Die Peploskore von der Athener Akropolis. Versuch einer farblichen Rekonstruktion


Hausarbeit, 2004
16 Seiten, Note: 2,7

Leseprobe

Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Beschreibung der Peploskore

3. Datierung

4.Befund

5. Die Rekonstruktionen
5.1. Die Rekonstruktion der Gillierons
5.2. Die Rekonstruktion aus Cambridge
5.3. Rekonstruktion von V. Brinkmann
5.3.1. Neue Untersuchungsmethoden
5.3.2. Die Farbrekonstruktion von V. Brinkmann

6. Die Bedeutung der Kore

7. Zusammenfassung

8. Literaturangaben
Antike Quellen

1. Einleitung

Der weiße Marmor faszinierte im Klassizismus das westliche Europa, als Vorbild galt damals die Antike. Sie verkörperte das klassizistische Ideal, die Definition der Skulptur über ihre Form und nicht über die Farbe.[1] Auch J.J. Winckelmann war ein Vertreter dieses Ideals. Mit seiner Meinung, dass die Plastik im antiken Griechenland unbemalt war, prägte er lange Zeit die Ansichten der Archäologen.

Erst 1815 veröffentlichte Quatremere de Quincy eine Zusammenfassung von antiken Schriftquellen, die eine Polychromie der antiken Plastik bestätigten, und löste somit eine lange Diskussion über die Farbigkeit der antike Skulptur aus. Aber auch de Quincy konnte sich eine vollständige Bemalung des Marmors nicht vorstellen. Er ging vielmehr von einer leichten Tönung einzelner Elemente, wie Ornamentik, Haare und Attribute, aus, wie bei seiner Rekonstruktion des Jupiters von Olympia.[2]

Mit der Entdeckung von Hittorffund Semper wandelte sich die Diskussion um die Polychromie.[3] Jetzt ging es nicht mehr darum, ob die Statuen bemalt waren, sondern wie intensiv die Bemalung war.

Dieses Problem konnte bis heute noch nicht gelöst werden., auch wenn die verschiedenen Farben durch neue Techniken[4] nachgewissen werden können.

Vor diesem Problem steht auch die Peploskore. Mit den neuen Techniken ist es zwar möglich die unterschiedlichen Ornamente zu erkennen und auch die Anwendung von verschiedenen Farben, aber den genauen Farbton und die Intensität der Farben kann auch heute noch nicht nachgewiesen werden.

2. Beschreibung der Peploskore

Die sogenannte Peploskore ist mit ihrer Größe von 1 ,20m weit unterlebensgroß.[5] Ihre Erscheinung ist regungslos, hervorgerufen wird dies durch die Parallelstellung der Beine und den ausgestreckten rechten Arm.[6] Auflockerung der starren Haltung wird durch den angewinkelten linken Arm, den sie den Besucher entgegenstreckt, bewirkt.[7] Ihr Gewand, welches die frühe Forschung als Peplos[8] identifizierte, besteht aus einem Chiton, einer Weste, einem Ependytes[9] und einem Überwurf. Der Chiton ist am Halsausschnitt und an den Knöcheln der Kore sichtbar. Die Weste ist am Unterkörper sichtbar und wird von einem Gürtel zusammen gehalten. Durch das tragen einer Weste wird im Frontbereich des Unterkörpers ein Ependytes sichtbar, die ebenfalls durch den Gürtel in der Taille gebunden ist. Die Gestaltung der Weste und des Ependytes im Bereich des Oberkörpers ist durch den Überwurf unklar. Der Überwurf ist seitlich geöffnet und lässt somit die nackte Haut der Oberarme erscheinen. An beiden Schulter befinden sich Löcher, die höchstwahrscheinlich mit Fibeln besetzt waren und zeigen, wie der Überwurf getragen wurde. Der Kopf der Peploskore, der anfänglich später datiert wurde als der restliche Körper" ist leicht nach rechts geneigt. Die großen hervortretenden Augen werden von fein herausgearbeiteten Augenbrauen abgeschlossen, Die Brauen verlaufen in geschwungenen Bögen, die an der Nasenwurzel enden. Eine Weiterfiihrung der Brauenlinien zeigt sich in der Gestaltung der Nase. Auf ihren geschwungenen Lippen trägt die Kore das archaische Lächeln. Der detailreiche Kopf wird von genauso detailreichen Locken gerahmt. Auf jeder Seite fallen drei einzelne Lockensträhnen über die Schulter auf die Brust. Das Haar wird am Hinterkopf durch ein Band zusammengehalten, des weiteren weisen Bohrlöcher am Oberkopf auf abnehmbaren Haarschmuck. Auch die Löcher an beiden Ohren lassen auf einen abnehmbaren Schmuck schließen.

3. Datierung

Richter hält eine Datierung zwischen 535 - 530 v.Chr. für wahrscheinlich. Sie bezieht sich dabei auf die Darstellung der Leda auf der Würfel-Amphore des Exekias in den Vatikanischen Museen in Rom. Die Kore wäre damit ine der letzten Peploskoren, die kurze Zeit später von den Koren in Chiton abgelöst wurden.

Martini schlägt eine frühere Datierung vor. Er vergleicht den flachen Faltenwurf der Peploskore mit dem der Kore Akr.Mus. 678, die zwischen 540 - 530 v.Chr. datiert wird und stellt stilistischen Ähnlichkeiten mit der Kore Akr.Mus. 593[10] aus den Jahren wn 550 V.Chr. fest. Martini hält aus diesem Grund eine Datierung um 540 v.Chr. für wahrscheinlich, auch wenn die Wahl des Peplos gewandes weiterhin ungewöhnlich bleibt.

Eine weite Datierung ist über den Künstler der Kore möglich. Zugeordnet wird sie dem Meister Rampin[11], dessen Schaffensperiode zwischen 570 - 520 v.Chr. liegt. Er ist bekannt für seine geschlossenen, plastischen Formen, bei denen er sich auf die wesentliche Elemente konzentrierte. Die Zuschreibung erfolgt durch die Ähnlichkeit des Kopfes der Peploskore, der an die weiteren Arbeiten des Meister Rampin erinnert.[12] Sie kann in den Jahren um 530 v.Chr. in seiner Schaffenszeiteingeordnet werden.

Durch Vergleiche mit anderen Werken der archaischen Plastik und Darstellungen in der Vasenmalerei, kann somit eine Datierung der Kore zwischen 540-530 v.Chr. vorgenommen werden.

4.Befund

Bei der Ausgrabung 1886 hielt Emile Gillieron die sichtbaren Farbreste der Peploskore in seinen Zeichnungen fest. Auf ihnen zeigt sich ein rötlicher Farbton an den Haaren und in den Augen. Nicht nur die Pupillen sind farbig gefasst, sondern das ganze Auge ist dunkel umrahmt und die Augenbrauen werden durch einen schwarzen Farbstrich hervorgehoben. Auch an den Lippen waren rote Farbspuren sichtbar. Des Weiteren erkannte Gillieron Farbspuren an beiden Seiten des Halses, die auf einen Halsschmuck schließen lassen. Emile Gillieron sah auch Farbreste am Gewand. Über das ganze Obergewand verstreut zeichnete er kleine Sterne, die keinem bestimmten Muster folgen. Am unteren Rand des Überwurfes skizziert er eine doppelte Borde, die noch sehr deutlich erhalten gewesen sein musste, da Gillieron die Ornamentik genau angeben konnte. Die gleiche Bordüre schließt die Weste am unteren Saum ab. Der vertikale Saum, der die Weste vom Ependytes trennt, wird durch dunkle Bänder mit Rosetten dargestellt. Das Ependytes konnte Emile Gillieron nicht mehr genau nachvollziehen, in seinen Zeichnungen deutet er es mit einem Band aus Quadraten an. Der Gürtel, der Weste und Ependytes in der Taille zusammenhält, wird von Emile Gillieron mit dunklen Farbresten dargestellt.

Schrader sieht 1909 schon eine stark verblasste Kore. Er erkennt noch das Rot der Haare, das durch ein Haarband am Hinterkopf zusammengehalten wird, an dem er hinter einem Ohr noch einen dunklen Fleck Farbe erkannte, der auf eine Bemalung des Bandes schließen lässt.[13] Im Gesicht war das Eisenrot der Lippen und Iris sichtbar.[14] Der Chiton zeigte zu dieser Zeit noch grüne Farbreste an dem Ärmel und dem Halssaumen. Des Weiteren geringe grüne Farbspuren in der Halsmitte, die auf ein aufgemaltes Halsband hinweisen.[15] Auf der Kleidung befanden sich weiter Farbspuren. So auf dem Apoptygma ein laufender Hund zwischen dünklen grünen Streifen und unter ihm einen farblosen Streifen mit verblassten grünen Details, bei denen Schrader auf ein marmorgrundiges Palmetten-Lotosfries mit grünem Details schließt, das sich auf roten Grund befand.[16] Weitere grüne Farbspuren stellte er am Gürtel in Form von drei Streifen fest, neben dessen Ende sich je ein grüner breiter Streifen befand, der mit marmornen Kreisflächen verziert war, die sich jedoch nicht immer auf gleicher Höhe befanden.[17] Auch von dem Streumuster auf dem Obergewand waren noch grüne Spuren der Sterne erhalten.[18]

Heute sind kaum noch Farbspuren mit dem bloßen Auge zu erkennen, aber mit neuen Untersuchungsmethoden ist es möglich die Farbigkeit der Kore in Teilen nachzuvollziehen.

5. Die Rekonstruktionen

5.1. Die Rekonstruktion der Gillierons

Die erste Farbrekonstruktion der Peploskore entstand in den Jahren von 1911 bis 1924.[19] In der Werkstatt der Gillierons versuchte man die Zeichnungen von Emile Gillieron auf einen Abguss der Kore zu übertragen.[20] So wurden Haare, Augen und Lippen in einem rotbraunen Farbton wiedergegeben. Der Chiton wird am Halsausschnitt durch grüne Farbelemente gekennzeichnet, die auch auf den Zeichnungen von Gillieron dargestellt sind. Des Weiteren wurden von der Zeichnungen die Ornamentik des Überwurfes übernommen.[21] Auch bei der Farbgebung der Ornamentik richtet man sich genau an die Vorlagen. So ist der laufende Hund der Doppelborde in grün wiedergegeben und das Palmettenband der unteren Borde marmorfarben auf rotem Grund mit grünen Akzenten. Weiterhin zeichnete man den Gürtel mit seinen drei grünen Streifen und die vertikale, grüne Borde mit Rosetten nach. Auch auf die Quadrate der mittleren Borde des Untergewandes, die in den Zeichnungen von Gillieron dargestellt sind[22], ging man ein, in dem man die Quadrate auf dem Abguss andeutete. Bei der farblichen Rekonstruktion verzichtete man auf intensive Farben und konzentrierte sich auf die Ornamentik, die in den Zeichnungen von Emile Gillieron abgebildet wurden. Aber auch hier unterliefen den Restauratoren Fehler, den die Borde des Untergewandes wurde bei der Rekonstruktion durchgehend gezeichnet, dies bildete Gillieron nicht ab, da dieser Bereich schon zu stark verwittert war. Genauso wurde das Streumuster aus kleinen Sternen, das auf den Zeichnungen vorhanden sind, weggelassen. Trotz einiger Fehler zeigt die Rekonstruktion der Peploskore die vorgefundenen Farbspuren bei der Entdeckung der Kore.

[...]


[1] A. Prater, Streit um Farbe (2003) 257

[2] A. Prater (20(ß) 256

[3] Mit der Entdeckung eines dorischen Tempelchen in Selinunt versuchte Hittorff, anhand der am Wandputz gefunden Farbspuren, eine systematische Darstellung der antiken Farbigkeit zu erstellen. [A. Prater (2003) 264J

[4] siehe 5.3.1.

[5] G.M.A. Richter, Korai (1968) 72

[6] Die Hand des rechten Armes ballt die Kore zu einer Faust, in deren Mitte sich ein Loch befindet, das darauf schließen lässt, dass die Kore in dieser Hand einen Gegenstand gehalten hat.

[7] Die Bewegung des linken Unterarms in den Raum wurde, nach dem verlauf des Oberarmes, rekonstruiert.

[8] Vgl. W. Fuchs, Die Skulptur der Griechen (1969) 166 u. W. Martini, Die archaische Plastik der Griechen (1990) 151 )

[9] Das Ependytes ist ein Futteralgewand, welches die Griechen aus dem asiatischen Raum übernommen haben. Hier galt es aIs Zeichen des Herrschers. In Griechenland wurde es genutzt, um die Vorrangstellung der örtlichen Hauptgotheiten und Priester zu verdeutlichen. So auch bei der Artemis in Ephesos, der Aphrodite in Aphrodisia und der Hera auf Samos. [V. Brinkmann2, Bunte Götter (2003) 56]

[10] Stilistische Ähnlichkeiten der beiden Koren zeigen sich besonders in den einfachen Gewändern, die beide nur flach ausgearbeitet Falten besitzen. Auch in der bewegungslosen Körperhaltung der beiden Statuen sind Ähnlichkeiten zu erkennen, beide Koren halten ihren linken, ausgestreckten Arm anliegen am Gewand und den linken Arm angewinkelt.

[11] H. Schrader (1939) 46

[12] Als Vergleich zieht Schrader den Kopf Akr. Mus. 654, die Diskophorenstele Nat. Mus 38 (heide um 564 v.Chr. datiert) und den Löwenkopf Akr. Mus. 69 (um 520 v.Chr. datiert) heran. Auch der Reiter Rampin [Martini (1990) 62 Abb. 17] zählt zu seinen Werken, er und die Peploskore zeigen starke Ähnlichkeiten der Ausarbeitung des Gesichtes. So sind nicht nur die Augenpartien beider Plastiken sehr ähnlich, sondern auch der Übergang von der Nase zu den Augenbrauen und dann zu den Wangen.

[13] H. Schrader (1939) 46

[14] H. Schrader (1939) 46

[15] H. Schrader (1939) 46

[16] H. Schrader (1939) 46

[17] H. Schrader (1939) 47

[18] Die gleichen Farbspuren sieht auch Langlotz. Er fügte noch eine schwarze Bemalung der Pupille, der Augenbrauen und Wimpern hinzu, wobei sich nicht mehr nachvollziehen lässt, wie weit er dies wirklich gesehen hat. [Langlotz­-Schuchhardt, archaische Plastik auf der Akropolis (1943)]

[19] Aufgrund einer Bestellung von Gisela Richter gingen 1924 einige kolorierte Abgüsse nach New York, darunter auch die Peploskore. Da ihre farbliche Gestaltung bei der Farbkonsistenz und den Farbtönen sich von der Chioskore und Sphinxaugenkore unterscheidet, könnte die Peploskore zu einem früheren Zeitpunkt entstanden sein. [I. Kader, "Täuschende Spielereien" (2003) 251]

[20] I. Kader (2003) 255 Abb. 419

[21] V. Brinkmann² (2003) 54 Abb. 71

[22] V. Brinkmann² (2003) 54 Abb. 69

Ende der Leseprobe aus 16 Seiten

Details

Titel
Die Peploskore von der Athener Akropolis. Versuch einer farblichen Rekonstruktion
Note
2,7
Autor
Jahr
2004
Seiten
16
Katalognummer
V136059
ISBN (eBook)
9783668355286
ISBN (Buch)
9783668355293
Dateigröße
538 KB
Sprache
Deutsch
Schlagworte
peploskore, athener, akropolis, versuch, rekonstruktion
Arbeit zitieren
M.A. Kristin Müller-Wenzel (Autor), 2004, Die Peploskore von der Athener Akropolis. Versuch einer farblichen Rekonstruktion, München, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/136059

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