Ergebnisse der sechs untersuchten Genusregeln, grafisch aufbereitet und statistisch mithilfe des Mann-Whitney-U-Tests ausgewertet.

8 Zusammenfassung der Ergebnisse und Resultate: Die gewonnenen Erkenntnisse werden hier tabellarisch und textlich zusammengefasst, wobei der Erfolg der Vermittlung der verschiedenen Regeln bewertet wird.

9 Ausblick: Der Ausblick diskutiert das Potenzial für zukünftige Forschung und die Notwendigkeit didaktischer Weiterentwicklungen, etwa durch digitale Anwendungen.

10 Fazit: Das Fazit reflektiert den persönlichen Lernprozess des Autors und zieht ein Resümee über die Bedeutung der Genusvermittlung in der Praxis.

Schlüsselwörter

Deutsch als Zweitsprache, Sprachdidaktik, Genuszuweisung, Einsilberregel, morphologisches Prinzip, Pseudosuffix, grammatische Kongruenz, pragmatische Kongruenz, natürliches Geschlechtsprinzip, Kunstwörter, Prätest, Posttest, Definitartikel, Sprachförderung, Zweitspracherwerb.

Häufig gestellte Fragen

Was ist das zentrale Thema der Arbeit?

Die Arbeit untersucht die Genuszuweisung im Deutschen bei syrischen und afghanischen Flüchtlingen und befasst sich mit der Wirksamkeit einer explizit-induktiven Vermittlung von Genusregeln.

Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?

Behandelt werden die theoretischen Grundlagen des Genus, didaktische Modelle zur Vermittlung in Vorkursen sowie die praktische Überprüfung durch eine empirische Replikationsstudie.

Welche Forschungsfrage wird verfolgt?

Das primäre Ziel ist es festzustellen, ob geflüchtete Lerner durch explizite Vermittlung von Genusregeln in der Lage sind, Kategorien zu abstrahieren und diese autonom auf neue Kunstwörter anzuwenden.

Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?

Der Autor verwendet ein quasi-experimentelles Forschungsdesign mit einem Prä- und Posttestverfahren in Form eines Unabhängigen-Posttestdesigns sowie statistische Auswertungen mittels SPSS.

Was umfasst der Hauptteil der Arbeit?

Der Hauptteil besteht aus einer theoretischen Fundierung der Genuskategorien, der didaktischen Konzeption des Unterrichtsmodells und der detaillierten Auswertung und Analyse der erhobenen Sprachdaten.

Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Genuszuweisung, Deutsch als Zweitsprache, morphonologisches Prinzip, Sprachdidaktik und die Widerlegung der Arbitraritätshypothese.

Warum spielt die Arbitraritätshypothese eine zentrale Rolle?

Die Arbeit widerlegt die in Lehrmaterialien und Kollegien verbreitete Auffassung, dass Genuszuweisung in der deutschen Sprache willkürlich sei, und setzt dem ein regelbasiertes System entgegen.

Welche Bedeutung kommt Kunstwörtern in der Untersuchung zu?

Kunstwörter dienen als neutrales Messinstrument, um zu prüfen, ob die Probanden tatsächliche morphonologische Regeln gelernt haben, anstatt lediglich existierende Vokabeln auswendig gelernt zu haben.

Welche statistischen Methoden wurden zur Analyse verwendet?

Zur Auswertung der Daten aus dem Prä- und Posttest wurde der Mann-Whitney-U-Test angewendet, um signifikante Unterschiede bei der Genuszuweisung zu identifizieren.

Welche Rolle spielen die "Einsilberregeln" im Design?

Die Einsilberregeln bilden einen Kernbestandteil der Studie, da sie eine der häufigsten Hürden beim Spracherwerb darstellen und durch die Untersuchung der "Einsilberregel" und der "Einsilberregel mit <f/ch+t>" gezielt adressiert werden.

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Details

Title
Morphologisch-phonologische Kategorien der Genuszuweisung
Subtitle
Eine quantitative Erhebung bei syrischen und afghanischen Flüchtlingen mittels Kunstwörtern
College
University of Bremen  (Fachbereich 10: Sprach- & Literaturwissenschaften)
Grade
2,3
Author
Sebastian Kasprowicz (Author)
Publication Year
2017
Pages
66
Catalog Number
V1360059
ISBN (PDF)
9783346882431
ISBN (Book)
9783346882448
Language
German
Tags
Genuszuweisung Artikel grammatisches Geschlecht Einsilberregel morphologisches Prinzip grammatische Kongruenz pragmatische Kongruenz natürliches Geschlechtsprinzip Pseudosuffix
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Sebastian Kasprowicz (Author), 2017, Morphologisch-phonologische Kategorien der Genuszuweisung, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1360059
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