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"Con tan poderosa amiga como la Gran Bretaña" - Ein globalhistorischer Blick auf die Auflösung des spanischen Imperiums in Amerika

Titel: "Con tan poderosa amiga como la Gran Bretaña" - Ein globalhistorischer Blick auf die Auflösung des spanischen Imperiums in Amerika

Masterarbeit , 2009 , 94 Seiten , Note: 1,0

Autor:in: Nadja Schuppenhauer (Autor:in)

Geschichte Europas - Neuzeit, Absolutismus, Industrialisierung
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Zusammenfassung Leseprobe Details

Im August 1806 setzte Francisco de Miranda (1750-1816), ein aus Caracas stammender und der kreolischen Elite Spanisch-Amerikas angehörender Weltenbummler, mit zehn Schiffen und 500 Soldaten an der venezolanischen Küste an. Sein Ziel war die Befreiung seiner Heimat von spanischer Herrschaft, mithin die Revolution. Mit seinem Expeditionsheer, das er mit britischer und US-amerikanischer Unterstützung zusammengestellt hatte, wollte er erst die Stadt Coro erobern und die kreolische Bevölkerung mobilisieren, um so mithilfe einer ‚patriotischen Armee‘ auf Caracas zu marschieren und sein Vorhaben zu einem, den gesamten südamerikanischen Kontinent erfassenden Befreiungsschlag auszuweiten. Neben Waffen und Uniformen befand sich in Mirandas Gepäck auch eine Druckerpresse, mit deren Hilfe er mehrere Tausend revolutionäre Flugblätter für die durch ihn zu befreienden Kreolen drucken ließ, ganz so wie er es zuvor in den vielen Jahren seiner Reisen in den USA und in Europa gesehen hatte. Und obschon Miranda noch heute in Lateinamerika vielfach als precursor, als Wegbereiter der Unabhängigkeit betrachtet wird, so war seine Expedition im Sommer 1806 ein Fiasko in jeglicher Hinsicht: nicht nur, dass ihn die spanischen Autoritäten dank ihres weitgesponnenen Spionagenetzes bereits mit einer entsprechenden Armee erwarteten , auch die kreolische Bevölkerung, der er die ‚Freiheit‘ bringen wollte, verhielt sich völlig passiv, so sie denn nicht gleich aus der Stadt geflohen war. Miranda zog sich mit seinen Truppen zurück, noch bevor es zu einer Konfrontation zwischen den beiden Armeen kommen konnte.
Kaum 20 Jahre später hatte sich das Antlitz der Amerikas sowie, damit einhergehend, die politische Weltordnung grundlegend gewandelt. Das größte und reichste Imperium in der Weltgeschichte hatte aufgehört zu existieren.

Leseprobe


Inhaltsverzeichnis

1 Einleitung

2 Mächtekonkurrenz im Atlantik: Spanien – Großbritannien – Frankreich

2.1 Die Globalität des ‚langen‘ 18. Jahrhunderts

2.2 Die Wirtschaft des Atlantiks

2.3 Mächtekonkurrenz zwischen Spanien, Großbritannien und Frankreich

3 Spanien und sein amerikanisches Kolonialimperium

3.1 Administration

3.2 Handel und Wirtschaft

3.3 Sozialstruktur

4 Der Siebenjährige Krieg und seine Folgen für das spanische Kolonialreich

4.1 Der Krieg und seine Bedeutung für das internationale Mächteverhältnis

4.2 Neuorientierung der spanischen Kolonialpolitik

4.3 Auswirkungen der neuen Kolonialpolitik

5 Zunehmende globale Konkurrenz

5.1 Revolutionen auf beiden Seiten des Atlantiks

5.2 Napoleons Kolonialtraum

5.3 Fortschreitende Destabilisierung der spanischen Metropole

6 Krise des spanischen Ancien Régime

6.1 Der spanische Widerstand und die Verfassung von Cádiz

6.2 Reaktionen in Spanisch-Amerika

6.3 Ausländische Interessen

7 Bürgerkriege und Unabhängigkeit in Spanisch-Amerika

7.1 Spanische Restauration

7.2 Bürgerkriege und politische Faktionen

7.3 Britische Diplomatie

8 Ausblick

9 Schlussbetrachtung

10 Resumen

11 Anhang

11.1 Spanisch-Amerika im 16. und 17. Jahrhundert

11.2 Spanisch-Amerika im 18. Jahrhundert

11.3 Die Carrera de las Indias

11.4 Spanisch-Amerika um 1830

Zielsetzung & Themen

Die Arbeit untersucht die Auflösung des spanischen Kolonialimperiums in Amerika unter einem globalhistorischen Blickwinkel. Dabei wird die Forschungsfrage verfolgt, wie die internationale Mächtekonkurrenz und die weltweite ökonomische Verflechtung im 18. und 19. Jahrhundert entscheidend zur Unabhängigkeit der lateinamerikanischen Staaten beitrugen, anstatt diese allein auf endogene, nationalstaatliche Motive zurückzuführen.

  • Globale Mächtekonkurrenz zwischen Spanien, Großbritannien und Frankreich
  • Wirtschaftsstruktur des atlantischen Raums im 18. Jahrhundert
  • Einfluss von Reformpolitik und napoleonischer Ära auf die spanische Metropole
  • Rolle internationaler Interessen und britischer Diplomatie bei der Unabhängigkeitswerdung

Auszug aus dem Buch

3 SPANIEN UND SEIN AMERIKANISCHES KOLONIALIMPERIUM

Spanien war unter seinen ersten beiden habsburgischen Königen Karl I. (ab 1519 auch dt. Kaiser Karl V.) und dessen Sohn Philipp II., deren Regierungszeiten fast das gesamte 16. Jahrhundert abdeckten, zu seiner höchsten Machtentfaltung emporgestiegen. Kaum sechs Jahrzehnte nach dem Tod Philipps II. (1598) jedoch war seine große politische Zeit bereits schon wieder vorbei. Mit dem Pyrenäenfrieden von 1659, in dem Spanien gegenüber seinem damaligen Hauptkonkurrenten Frankreich entscheidende territoriale Zugeständnisse machen musste, schwand Spaniens Bedeutung als Machtfaktor in Europa und auch seine Sprache und Kultur verloren zusehends an Einfluss. Die Schwächung der Metropole, die von einem intensiven wirtschaftlichen und sozialen Niedergang begleitet wurde, wirkte sich auch auf die Überseeterritorien aus. Diese Schwächung berührte zwar zunächst noch nicht die territoriale Integrität des Kolonialimperiums, ging aber einher mit der Ablösung der iberischen Kolonialhegemonie durch die wirtschaftlichen Konkurrenten Spaniens, namentlich Frankreich, England und die Niederlande. Gerade die seit dem ausgehenden 17. Jahrhundert erstarkende Handels- und Wirtschaftskraft von Spaniens europäischen Konkurrenten leitete entscheidende Wandlungsprozesse in der spanisch-amerikanischen Wirtschafts- und Handelsstruktur ein und war verantwortlich für Wandlungsprozesse in Administration und Sozialstruktur. Spätestens beim Übergang zum 18. Jahrhundert dann hatte die aggressive Konkurrenz die einstige Weltmacht Spanien in einen ‚verwundbaren Koloss‘ (Elliot) verwandelt, so dass Spaniens Außenpolitik wegen der immer massiver werdenden gegnerischen Übergriffe bereits zu diesem Zeitpunkt nurmehr noch eine Defensivstrategie verfolgen konnte.

Zusammenfassung der Kapitel

1 Einleitung: Darstellung der Ausgangslage und der methodischen Herangehensweise unter Einbeziehung der Globalgeschichte.

2 Mächtekonkurrenz im Atlantik: Spanien – Großbritannien – Frankreich: Analyse des Wandels europäischer Hegemonien durch die konsolidierende Weltwirtschaft im 18. Jahrhundert.

3 Spanien und sein amerikanisches Kolonialimperium: Überblick über die Verwaltungsstrukturen, den Handel und die soziale Hierarchie vor der Krise.

4 Der Siebenjährige Krieg und seine Folgen für das spanische Kolonialreich: Untersuchung der Verschiebung des Mächtegleichgewichts und der nachfolgenden Reformpolitik Spaniens.

5 Zunehmende globale Konkurrenz: Beschreibung der Destabilisierung der Metropole durch die Koalitionskriege und ökonomischen Druck.

6 Krise des spanischen Ancien Régime: Darstellung des Zusammenbruchs der spanischen Monarchie unter Napoleon und der Auswirkungen auf die Kolonien.

7 Bürgerkriege und Unabhängigkeit in Spanisch-Amerika: Analyse der militärischen Auseinandersetzungen und der Rolle ausländischer Mächte bei der Staatsbildung.

8 Ausblick: Zusammenfassung der politischen Fragmentierung Lateinamerikas nach der Unabhängigkeit.

9 Schlussbetrachtung: Bewertung der These, dass internationale Kontexte ausschlaggebend für das Ende des spanischen Imperiums waren.

10 Resumen: Zusammenfassung der Arbeit in spanischer Sprache.

11 Anhang: Bereitstellung von Kartenmaterial zur Veranschaulichung der historischen Gegebenheiten.

Schlüsselwörter

Spanisches Kolonialreich, Unabhängigkeit, Globalgeschichte, Mächtekonkurrenz, Großbritannien, Bourbonische Reformen, Atlantikhandel, Entangled Histories, Kreolen, Nationalgeschichte, Amerika, Geopolitik, Napoleonische Kriege, Wirtschaftsverflechtung, Souveränität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?

Die Masterarbeit analysiert den Prozess der Auflösung des spanischen Imperiums in Amerika und hinterfragt dabei das traditionelle, rein nationalgeschichtliche Narrativ durch eine globalhistorische Perspektive.

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Im Fokus stehen die Mächtekonkurrenz zwischen europäischen Staaten, die Einbindung der Kolonien in eine kapitalistische Weltwirtschaft und die geopolitischen Auswirkungen der europäischen Kriege auf die amerikanischen Territorien.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Ziel ist es aufzuzeigen, dass die Unabhängigkeit nicht zwangsläufig aus internen Spannungen resultierte, sondern maßgeblich durch einen globalen Kontext und die geopolitische Neuordnung nach 1815 geprägt wurde.

Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Autorin?

Die Arbeit nutzt methodische Konzepte der Globalgeschichte und der sogenannten Entangled Histories, um die Interaktionen zwischen den europäischen Mächten und den Kolonien sichtbar zu machen.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich chronologisch und thematisch: Von der Mächtekonkurrenz im 18. Jahrhundert, über die Auswirkungen des Siebenjährigen Krieges und die bourbonischen Reformen, bis hin zur Krise der Metropole ab 1808 und den resultierenden Bürgerkriegen.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?

Schlüsselbegriffe sind Spanisches Kolonialreich, Unabhängigkeit, Globalgeschichte, Mächtekonkurrenz, Bourbonische Reformen, Geopolitik und atlantische Weltwirtschaft.

Warum war Spanien nach 1815 militärisch so geschwächt?

Die Zerstörung der spanischen Flotte durch Großbritannien in der Schlacht von Trafalgar (1805) und die finanziellen Belastungen durch die Koalitionskriege entzogen Spanien die Möglichkeit, den militärischen Schutz seiner Überseegebiete zu gewährleisten.

Welche Rolle spielte Großbritannien bei der Unabhängigkeit?

Großbritannien fungierte als treibende Kraft, indem es einerseits durch seine maritime Übermacht europäische Interventionen verhinderte und andererseits durch diplomatische Anerkennung die Bildung unabhängiger Staaten förderte, um seine eigenen Handelsinteressen zu sichern.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der „Kreolen“?

Kreolen werden nicht als einheitlich revolutionäre Gruppe betrachtet, sondern als soziale Elite, deren Handeln stark von ökonomischen Interessen und der Angst vor sozialen Unruhen geprägt war, was eine einfache Identifizierung mit einem Befreiungskampf infrage stellt.

Ende der Leseprobe aus 94 Seiten  - nach oben

Details

Titel
"Con tan poderosa amiga como la Gran Bretaña" - Ein globalhistorischer Blick auf die Auflösung des spanischen Imperiums in Amerika
Hochschule
Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder)  (Professur für vergleichende europäische Geschichte der Neuzeit)
Note
1,0
Autor
Nadja Schuppenhauer (Autor:in)
Erscheinungsjahr
2009
Seiten
94
Katalognummer
V136040
ISBN (eBook)
9783640435357
ISBN (Buch)
9783640435623
Sprache
Deutsch
Schlagworte
Gran Bretaña Blick Auflösung Imperiums Amerika
Produktsicherheit
GRIN Publishing GmbH
Arbeit zitieren
Nadja Schuppenhauer (Autor:in), 2009, "Con tan poderosa amiga como la Gran Bretaña" - Ein globalhistorischer Blick auf die Auflösung des spanischen Imperiums in Amerika, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136040
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Leseprobe aus  94  Seiten
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