In der theoretischen Arbeit werden mögliche Ursachen bezüglich der Personen, Gruppen und der Institution Schule herangeführt, indem sie zugleich als Unterstützer des Lernprozesses verstanden werden, die miteinander agierend handeln und somit gegen Lernschwierigkeiten gemeinsam auftreten sollen. Daher werden ebenfalls Herangehensweisen dargestellt, die jede der Bezugspersonen des lernenden Individuums heranziehen können. Wie können Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten im schulischen Zusammenhang gefördert werden? Das ist die Leitfrage, die der vorliegenden theoretischen Arbeit zugrunde liegt. Ziel der Arbeit ist es, Wege zu finden, um nicht nur Schüler*innen mit Lernschwierigkeiten ein Wegweiser zu sein und interventive Maßnahmen zu ergreifen, sondern auch präventiv mit diesem Thema umzugehen, sodass erst Lernschwierigkeiten nicht auftauchen können. Diese Arbeit stellt jedoch nicht nur eine Hilfe für Lehrkräfte dar, die mit Lernschwierigkeiten von Schüler*innen konfrontiert sind, sondern beinhaltet ebenfalls Ansätze für Eltern, Peers und Schule.
Dass in der Schule gelernt wird oder gelernt werden sollte, gehört zu den Grundannahmen unserer Gesellschaft und wird nicht infrage gestellt. Die Schule sei schließlich dazu da, um zu lehren und lernen zu lassen. Jedoch machen wir uns wenig Gedanken darüber, was passieren würde, wenn beim Lernen Schwierigkeiten aufkommen. Wer sollte sich dabei angesprochen fühlen? Wer sollte handeln? Wer ist der*die Verantwortliche? Ist es der*die Lernende selbst oder liegt die Ursache bei der Schule, den Freunden, den Mitschüler*innen der betroffenen Person oder sogar bei den Eltern? Möglicherweise schildert genau diese Herangehensweise das Problem: Nämlich, dass eine Schuldzuweisung stattfindet, um möglichst wenig Verantwortung übernehmen zu müssen. Dies ist jedoch kontraproduktiv, da jede Person, Gruppe und die Institution Schule eine bedeutsame Rolle im Leben eines Lernenden darstellt und diese Aspekte miteinander verflochten sind. Demnach sind bei dem Lernprozess nicht nur die Lehrkräfte und die Schüler*innen involviert, sondern auch die Personen im Leben des lernenden Individuums.
Inhaltsverzeichnis
1. Eine Einleitung: Lernschwierigkeiten in der Schule
2. Ausgewählte Lerntheorien
2.1. Lernen als Konditionierung
2.2. Lernen als Kognition
2.3. Lernen als Konstrukt
3. Das Phänomen Lernen
4. Bedingungen des Lernens
4.1. Ursprüngliches Verhalten des lernenden Individuums
4.1.1. Begabung
4.1.2. Lese-Rechtschreibschwäche
4.2. Transfer
4.3. Motivation
4.4. Lernsituation
5. Lernschwierigkeiten im Kontext der Schule und ihre Ursachen
5.1. Ursachen, die den Lernenden selbst betreffen
5.2. Ursachen, die das soziale Umfeld betreffen
5.3. Die Institution Schule als Ursache
6. Formen der Prävention und Intervention im Umgang mit Lernschwierigkeiten in der Schule
6.1. Differenzierung im Unterricht
6.2. Kooperatives Lernen
6.3. Selbstgesteuertes Lernen
6.4. Kollegiale Fachberatung für Lehrkräfte als Interventionsmöglichkeit
7. Ausblick in Lernschwierigkeiten als pädagogische Herausforderung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Diese Arbeit widmet sich der Identifikation und Bewältigung von Lernschwierigkeiten im schulischen Kontext, mit dem Ziel, sowohl Lehrkräfte als auch Eltern und pädagogische Fachkräfte für ein effektives, präventives und unterstützendes Handeln zu sensibilisieren und ihnen praxisnahe Handlungsansätze aufzuzeigen.
- Phänomenologische Betrachtung des Lernbegriffs und der verschiedenen lerntheoretischen Perspektiven.
- Analyse individueller und umweltbedingter Ursachenfaktoren für schulische Lernschwierigkeiten.
- Erarbeitung von Präventions- und Interventionsmethoden wie Differenzierung, Kooperatives und Selbstgesteuertes Lernen.
- Bedeutung der sozialen Bezugssysteme (Familie, Peer-Group, Schulklima) für den erfolgreichen Lernprozess.
- Etablierung kollegialer Fachberatung als Interventionsmöglichkeit zur Professionalisierung von Lehrkräften.
Auszug aus dem Buch
4.1.2. Lese-Rechtschreibschwäche
Die Lese-Rechtschreibschwäche stellt einen weiteren Aspekt des ursprünglichen Verhaltens der lernenden Person dar. Eine solche Lernschwäche bringt der*die Schüler*in zum Unterricht somit in die Schule mit. Der passende und professionelle Umgang mit einer Lese-Rechtschreibschwäche drückt demnach eine hohe Priorität aus. Dass sich dieser Aspekt von allgemeinen Lernschwierigkeiten entscheidet und diesem ebenfalls Beachtung geschenkt werden sollte, wird nachfolgend beschrieben.
Lese-Rechtschreibschwäche ist in dieser Arbeit der Kategorie des ursprünglichen Verhaltens der lernenden Person untergeordnet, da eine Lese-Rechtschreibschwäche in der Literatur zumeist als eine Lernschwierigkeit eingestuft und nicht getrennt voneinander definiert wird. In diesem Kapitel wird dieses Argument jedoch durch die Aussage entkräftet, dass es sich bei einer Lese-Rechtschreibschwäche um eine spezifische Art einer Lernbeeinträchtigung handelt. Hierzu wird der Unterschied zwischen einer Lernschwäche und Lernschwierigkeit verdeutlicht.
Es sind sowohl in der wissenschaftlichen Literatur als auch in der pädagogischen und psychologischen Praxis unterschiedliche Bezeichnungen für die Probleme beim Schriftspracherwerb vorhanden: Legasthenie, Lese-Rechtschreibstörung, Lese-Rechtschreibschwäche, Lese-Rechtschreibschwierigkeit etc. In der vorliegenden Arbeit wird bewusst nicht die Bezeichnung der Lese-Rechtschreibschwierigkeit verwendet, da hier die Meinung vertreten ist, dass diese einen höheren Schweregrad einer Lernbeeinträchtigung, demnach eine Schwäche, darstellt. Diese wird auch in der Literatur als eine: „[…] isolierte Beeinträchtigung der Lesefähigkeit, die trotz angemessener Unterrichtung, ausreichender kognitiver Fähigkeiten und unter Ausschluss einer Hör- und Sehbeeinträchtigung auftritt […]“, beschrieben. Die Lese-Rechtschreibschwäche meint somit eine spezifische Lernbeeinträchtigung und ein partielles Lernproblem, das sich lediglich auf das Lesen und/oder Rechtschreiben bezieht. Dahingegen sind mit Lernschwierigkeiten die Schwierigkeiten gemeint, die allgemein in allen oder in mehreren Lernbereichen auftreten. Infolgedessen stellt die Lese-Rechtschreibschwäche keine Lernschwierigkeit, sondern eine Lernschwäche dar.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Eine Einleitung: Lernschwierigkeiten in der Schule: Einleitung in die Thematik der Lernschwierigkeiten als pädagogische Herausforderung und Definition der Leitfrage dieser Arbeit.
2. Ausgewählte Lerntheorien: Systematisierung des Lernphänomens durch die Theorien der Konditionierung, Kognition und Konstruktion, um ein Fundament für das Verständnis schulischer Lernprozesse zu bilden.
3. Das Phänomen Lernen: Definition und pädagogische Einordnung des Lernbegriffs, einschließlich seiner Dimensionen von Wissen, Können, Leben und Lernen-Lernen.
4. Bedingungen des Lernens: Untersuchung elementarer Einflussfaktoren auf den Lernprozess, namentlich Vorwissen, Begabung, Lese-Rechtschreibschwäche, Transferleistung, Motivation und die Lernsituation.
5. Lernschwierigkeiten im Kontext der Schule und ihre Ursachen: Differenzierte Analyse der Ursachen von Lernschwierigkeiten durch Betrachtung des Individuums, des sozialen Umfeldes und der Institution Schule.
6. Formen der Prävention und Intervention im Umgang mit Lernschwierigkeiten in der Schule: Vorstellung konkreter pädagogischer Konzepte wie Unterrichtsdifferenzierung, Kooperatives Lernen, Selbstgesteuertes Lernen sowie Kollegiale Fachberatung zur professionellen Unterstützung.
7. Ausblick in Lernschwierigkeiten als pädagogische Herausforderung: Resümee und kritische Reflexion über die Notwendigkeit einer positiven Fehlerkultur und interdisziplinärer Zusammenarbeit zur nachhaltigen Verbesserung der Lernbedingungen.
Schlüsselwörter
Lernschwierigkeiten, Pädagogik, Lerntheorien, Schule, Lernmotivation, Lehrer-Schüler-Beziehung, Differenzierung, Kooperatives Lernen, Selbstgesteuertes Lernen, Lese-Rechtschreibschwäche, Lernumgebung, Lernbeeinträchtigung, soziale Interaktion, Lehrkompetenz, Schulklima.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht Lernschwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern im schulischen Kontext und betrachtet diese explizit als pädagogische Herausforderung, der mit gezielten präventiven und interventiven Maßnahmen begegnet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Thematisiert werden lerntheoretische Grundlagen, die verschiedenen Bedingungen des Lernerfolgs, die Ursachen für Lernschwierigkeiten sowie konkrete methodische Vorgehensweisen im Unterricht.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es, pädagogischen Fachkräften Wege aufzuzeigen, wie sie bei Lernschwierigkeiten unterstützen, Schülerinnen und Schüler individuell fördern und eine lernförderliche Atmosphäre schaffen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Aufarbeitung aktueller pädagogischer und psychologischer Literatur und nutzt theoretische Zugänge zum Lernen, um Interventionsmöglichkeiten abzuleiten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden neben den theoretischen Lerntheorien die konkreten Bedingungen des Lernens im schulischen Alltag, Ursachen für Lernschwierigkeiten sowie verschiedene Unterrichtsformen wie Differenzierung und Kooperatives Lernen analysiert.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist zentral durch Begriffe wie Lernschwierigkeiten, Differenzierung, Motivation, Kooperatives Lernen und Lernumgebung charakterisiert.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Lernschwäche und Lernschwierigkeit wichtig?
Die Differenzierung ist essentiell, da eine Lese-Rechtschreibschwäche ein spezifisches partielles Lernproblem darstellt, während Lernschwierigkeiten allgemeinere Leistungsdefizite beschreiben, die unterschiedliche Förderstrategien erfordern.
Welche Rolle spielt die kollegiale Fachberatung für Lehrkräfte?
Sie dient als Interventionsmöglichkeit zur Professionalisierung. Durch den Austausch im Fachkollegium können Lehrkräfte gemeinsam an Lösungen für berufliche Praxisprobleme arbeiten und ihre Unterrichtsqualität reflektiert steigern.
Wie beeinflusst die Peer-Group das Lernen?
Peers fungieren als soziale Bezugsgruppe. Sie können einerseits durch Konkurrenz oder Ausgrenzung Lernschwierigkeiten begünstigen, andererseits aber auch als stützendes Netz dienen, das den Wissens- und Kompetenzerwerb positiv beeinflusst.
Warum ist eine positive Fehlerkultur so entscheidend?
Fehler sind in der Schule vorprogrammiert. Eine positive Fehlerkultur nimmt den Druck von den Lernenden, fördert die Motivation und ermöglicht es, dass Fehler als wertvolle Lerngelegenheiten anstatt als persönliches Versagen wahrgenommen werden.
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- Ayse Batra (Autor), 2020, Lernschwierigkeiten als pädagogische Herausforderung in der Institution Schule, Múnich, GRIN Verlag, https://www.grin.com/document/1360840