Der Fokus der Arbeit liegt auf der Darstellung der deutschen und türkischen Kultur in Tante Semra im Leberkäseland, unter Berücksichtigung von Stereotypen und Kulturstandards. Hierbei wird hauptsächlich auf die deutsche Kultur eingegangen, da diese für den DaF-Unterricht von der größeren Bedeutung ist. In einem nächsten Punkt werden interkulturelle Missverständnisse, sogenannte ‘Critical Incidents‘, untersucht. Abschließend soll Tante Semra im Leberkäseland unter Einbezug der vorherigen Betrachtungen auf seine Anwendbarkeit zur Kulturvermittlung speziell im DaF- und DaZ-Unterricht überprüft werden.
„‘Wir sehen ja Ihre Plakate überall kleben, und da haben Sie erfreulicherweise kein Kopftuch auf. Wir möchten gerne wissen, ob Sie das Kopftuch nur für die Plakate abgenommen haben oder ob Sie nie eines tragen‘“ (TSL 2008). Mit stereotypischen Verallgemeinerungen wie in diesem Beispiel wird Lale Akgün, die Autorin von Tante Semra im Leberkäseland, aufgrund ihrer türkischen Herkunft, in Deutschland nicht selten konfrontiert. Wie viele andere nach Deutschland immigrierte Türken verarbeitet sie die Auswanderung ihrer Familie und ihre Erlebnisse in Deutschland in einer Autobiografie, welche die kulturellen Unterschiede zwischen der deutschen und der türkischen Lebenswelt thematisiert und teilweise auch humorvoll überspitzt darstellt. In diesem Werk geht es im Gegensatz zu anderen Werken von Migranten weniger um die Identitätskrise eines hybriden und zwischen zwei Kulturen hergerissenen Subjekts, sondern vielmehr um den ganz normalen Alltag und den Prozess der Integration einer Familie in Deutschland, die der neuen Kultur offen und kontaktfreudig begegnet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Vorüberlegungen
2.1 Türkische Migrantenliteratur in Deutschland
2.2 Stereotype vs. Kulturstandards
2.3 Folgerungen für die interkulturelle Literaturvermittlung
3. Darstellung der deutschen und türkischen Kultur in Tante Semra im Leberkäseland
3.1 Deutsche Kultur
3.2 Türkische Kultur
3.3 Interkulturelle Aspekte und ‘Critical Incidents‘
4. Anwendbarkeit von Tante Semra im Leberkäseland im DaF-Unterricht
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Repräsentation von kulturellen Identitäten und interkulturellen Differenzen in Lale Akgüns autobiografischem Werk „Tante Semra im Leberkäseland“ und bewertet dessen didaktische Eignung für den Deutsch als Fremdsprache (DaF) Unterricht.
- Analyse der Darstellung deutscher und türkischer Kulturstandards sowie Stereotype.
- Untersuchung von interkulturellen Missverständnissen („Critical Incidents“).
- Einordnung des Werkes in den Kontext der türkischen Migrantenliteratur in Deutschland.
- Didaktische Reflexion über den Einsatz des literarischen Textes zur Kulturvermittlung.
Auszug aus dem Buch
3.3 Interkulturelle Aspekte und ‘Critical Incidents‘
Lale Akgün möchte nicht auf ihren Status als ‘Türkin‘ oder ‘Deutsche‘ oder ‘Deutsch-Türkin‘ reduziert werden, wie sie in einem Interview konstatiert: „Bei den Klischeefragen: „Fühlen Sie sich als Türkin oder Deutsche?“ Als ob meine Identität nur von dieser Dichotomie abhängig wäre“ (fischerverlage.de). Nichtsdestotrotz lässt es sich nicht leugnen, dass Lale Akgün in gewisser Hinsicht zwischen den beiden Kulturen aufwächst, was sich in mehreren ‘Critical Incidents‘ (kritischen Interaktionssituationen) äußert, die in Tante Semra im Leberkäseland beschrieben werden.
Diese Kulturunterschiede werden zum Teil sehr heiter beschrieben – das Aufeinandertreffen von zwei Kulturen muss nicht immer in Fremdheit enden (vgl. Bayerisches Fernsehen 2008). Lale sieht sich, ihre Mutter und ihren Vater als weitestgehend assimiliert an – sie haben einige Eigenschaften der Deutschen übernommen und wieder andere werden sie nie nachvollziehen können, wie die Vorliebe der Deutschen für „Romantik“ (TSL: 155) oder „Zweisamkeit“ (TSL: 157-158); „da fehlt halt das Quäntchen an Integration“ (TSL: 155).
Lales Schwester Peyda hingegen ist laut Lale „wirklich integriert“ (TSL: 149), „eine assimilierte Türkin“ (TSL: 149), was Akgün leicht ironisch als „letzte Vorstufe vor dem Deutschsein und schon so etwas wie eine Auszeichnung“ bezeichnet (TSL: 149). Dies war aber nicht immer so. Interkulturalität spiegelt sich in Überschneidungssituationen (vgl. Abb. 1, S. 21) und meistens entstehen kulturelle Überschneidungssituationen dann, wenn Fremdes für das Eigene bedeutsam wird und wenn es zu wechselseitigen Beziehungen zwischen Eigenem und Fremdem kommt. Zwischen dem Eigenkulturellen und dem zunächst sehr fernen, dann aber immer näher rückenden Fremden entsteht ein Zwischenraum der Uneindeutigkeit, Vagheit und Neuartigkeit, der bedrohlich oder auch anregend wirken kann. (Thomas 2003b: 46-47)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Werk von Lale Akgün ein, thematisiert die Ausgangslage der türkischen Familie in Deutschland und skizziert das methodische Vorgehen der Arbeit.
2. Vorüberlegungen: Dieses Kapitel liefert den theoretischen Rahmen, indem es Begriffe wie Migrantenliteratur, Stereotype und Kulturstandards differenziert und die Bedeutung der interkulturellen Literaturvermittlung darlegt.
3. Darstellung der deutschen und türkischen Kultur in Tante Semra im Leberkäseland: Der Hauptteil analysiert die konkrete literarische Darstellung nationaler Kulturmerkmale und kritischer Interaktionssituationen innerhalb der erzählten Geschichte.
4. Anwendbarkeit von Tante Semra im Leberkäseland im DaF-Unterricht: Das Kapitel evaluiert den didaktischen Nutzen des Buches für den DaF-Unterricht und diskutiert Möglichkeiten, wie Lernende mit den Inhalten kritisch umgehen können.
5. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse der Untersuchung zusammen und bestätigt die Eignung des Werkes für die Kulturvermittlung.
Schlüsselwörter
Tante Semra im Leberkäseland, Lale Akgün, Migrantenliteratur, Deutsch als Fremdsprache, DaF-Unterricht, Interkulturalität, Stereotype, Kulturstandards, Critical Incidents, Identität, Integration, Kulturvermittlung, Literaturanalyse, deutsch-türkische Literatur.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das autobiografische Werk „Tante Semra im Leberkäseland“ im Kontext der türkischen Migrantenliteratur und dessen Potenzial für den interkulturellen Deutschunterricht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf der Definition von Stereotypen und Kulturstandards, der interkulturellen Literaturvermittlung sowie der Analyse von kulturellen Missverständnissen.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsarbeit?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie das Werk zur Reflexion über kulturelle Differenzen beitragen kann und welche didaktischen Ansätze sich für den DaF-Unterricht daraus ergeben.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die theoretische Konzepte (z.B. nach Thomas, Bredella) auf Textstellen aus dem Primärwerk anwendet.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Darstellung deutscher und türkischer Kultur im Buch sowie konkrete Beispiele für „Critical Incidents“ in der Familie der Autorin.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Untersuchung?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Interkulturalität, Stereotype, Kulturstandards, Migrantenliteratur und die Anwendung im Fremdsprachenunterricht.
Wie bewertet die Autorin die Darstellung der türkischen Familie im Buch?
Die Analyse zeigt, dass Akgüns Familie oft als untypisches, heiteres Gegenbeispiel zu gängigen, teils negativen Migrationsklischees dargestellt wird.
Welche Rolle spielen „Critical Incidents“ in der Untersuchung?
Sie dienen als zentrale Analyseobjekte, um alltägliche interkulturelle Missverständnisse zwischen der Migrantenfamilie und ihrer deutschen Umwelt didaktisch aufzubereiten.
Welche Einschränkung bei der Literaturvermittlung wird im Buch erwähnt?
Es wird betont, dass einige landeskundliche Informationen im Buch aufgrund des Rückblicks auf die 1970er Jahre heute nicht mehr aktuell sind und von Lernenden kritisch hinterfragt werden müssen.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2010, Stereotyp oder Kulturstandard? Kulturvermittlung im DaF-Unterricht anhand von Lale Akgüns "Tante Semra im Leberkäseland", München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1360129