E.Wade Davis macht sich in seiner Feldforschung auf der Suche nach dem Gift mit dem auf Haiti die Zombies von den Vodoun-Prister erschafften wurden. Dabei findet er nicht nur das Gift, sondern eine komplexe Geheimgesellschaft, die eine Regierung neben der offiziellen darstellt.
E. Wade Davis, ein amerikanischer Ethnobotaniker, behandelt in seinem Buch "The Serpent and the
Rainbow" (1985) das Zombie‐Phänomen auf Haiti, er geht dabei auch auf die Vodoun‐Religion und die
Geheimgesellschaft Bizango ein. Vodoun ist ein Wort aus den Fon‐Sprache und "bedeutet einfach Gott oder
Geist" (Davis 1986: 11). Das Wort begegnet einem in den unterschiedlichsten Schreibweisen, unter
anderem „wodu“, „voodoo“ oder „vodo“. Ich werde mich im folgenden Text an die Schreibweise von E.
Wade Davis halten: vodoun. Ich beziehe mich bei der Arbeit vorwiegend auf Davis' "The Serpent
and the Rainbow" und werde andere Autoren zur Ergänzung oder zur
Gegenüberstellung heranziehen. Aus "The Serpent and the Rainbow" habe ich mir verschiedene Aspekte als
Schwerpunkt gesucht, wie zum Beispiel die Geschichte Haitis, die Geheimgesellschaft 'der Bizangos und das
Gift um Menschen zu Zombies zu machen, die ich versuchen werde näher zu erläutern und eventuell durch
die Forschungsergebnisse und
Meinungen der anderer Autoren zu ergänzen. Während ich auf die einzelnen Aspekte eingehe, werde ich,
soweit es mir möglich ist, versuchen Verbindungen zu Afrika herzustellen, da der Vodoun und die
Geheimgesellschaft der Bizango ihren Ursprung in diesem Land haben. In der Zeit des Sklavenhandels
gelangten die verschiedenen Religionen nach Haiti und vermischten sich hier mit Elementen des
haitianischen Vodoun.
Dies führte unter anderem dazu, dass sich in einzelnen Regionen und Geheimgesellschaften
unterschiedliche Glaubensrichtungen des Vodoun herausbildeten und eine davon, die Bizango, hat Davis
untersucht.
[...]
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Davis’ Forschungsreisen nach Haiti
3.1. Davis´ Auftrag
3.2. Davis´ Vorgehen auf Haiti
3.2.1. Die Giftherstellung bei Marcel Pierre
3.2.2. Die Giftherstellung bei LaBonté
3.2.3 Die Giftherstellung bei Herard Simon
3.2.4. Davis´ Schlussfolgerungen über die verschiedenen Arten der Giftherstellung
3.2.5 Drei weiter Zeremonien
4. Der geschichtliche Ursprung der Geheimgesellschaften
4.1. Die Entdeckung Saint Dominques und die Kolonialzeit
4.2. Sklavenaufstände und die Entstehung der Geheimgesellschaften
4.3. Francois Macandal
5. Die Vodun-Religion auf Haiti
5.1. Der Ursprung des vodoun
5.2. Das Weltbild im vodoun
5.2.1. Die fünf Grundkomponenten des Menschen
5.2. 2.Besessenheit durch Loas
5.2.3. Houngan und Sokor
5.2.4. Einstellung der vodoun-Gläubigen zum Tod
6. Die Bizango-Gesellschaft
6. 1. Ihre Erscheinung in der Öffentlichkeit
6.2. Mitgliedschaft und Zusammensetzung der Bizango
6.3. Rituelle Zusammenkünfte
6.4. Die Aufgaben der Bizangos
6.5. Die Bizangos als Geheimbund?
7. Die Erschaffung eines Zombies und das Zombiegift
7. 1. Die Erschaffung eines Zombies
7. 1. 1. Das Beispiel Clairvius Narcisse
7. 1. 2. Das Beispiel von Francina IIleus
7.2.Der Umgang der Bevölkerung mit dem Phänomen der Zombies
7.3. Die Zusammensetzung des Giftes
7.4. Tetrodotoxin in anderen Ländern
8.Schlussbemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Zombie-Phänomen auf Haiti auf Basis der ethnobotanischen Feldforschung von E. Wade Davis. Ziel ist es, die kulturellen, geschichtlichen und religiösen Hintergründe der Vodoun-Religion sowie die Funktion der Geheimgesellschaften, insbesondere der Bizango, zu beleuchten und eine Verbindung zur Giftherstellung und dem Phänomen der Zombies herzustellen.
- Geschichte und Ursprung der haitianischen Geheimgesellschaften
- Die Vodoun-Religion und ihr spirituelles Weltbild
- Struktur, Aufgaben und gesellschaftliche Rolle der Bizango-Gesellschaft
- Methoden der Giftherstellung und ihre physiologischen Wirkungen
- Fallstudien zur Zombie-Erfahrung (Clairvius Narcisse, Francina Illeus)
Auszug aus dem Buch
3.2.1. Die Giftherstellung bei Marcel Pierre
Nachdem Davis das Vertrauen von Marcel Pierre gewonnen hatte, zeigte ihm Pierre die Herstellung des Giftes. Davis und seine ständige Begleiterin auf Haiti, Rachel, wurden von Pierre und seinem Gehilfen auf eine abgelegene Ebene geführt. Zum Schutz aller Beteiligten mussten sie sich Tücher vor ihre Gesichter binden und sich mit eine grüne Flüssigkeit einreiben. Pierre stellte das Gift nicht persönlich her, sondern sein Gehilfe mischte die verschiedenen Ingredienzen, wie zum Beispiel menschliche Knochen, Kröten, Kugelfisch und Pflanzen, in einer Schüssel. Während er sie mit einem Mörser zerstampfte, begann Marcel im Rhythmus mit zu singen. Davis interpretiert Marcels passive Rolle bei der Giftherstellung als entscheidend für die Wirkung des Giftet. "Aus diesem Grund war Marcels Präsenz entscheidend. Ohne seine spirituelle Führung hatten unsere Aktivitäten ein völlig ambivalentes Potential für Gut und Böse. Er war derjenige, der letztlich die Verantwortung trug." (Davis 1986: 129).
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Einführung in die Thematik des Vodoun und die Zielsetzung der Arbeit unter Bezugnahme auf E. Wade Davis.
3. Davis’ Forschungsreisen nach Haiti: Darstellung der Auftragsbedingungen und des methodischen Vorgehens des Forschers auf Haiti inklusive der Dokumentation von Giftherstellungsritualen.
4. Der geschichtliche Ursprung der Geheimgesellschaften: Historischer Rückblick auf die Kolonialzeit, Sklavenaufstände und die Entstehung von Widerstandsbewegungen.
5. Die Vodoun-Religion auf Haiti: Analyse des religiösen Systems, der Götterwelt, der menschlichen Seelenkomponenten und der Rolle des Priestertums.
6. Die Bizango-Gesellschaft: Untersuchung der internen Hierarchien, der rituellen Zusammenkünfte und der sozialen Funktion der Bizango als geheimer Machtfaktor.
7. Die Erschaffung eines Zombies und das Zombiegift: Detailbetrachtung der verschiedenen Zombie-Arten, der pharmakologischen Wirkung von Toxinen und exemplarische Fallbeispiele.
8.Schlussbemerkung: Kritische Reflexion der Arbeitsweise von Davis und eine Einordnung der Arbeit als ethnographische Zusammenfassung.
Schlüsselwörter
Haiti, Vodoun, Bizango, Zombie, E. Wade Davis, Tetrodotoxin, Geheimgesellschaft, Bokor, Houngan, Sklavenaufstand, Kulturanthropologie, Ethnobotanik, Magie, Totengeist, Ritual
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt das kulturelle und religiöse Phänomen des "Zombiedaseins" auf Haiti, wie es von E. Wade Davis erforscht wurde, sowie die soziokulturelle Bedeutung der Vodoun-Religion und der Geheimgesellschaft Bizango.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Zentral sind die historische Entstehung der Geheimgesellschaften, die Vodoun-Weltanschauung, die Anwendung ritueller Gifte und deren wissenschaftliche sowie kulturelle Interpretation.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die interdisziplinäre Aufarbeitung des Zombie-Phänomens, wobei die Zusammenhänge zwischen spirituellen Überzeugungen, der Geheimorganisation der Bizango und dem Einsatz von psychoaktiven Substanzen untersucht werden.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Es handelt sich um eine Literaturarbeit, die primär auf der ethnographischen Feldforschung von E. Wade Davis basiert und diese durch verschiedene andere Fachquellen ergänzt und kritisch gegenüberstellt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Forschungsreisen von Davis, die historische Herleitung des Widerstands der Sklaven, eine detaillierte Einführung in die Vodoun-Religion, eine Analyse der Bizango-Gesellschaft und eine Untersuchung zur Herstellung und Wirkung des Zombiegiftes.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Haiti, Vodoun, Bizango, Zombie, Ethnobotanik, Tetrodotoxin und Geheimgesellschaft.
Inwiefern spielen die Bizangos eine Rolle bei der Zombie-Erschaffung?
Die Bizangos agieren als eine Art geheime Justizinstanz, wobei die Androhung einer Verwandlung zum Zombie oft als Sanktionsmittel gegen moralische Verfehlungen innerhalb der Gemeinschaft eingesetzt wird.
Was unterscheidet den zombi cadavere vom zombi astral?
Der zombi cadavere ist ein physischer Zombie aus Fleisch und Blut, während der zombi astral lediglich einen manipulierten Seelenteil (ti bon ange) eines bereits Verstorbenen darstellt, der unter den Willen des Bokors gezwungen wird.
- Quote paper
- M.A. Kristin Müller-Wenzel (Author), 2002, Haitis lebende Tote, Munich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136058